Mit Blick auf die Gegenwart werden in diesem Buch Grundlinien und Grundprobleme der russischen Geschichte seit ihren Anfangen knapp umrissen. Neben einem Uberblick uber die politischen Ereignisse werden in Gegensatzpaaren langfristige Kontinuitaten erortert, deren Wurzeln zum Teil schon im Mittelalter liegen: machtiger Staat und passive Gesellschaft, privilegierte Eliten und geknechtete Unterschichten, Welt der Bauern und Welt der Stadte, Frauen und Manner, Abwehr und Expansion, Russen und Nicht-Russen, Bevolkerungswachstum und Kolonisation, Extensivitat und verzogertes Wirtschaftswachstum, Heiliges Russland und Staatskirche, Hochkultur und Volkskultur, Europa und Asien."
Herr Kappeler schafft es innerhalb von wenigen Seiten recht umfassend und übersichtlich die russische Geschichte, bzw. die Geschichte des russischen Staates zusammenzufassen. Er orientiert sich dabei an die staatsorientierte, russische Auffassung von Geschichte und schafft es selbst im Überflug sachlich-neutral verschiedene Geschichtsdeutungen gegenüberzustellen.
Schade finde ich, dass es sprachlich nicht auf der Höhe ist. Kappeler schreibt in einem pseudo-akademischem Kauderwelsch und zieht umständliche Formulierungen einer klaren Sprache vor. Dadurch ist das Buch unnötig schwierig und unangenehm zu lesen. Ich verstehe nicht was das soll, aber vielleicht versucht Kappeler damit, trotz des geringen Umfangs möglichst tiefgründig zu erscheinen.
Leider verwendet Kappeler wohl aus diesem Grund die akademische Transliteration für kyrillische Namen. Das wäre nicht weiter schlimm, aber dadurch wird ein im Text stöbern in Wikipedia-Artikeln auf dem Kindle verunmöglicht, weil Englische oder Deutsche Transkriptionen üblicher sind. Da die Zusammenfassung kurz gehalten wird, lohnt es sich jedoch bei den Protagonisten selbst etwas tiefer zu bohren. Die Transliteration erschwert das leider.
Grundsätzlich ein ausreichendes Buch, aber definitiv keine gelungene Kindle Edition. Der Autor sollte sich vielleicht mal trauen, den wissenschaftlichen Anschein für schönere Formulierungen zu opfern.
Na gut, es gibt nur 120 Seite und kaum 20 davon sind Karte und Fußnoten. Man kann sicher dieses Buch innerhalb von einigen Stunden durchlesen - also, klar, gibt es sehr viele Löcher in der Geschichte. Insbesondere am Anfang: kaum 10 Seite sind an der Geschichte vor 1900 gegeben.
Der Schriftsteller hat eine gute Arbeit bei der Einführung der verschiedenen Theorien und Gedanken über die Hauptprobleme der russischen Geschichte. Das gesagt, konnte er seine enge westdeutschen/westeuropäische Vorurteilen, Lieblingstheorien und bereits akzeptierten Ideen nur teilweise zur Seite setzten. Was vollkommen verzeihbar ist, da niemand so was machen kann.
Guter Abriss über 1000 Jahre Geschichte, der einen Einblick in ein russisches Selbstverständnis von Geschichte gibt. Nicht unbedingt ein Page-Turner. Wird am Ende gut aufgelockert durch ausgewählte Themen der russischen Geschichte. Pluspunkt für einen kleinen Absatz am Ende jeden Kapitels zur aktuellen Situation und wie diese im historischen Kontext zu verstehen ist. Leider nur ein einziger Satz zu Queerness in Russland im gesamten Buch, am Ende des Kapitels über Frauen in Russland.
In Kapitel 1 stimme ich einigen Dingen, die so geschrieben werden, nicht zu. Teils fand ich auch die Wortwahl sehr unzutreffend. Aber besonders der Hauptteil zu den Epochen der Russischen Geschichte hat mir einen sehr guten Überblick verschafft, der abschließende Teil zu den Problemfeldern legt nochmal einen anderen Fokus aus dem in Teil 2 bereits genannten Material. Bietet einen guten Überblick und daher empfehlenswert, nur Teil 1 kann man überlesen.