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Ein Chinese mit dem Kontrabass.

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"... hier wird nich jemeckert, hier jibts gleich Dampf, und was wir führ'n is Klassenkampf!" Berlin 1932, ein Jahr vor der Machtergreifung. Natürlich kannte der siebenjährige Knirps die Bedeutung der Gesänge nicht, die er, vom Vater auf kommunistische Veranstaltungen mitgeschleppt, lauthals mitsang. Sie machten aber mindestens ebenso viel Spaß, wie das Lied von den "drei Chinesen mit dem Kontrabass", das er mit seinen Spielkameraden anstimmte. Sie zogen dabei Schlitzaugen, "was bei mir nicht nötig war", wie Han Sen, der Chinese und waschechte Berliner treffend bemerkt!

Erinnerungen an eine glückliche Kindheit überfluten ihn, als er 1979 in Pankow in die Crusemarkstraße einbiegt, und kurz darauf seiner Ziehmutter Johanna Zorn nach 46 Jahren zum ersten Mal wieder in den Armen liegt. In den 20er-Jahren kamen Han Sens Eltern, beide glühende Verfechter der in der Oktoberrevolution geborenen kommunistischen Idee, zum Studium nach Göttingen. Interessantes Detail: unter den Studenten befand sich auch Zhou Enlay, Maos späterer Stellvertreter und wichtige Figur im späteren Leben unseres Helden. Nachdem Han Sens Mutter unter nie geklärten Umständen 1926, ein Jahr nach seiner Geburt, die Familie verlassen hatte, übernahm Jonna, Genossin und Freundin des damals alleinerziehenden Vaters, die Stelle einer Ersatzmutter.

Han Sens Berliner Kindertage, aller chaotischen Umstände zum Trotz eine harmonische Zeit, wurden mit der Machtergreifung Hitlers jäh beendet. Nach dem Exil in der Schweiz (Han Sens Erinnerungen nach ein Land, rassistischer als Nazideutschland), beschließt der Vater, mit seinem Sohn in die chinesische Heimat zurückzukehren; Endpunkt einer Kindheit -- und eine für den Jungen traumatisch verstörende Erfahrung.

Gerd Ruge kann in seinem Geleitwort nur staunen über diese Odyssee durch zwei Kulturen. In China in den kommunistischen Apparat eingegliedert, studiert Han Sen, wird Übersetzer Zhou Enlays, lehnt aber schließlich einen hoch dotierten Posten im Außenministerium ab. Er hat nur noch einen Traum: Einmal wieder der Chinese mit dem Kontrabass sein zu können. --Ravi Unger

Paperback

Published March 1, 2003

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Han Sen

5 books

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Profile Image for François Morgan.
52 reviews1 follower
April 14, 2023
Dieses Buch war sehr interessant, weil man einmal viele politische Umstände an vielen verschiedenen Orten aus der Sicht einer Privatperson, teilweise noch der eines Kindes, erfährt. Im Vordergrund stehen eben nicht die Ideologien von Staaten und Völkern, sondern die Art und Weise von einfachen, normalen Menschen mit dem Leben und seinen Krisen fertig zu werden und die Sehnsucht nach Heimat. Allerdings hat es sich zwischendurch etwas gezogen und ich musste mich zwischendurch zwingen weiterzulesen.
Profile Image for Andre.
1,425 reviews109 followers
November 3, 2016
1) Deutsche Rezension
2) English Review

1) Deutsche Rezension
Wie viele Menschen kennt ihr, ihre ersten Jahre in Nazi-Deutschland, dann die Schweiz, das revolutionäre China und die Sowjetunion durchlebt haben?


Das war ein recht unterhaltsames Buch, gutes Material für eine Fernsehserie wenn man mich fragt (wenn auch die KPC vermutlich nicht mitspielen würde), allerdings hab ich keine Ahnung was auf den Seiten 202 und 203 steht, da sie hier fehlen.
Sicher, da das hier aus der Sicht des Autoren geschrieben ist, ist nicht alles geschichtlich korrekt (so wurden nach der Großen Spatzen Kampagne keine Spatzen aus Kanada importiert) aber es ist gut zu lesen und das meiste ist korrekt, z.B. ist aus seiner Sicht das Rote China fanatischer als das Rote Russland (was mich an einen Kommentar eines anderen Autors erinnert, der sagte, dass chinesische Propaganda Himmler und Göbels was hätten beibringen können).
Ich hätte es auch vorgezogen, wenn er es früher gesagt hätte, dass er sporadisch mit alten Freunden aus Deutschland via Briefe in Kontakt geblieben ist. Es war auch Interesssant dass nach all diesen Jahren immer noch einen Hauch Berliner Akzent hatte und ihn die deutschen Arbeiter ihn daher als Berliner identifizierten.
Alles in allem ist das aber ein sehr interessantes Buch und definitiv zu empfehlen wenn man mal eine etwas außergewöhnliche Geschichte sehen will.


2) English Review
How many people do you know that have spend their early years in Nazi-Germany, then Switzerland, revolutionary China and the Soviet Union?

This was quite an entertaining book, good material for a TV show if you ask me (even if the CCP probably would not cooperate), however I have no idea what is on pages 202 and 203, as they are missing.
Sure, as this here is written from the point of view of the author, not everything is historically correct (you see, after the Great Sparrow Campaign, no new sparrows were imported from Canada) but it is a good read and most of it is correct, e.g. from his perspective Red China is much more fanatic than Red Russia (which reminds me of the comments by another author who stated that Chinese propaganda could have taught Himmler and Göbels some new tricks).
I also would have preferred if he had stated earlier that he had sporadically kept in touch with friends from Germany via letters. It was also interesting that after all these years he still had kept a hint of a Berlin accent and that therefore these german workers identified him as a Berliner.
All in all this is a very interesting book and definitely recommendable when you want to see a rather unusual story.
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