Klappentext:
Auf einer Insel im Südpazifik trifft sich 1965 eine Gruppe kalifornischer Astronomen, um einen Kometen zu beobachten. Das Gestirn streicht vorbei, ein Junge stirbt - ein Erlebnis, das sie nicht mehr loslassen wird. Von nun an treffen sie sich alle sechs Jahre, um den Kometen zu beobachten und ihr Leben neu zu vermessen.
Über den Autor
Andrew Sean Greer lebt in San Francisco. 1996 zeichnete Richard Ford eine seiner Geschichten mit dem Ploughshares's Cohen Award for Best Short Story aus. 2000 erschien der Erzählband "How it was for me", 2005 sein zweiter Roman "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli".
Meine Meinung
Den zahlreichen überschwänglichen Rezensionen mag ich mich nicht anschließen, denn ein absolutes Highlight war das Buch für mich nicht, schlecht fand ich es aber auch nicht. Die meiste Zeit habe ich mich gefragt, wohin mich Greer führen möchte - ich habe mich ähnlich orientierungslos gefühlt wie die Protagonisten. Und von denen gibt es einige, da der Autor die Leben einer Gruppe von Menschen verfolgt, die durch die Betrachtung eines Kometen verbunden sind. Es gibt den renommierten Astronomen, der den Kometen entdeckt hat, seinen verzweifelten Kollegen, seine aufstrebenden Studenten, seine junge, unwissende Tochter, und andere aus deren Dunstkreis. Diese Menschen sind nicht nur durch den Kometen sondern auch den Tod eines Jungen miteinander verbunden, und im Laufe des Buches werden sie älter, erwachsen, erfolgreich, verzweifelt, desillusioniert und ihre Beziehungen zueinander verändern sich - sie leben. Greer fächert diese Leben vor dem Leser auf, indem er sie von 1965 bis 1990 alle sechs Jahre „besucht“. Er spielt mit den Perspektiven, mit Rückblicken und Momentaufnahmen. Dabei wachsen einem manche Protagonisten ans Herz, andere eben nicht.
Besonders gut hat mir gefallen wie sich die Einzelnen Gedanken über ihr Leben machen und dabei die Anschauung variiert wird, dass ein Leben aus mehreren Leben besteht bzw. bestehen sollte. Kathy, Frau eines viel versprechenden Astronomen, „wechselt“ von einem Leben in ein anderes indem sie ihren Beruf bzw. ihre Berufung wechselt. Denise, Astronomin, blickt auf die nicht genutzten Chancen zurück und überlegt verzweifelt, welche Leben sie hätte führen können. Und Lydia empfindet sich als Heranwachsende bereits als ein „Produkt“ des Teams von Mädchen, die sie schon gewesen ist. Auffällig ist hierbei meines Erachtens, dass diese Überlegungen nur von Frauen geführt werden. Die Männer spiegeln diese Überlegungen in ihrem Handeln, reflektieren sie aber nicht selbstständig. Auch wenn sie komplexe Personen im Geschehen darstellen, funktionieren sie bei diesem Aspekt anscheinend nur als Beiwerk der weiblichen Innenwelten.
Anfänglich fand ich den Roman etwas schleppend, obwohl er natürlich mit den Ereignissen beginnt, die immer wieder aufgearbeitet werden - der ersten Kometenbeobachtung und dem Tod eines Jungen. Nachdem die Protagonisten eingeführt waren legte sich das, allerdings schwächelt das Buch gegen Ende wieder etwas. Greers Schreibe ist solide (aber leider schlecht lektoriert), und offenbart einige Perlen.