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Die Rückeroberung

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Die Natur erobert die großen Städte zurück

»Eines Tages, als ich an meinem Schreibtisch saß und zum Fenster hinausschaute, sah ich, dass sich auf der Fernsehantenne des gegenüberliegenden Hauses ein Adler niedergelassen hatte. Ich muss dazu sagen, dass ich in Zürich wohne.« Wenig später finden Passanten auf einem belebten Platz ein mächtiges Hirschgeweih. Tage darauf trabt schon ein ganzes Rudel Hirsche durch die Stadt, und jemand ist sich ganz sicher, einen Wolf gesehen zu haben. Die Natur beginnt eine Stadt zurückzugewinnen und macht aus deren Bewohner staunende Zuschauer. Nicht nur in dieser, auch in den anderen acht Erzählungen dieses Bands bekommt die glatte Oberfläche des Alltags tiefe Risse …

Paperback

First published January 1, 1982

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About the author

Franz Hohler

130 books35 followers
Hohler wuchs in Olten auf und besuchte die Kantonsschule Aarau bis zur Matura 1963. Dann begann er das Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Zürich. Während des Studiums führte er sein erstes Soloprogramm pizzicato auf (1965). Dessen Erfolg ermutigte ihn, das Studium abzubrechen und sich ganz der Kunst zu widmen. Sein Werk umfasst unter anderem Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernseh-Produktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Romane.
Er arbeitete immer wieder mit anderen Künstlern zusammen, beispielsweise auf der Bühne und am Fernsehen mit dem Pantomimen René Quellet, mit Hanns Dieter Hüsch oder als Autor und Produzent für Emil Steinberger.
Charakteristisch für Hohlers Werk ist der Wechsel zwischen politischem Engagement und reiner Fabulierlust. Oft geht er auch von feinen Alltagsbeobachtungen aus, die unversehens ins Absurde kippen. Hohler begleitet sich bei seinen Auftritten oft selbst auf dem Cello (Celloballaden). Am 8. Dezember 2011 trat er mit seinem Programm "Das Grosse Buch – Kindergeschichten für Erwachsene" an der 20. Jubiläumsausgabe des Arosa Humor-Festivals auf.
Er ist seit 1969 mit der Germanistin und Psychologin Ursula Nagel verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er wohnt in Zürich-Oerlikon.[1][2]
Hohler ist Präsident der Prix-Courage-Jury. Er ist Mitglied beim Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz und bei International PEN.

Franz Hohler currently lives in Zurich.
He is the author of many one-man shows and satirical programs for television and radio.He wrote theater pieces, children's books, stories and novels, and is equally loved and feared for his sharp, witted and pointy humor.
In 2002 he received the Kassel Literary Prize for Grotesque Humor.
One of his most famous works is the "Totemügerli". A "Swiss-German" story based upon a fabulous creature using word- creations, which do not exist.

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Klaus Mattes.
720 reviews10 followers
October 19, 2025
Er ist mal ein Literat gewesen, auf den ich nichts hätte kommen lassen. Mit 82 lebt er noch, sinkt aber so langsam in die Vergessenheit der deutschen Literatur hinab, wenigstens was Deutschland (nicht die Schweiz) angeht. Ich muss gleich sagen, nachdem mich beim Wiederlesen schon die Kafka-Fantastik im frühen Prosabändchen „Der Rand von Ostermundigen“ eher befremdet als erfreut hat, erschrecke ich angesichts dieser zehn Jahre danach veröffentlichten Kurzgeschichtensammlung doch etwas, wie einer so unermüdlich denselben alten Stiefel immer weiter aufledern kann.

Nun muss ich sagen, dass ich den in Zürich lebenden Oltener („Olte bi Gösge“, Schweizer verstehen, was er damit ausdrücken wollte), den ich einstmals auch einem Freiburger Professor, bei dem ich Examen zu machen gedachte und der ihn noch gar nicht kannte, mittels einer schriftlichen Seminararbeit aufs Auge drückte, wobei ich gerade so einen „surrealistischen“ Erzählband zum Ausweis dafür nahm, dass der Schweizer eben nicht nur ein Dialektkabarettist, der sich mit Cello begleitet, sondern ein fulminanter Schriftsteller war, in Wahrheit doch nicht als Gegenwartsschriftsteller kennen gelernt habe. Hier erst mal ein Stücklein aus der Titelgeschichte.

Das hat auch was Schönes, gewiß, und auf eine Art ist es eine Bereicherung des Stadtlebens, aber irgendwie ist mit diesen Tieren auch der Schrecken wieder eingezogen. Das Schreien einer Katze, zum Beispiel, die sich gegen den tödlichen Zugriff eines Adlers wehrt, ist fast nicht auszuhalten.

Nicht als Autor der Gegenwartsliteratur hatte ich Hohler, während meiner Gymnasialjahre in einer Kleinstadt direkt an der Schweizer Grenze, kennen gelernt, sondern weil ich eine eher kurze, aber heiße Phase der Liebe zu Dialekt-Schallplatten durchlebte. Keiner in meiner Familie hätte mich auf Hohler hinweisen können. Aber er kam damals schon öfters im Deutschschweizer Radio („Faktenordner“) und im Schweizer Fernsehen (davon gab's zu jener Zeit in allen drei Landessprachen nur jeweils ein einziges Programm, um zwölf Uhr nachts war Sendeschluss). Wir waren nicht weit weg von Basel und dann trat ich in den (kostenlosen) Buchclub der Migros-Genossenschaft ein, „ex libris“ hieß das, die hatten ein eigenes Geschäft beim Fischmarktbrunnen in Basel. Man bekam immer das Heftli zuschickt. Und in ihrer Schallplattenabteilung (und auch auf Musikcasetten) gab es dann Franz Hohler, Mani Matter (Bern), César Kaiser (Basel), Dieter Wiesmann (Schaffhausen) und dergleichen. Deutschland und Österreich haben die nie erreicht, weil sie halt im Schweizer Dialekt sangen oder sprachen. Aber das gefällt einem, wenn man als Alemanne direkt neben der Grenze aufwächst.

In den 1970-ern hatte ich (wenigstens) folgende Vinyls von Franz Hohler: „Celloballaden“ (1970), „Traraa!“ (1971), „Ungemütlicher 2. Teil“ (1974), „Iss dys Gmües“ (1978), wären wahrscheinlich heute sogar was wert, wenn man sie noch verkaufen könnte, es nicht vor 30 Jahren getan hätte.

In Mundart und als Person auf der Bühne, sitzend hinter dem Cellobauch, Stirnglatze und ein urchig wirkender brauner Rauschbart, war der an sich eher dem Bedenklichen, dem Abgründigen zugeordnete Hohler immer lustig. Man stellte sich einen grundgütigen Mann vor, er war ja Familienvater, er schrieb laufend Kinderbücher. Überhaupt ging niemals ein Jahr ohne irgendeine Neuerscheinung von Hohler vorbei. Das trägt nun zu meiner Verwunderung bei: Wie konnte er zehn Jahre nach „Ostermundigen“ es dabei belassen, noch immer dasselbe, etwas ausgefeilter, raffinierter, zu machen?

Ich liebte den Bühnen-Hohler, der auf dem Cello Rocksongs nachspielte, die schweizerdeutsche Übersetzung von ihm. Dass dieser Typ kleine Bücher in der Manier von Kafka oder Borges schrieb, das war nur toll. Man ist halt unter 20 sehr beeinflussbar durch das, was einen zufällig erreicht. (Aber nein: Herman van Veen, Konstantin Wecker, Westernhagen, Kristiane Allert-Wybranietz, Christiane F., Jürgen von der Lippe, Johannes Mario Simmel habe ich mich anhaltend verweigern können.)

Das zwiespältig Erstaunende der Wiederbegegnung mit Hohlers Texten ist, einerseits ihre Professionalität, Schlankheit und Fehlerlosigkeit, sodass man sich nach wie vor fragt, - sie waren immerhin hochdeutsch und im Literaturverlag Luchterhand erschienen -, wie das deutsche Feuilleton ihn so lange ignorieren konnte. Bloß weil er Schweizer Dialektkabarettist war, durfte er offenbar keine literarischen Kunstwerke hervorbringen. Aber andererseits geht’s mir nach wenigen Seiten, dann weiter das ganze Buch durch, auf den Wecker, wie einer immer wieder dieselbe Masche flicht: Literatur sei doch Schwester des Traums. Man könne in ihr einfach alles aussagen, immer weiter bis zum äußersten Extrem treiben, was man im Leben nie erlebt. Gern macht Hohler das an einem kleinen Webfehler fest. (Wie - als Kabarettist auf der Bühne - in jener ellenlangen Nummer vom kleinen, stinkenden Käfer auf der asiatischen Insel, dessen Ausrottung den Weltuntergang bewirkt. „Ich selber habe mich anders besonnen, ich bin sicher, der Weltuntergang, meine Damen und Herren, hat schon begonnen.“)

Was mir seinerzeit nicht auffiel: Die meisten Geschichten werden zwar von einem Ich-Erzähler vorgetragen, aber über dessen Charakter und Lebensumstände erfahren wir fast nie was. Hohler selbst kann er nicht sein, denn in „Walther von der Vogelweide“ konzertiert er mit einem Streichquartett in Bozen, in „Das Halstuch“ ist er so gut mit einem Strafrichter befreundet, dass dieser ihm bislang verschwiegene Tatumstände, die sich in einem Schweizer Gefängnis vor Jahren zugetragen haben, berichtet. In „Der türkische Traum“ erinnert er sich daran, wie sein Großvater auf einem Friedhof im Schweizer Mittelland ihm einen Grabstein von zwei türkischen Mördern gezeigt hatte.

Wenn man die Werte „Fantasie“, „unerwartete Wendung“, „Einbruch der Mythen in die Welt des Konsums“ schätzt, mag man all diese Sachen noch höchst originell und unterhaltsam finden. Ich gehe mittlerweile von einer anderen Seite heran. Mir scheint, vor allem seit ich die zwei Suhrkamp-Bände „Schweizer Erzählungen. Deutschschweizer Prosa seit 1950“ gelesen habe, als ob der durchschnittliche Schweizer Schriftsteller fast immer an der Beengtheit, Überschaubarkeit, Sicherheit, Langeweile seiner täglichen Verhältnisse in einem zu kleinen, agglomerierten Wohlfahrtsstaat leidet, sich in frecher Gegenbewegung das Kosmische, Ewiggültige, Schlimmstmögliche locker zutraut. Man kennt es von Dürrenmatt: herrlich süffig und üppig geschlungene Prosa, in der über den Autor nichts steht, auch nicht über einen selbst, den Leser, dafür die tollsten Knollen über Meteore und Alpenabbrüche.

Für mich hat das was zu tun mit Provinz-Überheblichkeit: „Wir können alles. Wir machen alles. Aber, nein, nein, darüber, wie es jetzt und hier gerade genau ist, dazu wollen wir uns lieber noch nicht äußern, man könnte sich ja dann schon auch irren und jemanden damit verprellen.“

Dann also diesen Musiker als Südtiroler Terrorist, ein magisches Halstuch, das „seinen Herrn findet“ (dieselbe Idee greift, überraschend, der Zürcher Martin Frank in seinen „Sechs Liebesgeschichten“ 1999 noch mal auf), nämlich einen deutschen Nazi-Kriegsverbrecher in der Schweiz hinrichtet, eine Großstadt, die erst von Hirschen überrannt, danach von Schachtelhalm und Efeu verschlungen wird, ein Skilangläufer in Graubünden, der, um möglichst nicht überholt zu werden, von einem Phantom zu Tode gehetzt wird, ein Mann, der so lange Einkaufsnotizzettel aus einseitig bedrucktem Papier schneidet, bis seine Frau sich einen Block kauft, dafür das Zugeschnittene heimlich im Müll versteckt, was er natürlich merkt. Eine Autobahn, die nicht mehr befahren werden kann, weil man den Geist eines toten Bauern beleidigt hat, indem man seinen Grenzstein fällte. Ah ja, alles grausig lustig und vollkommen sinnlos und man hat es schnell vergessen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
Profile Image for Chloe.
234 reviews
April 26, 2020
A collection of short stories, the literary equivalent of little ditties and coincidences shot through with the mysterious and supernatural, Hohler‘s texts are rooted in the cityscape of Zürich. His characters are equally well observed and knowingly drawn: Billiges Notizpapier has you smiling wryly not just at the ways married couples invent to annoy one another, defusing but also escalating acts of passive aggression. There is and isn’t a moral to each one, they leave you with a sense of the value of everyday life, how quickly it can vanish, how easily we can destroy it. There are also occasion lyrical images rising from the deliberate banality of matter-of-fact, bureaucratic text:

“Diese Unfälle...ereigneten sich alle auf einem der längsten geraden Stücke unseres Autobahnnetzes...wo nichts die Sicht und die freie Fahrt stört, keine Brücke, keine Anzeigetafel, keine Ausfahrt, sondern wo man mit einem geradezu kalifornischen Gefühl von Ruhe und Grosszügigkeit durch die Ebene am Fusse des Juras fahren kann, in die grosse, weite Welt hinaus, wenigstens bis mach Oensingen.“

The extract above encapsulates the beauty of his German, which can soar away from reportage, only to be brought back down to earth with dry wit and Swiss practicality.

Right now, die Rückeroberung has a particular relevance and indeed all the stories in this collection bear witness to the ephemeral beauty of ordinariness.
Profile Image for Campo Zeludi.
23 reviews1 follower
January 12, 2023
Erstaunlich frisch sind sie geblieben, die Erzählungen vom Meister aus Zürich-Oerlikon. Nicht nur die berühmte Titelgeschichte, wo sich die Natur den Stadtraum zurück erobert. Meine persönlichen Favoriten sind "Walther von der Vogelweide", eine fantastische Short Story, die in Bolzano spielt und "Billiges Notizpapier", etwas dadaistisch abgedreht.
Profile Image for In_situ.
15 reviews3 followers
June 20, 2020
"Die Rückeroberung" ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, in denen Alltagsgeschehen auf unterschiedliche Arten und Weisen durchbrochen werden. Dabei treten - häufig zu Beginn subtil und dann vermehrt - unerwartete und zumeist unbehagliche Elemente zutage. Diese können in den Menschen selbst liegen, in der umgebenden Natur oder auch in einem nicht wirklich greifbarem Übernatürlichen. Dadurch wird ein Spannungsbogen generiert, der sich allerdings immer ähnlich aufbaut und damit auch wiederholt. Manche Geschichten werden geschlossen, andere bleiben offen, bei wieder anderen werden unterschiedliche Enden angeboten. Das Buch war auf der einen Seite durchaus spannend und die sehr klare, nüchterne Sprache hat mich sehr angesprochen, auf der anderen Seite war das Grundmuster der Geschichten auch bald berechenbar.
Displaying 1 - 5 of 5 reviews

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