Interesting short stories about the fall of a bourgeois family after the first world war in Weimar Germany. In these times of large money largesse from the central bank, and of Germany's final surrender of monetary orthodoxy to the "Next Generation EU recovery instrument", it fills one with a melancholic mood to read of the hyperinflation that once gave birth to it.
"Das duzt sich allgemein und geht miteinander
um, wie es den Alten ganz fremd ist : von Züchtigkeit,
Galanterie und Salon ist wenig zu spüren."
"Der eine
ist Herzl; Cornelius kennt und begrüßt ihn. Der
andere heißt Möller — ein Wandervogel typ, der
bürgerliche Festkleider offenbar weder besitzt noch
besitzen will (im Grunde gibt es das gar nicht
mehr), 98 ein junger Mensch, der fern davon ist, den
»Herrn« zu spielen (das gibt es im Grunde auch
nicht mehr) — in gegürteter Bluse und kurzer Hose,
mit einer dicken Haartolle, langem Hals und einer
Hornbrille."
"Nach einer halben Stunde fällt ihm ein, daß es
nicht mehr als freundlich von ihm wäre, mit einer
Schachtel Zigaretten zu der Lustbarkeit beizu-
tragen. Es geht nicht an, findet er, daß die jungen
Leute ihre eigenen Zigaretten rauchen — obgleich sie
selbst sich wohl nicht viel dabei denken würden.
Und er geht ins leere Eßzimmer und nimmt aus dem
Wandschränkchen eine Schachtel von seinem Vor-
rat, nicht gerade die besten, oder doch nicht gerade
die, die er selber am liebsten raucht, ein etwas zu
langes und dünnes Format, das er nicht ungern los
wird bei dieser Gelegenheit, denn schließlich sind es
ja junge Leute. Er geht damit auf die Diele, hebt
lächelnd die Schachtel hoch und stellt sie offen auf
die Kaminplatte, um sich sogleich und nur unter
leichter Umschau wieder gegen sein Zimmer zu
wenden.
Eben ist Tanzpause, der Musikapparat schweigt.
Man steht und sitzt an den Rändern der Diele
plaudernd umher, an dem Mappentisch vor den
Fenstern, auf den Stühlen vor dem Kamin. Auch
auf den Stufen der eingebauten Treppe, ihrem reich-
lich schadhaften Plüschläufer sitzt junge Welt
amphitheatralisch"
"Einige stehen,
aber viele, auch junge Damen, sitzen einfach am
Boden, auf dem Teppich, die Knie mit den Armen
umschlungen oder auch die Beine vor sich gestreckt.
Hergesell zum Beispiel, wiewohl im Smoking,
sitzt so an der Erde, zu Füßen des Flügels, und neben
ihm die Plaichinger."
"Fräulein Walburga, die ältere der
deklassierten Schwestern und der kochende Teil (um
sie nicht geradezu als Köchin zu bezeichnen, da
sie es nicht gerne hört), schaut mit braunen Au-
gen durch ihre dick geschliffene Rundbrille, deren
Nasenbügel, damit er nicht drücke, mit einem
Leinenläppchen umwunden ist — ein gutmütig-hu-
moristischer Typ, während Fräulein Cäcilia, die
jüngere, wenn auch nicht eben junge, wie stets eine
äußerst süffisante Miene zur Schau trägt — in Wah-
rung ihrer Würde als ehemalige Angehörige des
dritten Standes. Sehr bitter leidet Fräulein Cäcilia
unter ihrem Sturz aus der kleinbürgerlichen Sphäre
in die Dienstbotenregion. Sie lehnt es strikte ab,
ein Mützchen oder sonst irgendein Abzeichen des
Zimmermädchenberufs zu tragen, und ihre schwerste
Stunde kommt regelmäßig am Mittwochabend, wenn
Xaver Ausgang hat und sie servieren muß. Sie
serviert mit abgewandtem Gesicht und gerümpfter
Nase, eine gefallene Königin; es ist eine Qual und
tiefe Bedrückung, ihre Erniedrigung mit anzusehen,
und die »Kleinen«, als sie einmal zufällig am Abend-
essen teilnahmen, haben bei ihrem Anblick alle beide
und genau gleichzeitig laut zu weinen begonnen. "
"Hie und da
tanzen zwei junge Mädchen zusammen, zuweilen
sogar zwei junge Männer; es ist ihnen alles einerlei.
Sie gehen so zu den exotischen Klängen des Gram-
mophons, das mit robusten Nadeln bedient wird,
damit es laut klingt, und seine Shimmys, Foxtrotts
und Onesteps erschallen läßt, diese Double Fox,
Afrikanischen Shimmys, Java dances und Polka
Creolas — wildes, parfümiertes Zeug, teils schmach-
tend, teils exerzierend, von fremdem Rhythmus, ein
monotones, mit orchestralem Zierat, Schlagzeug,
Geklimper und Schnalzen aufgeputztes Neger-
Amüsement. "