Kurven und Kanten
Die rote Sonja, letztlich in dieser Form eine Roy-Thomas-Eigenkreation, ist eine hyrkanische Kämpferin im Kettenbikini. Diese Tatsache setzt auch den Standard für diese Reihe (in diesem Band ist Marvel Feature 1-7 gesammelt, also noch nicht die eigentliche "Red Sonja"-Reihe); viel tiefsinniges darf man nicht erwarten, schön zu betrachten ist das aber schon. Etwas dezenter kommt die 70er-Jahre-Red Sonja aber dann doch daher als die nur aus Oberweite bestehende spätere Frank-Cho-Variante.
Besonders hervorheben möchte ich die erste Geschichte, gezeichnet von Esteban Maroto. Sehr elegante Zeichnungen, und dynamisch dadurch, dass er sich nur selten an eine strenge Panel- für Panelfolge hält. Der Rest ist von Frank Thorne - er gibt dem Comic eine eigene Note, die die Reihe bis zu ihrem (frühen) Ende beibehält.
Leser, die mehr über Howards Hyboria erfahren wollen, sind hier fehl am Platz - Red Sonja spielt nur an Orten, die genauso heißen wie die entsprechenden Orte in Hyboria, ansonsten ist die Atmosphäre völlig unterschiedlich und sollte auch so gelesen werden. Auch wenn Conan auftritt, das hier ist eine andere Welt; je weiter die Reihe voranschreitet, desto deutlicher wird das. Dies ist vor allem dem Autor der Geschichten, Bruce Jones, zu verdanken, der sich schon immer einen Dreck um Originalmaterial geschert hat (siehe seinen Hulk-Run). Trotz dieses Mankos gefallen mir seine Geschichten; sie sind weniger spektakulär, dafür aber sehr erdig und zeigen Sonja als Wanderer in interessanten Situationen.
Bindung und Papier sind makellos - die Neukolorierung dagegen ist, bis auf die oben angesprochene Maroto-Geschichte, nicht so wirklich gelungen. Noch nicht so schlimm wie in Band 2 dieser Sammelreihe, es deutet sich aber schon an.
Insgesamt also eine sowieso schon eher etwas durchschnittliche Fantasykost, die durch die Neubearbeitung noch verschlechtert wurde.