Auf den ersten Blick geht es um die Mühen und Leiden einer Arbeiterfamilie im Ruhrpott aus der Sicht des zwölfjährigen Julian. Die Erzählung ist unterbrochen von kurzen Berichten über einen Mann, er sich unter Tage mit unklarem Ziel vorangräbt. In einem der ersten dieser Berichte lesen wir:
In die noch unberührte, schwarzglänzende Schicht hatte sich ein Skelett eingedrückt, ein Vogel wohl, nicht größer als eine Kinderhand und mit einem verdrehten Flügel. Statt eines Schnabels hatte das Wesen jedoch einen spitz zulaufenden Kiefer, der sich so deutlich abzeichnete auf dem schwarzen Grund, daß man die winzigen Zähnchen erkannte, jedenfalls einen Augenblick lang.
Der Vogel wird zum Leitmotiv, und später lernen wir, warum, im Dialog zwischen Julian und seiner Schwester:
»Ich hab eine schöne Seele.«
»Du? Wer sagt das?«
»Oles Mutter. Jawohl.«
»Kann man sowas sehen? Was ist denn überhaupt eine Seele.«
»Mein lieber Junge, sei nicht so dumm, ja? Das weiß doch jeder. Seele ist, warum ein Vogel singt.
Trotz etlicher tragischer Ereignisse endet das Buch seltsam hoffnungsvoll und greift das Motiv des Vogelabdrucks vom Anfang wieder auf:
Ein wenig Licht brach durch, Staub tanzte in den Strahlen, und plötzlich waren die Vögel, all die Meisen, Gimpel und Pirole, wieder da. Hauchzart und grau, wie ein Wasserzeichen an der Wand.