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Auch Nacht des Orakels erinnert an frühere Bücher Austers, vor allem an das letzte, Das Buch der Illusionen, der verschachtelte Roman im Roman um einen Stummfilmstar, seinen Biografen und die Vernichtung eines Lebenswerks. Erzählt wird die Geschichte des 35-jährigen Schriftstellers Sidney Orr aus New York, der seine Schreibhemmung überwindet, als ihm ein merkwürdiger Chinese namens M.R. Chang in einem himmlischen Schreibwarenladen namens Paper Palace ein blaues Portugalbuch verkauft, und dafür, in einer Art Teufelspakt, andere Probleme an den Hals bekommt. Aber eigentlich erzählt Auster einmal mehr die Geschichte des Schreibens und seiner Konstruktionen selbst. Wieder ist die Methode durchschaubar. Und trotzdem muss man sich wieder über seine narrative Raffinesse und sprachliche Bravour mehr als wundern und sich fragen: Mr. Auster, wie haben Sie das gemacht?
Als postmoderner Autor hat Auster sich durch die Literatur hindurchgefressen wie kein Zweiter. So weiß er, dass mit dem ersten Satz alles steht und fällt. "Ich war lange Zeit krank gewesen", lautet dieser Satz. Besser hat auch Goethe seinen Werther nicht starten lassen, oder Hermann Melville seinen Moby Dick -- ein Buch zudem, dem Auster nicht nur den Hang zur ausufernden Fußnote verdankt. Genau so müssen gute Romane beginnen, dann kann kaum mehr etwas schief gehen. Und so ist es auch in Nacht des Orakels, über fast 300 Seiten, bis zum Schluss. Nacht des Orakels ist ein sprachlicher Sog. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass Auster auch damit wieder in den Bestseller-Listen landen wird. Und das ganz zu Recht. --Thomas Köster
285 pages, Paperback
First published December 2, 2003

"The world is governed by chance. Randomness stalks us every day of our lives, and those lives can be taken from us at any moment - for no reason at all."