This book, first published in 1967, is a comprehensive study of knight-errantry in Chinese history and literature from the fourth century BC to the twentieth century. After discussing the social and intellectual backgrounds of knight-errantry, it gives examples of historical knights and describes the development of the theme of knight-errantry in poetry, fiction and drama. Many biographies, anecdotes, poems and tales are translated in full, while long prose romances and dramatic works are summarized and discussed. As background to these, sketches of the developments of Chinese fiction and drama are provided. In a final chapter, comparisons are made between Chinese and European knights, and between Chinese and Western chivalric literature.
Der fahrende Ritter - bekannt im Osten wie im Westen, eine Figur, die die Literatur durchzieht. Von Ariostos "Rasendem Roland" bis zu Louis Chas "Whiskers Mao" findet man diesen Typ in vielgestaltiger Form. Der Bogen, den der Autor in seinem Text aufspannt, reicht von Biografien aus Sima Qians Geschichtsschreibung über Tang-Gedichte bis hin zu den "huaben" der späteren Dynastien. Gedichte, Theaterstücke, Kurzgeschichten und Romanfragmente dienen, übersetzt und mit kurzem Kommentar versehen, als Leinwand, auf der die Figur des Xias, so die chinesische Bezeichnung, charakterisiert wird. Die Ursprünge, Merkmale und Besonderheiten dieses chinesischen Archetypus werden so anhand vieler Beispiele erläutert.
Persönlich finde ich erstaunlich, dass der Autor auch Leute wie Lu Su und Jing Ke zu den Xias zählt - gewiss eine interessante Sichtweise, die mir neu war. Leider, und das kann man einem Werk aus den späten 60ern durchaus ankreiden, fehlen praktisch sämtliche Verweise auf moderne Vertreter der Wuxia-Gattung. Nur Huanzhulouzhu wird mit einer eher verächtlichen Einstellung genannt (in einem Atemzug mit den Stichworten "naive readers" und "childish fantasies" sowie dem herablassenden Fazit "All this is no doubt childish nonsense, but one has to admit the author has shown some ingenuity and imagination." S. 134) - dabei gehören die Werke von Autoren wie Wang Dulu oder Jin Yong zu den meistgelesenen Werken überhaupt in China. Aber in den 60ern durfte ein Literaturwissenschaftler natürlich nicht öffentlich zugeben, dass auch Trivialliteratur eine Kunst für sich ist, insbesondere, da der heutige Leser, der sich für diesen Typus interessiert, eigentlich fast ausschließlich die modernen Beschreibungen kennen wird. Insgesamt tappt der Autor in dieselbe Falle, die auch C.T. Hsias Literaturanalysen heutzutage belasten - er wertet sehr stark, statt eine distanziertere Position einzunehmen, was seine Analysen hin und wieder etwas tendenziös erscheinen lässt.
Trotz dieses Ausrutschers ist der Text für alle, die sich etwas tiefer für die Entstehungsgeschichte der Wuxia-Romane interessieren, oder für chinesische Literatur im Allgemeinen, sehr lesenswert und aufschlussreich, gerade, was die antiken Aspekte angeht. Leider verliert sich der Autor nach der sehr spannenden ersten Hälfte im übermäßig langen vierten Kapitel in endlosen, trockenen Zusammenfassungen von Theaterstücken, ohne wirklich etwas zum Thema des "Ritters" beizutragen, da es nur noch um den Inhalt und die Qualität der Texte geht, nicht mehr um die Charakterisierung des Youxia. Die Zusammenstellung wirkt dadurch an dieser Stelle sehr willkürlich und irgendwie auch belanglos.
Eine interessante Beobachtung, die der Autor mit dem letzten westlichen Vertreter dieses Typus, Don Quijote, teilt, stimmt mich etwas traurig: Mit dem 16. Jh. sind sie eigentlich ausgestorben. Die Welt braucht keine Ritter mehr, es reicht, über sie zu lesen. Oder?