Psira . Eine Reise und ein Neuanfang
"An Leith war normalerweise nichts leise oder ruhig. Er war eine Explosion in jedem Moment seines Lebens. Er war eine Explosion. Ich war der Tod."
Viel ist bereits geschehen, seit Reynas Geschichte in Pharos beginnt. Sie hat Freunde verloren und Leid durch eben die Menschen erfahren, die sie eigentlich vor all dem bewahren sollten. Jeder Rückschlag in ihrem Leben lässt sie zunächst verzweifeln, doch bisher schaffte sie es immer wieder, sich erneut aufzurappeln.
Die unglaubliche Stärke, die Reyna während der Bücher gewonnen hat, zeigt sich wie gewohnt auch zu Beginn Psiras, bis etwas geschieht, was sie vielleicht tiefer trifft als alles vorherige.
Dieses Geschehnis bringt sie dazu, endlich Fuß in der neuen Welt zu fassen ' nur vielleicht anders als die Pharos und auch sie selbst es sich erhofften. Sie beginnt, sich mit den neuen Verhältnissen zu arrangieren, um die zu retten, die sie liebt und endlich beginnt sie, richtig und erfolgsversprechend zu kämpfen, sich den hohen Tieren der Pharos zu widersetzen und von ihnen zu fordern, ohne sich unterdrücken zu lassen.
Reyna ist aufgewacht und hat ihren eigenen Weg gefunden, der vorher immer auch von anderen mitbestimmt wurde. Felicity, die zwar nicht mehr die Präsenz wie zu Anfang besitzt, aber Reyna noch immer in ihren Gedanken begleitet, ist nicht mehr das Entscheidungskriterium Nummer Eins. Reyna erkennt nun, was ihr selbst wichtig ist und trifft charakterstarke Entscheidungen, di e sie mir so sympathisch machen wie nie vorher.
Im Lauf des Buches begegnet sie erneut so viele neue Persönlichkeiten, die nicht immer so schwarzseelig sind wie Raoul oder so hell und gut wie Felicity. Es sind wirklich gut gezeichnete Charaktere, die obwohl sie nur episodenweise auftreten, zum Teil sogar besser ausgearbeitet sind als so manch anderer blasser Hauptcharakter in vergleichbaren Romanen.
Die Freundschaft zu Nic und Anna, die zwar nicht zentrales Thema des Romans ist, wird immer intensiver und zeigt, dass Reyna nicht im Mindesten verlernt hat, den Richtigen ihr Vertrauen zu schenken, selbst wenn die Welt so dunkel erscheinen mag.
Es gibt vieles, das Reyna misstrauisch, ängstlich und wütend werden lässt, doch es bleibt ihr immer ein gewisses Licht, Hoffnung und Liebe, die sie zu einem unglaublich starken und guten Charakter festigt, auch wenn sie selbst es oft anders sieht und sie ' wie der Klappentext ankündigt ' ein ums andere Mal die Grenzen ihrer eigenen Moral überschreiten muss.
Der wohl spannendste Charakter ist ohne Zweifel Leith. Unfassbar, wie dieser zunächst so unsympathische, skrupellose Gestaltwandler, der nicht zurückschreckte selbst Reyna zu verletzen, zu einem solch wichtigen Bestandteil der Reihe werden konnte. Immer wenn er auftaucht, ist eine Überraschung garantiert und sein Name zaubert mir stets ein Lächeln ins Gesicht, weil er immer für ein wirklich schönes, witziges oder spannendes Leseerlebnis steht. Auch wenn seine Kommentare oft zu beschmunzeln sind und er für mich zum heimlichen Liebling geworden ist, wird jedoch aber nicht vernachlässigt, eben auch seine schlechten Seiten durchaus beizubehalten und zu vertiefen. Seine Entwicklung ist nicht unglaubwürdig, ebenso wenig wie seine Läuterung, die wenn überhaupt (darüber kann man sich sicher streiten) nur stufenweise voranschreitet.
Psira leitet eine Art Neuanfang ein. Eine Reise, auf die Reyna sich begibt, um sich selbst zu retten, als alles hoffnungslos scheint. Diese Reise entfernt sie ein wenig von all dem Guten, das sie in der Welt der Pharos erfahren hat, ihren Freunden, aber ebenso von dem Grauen. Sie beginnt, ihre Ansichten über Pharos und Sykia zu überdenken und ich hoffe, sie wird diese Ansichten weitertragen, um etwas in der starren Welt der Unwandelbaren zu verändern. Wer sonst, als jemand, der Pharos und Hydra zu gleichen Teilen ist, sollte das auch sonst bewerkstelligen?
Die Reise bringt ihr nicht nur neue Stärke und neuen Mut, sie bringt auch ein paar Momente für das romantische Herz. Etwas, das in Pharos noch nicht abzusehen war, aber sich dennoch einfach wundervoll schön entwickelt und gestaltet hat.
Psira ist der beste Band der Reihe, das kann ich so frei heraus behaupten. Laura Labas schafft es, sich stetig zu verbessern und zu steigern, was auf Großes im Folgeband hoffen lässt. Die Ereignisse werden ernster und dramatischer, die Probleme unlösbarer, die Beziehungen enger.
Man kommt als Leser kaum dazu, Luft zu holen, so spannend bleibt der Roman, selbst wenn nicht wirklich viel zu geschehen scheint. Alle Gefühlslagen werden hier angesprochen und zufrieden gestellt. Psira ist der perfekte Mix aus Spannung und Gefühl.
Den fünften und letzten Band kann ich kaum mehr erwarten.