Ich habe dieses Buch bei einem Bibliotheks-Abverkauf einst günstig erstanden, und dabei auch nicht auf den Klappentext geachtet, der ja schon verrät, dass diese Biographie vornehmlich die homosexuellen Aspekte im Leben von James Dean beleuchtet.
Was ja grundsätzlich gar nicht mal so 'schlimm' wäre, würde der Autor sich dabei auf einigermaßen belegbare Fakten stützen. Aber Paul Alexander wittert hinter jeder Bekanntschaft mit einem Mann eine sexuelle Beziehung! Im Grunde gab es keinen Mann, den James Dean je länger als ne halbe Stunde gekannt hat, und mit dem er nicht im Bett gewesen sein soll. Mit Ausnahme von seinem Vater und seinem Onkel. Das ist dann doch etwas zu viel des Guten und dadurch wirken dann auch alle Anekdoten, die Paul Alexander so erzählt (und bei denen er definitiv nicht dabeigewesen ist, und keine 'Zeugen' befragt hat [das hätte er sonst erwähnt, genauso wie er ja am Ende extra erwähnt dass er 2 Sätze mit James Dean Vater im Altersheim gewechselt hat und Deans erste Schauspiellehrerin besucht hat] somit sich zu 98% alles aus den Fingern saugt) recht unglaubwürdig. Paul Alexander beteuert dennoch bei jeder neuen Bekanntschaft, dass es sich bei Jimmy und [insert random male name] definitiv um ein Liebespaar gehandelt haben muss. Demnach war in den 50ern die New Yorker Künstlerszene und ganz Hollywood voll von schwulen Männern.
Bei den Frauen jedoch, die James Dean nachweislich (da gibt es ja diverse Fotos von Filmpremieren und Bällen) ausgeführt hat, handelte es sich laut dem Autor nur um reine PR, um ihn als Frauenschwarm in den Klatschblättern zu etablieren und um seine wahre Neigung zu verschleiern. Mmmh, möglich. Aber Pier Angeli zum Beispiel, mit der James Dean einige Monate lang mehrmals ausging, sagte selbst kurz vor ihrem Suizid, dass James Dean der einzige Mann war den sie je geliebt hat. Würde sie das wirklich über jemanden sagen, mit dem sie nur für die Kameras ausging, und der selbst schon über 15 Jahre tot war? Klar kann man sich auch 'unsterblich' in jemanden verlieben, der diese Gefühle nicht erwidert. Aber wie kurz & bündig der Autor diese (Liebes?)beziehung von James Dean in seiner Biographie abtut wirkte doch sehr 'parteiisch', wenn ich das mal so sagen darf. Und bewirkte bei mir nur, dass auch alles andere was er so aus dem Privatleben von James Dean zu berichten hatte eher unglaubwürdig klang. Wobei ich gar nicht sagen will, dass ich nicht glaube dass es die berüchtigte Besetzungscouch in Hollywood nicht damals schon gegeben hat, und dass wohl auch James Dean sich drauf legen musste. Das halte ich für durchaus plausibel. Und auch dass James Dean wirklich durch und durch schwul war, oder doch 'nur' bisexuell, oder ob er nur mit (einigen) Männern schlief um seine Karriere zu fördern, ob ob gar nichts davon stimmt - alles ist möglich, an dieser Stelle bringt dieses Buch gar keine Klärung. Denn ich glaube nicht, dass alles stimmt was Paul Alexander hier behauptet, und dadurch wird das gesamte Buch unglaubwürdig.
Dabei hat der Autor ja durchaus auch viel Interessantes zu berichten, weshalb ich dem Buch schließlich doch 3 Sterne gebe. (Und weil sehr viele, teilweise sehr seltene, Fotos enthalten waren!)
Da ich kein ausgewiesener Dean-Fan bin, und vorher nur die 3 Filme von ihm und die Umstände seines Todes kannte, war so gut wie alles neu für mich. Jimmys Kindheit und Jugend, seine Anfänge am Schultheater, dann der Schauspielunterricht am Actor's Studio in New York, später kleine Fernsehrollen, bevor dann mit "Jenseits von Eden" der große Durchbruch kam. Und dass er bereits vor seinem Tod ein von den Medien und den Zuschauern (und zwar nicht nur in den USA) gefeierter Star war. Obwohl doch sein erster großer Film gerade erst in den Kinos angelaufen war, und die beiden anderen, die ihn schließlich unsterblich machten, noch niemand gesehen hatte. Trotzdem wurde er schon überall erkannt und war überall beliebt.
Auch die Einflüsse auf seine Art zu Schauspielern werden dargelegt, und machten mich sehr neugierig, mir seine alten Filme unbedingt mal wieder anzuschauen. Und obwohl James Dean mittlerweile seit über 60 Jahren tot ist, ließ mich erst das Lesen dieser Biographie so richtig bedauern, dass die Nachwelt nicht in den Genuss von noch mehr Beispielen seiner außergewöhnlichen Schauspielkunst gekommen ist. Zudem der Unfall ja wohl absolut vermeidbar gewesen wäre, wenn der Unfallgegner nur ein klein wenig anders reagiert hätte. Soo schade. 24 ist für jeden Menschen viel zu jung zum Sterben!