Irgendwie hatte ich hohe Erwartungen an dieses Buch. Es sieht super aus, wurde nicht schlecht, aber auch nicht übermäßig beworben und die Autorin hat jetzt auch keine schlechten Wertungen bei ihren anderen Büchern. Leider war das irgendwie enttäuschend und damit meine ich, dass das Buch in etwa so chaotisch war wie der Hauptcharakter, soll heißen: ein bisschen zu sehr, als dass es angenehm gewesen wäre. Ich hätte so gerne mehr Sterne gegeben, ich hätte auch einfach gerne ein cozy und witziges Buch gelesen, aber je weiter ich kam, umso mehr hat mich einfach gestört.
Ich fange mit dem Positiven an
+ Die Idee einer Rom-Com hat mir sehr gut gefallen, und Inhalt und Aufbau haben mich etwa an Simsalabim Sabrina erinnert.
+ Das Buch ist in Episoden und Countdowns (36h bis zum Desaster) eingeteilt und diese sind auch wirklich nett illustriert, und gut aufgeteilt
+ Es geht wirklich sehr schnell zu lesen. Man blinzelt und zack, sind 10, 20 Seiten um.
+ Man kann Kapitel 30 überspringen, wenn man keinen spice mag. Das finde ich wirklich toll, weil heutzutage gefühlt alles spice hat, und dieses Buch löst das Problem der beiden Lager an Leser:innne sehr gut.
+ Das Ende. Wenn das ganze Buch so geschrieben gewesen wäre, wie der Epilog, hätte ich es verschlungen...
Bei Orla, aber es hat mich wirklich viel gestört
- Etwa die ständige Verwendung von „bei Orla“ (wer ist das verdammt?), alternativ verwendet Ydril gerne „Hölle“ als Ausruf, aber nicht ganz so häufig, wie Dee Orla anfleht. Das passiert leider wirklich alle 2-3 Seiten (ungelogen ich hab drauf geachtet) und nervt massiv
- Worldbuilding war leider auch keines vorhanden. Wir werden mitten in die Geschichte, mitten in eine Welt geworfen, die wir nicht kennen. Das inkludiert die Geschichte der Welt (warum gibt es ein Friedensabkommen, wer war daran beteiligt? Gab es einen Krieg davor?), der Hauptfigur (Wie hat Cal sie bloßgestellt?) und die Ist-Situation (In welchem Land spielt das Buch? Welche Rassen gibt es?)
- Die Anziehung der beiden Hauptcharaktere war wirklich nervig und leider auch unglaubwürdig. Ständig stehen sie rum und denken darüber nach, wie heiß der andere nicht ist, aber es passiert nichts. Das wird auf Dauer sehr repetitiv. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass es auf einer rein körperlichen Ebene passiert und eigentlich keine echten Gefühle aufkommen zwischen den beiden. Mit wenigen Ausnahmen geht es nämlich nie darum, wie sich die beiden fühlen...
- Und ja, es gibt eine spicy Szene, aber 9/10 Seiten sind Vorspiel, und dann gibt es einen ganzen (!) Absatz lang Action, bevor ein Zeitsprung passiert und erzählt wird die zwei hätten halt jetzt voll viel Spaß gehabt. Ich mein ich brauch kein spice in einem Buch, aber das war antiklimatisch…
- Ydril im Allgemeinen wäre echt gerne böse, er sieht sich als böse, er tut wohl auch böse Dinge außerhalb des Buches, aber seit er aufgetaucht ist war er sehr nett, zuvorkommend und eigentlich auch nicht sehr morally grey, wenn man mich fragt. Ja, den Großteil der Zeit macht er anzügliche Kommentare, aber er rettet ihr das Leben, versucht mit ihrer Magie zu helfen und hilft ihr aus unangenehmen Situationen raus… wirklich böse…
- Das Buch hat mich sehr an Simsalabim Sabrina erinnert, aber leider auch dahingehend, dass es nicht so wirklich einen roten Faden gibt. Dee soll den Buchladen retten. Sie beschäftigt sich aber lieber mit Fake-Dating, Nicht-Fake-Dating, dem Anschmachten des Dämons und eigentlich so ziemlich allem, was eben eine nette Filler Folge wäre. Nebenbei erzählt sie uns wie gerne sie Monster Smut liest (no smut shaming, aber sie erwähnt es schon auffällig oft und es scheint generell alles zu sein, was die Bewohner der Stadt lesen wollen). Das wirkliche Problem, dass sie den Laden verliert geht sie erst 5 Tage vor Ablauf der Frist ernsthaft an…
- Die White Witch: Was ist das nun genau? Heißt der Zirkel so? Warum im Singular? Ist es eine Person? Ist es die Hexe, die den Zirkel gegründet hat? Wie funktioniert der Zirkel??
- Ist noch jemandem aufgefallen, dass die sehr häufig erwähnten Narben in Ydrils Gesicht nicht auf der Coverillustration zu sehen sind? Ich habe auch generell nicht raus, ob Dee nun curvy (wie auf dem Cover) sein soll, oder nicht, weil das nicht einmal angesprochen wird, außer, dass sie sich unwohl fühlt, weil Cal wohl was Blödes zu ihr gesagt hat. Das wird ein bisschen lächerlich, weil die Autorin selbst Illustratorin des Buches war.
- Die Schattenwesen sind zwar süß, aber mir waren sie zu viel. Sowohl ihre Anzahl, als auch, wie oft sie vorkommen.
- Ich bin irgendwie nicht wirklich rein gekommen ins Lesen. Ich habe sehr sehr selten das Problem, dass meine Gedanken komplett abschweifen, und ich einen Absatz nochmal lesen muss. Hier hatte ich das aber besonders in der ersten Hälfte teilweise alle paar Seiten. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber das Buch hat mich einfach nicht eingefangen.
- Wenn das Buch eine Parodie wäre, und nicht eine romantische Komödie, dann wäre ich sehr amüsiert von Ydrils „Job“. Er sammelt Seelen, und irgendwie hat das wohl mit dem Gleichgewicht der Welt zu tun, das ist erstmal auch okay. Aber es wird wie ein erzdeutscher Bürojob beschrieben. Als würde er am Schreibtisch sitzen und Seelen recherchieren… er schreibt nicht nur Emails mit seinen Seelenjäger-Dämonen-Kolleg:innen, er reicht verdammt nochmal Urlaub in der Hölle ein, weil er an Dee gebunden ist und nicht zur Arbeit kommen kann!
- Die Widmung war wirklich schön. Schade, dass erst auf Seite 292 erklärt wird, was ein Dornenrufer ist.
- Es mag an der Stelle einfach nicht mein Humor sein, dass sich 2 Kapitel mit Dees Periode beschäftigen, nur um darin zu gipfeln, dass der männliche Dämon ihr die Schmerzen nimmt und dann behauptet PMS zu haben. Ja, die Welt ist unfair, ja manches Mal wollen wir in diesen Tagen sterben, aber das war geschmacklos, auch wenn ich die Intention dahinter verstehe.
- In ähnlicher Manier habe ich das Gefühl, dass die Sexszene und das Kapitel davor Konsens „bewerben“ sollen. Als krasse Gegenposition zur aktuellen Dark Romance Welle fragt Ydril Dee etwa 5-6 Mal, ob das nun ihre explizite Zustimmung ist, und er sie vögeln darf. Bitte versteht das nicht falsch, Konsens ist absolut wichtig, aber 6 Mal Hin und Her und dann n Absatz Action is halt auch nicht gerade der Gipfel der Stimmung…
- Jetzt werde ich pingelig, denn auf Seite 104 und 263 ist ein wie/als Fehler. Wenn man ein Buch schreibt, sollte man schon wissen, wie man grammatikalisch korrekt einen Vergleich schreibt gleich groß WIE, größer ALS. Danke.
Dieses Werk ist ein gutes Beispiel dafür, dass die richtigen Zutaten nicht immer ein gutes Ergebnis erzielen. Eigentlich hat es alles was gerade beliebt ist, passt zur Jahreszeit, sieht toll aus, und hat auch wirklich witzige Passagen und Themen, die ich in anderen Büchern vermisse. Aber leider liest es sich einfach viel zu sehr wie eine Comic Serie für Kinder, ohne roten Faden, mit vielen Fillern und ohne echte Tiefe.
Es hat mich jetzt nicht wirklich aufgeregt es zu lesen, ich finde es auch nicht inhärent schlecht, und das Ende ist wirklich gelungen, aber ich hätte es auch nicht gebraucht. Ich hab es schon einer Freundin versprochen, und wenn ich mal zu wenig zu lesen habe (hahahaha), kann ich mir auch vorstellen, den zweiten Teil zu lesen, aber echtes Interesse hab ich daran jetzt nicht.