Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entfesseln Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz eine heftige Debatte, die bis heute von Mathematikern und Philosophen geführt wird: Was ist das, was wir »Zeit« nennen? Thomas de Padova zeichnet das lebendige Bild einer Epoche, in der die Zeit zum heiß diskutierten Gegenstand der Naturwissenschaften wird und Uhren anfangen, unseren Alltag zu bestimmen. Der Streit zwischen Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz weitet sich zu einer Staatsaffäre aus. Ihre maßgebende Diskussion über das Wesen der Zeit markiert die radikale Umwälzung des Zeitverständnisses in einer Epoche, in der die Genauigkeit mechanischer Uhren sprunghaft gestiegen ist: Erst jetzt können die Ziffernblätter Minuten und Sekunden differenzieren und der private Besitz von Uhren wird für das großstädtische Bürgertum zur Selbstverständlichkeit. Anhand der Lebensläufe von Leibniz und Newton rollt Thomas de Padova die Geschichte unseres Verständnisses von Zeit auf. Er zeigt, warum die Zeit an der Schwelle zum 18. Jahrhundert so allgegenwärtig und zugleich zu einem zentralen Thema der Wissenschaft wird. Kurz: warum die Neuzeit ihren Namen zu Recht trägt. Eine fesselnde Entdeckungsreise in die beschleunigte Welt der Moderne.
Ein wunderbares Buch vor dem Hintergrund einer der prägendsten Epochen der Menschheitsgeschichte, dem Ende des 30jährigen Krieges mit dem Westfälischen Frieden von 1648 und dem Ende des englischen Bürgerkrieges mit der Hinrichtung des englischen Königs Charles dem Ersten im Jahre 1649. Mit der Erfindung der Pendeluhr durch Christian Huygens im Jahre 1657 wurde es erstmals möglich, die Minuten in einer einigermaßen Genauigkeit zu messen und darzustellen. Ohne diese Erfindung dieser Zeitmesser wäre auch jene allgemeine Bewegungs- und Schwerkrafttheorie nicht vorstellbar, die Newton gegen Ende des Jahrhunderts aufstellte." Gemeint ist im 17. Jahrhundert, in dem nicht nur der große Isaac Newton (1642-1727) mit seinen "Principia mathematica" den Grundstein der klassischen Physik legte, sondern auch einige weniger prominente Handwerker erstmals auf die Sekunde genaue Pendeluhren schufen. Im selben Jahrhundert wirkte auch der deutsche Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), der aus der Bekanntschaft mit verlässlichen Messgeräten einen ganz anderen Zeitbegriff herleitete als sein englischer Kollege und Konkurrent. Newton postulierte: Das, was zeitgenössische Uhren sukzessive immer genauer messen, ist eine absolute Zeit, die völlig unabhängig von allen physikalischen Zusammenhängen gleichmäßig dahinfließt, sozusagen der Pendelschlag einer vollkommenen Uhr. Die absolute Zeit bildet – zusammen mit dem ebenso absoluten Raum als vollkommenem Metermaß – gewissermaßen die physikalische Bühne, auf der sich alle Vorgänge des Universums abspielen. Newtons absolute Zeit beherrschte die Physik unangefochten 200 Jahre lang, bis Einstein sie mit der Relativierung der Zeitmessung entthronte. Wie de Padova zeigen will, mutet darum das, was Leibniz unter "Zeit" verstand, heutzutage durchaus modern an. Leibniz hielt eine absolute, von allen Dingen unabhängige Zeit für ein Unding; sie sei vielmehr eine Eigenschaft der Bewegung von Objekten. In einem Weltall ohne ein einziges veränderliches Ding wäre es Leibniz zufolge sinnlos, von Zeit zu sprechen. Ganz in diesem Sinn sollte Einstein zu Beginn des 20. Jahrhunderts definieren: Zeit ist das, was Uhren messen. Insofern sind heutige Physiker eher Leibnizianer als Newtonianer. Eingehend schildert de Padova den ersten großen Prioritätsstreit der Wissenschaftsgeschichte und seine Hintergründe. Darin ging es nicht nur um die Zeit, sondern um die Mathematik der Infinitesmal-Rechnung. Newton und Leibniz entwickelten etwa gleichzeitig und unabhängig voneinander das Rechnen mit Differenzialen und Integralen, das man braucht, um Volumina von Körpern oder ihre Bahnkurven im Gravitationsfeld exakt zu berechnen. Beide wussten, dass ihnen die Entdeckung eines mathematischen Formalismus für unendlich kleine Raum- und Zeitunterschiede einen Platz im Ehrentempel der Naturforscher sichern würde – und keiner gönnte diesen Platz dem ebenbürtigen Konkurrenten. Dieser Streit zwischen Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz weitet sich zu einer Staatsaffäre aus, die lange Zeit durch die Wissenschaft schwelte und von manchen auch heute noch befeuert wird. De Padova zeichnet hier ein buntes Panorama der Zeit- und Wissenschaftsgeschichte, vor deren Hintergrund die Auseinandersetzung um das Wesen der Zeit und ihre immer feiner messbaren Unterschiede. De Padova versteht es, abwechslungsreich und spannend zu erzählen, es hat mich wieder mal gepackt, ich wurde vergnügt und belehrt...
Wenn man drei Abschnitte in einem Buch vereint, kommt es mal ab und zu vor, dass der Leser den Gedankensprünge des Verfassers nicht folgen kann. Die Leben von Leibniz und Newton und deren Streit über Entdeckungen waren jedoch lesenswert.
Wie bereits in einer vorherigen Rezension angesprochen, bedient sich der Autor häufig, teilweise wilden, Gedankensprüngen, welche dem Buch jeglichen roten Faden entziehen.
In der ersten Hälfte des Buches werden die Personen Leibniz und Newton leider kaum beleuchtet. Vielmehr dienen sie als Nebendarsteller (oder gar Statisten) einer Schilderung des (zugegeben wissenschaftlichen) Zeitgeistes der westeuropäischen Kolonialmächte (hauptsächlich Frankreich, England, die Niederlande und das Deutsche Reich) des 17. und 18. Jahrhunderts, wobei es hier oft überflüssige Ausflüge in den royalen Klatsch und Tratsch gibt.
Vom Schreibstil ist das Buch insgesamt sehr blass, schmucklos und uninspirierend, sodass mir oft die Motivation fehlte es weiterzulesen. Stellenweise erinnert es an Stefan Kleins dröges Werk "Zeit".
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As already mentioned in a previous review, the author often uses, sometimes wild, mental leaps, which deprive the book of any thread.
In the first half of the book, the characters Leibniz and Newton are unfortunately barely addressed. Rather, they serve as supporting actors (or even extras) in a portrayal of the (admittedly scientific) zeitgeist of the Western European colonial powers (mainly France, England, the Netherlands and the German Empire) of the 17th and 18th centuries, with often unnecessary excursions into royal gossip.
In terms of writing style, the book is overall very pale, unadorned and uninspiring, so that I often lacked motivation to continue reading it. In places, it reminds me of Stefan Klein's tedious work "Time".
Das Buch ist in mehrere, ungefähr gleich große, Kapitel untergliedert, die dem abschnittsweisen Lesen entgegenkommen. Dies und die einfache Sprache machen das Buch sehr gut lesbar.
Eingebettet in kurze Kapitel über die Lebensstationen der beiden großen Denker, werden die *in* der damaligen Zeit üblichen Probleme *mit* der Zeit und deren Lösungen oder wohl eher Annäherungen nachvollziehbar erläutert. Somit ist es ideal für jeden Interessierten und aufgrund der vermittelten Informationen sehr zu empfehlen.
Leider wird heutzutage die Uhrzeit mit der Zeit gleichgesetzt. Nach der Lektüre erahnen Sie die Unterschiede. Ich bin Mir sicher, dass Sie mehr Interesse gewinnen werden.