"Das Blut der Rebellin" war mein erstes Buch von Sabrina Qunaj. Leider, muss ich sagen, denn bislang ist mir diese Autorin komplett entgangen. Vielleicht liegt das daran, dass ich bei historischen Romanen immer ein wenig zu vorsichtig bin - weder mag ich historische Schmöker, in denen nicht allzu viel Authentisches zu finden ist, noch interessiert mich jede Zeit und/ oder Region...
Die Geschichte dieses Buches spielt im 12. Jahrhundert in Wales, zu einer Zeit, in der sich viele Waliser den Eroberern widersetzen, während in deren Land ein Bürgerkrieg herrscht. Die junge Isabel, die dem mächtigen Geraldine-Geschlecht angehört, soll aus politischen Gründen mit dem Sheriff von Pembroke verheiratet werden. Isabel ist klug und tapfer und stellt sich ihrer Aufgabe, indem sie auf der Burg ihres zukünftigen Ehemannes die Einweisungen in die Gepflogenheiten einer Ehefrau über sich ergehen lässt, doch schon sehr bald merkt sie, aus welchem Holz der Sheriff von Pembroke geschnitzt ist. Das Mädchen, in dessen Adern sowohl adeliges walisisches als auch normannisches Blut fließt, muss sich schon bald entscheiden, für welche Sache nun ihr Herz schlagen soll. Als kurz vor der Hochzeit Rebellen die Burg angreifen, packt Isabel die Gelegenheit beim Schopfe und flieht. Doch sie hat die Rechnung ohne ihren Fast-Ehemann gemacht. Auch nachdem einige Zeit ins Land gegangen ist, will dieser sie nicht aufgeben und schickt Ralph le Walleys auf die Suche nach ihr - ausgerechnet Ralph...
Sabrina Qunaj hat einen historischen Roman geschrieben, der mich auf ganzer Linie überzeugt hat: er ist spannend, beruht auf historischen Fakten und hat wunderbar herausgearbeitete Figuren. Zugegeben, ich kenne mich mit der walisischen Geschichte nicht und mit den englischen Königen auch nur sehr rudimentär aus. Aber ich wurde durch die Lektüre auf die ein oder andere Sache aufmerksam, habe ein bisschen recherchiert und gelesen und kann im Anschluss nur sagen, dass die Autorin hier wirklich exzellente Arbeit geleistet hat. Und das ohne auch nur einen Hauch Langeweile zu verbreiten! Ja, am Anfang musste ich hin und wieder auf den Stammbaum zu Beginn des Buches linsen - einfach, um die Verquickungen zu verstehen und mich auch an so manchen verhältnismäßig ungewohnten Namen zu erinnern. Aber dafür ist die Geschichte intelligent, packend und ich hatte wirklich das Gefühl, in die damalige Zeit abzutauchen. Geschichte ist meist wahnsinnig spannend und erklärt uns viel von dem, was wir heute sind und warum. Wenn ich dann auch noch erfahre, warum Menschen zu bestimmten Handlungen gezwungen wurden, wie sie für sich und ihre Rechte eingesetzt und für Freiheit gekämpft haben, dann finde ich das auch heute noch bemerkenswert. Das große Thema ist hier natürlich der walisisches Freiheitskampf, aber ich kann nicht sagen, dass eine Seite in den Himmel gelobt wird. Grausamkeiten und Heldenmut gibt es auf beiden Seiten, ebenso wie Gut und Böse. Und so muss sich die Hauptfigur Isabel nicht nur einmal entscheiden, wohin sie gehört und wer sie sein möchte. Sie muss begreifen, dass Tapferkeit nicht alleine zählt und dass jeder seinen Preis für den Krieg und all die Toten bezahlen muss.
Wer "Die Tochter des letzten Königs" gelesen hat, kennt eine Handvoll Leute, die auch in diesem Buch eine Rolle spielen. Allen voran natürlich Nesta ferch Rhys, Isabels Großmutter. Eine bemerkenswerte Frau, die hier nur eine Nebenrolle spielt, mir aber sehr viel Lust gemacht hat, den vorherigen Roman der Autorin ebenfalls noch zu lesen. Denn auch wenn es theoretisch so etwas wie der Vorgänger ist, sind die Romane abgeschlossen und können somit für sich selbst gelesen werden - die Klammer sind die Geraldines und eben die walisische Geschichte.
Kurzum: ein toll erzählter, sehr spannender historischer Roman, der mir den walisischen Freiheitskampf näher gebracht hat und der mich vor allem mit seinen vielschichtigen Figuren überzeugt hat. So geht für mich dieses Genre - fernab von all dem wenig bis gar nicht authentischen Kitsch, den man leider zu häufig in den entsprechenden Regalen der Bichhandlungen findet! Die Autorin Sabrina Qunaj ist mit diesem Roman auf meine immerwährende Wunschliste gehüpft.
Klare Leseempfehlung!