Ein Mann kann nicht mehr schlafen. Mit den Nerven am Ende, fürchtet er, alles zu seine Ehe, seinen Status, das Leben. Seine Frau Imogen schickt ihn ins San Vita, ein mysteriöses Nobelresort in der verschneiten Stille der Dolomiten. In Obhut von Prof. Trinkl soll er dort zu sich selbst finden. Er sträubt sich aus Angst, sich seinem Innersten stellen zu müssen. Und zu Trinkl verspricht ihm zwar das Glück, flüstert ihm aber ein Unbehagen ein, das in der Kindheit begründet liegt. Zutiefst verunsichert flieht der Mann zu seinem besten Freund aus Kindertagen. Und ahnt noch nicht, wie weit er gehen muss, um Heilung zu erfahren. Ein überraschender Roman. Schlafwandelnd und doch hellwach. Zwischen Traum und wahrster Wirklichkeit.
Ein glänzend geschriebener, ein unterhaltsamer und intelligenter deutscher Roman, das hat man nicht alle Tage, sagt Denis Scheck
Now Longlisted for the German Book Prize 2024 With his celebrated debut "Die Geschichte eines einfachen Mannes", writer, screenwriter and musician Timon Karl Kaleyta has pusblished a highly acclaimed modern picaresque novel; he also took home the 3sat Prize at the Bachmann Competition 2021. Exactly 100 years after the publication of Thomas Mann's “The Magic Mountain”, Kaleyta is now publishing his very own story from the sanatorium of postmodernism: His second novel “Heilung” ("Healing").
The nameless protagonist has not been able to fall into deep sleep for three years. Taking his wife's advice, he checks into to a remote health resort in the Dolomites to combat what he calls his "condition": the irritable, flickering consciousness between constant fatigue and a dream state. People come to the luxurious “San Vita” because they want their lives to really get started, explains the eccentric clinic manager. Here, the inside is treated and the outside is optimized, because, as the text states: “Only beautiful people have beautiful thoughts”.
With Kaleyta's typical ambiguous humor, "Heilung" shows a man in his early 40s, desperately trying to father a child with his wife, and seeking relief for a hard-to-determine unease that permeates his life. At the beginning, he believes himself to be a very rational person who has found his place in life, but his certainties slowly begin to falter when he finds himself in a hall of mirrors made up of contrasting and parallel figures: at the resort, he meets mysterious Mana, a counterpart to his wife Imogen, who, as a successful artist, is also the narrator's employer. Towards the end of the first part of the novel, the protagonist remembers his old friend Jesper, whom he once abandoned and whom he seeks out in the second half of the story in order to find salvation in nature, namely on Jesper's farm, in a classic twist - but the idyll quickly turns into a thriller.
Kaleyta's “Healing” is rigorously structured with its two parts and mirror motifs, but the question of what exactly the narrator needs to be healed from is cleverly left in limbo. The author juggles reflections on mindfulness, self-realization and alienation in a playful, elegant way and without any heaviness, but does not presume to make a final diagnosis. Perhaps the best strategy for dealing with the excessive demands of postmodernism is to subvert them with irony. This entertaining and clever novel certainly provides numerous arguments for this.
Ein fieses Buch. Das Ende ist mal richtig übel. Das ist eine ganz krasse Allegorie, die sehr nah an der Realität gearbeitet ist und permanent um einen Tacken daneben liegt, damit Störelemente platziert und für Irritationen sorgt. Ein untergründiger, beißender Humor, der ehr unangenehm, gruselig, unheimlich wirkt. Ich würde fast sagen, das Buch ist ein „Uncanny Valley“.
Der Protagonist ist leer. Kalayta bespielt einen Typus Mensch, der keinen eigenen Antrieb besitzt. Für andere lebt, bzw. das Leben anderer mitlebt und alles wegblockt, das an Signalen seines Körpers und Unterbewusstseins auf ihn einströmt. Jemand der nicht weiß, was er persönlich im Leben möchte und keine Subjektivierung erfährt, da er sich als unbestimmtes Objekt setzt. Jemand der durch andere Menschen initiiert, aus seiner Situation herausgeschubst werden muss, um etwas zu verändern, das Neue dann wieder adaptiert und sich so dermaßen dort hineinsteigert, dass es ihn wieder zermürbt und er bis zur völligen Zersetzung so weiter machen würde, wenn er nicht wieder durch andere dort herausgerissen wird. Ein unreflexiver Mensch, der keine Verantwortung übernehmen möchte und sich unter dem Radar im Leben bewegt. Entscheidungen anderer Menschen werden bereitwillig als schuldentlastend angenommen. Ein kleiner Mitläufer. Hier mal ein Zitat, dass ich für den entscheidenden Aspekt halte, an dem sich der Protagonist wiederkehrend abarbeitet. Wer hört da noch Plato raus?
Ich glaube, dass viele der allgegenwärtigen Probleme ihren Ursprung gerade darin haben, dass Menschen ihr Potenzial nicht richtig einschätzen. Sie wollen so viel, doch verkennen sich selbst. Ich glaube, wenn jeder um seinen Platz wüsste und bereit wäre, aus seinen Möglichkeiten das Beste zu machen, wäre den meisten geholfen. Ja, ich glaube noch immer ganz fest, dass jeder eine bestimmte Aufgabe und einen bestimmten Nutzen hat, die ihm von unbestimmter Stelle aus zugewiesen worden sind. Und dass in der Bereitschaft, die eigene Nützlichkeit zu erkennen und zu akzeptieren, die entscheidende Quelle menschlichen Glücks zu finden ist.
Das ist alles insofern höchst interessant angelegt, als der Icherzähler gar keinen Leidensdruck verspürt, mal abgesehen davon, dass er nicht mehr schläft und physisch völlig am Arsch ist. Er entkoppelt seine Physis von seinem Geist und erzeugt durch seine empathielose, orientierungslose, unreflektierte Haltung für lauter krude Situationen. Der Kniff ist nämlich, dass Kaleyta sich ihn an Philosophischen Themen abarbeiten lässt und ihn knallhart in eine symbolische Ordnung packt, die durch das imaginäre Erzählen und die skurrilen Situationen und Gespräche ständig in Schwingung und Schieflagen versetzt wird. Im Grunde würde ich sogar soweit gehen und sagen, wir haben es hier mit Traumlogik zu tun. Gespräche und szenische Bearbeitung über, was ist Gewissheit, Wissenschaft, seinen Platz im Leben, einem geheimen Leben neben dem Offensichtlichen, Zufluchtsräume, Grenzziehungen, Zufall, Idealismus, Ordnung, werden durch die schiefe Setzung symbolisch neu geordnet, schwingen bewusst falsch als Schlussfolgerung nach und erzeugen dadurch eine herrliche subtile Note der unterschwelligen Auseinandersetzung mit existentiellen Themen, ohne auch nur Ansatzweise die Moral- oder Lehrmeisterkeule zu schwingen.
Wie desolat es um unseren Icherzähler bestellt ist, offenbart das Ende. Für mich eine klare Negation nach unten. Er kommt verbal in seine Bestimmung, durchläuft den Prozess aber überhaupt nicht und bleibt bestimmt, unbestimmt. Das Buch ist die unterhaltsamste und gleichzeitig bedrohlichste Anlage einer Verweigerungshaltung zur Subjektivierung, die ich bisher gelesen habe.
Das Buch liest sich unverschämt flockig weg. Es hat einen guten Rhythmus und Fluss. Wer allegorische Texte wie Insel der verlorenen Erinnerung von Yoko Ogawa zu schätzen weiß und Spaß an psychologischen Auseinandersetzungen und Wühlen hinter dem offensichtlich Erzählten hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Der zweite Teil im Außen ist etwas schwächer gearbeitet als der erste im Innen. Hier zieht es sich etwas, bzw. verliert Stellenweise an Intensität, weshalb ich nicht bei 5 Sternen lande.
Möglicherweise habe ich irgendetwas an diesem Buch nicht verstanden. Vielleicht hat es einen versteckten tieferen Sinn, ist eine satirische Gesellschaftskritik, ein Plädoyer gegen die Selbstoptimierung. Im Vordergrund stand aber einfach nur ein löchriger Plot, der unglaublich viel Spannung aufbaut, die jedoch nicht auf befriedigende Weise eingelöst wird. Die gesamte Handlung habe ich als ungemein unglaubwürdig empfunden und hätte mich beinahe danach gesehnt, dass Kaleyta den faden Kniff des “es war alles nur ein Traum” einsetzt. Das große Unbehagen von dem Dr. Trinkl gesprochen hat, ist vor allem bei mir als Leserin aufgetaucht, denn ich fand so manches ziemlich reaktionär, fast schon faschistoid (was war das bitte für eine Einsiedler-Bauernromantik inklusive “Niemand möchte heute mehr arbeiten. Echte Arbeit.” Sager bei seinem Freund Jesper?). Der Protagonist bewertet ständig. Sich und andere und hat dabei meist einen herablassenden Blick, der sich aber auch radikal ins Gegenteil wenden kann (auch hier sei sein Freund Jesper genannt, mit dem er erst Mitleid empfindet, wohlgemerkt in dessen Abwesenheit, und dann zu ihm auf sieht und Neid spürt. Für den Protagonisten blieben auch alle Handlungen merkwürdig konsequenzlos, er taucht wochenlang unter, bricht quasi den Kontakt zu seiner Frau ab, versucht alles mit sich selbst auszumachen und kehrt nach Hause zurück nachdem er den Tod seines Freundes verschuldet hat um den furchtbaren Satz “Heute mache ich meiner Frau ein Kind” (nagelt mich bitte nicht auf den genauen Wortlaut fest, ich hatte das Buch ausgeborgt und es nun bereits zurück gegeben) zu denken. Es ist eines dieser Bücher von denen ich mich betrogen fühle, weil sie mich bis zum Schluß bei der Stange gehalten haben ohne mir irgendetwas zu geben.
So flüssig sich das auch liest, etwas ist „off“ an diesem Roman, etwas befremdet, vielleicht das leicht schräge Verhältnis zu unserer Realität, das sich in Orten und Lebensverhältnissen äußert: Einem Sanatorium in den Dolomiten („Der Zauberberg“ lässt grüßen), in dem der Ich-Erzähler von seiner Schlaflosigkeit geheilt werden soll, oder ein Selbstversorgerhof im Odenwald, wohin sich er sich auf dem Weg seiner Sinnsuche wendet. Männlichkeit bzw. deren Krise erscheint mir dabei als großes Thema des Romans: Der Protagonist ist Angestellter seine Frau, einer erfolgreichen Künstlerin, mit der er bislang vergeblich versucht, ein Kind zu zeugen. Ohne dass das Männlichkeitsthema expliziert wird, erscheinen mir die Behandlungsmethoden im Sanatorium wie die Praktiken dubioser Männlichkeits-Seminare: Isoliert in der Dunkelkammer an persönliche „Grenzen“ gehen, Bären erschießen, im Freien Unwetter durchstehen… All das bringt es nicht für den Protagonisten, und so flüchtet er zu seinem Jungendfreund Jesper. Dessen bäuerliches Leben im Einklang mit der Natur bietet kurzzeitige Erfüllung. Diese Natürlichkeitsvorstellungen bilden das Gegenmodell zur reglementierten, künstlichen, zwanghaften Welt des Sanatoriums, erinnern einerseits an esoterische Ganzheitsideale, enthalten aber auch eine gewisse Nähe zur Blut-und-Boden-Mentalität, und wäre es das für den Protagonisten gewesen, das Buch wäre hoch problematisch. Doch es wird schnell deutlich, dass die innere Leere des Protagonisten so weit geht, dass er nur den Weg anderer epigonal nachempfinden kann, dass er nicht in der Lage ist, seinen eigenen zu finden. Auf dem Bauernhof, und das ist der ironische Spin des Romans, kicken die diversen Allergien (erst Katzen, dann Pollen), die deutlich machen: Der Protagonist ist als modernes Subjekt gar nicht mehr fähig, ein naturverbundenes Leben zu führen, ja die Natur wird ihm zum Feind. Das ist ja alles schön und gut, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass mir sehr viel entgangen wäre, hätte ich das Buch nicht gelesen: Stilistisch ist das nicht wirklich interessant, und die Symbolik ist mir z.T. sehr „on the nose“, die Struktur arg konstruiert (Bärentötung im Sanatorium kontrastiert mit der Geburt eines Kalbes auf dem Bauernhof, Tod und Leben, ihr wisst schon…).Manchmal verfällt Kaleyta der Neigung zur Selbstinterpretation, für mich immer ein Indiz für mangelndes Vertrauen des Autors in die Intelligenz seiner Leser und daher etwa ärgerlich.
Timon does it again: Auch sein Zweitwerk hat mir richtig gut gefallen. Erzählt wird die Geschichte eines (diesmal nicht ganz so einfachen) Mannes, der in einem Sanatorium geheilt werden soll. Nur von was bleibt schwammig, und auch die Methoden in der Klinik erscheinen fragwürdig. Später sucht der Protagonist sein Heil an ganz anderer Stelle. Eine kluge, pointierte und dazu sehr unterhaltsame Meditation über Selbstoptimierung.
Mein 4. Buch von der diesjährigen Longlist zum deutschen Buchpreis. Ich hoffe, da kommt noch was besseres, denn wenn das zu den 20 besten Büchern zählt….
Was war das nun für ein Buch? Eine Parodie auf das moderne Leben, dass uns angeblich so sehr stresst und einem natürlichen Rhythmus entfremdet? Ein Buch für den Mann in der mitlifecrisis? Ich habe ein paar Kritiken überflogen und las immer wieder Verweise zu Thomas Manns Zauberberg. DAS wäre mir nie in den Sinn gekommen. Am Anfang dachte ich immer vielleicht träumt der Kerl das alles. Ich musste teilweise grinsen, weil das „Gesundheits-Ressort“ mit Beauty-Department auch gut Teil eines makaberen Mystery- Thrillers hätte sein können. Zweiter Teil, unser „Held“ besucht seinen 20 Jahre ignorierten Schulfreund auf seinem Selbstversorgerhof und macht sich dort als „Knecht“ mehr oder weniger nützlich. Natürlich ereilen ihn massive Allergien, von denen er zuvor nie etwas bemerkt hat… egal. Das Buch liest sich flüssig, ist nüchtern betrachtet sogar unterhaltsam, hat mir aber nicht wirklich was zu sagen und ist hoffentlich nicht Buchpreisverdächtig.
Eine völlig überkonstruierte Geschichte eines Mannes, der sich erst in eine Luxusheilanstalt begibt, in der ihm merkwürdige Dinge wiederfahren, um sich dann zu seinem früheren besten Freund auf dessen Hof zu flüchten, um dort erst wirklich geheilt und dann wahnsinnig zu werden.
Es sollte wohl der literarische Versuch sein, eine geistreiche Geschichte über die Unzuverlässigkeit der menschlichen Wahrnehmung zu erzählen. Das scheitert leider jedoch auf fast allen Ebenen. Zwar passiert recht viel auf diesen nur knapp über 200 Seiten. Aber das ist, trotz sprachlichem Tempo und gelegentlichen guten literarischen Kniffen, zum größten Teil völlig übertrieben, unglaubwürdig und, man kann es nicht anders sagen, hanebüchener Unsinn. Die Figur des Professors im Luxusresort ist eine reine Karikatur, der Protagonist ein wehleidiger, jämmerlicher Mann der allerbesten Sorte und die Frauenfiguren sind auch mehr als grenzwertig.
Etwas gelungener ist tatsächlich das letzte Drittel des Romans, der auf dem Hof des Jugendfreundes des Protagonisten spielt. Hier ist, im Gegensatz zu den albernen Geschehnissen im Luxusresort, eine Entwicklung zu erkennen, bei der es der Autor dann doch tatsächlich schafft, eine Atmosphäre der Verstörung und Beunruhigung zu erzeugen. Ich wäre hier auch fast versucht gewesen, drei Sterne zu vergeben. Das Ende, wohl geplant als große, raffinierte Pointe, entpuppt sich aber als banaler, unspirierter Ausgang, den man so schon öfter gelesen hat - nur eben besser. Daher dann doch nur zwei Sterne.
Herausgekommen ist hier ein überambitioniertes und im Grunde überflüssiges Buch, das zwar einige wirklich gelungene Passagen aufweist, letztlich aber rein gar nichts erzählt und auf einem völlig unglaubwürdigen Szenario fußt. Hier habe ich mich von einem tollen Cover und einer Prämisse, die spannender ist als der ganze Roman, in die Irre führen lassen.
Das Lächerlichste ist jedoch die Rezension von Eckhard Nickel auf der Buchrückseite: "Die schönste Bergklinik der Literatur seit dem Zauberberg" heißt es da. Ich glaube, der Herr Nickel müsste selbst mal in eine Klinik. Er scheint viel zu viel geraucht zu haben. Einen irrlichternden Vergleich habe ich selten gelesen. "Der Zauberberg" ist Weltliteratur. "Heilung" ist gut geschriebener, aber inhaltlich leerer, hanebüchener Unsinn.
Die Hauptfigur wird von seiner Frau zu einem Aufenthalt in einer seltsamen Kurklinik verpflichtet. Hier soll das Problem seiner Schlaflosigkeit angegangen werden. Der Mann schwankt zwischen sich dagegen wehren und sich darauf einlassen, während die Methoden der Behandlung immer absurder werden.
Es war vielleicht nicht die beste Entscheidung von mir überhaupt zu diesem Buch zu greifen, denn schon sein Debut "Die Geschichte eines einfachen Mannes" konnte mich nicht so Recht überzeugen. Dieses hier hat mir nun leider noch weniger gefallen. Die Satire auf den Selbstoptimiernierungsdrang der Gesellschaft hörte sich so vielversprechend an. Leider scheiterte das Ganze dann für mich daran, dass der Humor mich nicht erreicht hat und die Absurdität der Story mich mehr genervt als fasziniert hat.
Und dann auch noch mehrfach Animal Cruelty. Das hat mein Fass zum Überlaufen gebracht.
Zwei Sterne gibt es eigentlich nur für die an sich gute Romanidee.
Unbehagliche Erzählung über einen Versuch einer Heilung. Lange hatte ich einfach nur Fragezeichen im Kopf, ein Abbruch stand zur Debatte. Leider tat es dem Flow nicht so gut, dass ich es eine Weile pausieren musste. Auch dann weiß ich nicht, was das Buch von mir will, was ich verstehen soll...
- ich habe so meine Probleme mit Satiren - ich habe mich irgendwann nur gelangweilt, weil ich so nach einem Drittel ahnen konnte, wohin das Buch will - ich lese den Zauberberg im Hintergrund (Was fies ist, ich weiß)
Aus diesen Gründen hatte ich auch keine große Lust, mich damit länger auseinanderzusetzen.
Die Geschichte eines Mannes, der nicht mehr schlafen kann und Heilung in einem luxuriösen Resort in den Alpen sucht. Seine erfolgreiche Künstlerfrau hat ihn dorthin geschickt, weil er seine Funktion als ihr Assistent nicht mehr ausreichend erfüllt. Nur widerwillig öffnet er sich den Methoden des Professors, der versucht, hinter die Gründe für die Schlaflosigkeit zu kommen. Dann wird es schon alles etwas bizarr. Man geht gemeinsam auf Bärenjagd, bei der der Protagonist versagt. Schließlich flieht er aus der Klinik, um sich auf die Suche nach seinem Jugendfreund zu machen, auf dessen Hof er dann längere Zeit arbeitet. Als der Freund und dessen Frau ihn des Hofes verweisen, begeben sich beide auf eine letzte Reise zum Grab der Großmutter, auf der Rückfahrt geschieht ein Unfall, der den Roman dann beendet.
Viele Thomas Mann Vibes durchziehen das Buch - und in der Tat ist der Protagonist willenlos wie Hans Castorp. Statt sich dem Sanatoriumsleben zu ergeben, wagt er jedoch einen Ausbruch. Jedoch misslingt auch der Weg in die eigene Vergangenheit. Am Ende ist nicht wirklich erkennbar, dass die Heilung gelingt. Der Protagonist fühlt sich zwar dem Leben nun gewachsen, aber das mag Farce und Selbsttäuschung sein, wie das meiste in seiner Selbstwahrnehmung.
Es liest sich insgesamt recht nett, aber am Ende war es für mich doch seltsam belanglos.
Eine sehr außergewöhnliche, etwas verstörende Geschichte. Das Buch ist sehr kurzweilig geschrieben & der Schreibstil hat mir sehr zugesagt , aber inhaltlich … muss ich sagen , etwas schwierig , teilweise denkt man es wird gleich ‚aufgelöst‘, dass alles vllt nur eine Psychose (oder andere psychiatrische Erkrankung war oder doch nur ein Traum alles ) aber dies passiert nicht & auch das Ende ist zwar schon passend zur Story aber hilft auch net um aus dem Buch schlau zu werden … aber muss man ja ach net !! Für zwischen durch schon ganz Oki mal zu lesen🙃
Vielen Dank meine Liebe , für die Empfehlung🤓🤗🪷
‚Nur schöne Menschen haben schöne Gedanken.‘ (S.S.61)
‚Warum müssen wir Menschen uns eigentlich all die Dinge versagen, die uns als Kinder verzaubert haben? Was ist das für ein zerstörender Drang, der uns immerfort über die Klippe des Lebens hinab ins Unglück stürzen lässt?‘ (S.99)
‚Jeder Mensch kann so weit schauen, wie seine Füße ihn tragen.‘ (S.179)
Hm, ich wurde aus dem Buch nicht richtig schlau. Der erste Teil im Ressort hätte in Richtung Psychohorror gehen können (tat es aber nicht wirklich), der zweite Teil in Richtung idyllischer feel-good Selbstfindung, dann kommt aber doch nochmal ein Wendung und ich dachte mir am Ende: "Ja, selbstgerechte Vermeidung ist auch ein Weg mit seinen Problemen und Themen umzugehen.". Auf gewisse Weise passt der Protagonist damit in die heutige Zeit (zumindest wenn ich einen pessimistischen Blick auf die Menschen in der westlichen Welt werfe). Ob das aber das ist, was der Autor vermitteln wollte: keine Ahnung.
Mir fallen kaum die passenden Wörter ein, um dieses Buch zu beschreiben. Es war eher wie eine Trance, eine Art hypnotisierendes Erlebnis, das ich innerhalb den letzten vier Tagen erfahren habe, als ein üblicher Roman. Das Buch ist spannend und unglaublich verwirrend, es dringt tief in die menschliche Psychologie und das Bewusstsein ein, und es fühlte sich sogar so an, als ob ich selbst die seelischen Probleme des Protagonisten hätte. Kurz gesagt, das Buch vermittelt ein Gefühl des Eintauchens in eine Trance, sodass man es schwer beiseitelegen kann.
Der erste Teil des Buches hat mich angesprochen ,dann allerdings flachte es ab in Küchenpsychologie.Und die Verwendung eines solchen Metaphersatzes "' Sie wollen sich nicht in die Karten schauen lassen,weil Sie denken,dass man Ihnen einen Strick daraus drehen könnte.",sorry.
Mischung aus Eso-Bauernromantik und merkwürdigen Lebensweisheiten. Das Café am Ende der Welt für Leute, die das Café am Ende der Welt intellektuell ablehnen. Großer Quatsch, leider
Die Geschichte kommt mir doch recht bekannt vor. Verwöhnter Städter hat Probleme in seinem Alltag zurecht zu kommen und findet einen Ausweg. In der Nobelklinik San Vita soll ihm aus seiner Schlaflosigkeit geholfen werden. Dies erfolgt mit teils radikalen Methoden durch den Leiter der Einrichtung Prof. Dr. Trinkl, der versucht die Ursachen der Schlaflosikgeit zu ergründen. Problem erkannt- Problem gebannt, die Lösung liegt in der verlorenen Beziehung zu dem Jugendfreund des Protagonisten, Jasper. Bei ihm angekommen scheint die ländliche Idylle seine Heilung zu beflügeln, körperliche Arbeit und back to the roots helfen. Doch der Mensch bleibt halt der Mensch und so wird der Mann den Tücken des mordernen Lebens eingeholt. In letzten Jahr nominiert für den Deutschen Buchpreis und sogar auf der Shortlist.
A man suffering from insomnia is forced by his wife to go to a sanatorium even though he doesn't take the problem to serious. At the sanatorium, he is confronted with a doctor offering an array of different (more or less absurd) treatments to cure him. After initial resistance, he embraces the idea of the holistic clinical approach, only to get frustrated and flee the the institution after a short while. He then visits a childhood friend who runs a farm in the German countryside. there he embraces the life with nature - sort of the farming equivalent of the trad wife phenomen - but mother nature has a curveball for him...
There are many interesting themes and ideas in Kaleyta's novel: The promises of selfimprovement and there limited reality, their overlap with rightwing ideologies, search for guidance, fragile masculinity, you name it. And if the sanatorium gives you some heavy ZAUBERBERG vibes, you're not mistaken (even though Kaleyta claims not to have read Thomas Mann's novel). So, there is a lot for me to like. And yet, I'm not satisfied. The brush Kaleyta uses to paint his picture is much too thick, even for a parody. Too many of the themes are rather mentioned than properly developed. Especiallay the end feels more like a break off than a proper wrap up. It is still entertaining to read, but unfortunately not the next great sanaorium novel.
I also reviewed the book together with some friends for a radio show (in German). If you want to listen in, follow this link: https://rdl.de/beitrag/timon-karl-kal...
Ein Mann mit Schlafproblemen wird in eine Klinik geschickt, begegnet dort einem kryptischen Arzt, verlässt sie wieder – und sucht Erlösung bei einem alten Freund auf dem Land. So weit, so bekannt.
Kaleyta inszeniert das Ganze mit spürbarer Lust an der Überzeichnung: ein bisschen Parodie, ein bisschen Gegenwartsdiagnose, ein bisschen Thomas Mann (angeblich ungewollt). Vor allem der erste Teil, der im Sanatorium spielt, überzeugt mit lakonischem Witz und feinem Gespür für die Absurditäten der Selbstoptimierung – Wellness trifft Weltschmerz.
Im zweiten Teil verliert der Roman etwas an Schärfe und Klarheit, der Wechsel aufs Land wirkt erzählerisch wie thematisch weniger fokussiert. Der Erzähler flüchtet – vor sich selbst, vor den Erwartungen – und landet in einer Welt, die ebenso brüchig ist wie die alte.
Heilung liest sich leicht, ist oft ironisch – aber auf eigentümliche Weise verstörend. So bleibt auch beim Leser ein vages Unbehagen – als hätte man etwas Entscheidendes verpasst, ohne genau zu wissen, was.
Das hat mir nicht gefallen, diese schräge Geschichte über einen Ich-Erzähler, von seiner erfolgreichen Künstlerinnenfrau in eine Klinik in den Dolomiten zur Erholung geschickt. Was da an den Zauberberg erinnern soll, wie ein Kritiker vermerkte, verstehe ich nicht. Zwischen dieser Beauty-Luxury Destination und dem Zauberberg liegen Qualitätswelten. Zweiter Teil dann die Heilung durch das einfache Leben, wegen degenerierter Allegien gelingt das auch nicht. Zum Schluss noch ein Crashhöhepunkt und alles läuft weiter wie gehabt. Kalevta versucht ein paar Horrorelemente einzuflechten, aber auch die wirken lehrbuchhaft. Was da literaturpreisverdächtig sein soll versteh ich nicht.
Wenn es null Sterne geben würde, hätte ich die gegeben - selten so ein schlechtes Buch gelesen. Die Selbstverliebtheit eines Mannes, der nicht altern und nicht lieben kann, die absurden Andeutungen, denen jegliche Symbolebene fehlt, eine pseudotherapeutische Umgebung und angebliche Bedeutungsschwere, die sich zunehmend auflöst und den Leser ratlos zurück lässt. Der Gipfel ist das Ende, als der Protagonist, der gerade durch einen Unfall seinen Freund umgebracht hat, zu seiner gefühlskalten Frau nach Hause zurückkehrt, um ihr ein Kind zu machen. Schade um die Lesezeit...
Was geschieht mit dir, wenn du jahrelang an einer unbekannten Krankheit leidest, verzweifelt nach Hilfe suchst und plötzlich ein Hoffnungsschimmer auftaucht? Wie weit würdest du gehen, um endlich geheilt zu werden? Würdest du gar ein ganz anderer Mensch werden? Genau mit diesen Fragen beschäftigt sich dieser Roman, der auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2024 war und den ich aufgrund des ansprechenden Covers und der interessanten Beschreibung direkt lesen musste. Doch tatsächlich war die Geschichte eine komplett andere als ich erwartet hatte. Wie sehr dieser Roman in die Abgründe des Wahnsinns blickt, hätte ich wirklich nicht erwartet. Der Protagonist ist zu Beginn skeptisch bezüglich der möglichen Heilung, da er schon viel versucht und nichts geholfen hat, doch als er auch nur eine kleine Besserung zu bemerken beginnt, steigert er sich so sehr in die Möglichkeit einer Heilung hinein, dass er bald schon besessen davon wird und wahrlich über Leichen geht, um diese zu erreichen. Es werden jedoch auch interessante Themen behandelt. So wird zum einen die klinische Heilung mit Kosmetikeingriffen und therapeutischer Hilfe der natürlichen Heilung gegenübergestellt, in der man versucht, sich selbst wieder in Einklang mit der Natur zu bringen. Zudem wird eine chronische Krankheit dargestellt, die immer mehr Menschen unterbewusst befällt: Eine Krankheit, die durch all die Modernität, Technik und Naturentfremdung entsteht und uns vom Mensch-Sein wegbringt. Also durchaus interessante Themen und deshalb auch nachvollziehbar, warum es für den Deutschen Buchpreis nominiert wurde. Ein einnehmender, intensiver Roman, der mich vorallem gegen Ende so sehr gefesselt hat wie es selten Bücher tun. Es war wirklich unvorhersehbar und uneinschätzbar, wie diese Geschichte zu Ende gehen wird. Ein durchdringendes Lesevergnügen!
Heilung ("Healing") by Timon Karl Kaleyta, long-listed for the 2024 German Book Prize.
What to say. I absolutely loved it, a slim book that doesn't take itself too seriously. It appeals to my sense of humor which is somewhere between the non-sensical and absurd (also funny: I've read some reviews by very puzzled readers like 'wtf was this about' and equally misguided reviews by the literary establishment re a grand critique of our time, masculinity, self-optimization and such in 'postmodernity' 🫣)
It reminded me a bit of Christian Kracht, beautiful prose, a bit dream-like, a bit ironic and just a very enjoyable to read - which is the greatest end in itself.
Kaleyta ist ein Meister der Entlehnung und der Sven Väth der Romanliteratur. Geschickt bedient er sich der Stilistik markanter Autoren/Werke und mischt sie wie der DJ seine Dubs. Unschwer zu erkennen sind Manns Zauberberg und das kafkaeske Schloss oder die Strafkolonie. Daneben lässt er seinen Protagonisten und seine Frau Imogen Schnipsel und name droppings aus der High-Society Rubrik einstreuen à la Martin Suter in seiner Romanserie über den Privatier Allmen. Das erzeugt eine gute Stimmung und wirkt vor allem im ersten Teil sehr gelungen, wo Kayleta gekonnt „Realität“, Traum und Mystery so verschachtelt, dass die Zuordnung eine reizvolle Herausforderung beim Lesen ist. Ich hatte erwartet, dass Kayleta daraus einen raffinierten Plot macht. Im zweiten Teil entwickelt sich jedoch eine abwegige, klischeehafte Blut&Boden-Dramatik mit einem hellseherischen, feenhaft guten Freund, dessen Partnerin Martha am Romanhelden biblische Fußwaschungen vornimmt. Der Antiheld mit seinem mysteriösen Gebrechen, das zunächst an Amfortas ewige Wunde im Parzifal erinnert, wird zunehmend zu einer egoistischen von Selbstmitleid übererfüllten Figur. Schon nach dem ersten Tag beim längst vergessenen und dann plötzlich schwärmerisch ersehnten Freund ist er von seinem langen, unheilbaren Leiden geheilt, nur um dann von einer Katzenallergie, Heuschnupfen oder Neurodermitis geplagt zu werden. Kitschig oder vielleicht auch homoerotisch wird es, als er sich tief bewegt vom Freund „Der Mond ist aufgegangen“ (alle Strophen zitiert) vorsingen lässt. Zum Fremdschämen dann der letzte Satz des Romans „Heute Nacht würde ich Imogen ein Kind schenken“. Das mufft alles nach altdeutscher Rudolf-Steiner-Schwermut ewig Gestriger. Da stehen Wiesen im Saft, werden Sensen gedengelt und Gesichter von Wind und Wetter gegerbt, pardon, veredelt. Da müssen Windräder und ein Rasenroboter uns daran erinnern, dass die Geschichte tatsächlich noch in der Neuzeit spielt. Fast möchte man hoffen, dass Teil Zwei ironisch gemeint ist, aber wenn, wäre das gründlich misslungen. Bei mir bleibt das Gefühl, dass der Autor mit ein paar originellen Ideen, die für Teil I gereicht haben, gestartet ist und es nicht mehr geschafft hat, daraus eine überzeugende Gesamtidee zu entwickeln.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Gut geht es ihm nicht, unserem Ich-Erzähler. Seit drei Jahren leidet er unter einer bleiernen Müdigkeit, die sich mit keiner Menge an Schlaf abschütteln lässt. Er verliert an Gewicht, alles droht ihm zu entgleiten, seine Ehe, der Alltag, das Leben. Schließlich schickt ihn seine Frau in das Luxus-Gesundheitsresort San Vita in den Dolomiten. Es fällt ihm nicht einfach, sich auf die zugegebener Maßen etwas unorthodoxen Methoden des Professor Trinkels einzulassen. Doch eine Diagnose des Professors dringt zu ihm durch: Er hätte ein „Unbehagen“, das aus seinen Kindertagen herrühren würde und das es auszumerzen gelte.
Kurzerhand macht sich der Erzähler auf den Weg zu seinem besten Freund jener frühen Jahre und für kurze Zeit scheint es, als würde er dort in der Abgeschiedenheit und mithilfe der körperlichen Arbeit seinen Frieden finden. Aber dieser Zustand hält nicht lange an …
„Heilung“ von Timon Karl Kaleyta war eines der Bücher, die mich am meisten angesprochen haben, als ich die Longlist des Deutschen Buchpreises 2024 las. Umso mehr bedauere ich es, jetzt keine allzu begeisterte Rezension schreiben zu können. Ja, im Prinzip generell nicht viel schreiben zu können, weil mir einfach nichts dazu einfällt, außer ein ziemlich großes Fragezeichen.
Mein erstes Gefühl ist, dass der Autor hier vielversprechendes gewollt, sich dann aber zu sehr verkopft und verzettelt hat. Mir fällt dazu eine Theaterprobe ein, der ich vor vielen Jahren beigewohnt habe, in der die Schauspieler so viel improvisiert und weitergesponnen haben, dass am Ende keiner, der nicht dieser Probe beigewohnt hatte, hätte verstehen können, worum es eigentlich ging.
In einem zweiten Erklärungsansatz fühle ich mich versucht, das Wort „kafkaesk“ einzustreuen, allerdings nur mit dem Hinweis, dass ich grundsätzlich alles als „kafkaesk“ bezeichne, bei dem mir nicht ganz klar ist, ob es Realität, Wahn oder Traum ist.
Parallelen zu Thomas Manns Zauberberg zu ziehen, läge jetzt natürlich auf der Hand, aber diesen von mir nur stümperhaft ausführbaren Vergleich erspare ich uns.
Insgesamt bleibt mir aber in erster Linie Bedauern. Bedauern, weil ich so wenig mit einem Roman anfangen konnte, bei dem mir sowohl der grundlegende Plot als auch der Protagonist eigentlich gut gefallen haben. Ich wünsche mir, dass dieser Roman seine Connaisseure findet. Denis Scheck gehört übrigens dazu. Ich leider nicht.
Wow. Was ein Buch. Was eine emotionale Achterbahn haha.
Selten hatte ich beim Lesen so viel gefühlt wie bei diesem Buch. Der namenlose Erzähler nimmt uns mit auf seiner Suche nach.. nach was eigentlich? Um seiner Schlaflosigkeit auf den Grund zu gehen, verschlägt es ihn zuerst in eine abgeschottete und kühle Klinik in den verschneiten Dolomiten, danach auf den Hof seines Kindheitsfreundes. Dennoch fühlt sich alles nicht richtig für ihn an. Er will schnell ankommen, er weiß nur nicht wo und warum überhaupt.
Als Leser*in wird man emotional mitgenommen; man kann die Skepsis des Erzählers in der Klinik nachvollziehen, fängt dann an sich Sorgen um ihn zu machen, bemitleidet ihn, ist entsetzt und wird mit dem Ende der Geschichte wütend zurückgelassen. Ich find es unfassbar mitreißend geschrieben. Man nimmt fesselnd Anteil daran, wie der Erzähler Verdächtiges in seiner Umgebung oft zufällig beobachtet. Wie ihm oft Dinge gesagt werden, die alles und nichts bedeuten. Wie schließlich Emotionen, die er dem Klinik-Professor, seiner Frau oder seinem Kindheitsfreund im Gesicht ablesen kann, das Einzige sind, dem er Glauben schenkt. Da man als Leser*in dem Erzähler aber auch ziemlich schnell in die Karten schauen kann, stellt man in Frage, ob das alles so stimmt, was er erzählt. Ich fand es beim Lesen spannend, so ein wenig mitzurätseln, ob die Dinge, die ihm passiert sind, auch wirklich so passiert sind, oder ob er uns nur durch „seine Brille“ probiert, eine Darstellung als die Wahrheit zu verkaufen.
Dass Tun und Sein im Buch alles und nichts bedeuten kann, hat mich beim Lesen sehr begeistert, aber oft auch etwas unbefriedigt zurückgelassen (Hat er das jetzt geträumt? Oder doch nicht? Ist das jetzt passiert? Oder nicht? Warum passiert das jetzt?) Die Geschichte an sich ist ein wenig unglaubwürdig und wirkt wie aus einem Hollywood-Film, indem einfach ganz viel Spektakuläres direkt aufeinander passieren muss, damit der Plot vorankommt. Stückweit hatte ich darauf gewartet, dass am Ende heißt: ne Spaß, war alles nur ein Traum. Aber das hatte mich tatsächlich beim Lesen nicht so gestört, da ich mir dachte: zum Herausarbeiten des Erzähler-Charakters braucht es eben diesen Plot.