Naja.
Ich habe hier viel gelesen, was ich anders sehe und womit ich mich überhaupt nicht identifizieren kann.
Ich bin nicht der Meinung, dass unsere Generation der Frauen (ich bin 28 und die Autorinnen, denke ich, so etwa in meinem Alter?) zu "Bravheit" und "immer hübsch lächeln" erzogen wurden. Hallo?! Ich sehe v.a. auch in der Generation der heutigen Kinder, dass gute Eltern ihre Kinder unabhängig vom Geschlecht gemäß ihrer Interessen und Stärken fördern. Liegt das jetzt an mir und an den Leuten, die ich kenne, dass meine Wahrnehmung so anders ist als das, was die Autorinnen beschreiben?
Ebenso habe ich mich noch nie gefragt, ob es sich "für ein anständiges Mädchen" (?!) gehört, in einen bestimmten Club zu gehen oder danach alleine nach Hause zu laufen. Und mir wurde auch noch nie von irgend jemandem das Wort "unanständig" mit moralisch wackelndem Zeigefinger vorgehalten.
Insgesamt habe ich sehr wenig Neues oder Nennenswertes aus diesem Buch erfahren. Es bleibt schon arg oberflächlich, reißt die üblichen Standardthemen kurz an und bezieht eine Position dazu - immer in dieser "wir"-Form, die schon wie der Titel des Buches irgendwie suggeriert, dass die Autorinnen "für uns alle" sprechen, wo sich bei mir dann eben oft Widerstand gemeldet hat.
Anscheinend soll dieses Buck ein Plädoyer dafür sein, dass Feminismus nicht out oder überholt, sondern immer noch relevant ist, und zwar in der Form einer Gleichbehandlung von Frauen und Männern. Da bin ich schon einer Meinung mit den Autorinnen. Allerdings hat mich diese Mischung von geschlechterbezogenen Übergeneralisierungen und inhaltlicher Oberflächlichkeit nicht sehr viel weitergebracht.