Friedrich Glausers (1896-1938) zweiter Kriminalroman -- der erste der berühmten Wachtmeister Studer Serie -- mit ebendiesem Titel (er erschien auch unter dem Titel "Stumpf Erwin Mord") wurde 1935 veröffentlicht und ist doch ziemlich anders als der vorangegangene. Ganz anders, aber wieder sehr schön zu lesen.
Offensichtlich hat sich Glauser die Kritik an seinem Erstlingswerk zu Herzen genommen. So steht hier die Ermittlung und logische Herleitung des Tathergangs und -motivs ganz zentral im Mittelpunkt wie bei jedem klassischen Krimi. Stilistisch ist auch ein großer Wandel hin zu kürzerer Sätzen, mehr Schweizer Ausdrücken und Phrasen und einem stark dialoggestützten Aufbau zu beobachten.
Die Figur des Wachtmeister Studer ähnelt dabei stark dem Kommissär Bärlach aus "Der Richter und sein Henker" und folgende bei Dürrenmatt bzw. umgekehrt, denn Studer betrat die Szene etwa 16 Jahre früher. Ein schlauer, eigensinniger, zumeist alleine operierender Berner Polizeibeamter, wenn auch hier niederen Dienstranges, geht der Sache sorgfältig auf den Grund, steht kurz vor der Pensionierung und ist schwer erkrankt. Dieses Rezept wird ja auch von den Skandinaviern gerne und mit viel Erfolg verwendet. Hier haben wir aber ein Buch vor uns, das 90 Jahre alt ist.
Studer ermittelt hier auf dem Lande im Bernischen (in einem fiktiven Ort) und der Fall entwickelt sich von bereits gelöst und gestanden über ganz anders bis ganz ganz anders, aber nicht zu verfolgen, hin und her in einem Milieu, in dem so ziemlich alle dem Opfer Nahestehenden Dreck am Stecken haben. Gut, dass Studer dem Drängen der Staatsanwaltschaft bzw. des Ermittlungsrichters, ein junger Schnösel ohne Erfahrung, den Fall abzuschließen, nicht nachgibt, weil er immer noch einige Puzzleteile findet, die nicht zum aktuellen Gesamtbild passen wollen.
Eine vergnügliche Lektüre, die von noch mehr Lokalkolorit profitiert hätte, dann aber für die deutschsprachige Allgemeinheit, die jetzt schon rätseln wird, was Anken oder gäbig bedeuten mögen, noch weniger zu verstehen gewesen wären. In den 30ern, als dieses Buch geschrieben wurde, hatten die Schweizer ja noch nicht den Pfad des linguistischen Isolationismus eingeschlagen. Auf zum zweiten Buch der Reihe!