Mina Wolf, Journalistin und Gelegenheitstexterin, opfert den Sommer, um einen Aufsatz über den Dreißigjährigen Krieg für die Festschrift einer Kleinstadt zu schreiben. Eine irre Nachbarin, die Tag für Tag von morgens bis abends auf ihrem Balkon lauthals singt, zwingt sie, nur noch nachts zu arbeiten. Die kleine, enge Straße gerät in Aufruhr und in Minas Kopf vermischen sich der Dreißigjährige Krieg, die täglichen Nachrichten über Krieg und Terror mit der anschwellenden Aggression in der Nachbarschaft. Als auch noch eine Krähe in ihre nächtliche Einsamkeit gerät, die sie Munin nennt und mit der sie ein Gespräch über Gott und die Welt beginnt, ist das Chaos in Minas Kopf komplett.Monika Maron entwirft in diesem turbulenten Roman provokant und mit Humor ein Stimmungsbild unserer Zeit.
Monika Maron is a German author, formerly of the German Democratic Republic. She moved in 1951 from West to East Berlin with her stepfather, Karl Maron, the GDR Minister of the Interior.
She studied theatre and spent time as a directing assistant and as a journalist. In the late 1970s, she began writing full-time in East Berlin. In her early novels written in East Berlin, her primary theme was life and loathing inside a totalitarian surveillance state. But despite Maron's criticism of the GDR regime, it turned out that she had worked as an informer for the Ministry of State Security, or Stasi — a fact that she addressed in her 1999 novel, Pawels Briefe (Pawel's Letters).
She left the GDR in 1988 with a three-year visa. After living in Hamburg, Germany, until 1992, she returned to a reunited Berlin, where she currently lives and writes.
Her works deal to a large degree with confrontation with the past and explore the threats posed both by memory and isolation. Her prose is sparse, bleak, and lonely, conveying the sensitivity and desperation of her narrators.
In 1992, she was distinguished with the renowned Kleist Prize, awarded annually to prominent German authors, and, in 2003, with the Friedrich Hölderlin Prize.
Her latest novel, Artur Lanz (2020), delves into the emasculation of men as "heroes," and the evolution of "cancel culture" in a liberal mainstream that polices speech and opinions. Maron's characters' views on gender, immigration and Islam made some wonder if the once leftist writer had become Islamophobic or anti-feminist. Maron has also railed against the "gender gibberish" of woke liberals in political essays. She has criticized an "unenlightened Islam" and warned against "tolerance in the face of intolerance." Her political rhetoric echoes the far-right AFD party. Is the opinionated author turning herself into a mouthpiece for the alt right?
"I say what I think," she explained in an interview with public broadcaster Deutschlandfunk. "I arrive at my convictions or opinions by looking at the world or reading about it, or by weighing one opinion against another and somehow orienting myself. Whether that's right-wing or not doesn't matter to me in the end."
Diese Lektüre hat mich immer wieder aufgebracht. Die Protagonistin, Mina Wolf, schreibt einen Artikel über den Dreißigjährigen Krieg, sieht bei der Recherche immer wieder Parallelen zur Gegenwart und fühlt sich von einer verrückten Nachbarin gestört, die auf ihrem Balkon lauthals – und schlecht – Arien schmettert.
Mina ist eine alternde, verbitternde Misanthropin. Sie fürchtet den Islam, die Zuwanderung, spottet über die Anerkennung verschiedener sexueller Identitäten ebenso wie politische Korrektheit. Sie wähnt sich, wieder mal, in einer Vorkriegszeit und wittert überall „Genderscheiße“. Nachdem sie ihre Ruhe gefunden hat, indem sie sich von ihrem Mann scheiden ließ, pflegt sie nur noch wenige menschliche Kontakte, meidet auch die Nachbarn, die sich immer mehr in den Streit um die Sängerin ziehen lassen. Aber dafür spricht sie mit einer Krähe und weint um den Hund einer Freundin – den diese übrigens aus Bukarest nach Deutschland brachte, er ist also ein willkommener Flüchtling.
Die geäußerten Meinungen sind oft überzogen, plump, wenig menschenfreundlich – und es gibt keine Gegenposition, was mich mit am meisten ärgert. Spätestens als das sozialdarwinistische Gewäsch der Krähe Munin, „Sterben lassen, was nicht leben kann“ unwidersprochen bleibt, bin ich zutiefst verärgert.
Was es nicht einfacher macht: Monika Maron äußert sich auch immer wieder sehr islamkritisch und hat eben noch Aussagen Uwe Tellkamps verteidigt, die ich persönlich nicht verteidigenswert finde. Dabei will ich Erzählerin und Autorin nicht verwechseln, doch fällt es schwer, solche Äußerungen bei der Lektüre zu vergessen.
Und doch muss ich den Roman auch verteidigen. Zum einen sollte auch diese politische Haltung mal in einem Roman thematisiert werden – auch wenn sie mir zu konservativ, zu rechts ist. Aber wenn wir uns in unserer Lektüre stets nur unsere eigenen linksliberalen Denkweisen bestätigen, bringt uns das ja auch nicht weiter. Denn vielleicht krankt unser politisches System ja gerade daran, dass mit der wiederholten Neuauflage der Großen Koalition die politischen Unterschiede bei den etablierten Parteien verschwimmen und sich deutliche Abweichungen nur noch bei Parteien sehr weit am Rande finden. Und dieser Roman hat mich mehr zur Formulierung meiner eigenen Haltung und zur Diskussion mit anderen herausgefordert, als die meisten anderen, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Und das ist ja auch etwas.
Und dann gibt es ja auch Hinweise darauf, dass Mina Wolf nicht (nur?) als Alter Ego der Autorin zu sehen ist. Würde sie ihr dann dieses „Chaos im Kopf“ andichten? Ihre eindeutige soziale Isolierung, die sie dazu treibt, sich Gespräche mit Krähen einzubilden? Oder dieses typische Klischee vom tierliebenden Misanthropen? Nein, auch Leser, die die Ansichten von Mina teilen, werden sie sicher nicht vorbehaltlos mögen können.
Und, was bei den augenscheinlichen Anknüpfungspunkten für eine politische Einordnung zu kurz kommt: Das ist wirklich gut und pointiert geschrieben. Man könnte lange über die verschiedenen, wunderbar verknüpften Motive nachdenken: Die verschiedenen Kriege, also der Dreißigjährige, die aktuellen im Nahen Osten, der Nachbarschaftskrieg in der Straße der Erzählerin. Und warum heißt die Krähe Munin? Klar, nach Odins Raben, aber warum der Rabe Erinnerung und nicht der Rabe Hugin aka Gedanke? Und handelt es sich bei Mina Wolf auch um einen symbolischen Namen? Eine Recherche ergibt, Odin hatte auch zwei Wölfe: Geri und Freki. Würde ein tieferer Einstig in die nordische Mythologie der Figur Tiefe geben?
Mehr erfahren wir von der Erzählerin selbst über ihren Vornamen. Sie wurde nach einem Schlager benannt. Den kenne ich sogar aufgrund meiner mit alten Schlagern verseuchten Kindheit. Er stammt übrigens von einer italienischen Sängerin, ist also auch quasi immigriert.: https://www.youtube.com/watch?v=4AsPJ... Da kommt immerhin ein „schwarzer Tino“ drin vor und ein „verlorenes Land und die Erinnerung, dass es einmal schöner war“. Hat der Tino nun den Rocco getötet? Na ja, der Song hat einen eigenen wikipedia-Eintrag: https://de.wikipedia.org/wiki/Hei%C3%... Es geht also um Mord und Fremdenlegion, früher war also auch nicht alles besser... Und wo wir schon bei Sängerinnen sind: Welche Rolle spielt die verrückte Sängerin? Denn, auch das lernen wir, die Krähe gilt als Singvogel, obwohl sie nicht schön singt. Also was verbindet die beiden?
Insofern muss ich dieses Buch wirklich weiterempfehlen: Es ist literarisch anspruchsvoll und provoziert zudem eine wichtige Diskussion, wenn auch aus meiner Sicht mit den falschen und vor allem zu einseitigen Argumenten.
Kein Witz: Während des Schreibens dieser Review landete eine Nebelkrähe auf meinem Balkon. Und ich habe mich kurz gefragt, ob ich sie Hugin nenne und um Rat für meine Besprechung frage ;)
Monika Maron hat mit "Munin oder Chaos im Kopf" ein Meisterwerk der deutschen Literatur geschrieben. Eine kleine Westberliner Straße spiegelt als Handlungsort die deutsche Gesellschaft kurz nach 2015 wieder. Die handelnden Personen sind glaubhaft und ambivalent. Die Sprache ist präzise. Die intelligente Geschichte sorgt für Spannung.
Die fünfzigjährige Mina Wolf wohnt in eben jener kleinen Westberliner Straße. In der Nachbarschaft singt eine geistig behinderte Frau Arien. Der Gesang ist krumm und schief. Die Ich-Erzählerin soll eine Festschrift für eine Kleinstadt über den Dreißigjährigen Krieg verfassen. Um dem "Gesang" am Tag zu entgehen, arbeitet sie nachts und schläft tagsüber. Sie beginnt die Inhalte ihrer Recherchen zu der Epoche ihres Festschriftthemas mit der aktuellen politischen Lage zu vergleichen. In der Nachbarschaft wird Widerstand gegen die singende "Verrückte" organisiert.
Mina Wolf freundet sie sich mit einer Krähe, die sie Munin nennt, an. Der zwei Jahre vor dem Roman erschienene, lesenswerte Essay "Krähengekrächz" ist eine Art Vorstudie zu diesem Handlungsstrang und wird auch direkt referenziert. Im Gespräch mit der Krähe äußert Mina Wolf politische Ansichten zu Gendersprache, Islam oder Flüchtlingspolitik, die vielen Lesern nicht gefallen werden. Gleichzeitig spitzt sich die Situation um die "Sängerin" in der Nachbarschaft zu. Mehr sei aus Spoiler-Gründen nicht verraten.
Diesem Roman sind aus literarischen Gründen viele Leser zu wünschen. Die politischen Äußerungen der Protagonistin stehen hingegen auf einem anderen Blatt.
Welt im Chaos, Land im Chaos, Gesellschaft im Chaos und dann auch noch der Kopf im Chaos – wir leben in chaotischen Zeiten. Da kann es schon mal durcheinander gehen mit den alltäglichen Nachrichten, den eigenen Werken, auch wenn es „nur“ Auftragsarbeiten sind, mit den Nachbarn, die sich nicht konform verhalten und den eigenen Gefühlen, die sich ebenfalls nicht konform verhalten wollen.
So etwa die Lage für Mina Wolf, eine knapp Fünfzigjährige, die in Berlin-Wilmersdorf, gemeinhin also jenem gutbürgerlich-westlichen Berlin, lebt, wo man sich noch weitestgehend verschont wähnt von den Zeitläuften, die sich in Neukölln in vermeintlicher Islamisierung oder am Ku´damm als Terroranschlag manifestieren. Nun soll Frau Wolf also für die Festschrift einer westfälischen Kleinstadt einen kurzen Abriß des Dreißigjährigen Krieges verfassen. Diese Auftragsarbeit, der die Journalistin sich mit einem gewissen naiven Charme annähert, hat sie doch keine „über eine oberflächliche Allgemeinbildung hinausgehenden“ Kenntnisse dieser für „Deutschland“ so einschneidenden Epoche, wird allerdings massiv dadurch gestört, daß in der ruhigen Straße, in der sie lebt, eine sich als Opernsängerin gebärdende, offensichtlich geistig verwirrte Frau die Anwohner mit tagtäglichen Konzerten beglückt, die sie von ihrem Balkon herab darbietet. Um sich einerseits diesen Darbietungen, andererseits den darob zunehmend aggressiveren Auseinandersetzungen in der Nachbarschaft zu entziehen, verlegt Mina Wolf ihre Tätigkeit in die Nacht. Während sie sich also ihrem Sujet zu nähern versucht, bricht die Wirklichkeit nicht nur in Form der unmittelbaren um sie herum aufbrechenden Feindschaften in ihr Leben ein, sondern auch in Form der ihr Bewußtsein oft wie unbegrenzt flutenden Nachrichten aus aller Welt: Anschläge in Nahost, Kriege und die neuen Barbaren, Hunger, Not und Elend und die daraus entstehenden Flüchtlingsströme ängstigen sie ebenso, wie sie die um sich greifende „Genderscheiße“, die geschlechtliche Sprachgleichstellung und andere Zumutungen einer postmodernen Welt zusehends nerven. Als das Chaos in ihrem Kopf allzu groß zu werden droht, wird ihr in Form einer sprechenden Krähe, die sie auf den Namen ‚Munin‘ tauft, Hilfe zuteil. Munin – so benannt nach einem der Raben Odins, die sein Gedächtnis und die Erinnerung der Götter verkörpern – lässt sie reflektieren auf das menschliche Sein, das sich gottgleich geriert und dabei (natürlich!, will man als Leser rufen, natürlich!) längst das Göttliche aus den Augen verloren hat; ja, aus seinen Fehlern und seinem Versagen immer nur die „falschen Schlüsse“ zieht. Im Zwiegespräch mit der Krähe findet Mina Wolf wieder zu sich und so auch Zugang zu ihrem zu verfassenden Text.
Monika Maron, die u.a. mit STILLE ZEILE SECHS oder ZWISCHENSPIEL wesentliche Texte der Nachwendezeit vorgelegt hat, greift mit ihrem neuesten Werk, einem schmalen Band von gerade einmal 222 Seiten, auf kunstvoll konstruierte Weise in den herrschenden, sich zuspitzenden Diskurs ein. Als öffentliche Stimme hat sie sich in den vergangenen Jahren islamkritisch und zumindest offen für die von vielen als eher rechtslastig wahrgenommenen Positionen der Dresdner ‚Pegida‘-Proteste gezeigt. Ohne diese Positionen hier nun explizit zu vertreten, schimmern sie aber doch immer durch die Zeilen des Textes, nimmt der gegenwartsaufmerksame Leser sie eben als Hintergrund-Matrix wahr. Mehr noch aber sind es die Folgen eines gesellschaftlichen Risses, die sie gekonnt ausstellt.
Grundlegend aber muß man sagen, daß die Spiegelung des großen Ganzen im Kleinklein der persönlichen Umwelt meist zu Vereinfachung, bestenfalls zu Redundanz führt - und so ist es stellenweise leider auch hier.
Die Erregungsbereitschaft einer Bevölkerung, die sich im Kern nicht mehr einig ist, ob sie die Liberalisierung der vergangenen 40 bis 50 Jahre (also grob seit „1968“) noch weiterführen, oder aber lieber in reaktionärer Abschottung und im Rekurs auf eine bessere Vergangenheit, die - als Idyll ausgemalt - Frieden, Sicherheit und Wohlstand garantiert, sich den Anforderungen einer immer komplexeren, globalisierten Welt verschließen will, wird anhand der Auseinandersetzungen um die Zumutungen einer nicht zugänglichen Frau aufgearbeitet, die eine ganze Straße (= das Land) „terrorisiert“. Es sind diese sich aufdrängenden Doppeldeutigkeiten und Worttransparenzen, die untergründig mitschwingenden Bedeutungsebenen und Metaphern, die Marons Text wirklich lesenswert und vor allem bedenkenswert machen.
Es sind aber zugleich dieselben Doppeldeutigkeiten und Worttransparenzen, die den Text oft anstrengend und auch ärgerlich machen. Denn wie meist funktioniert die Engführung des großen Ganzen mit dem Kleinklein des Persönlichen nur bedingt. Frau Wolf nimmt an diversen Treffen der Nachbarschaft teil, bei denen sich exemplarisch jene Risse zwischen Liberalismus und Engherzigkeit auftun, die wir aus der Auseinandersetzung von der Straße und aus den Feuilletons kennen: Die oft nicht ganz unberechtigte Empörung jener, die sich von den Zeitläuften überfordert fühlen und der Meinung sind, sie würden (ungefragt) Zumutungen ausgesetzt, und die manchmal arrogante Herablassung jener Liberalen, die sich selbst ungern den Unbilden einer wilden Nachbarschaft aussetzen, von anderen aber Toleranz gegenüber allem und jedem verlangen. Im Text stehen für diese Positionen ein Taxifahrer, der besonders unter der verhinderten Ariensängerin zu leiden hat, und ein „Audi-Fahrer“, der fürs Fernsehen arbeitet, ebenfalls leidet, dennoch aber der Meinung ist, man müsse eine so arme Kreatur wie die offensichtlich ja behinderte, mit einem Betreuer versehene Dame eben auch einfach ertragen, könne sie nicht um die wenigen Freuden ihres Daseins bringen etc. Dieser Streit, der im Buch schnell wieder in den Hintergrund tritt und der Ich-Erzählerin eher durch Dritte zugetragen wird, als daß sie ihn selber erlebt, eskaliert schließlich bis hin zu körperlichen Auseinandersetzungen, Reifenstechereien und führt dann dazu, daß sich die eine Fraktion plötzlich mit Deutschlandfahnen zu bekennen scheint. Wozu, bleibt undeutlich und scheinbar ist das auch der Autorin irgendwann aufgefallen, denn sie weist explizit darauf hin, daß auch sie keinen direkten Zusammenhang zwischen der Sängerin audf dem Balkon und den nationalen Bekenntnissen ziehen kann, die sie "einem Sportereignis" zuschreibt.
Ob gewollt oder nicht, es gelingt Monika Maron allerdings, den Leser an exakt jene Stelle zu setzen, die im Text Mina Wolf einnimmt. Grob gesagt, sitzt die Dame zwischen Baum und Borke. Denn sie ist im Kern mit ihrem Text zum Dreißigjährigen Krieg beschäftigt, den sie nur schwer und auf Umwegen in den Griff bekommt. Sie will sich den Auseinandersetzungen in der Nachbarschaft entziehen, will sich weder mit dieser, noch mit jener Seite gemein machen und nimmt damit letztlich eine Position ein, die jener ähnelt, die die Protagonisten des elenden Krieges im 17. Jahrhundert oft inne hatten: Indifferent sich keiner Seite zugehörig fühlend, sich aber an den Meistbietenden verkaufend. Oder, war man kein Söldner, kein Kombattant, hin und her geworfen zwischen den wogenden Heeren und den gerade im Landstrich herrschenden Konfessionen. Ein bitterböser Kommentar auf ein zunehmend verängstigtes Bürgertum, daß sich seiner liberalen Wurzeln versichern und zugleich unbedingt verhindern will, daß die elendigen Massen aus Afrika, dem Nahen Osten oder anderen, schlecht beleumundeten Gegenden der Welt ihnen ihre Pfründe streitig machen. Weltoffenheit oder Abschottung? Baum und Borke.
Anhand der Schriften des Söldners Peter Hagendorf gelingt Mina Wolf schließlich der Zugriff. Hagendorfs Tagebuchaufzeichnungen - ein Glücksfall, da der Mann Lesen und Schreiben konnte - bieten tiefen Einblick in die vollkommen sinnentleerte Tätigkeit der Söldner, die mal für diese, mal für jene Seiten stritten, immer dem besten und höchsten Solde nach, brutalisierte Männer, die weder Ziel noch Grund für ihre Metzeleien brauchten. Natürlich – eine weitere Doppelung und Doppeldeutigkeit – stellt sich, nicht zuletzt deshalb, weil Maron immer wieder tagesaktuelle Nachrichten über Gräueltaten des IS u.a. in den Text einfließen lässt, bald eine Parallele zu den heutigen „Barbaren“ her. Und so kommt der Text zu seinem eigentlichen Kern: Was haben wir denen entgegen zu setzen, die aus Überzeugung handeln, deren Beweggründe sehr viel existenziellerer Natur sind als unsere Wohlstandsproblemchen? Denn ein solches ist die Lärmbelästigung, die von der Balkonsängerin ausgeht – ein Wohlstandsproblem. Es sind kleine Fallen in diesem oft elegant dahinfließenden Text, der so eindeutig, manchmal gleichsam naiv, ja einfach wirkt und doch so doppeldeutig in seinem hinter- und untergründigen Spiel sich aus-wirkt. Denn in der Gegenüberstellung existenzieller Bedrohung, wie sie die Bevölkerung Deutschlands während jener fürchterlichen dreißig Jahre gegenwärtigen musste, und der Bedrohlichkeit, die von einer Lärmbelästigung, von einer vielleicht Verrückten ausgeht, wird auch die Empörungsbereitschaft entlarvt, die scheinbar nur auf den geringsten Anlaß wartet, um sich zu entfalten.
Ob Monika Maron das so wollte, sei einmal dahingestellt, sicher aber ist, daß ihr Text genau das ausdrückt. Allerdings bleibt er widerständig und sperrig, drängt den Leser zum Widerspruch, wenn die Autorin momentweise, offenbar unreflektiert und ganz der eigene Empörungsbereitschaft hingegeben, ihrem Hass und ihrer Wut auf alle möglichen Entwicklungen einer postmodernen, liberalisierten Gesellschaft Ausdruck verleiht. Es wurde oben bereits angemerkt: Da werden heute eher der Rechten zugeschriebene Aussagen nahezu unkommentiert übernommen, da wird einem für eine AutorIn ebenso nachvollziehbaren wie oft erstaunlichen Hass auf gendergemäße Sprachentwicklung nachgegeben und in der Charakterisierung der Nachbarn, gibt sich Maron fast schon peinlichen Klischees hin (Wutbürger = Taxifahrer = Unterschicht; Liberale = Audifahrer = „Fernsehmensch“). Man will annehmen, daß Maron gerade im Anlaß der nachbarschaftlichen Erregung durchaus auch sich selbst und die eigenen Begründungen zumindest in Frage stellt.
Und schließlich bleibt da dieser Dialog zwischen Munin, der Krähe, die sich Gott nennt, und Mina Wolf, deren Namen ebenfalls auf die nordische Götterwelt verweist, wird der nordische Gott Odin doch oft in Begleitung zweier Wölfe dargestellt, und zugleich auch auf das "Tier im Menschen", welches eben auch hervorbrechen und animalisch sein Recht fordern kann. Dieser Dialog hinterfragt die Position des Menschen als sich im Zentrum des Seins wahrnehmendes Geschöpf, das Gott erschuf, ihn tötete und nun ob seiner Verlassenheit und existenziellen Leere eben genau den Schöpfer anruft, den er eben erst vernichtet hat. So stehen wir denn ungeschützt jenen gegenüber, die sich auf ihre Religion berufen und im Namen dieser Religion meinen, dem Tier in sich die Fesseln lösen und im Namen ihres Gottes töten zu müssen. Und wie sollen wir ihn wiederfinden, unseren Gott, der uns schützen und bewahren kann? Munin scheint die Antworten zu kennen. Denn er ist Gott - oder zumindest ein Teil Gottes.
Kurz gesagt ist zu konstatieren, daß der Text sich an dieser Stelle vielleicht schlichtweg übernimmt. Die gegenwärtige Lage des Landes en détail und als Metapher, in historischer Gleichung zur Urkatastrophe dessen, was dann Deutschland werden sollte, und schließlich noch als metaphysischer Versuch über das Wesen des Menschen allgemein und sein Verhältnis zu Gott und der Natur – es ist zu viel. Dennoch bleibt dies ein lesenswerter Text, ein nachdenkenswerter Text und in seiner Vielschichtigkeit vor allem ein Text, den als zu leicht zu befinden man geneigt ist, den zu durchdringen allerdings lohnt, da er sehr wohl gegenwartsbezogen Fragen aufwirft, denen sich zu stellen weder Rechten noch Linken, weder Liberalen noch Konservativen leicht fallen dürfte. Ein Text, der die Position eines verunsicherten Bürgertums erfasst und widergibt und der es weder sich noch dem Leser einfach macht.
Gemeinhin also ein als gelungen zu bezeichnender Text.
Ein französischer Geist weht durch Deutschland. Hard Sci-Fi nennt man die Sparte einer technisch determinierten Spielart futuristischer Lietratur. Ein Genre, das sich in Aufzählungen und Pseudo-Erklrungen ergießt und den Eindruck von Plausibilität schafft, manchmal zu Ungunsten der literarischen Qualität. Das hier wäre entsprechend Hard Soci-Fi. Die Frage nach gesellschaftlichem Zusammenhalt wird in dieser Novelle auf die Spitze getrieben. Und auch hier geraten manche Aufzählungen etwas steif und redunant. Aber wie kunstvoll Maron ihre Frage (der Titel suggeriert eine) auffächert ist schon mehr als beachtlich und ungemein mutig. So etwas kennt man eben aus Frankreich, Houellebecq sei da gennant, der übrigens als Pate im Text auch zitiert wird, aber auch die Vernon Subutex Reihe von Despentes oder Édouard Louis' Im Herzen der Gewalt.
Die Innovation liegt darin keine Antwort auf die Fragen zu liefern, die den Kopf der Protagonistin quälen. Im Dialog mit einem Vogelwesen namens Munin, welches sich nicht nur zufällig an der Koseform des Vornamens der Autorin anschmiegt, versucht Maron den Zeitgeist im heutigen Deutschland zu ergründen, jenem "besten Deutschland aller Zeiten", von anderen mit Argwohn als sich einem sich bereits im Anlauf zum Bürgerkrieg befindlichen. Dass es in einem Selbstgespräch zu interessanten Verweisen, aber nie zu einem "befriedigenden" Abschluß kommt, das kann man der Autorin gar nicht hoch genug anrechnen.
In Deutschland, autoritätsorientiert wie eh und je, neigen die Kunstschaffenden dazu Anleitungen zu liefern. Idealerweise simple Scherenschnitte, mit denen sich kindgerecht Welt und Staat und Moral simpelst inszenieren lassen im Kopf der bürgerlichen Rezipienten. Oder banal formuliert: Hier geht's lang, Bundesbürger!
Maron schreibt lieber über das emotionale und intellektuelle Chaos, das sich derzeit auftut. Hat keine Universallösungen. Aber verschließt deshalb nicht die Augen vor den Fragen, die uns bedrängen. Dafür, und natürlich für die fein konstruierte, und dabei so glasklare Sprache, gebührt diesem kleinen Buch mein Dank.
At some points, the purpose of this book seems to be islamophobia solely, at others it's a broader sense of some kind of inability to cope with change, changing environments, or other humans in general. The information about this novel sounded good, that's why I picked it up just to find myself in an older author's changing views and beliefs, and problems with today through the eyes of her alter ego. Had I known more about it, I wouldn't have picked it up. Don't get me wrong, everybode is entitled to their own opinion and beliefs, but the way Maron puts her thoughts into her alter ego's words unreflected or otherwise undealt with is simply too narrow minded.
Gott und die Welt und das Wesen von Auseinandersetzungen und Volkes Maul
„Aber es hatte sich etwas verändert seit dem letzten Sommer. Die Menschen waren gereizter …geworden, was nicht nur die Bewohner unserer Straße betraf, sondern auch alle anderen, und das nicht, weil die Welt sich in den letzten zwölf Monaten so verändert hätte, sondern gerade weil sie sich nicht verändert hatte, weil das, was schon vor Jahren begonnen und sich im vergangenen Jahr in Krieg, Krisen und weltweitem Terror entladen hatte, alltäglich geworden war.“ S. 10 Journalistin Mina Wolf will in ihrer Wohnung für eine Kleinstadt eine Festschrift über den Dreißigjährigen Krieg verfassen, doch die unmelodisch lauthals vom Balkon singende Nachbarin bringt Unfriede unter die Anwohner und macht Mina die Arbeit außerhalb der Nachtstunden unmöglich.
Bald sieht Mina damals wie heute die Gefahr von Kriegen durch die armen überzähligen Söhne bevölkerungsreicher Länder, sie zieht Parallelen zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und anderen: „Klimawandel, Wassermangel, Hunger, Verdopplung der Bevölkerung…diesmal nicht in Europa, sondern in Afrika.“ S. 30, sowie zwischen dem Prager Fenstersturz und der Situation mit der Sängerin: „Wir können die Frau schließlich nicht vom Balkon werfen“. Sie schafft es, auf mich weder dumm noch ignorant noch als Gutmensch zu wirken, dennoch lässt der Text über Ursachen nachdenken wie auch über Konsequenzen, somit für mich ein Treffer, auch wenn ich mich noch frage, wie ihr das gelingt:
Autorin Monika Maron lässt in diesem leicht zu lesenden Roman ihre Protagonistin philophieren über den Krieg: „Bevor ein großer Krieg endgültig ausbricht, hat er als Wissen, wenigstens als Ahnung um seine Unvermeidlichkeit von dem Volk schon Besitz ergriffen. Anders ließe es sich nicht erklären, dass in Sarajewo ein einziger Schuss fiel und alle Welt wusste, dass nun in Europa Krieg herrschte.“ S. 53. Sie traut sich aber auch, dem „Volk aufs Maul“ zu schauen, so angesichts des Protests des Taxifahrers, als der Kakophonie vom Balkon nicht beizukommen ist: „In diesem Land muss man inzwischen verrückt sein, zu doof oder zu faul zum Arbeiten, nicht Deutsch können, drogenabhängig oder kriminell sein, damit sich jemand mit dir beschäftigt. So sieht’s doch aus. Die Frau kann eine janze Straße terrorisieren, und die is aber die Einzje, um die man sich kümmert.“ S. 95
Dass dann auch noch eine Krähe in Minas Leben hüpft, mit ihr zu sprechen beginnt und weitere philosophische Diskussionen anregt, gefiel mir – wird für einige aber sicher zu schräg sein und neigt mit der Erweiterung der Betrachtungen auf Gott und Genderdiskussionen ein wenig hin zur Überfrachtung der wenigen Seiten. Bei mir „passte“ das Gesamtpaket und mein einziger echter Kritikpunkt ist der Preis von € 20,00 für nur knapp über 200 Seiten gebundener Text (lieber Fischer-Verlag: packt ein Lesebändchen dran, damit akzeptiere ich fast alles 😉
In der Onleihe stiess ich per Zufall auf diesen Titel und da ich gerade einen leeren Leseplatz hatte, lieh ich mir das Buch kurzerhand einfach mal aus.
Ich wusste nicht so recht, worauf ich mich einlassen würde und weiss auch jetzt noch nicht so recht, was mit diesem Buch anfangen. Auf jeden Fall war es eine sehr interessante Lektüre. Über den Krieg wurde schon viel geschrieben, aber auf diese Art und Weise bisher wahrscheinlich noch nicht.
Maron verwebt die verschiedenen Arten von menschlichen Auseinandersetzungen, lässt alle auf einmal auf uns eindonnern, sodass wir erkennen müssen, dass sich die Geschichte zu wiederholen droht. Dabei zieht die Autorin nicht den Zweiten Weltkrieg als Referenz heran, sondern den Dreissigjährigen Krieg.
Ausserdem dürfen wir das Getue der Menschheit aus dem Blickwinkel einer Krähe betrachten - ein interessanter Schachzug. Das Tüpfelchen auf dem i. Symbolträchtig, aussagekräftig, passt Munin hervorragend ins Bild. Auch wenn man beim Gedanken an die schlummernde Krähe auf dem Sessel ein wenig schmunzeln muss.
Maron schreibt ohne zu werten, beobachtet eher. Lässt ihre Ich-Erzählerin einfach mal machen. Auch wir sind nur Beobachter. Aber wir dürfen uns unsere eigenen Gedanken machen. Die grossen Kriege treffen auf die kleinen. Sie alle beherrschen uns, verändern uns. Liegt uns der Krieg im Blut? Können wir gar nicht anders?
Das Buch wirft Fragen auf. Fragen, die kaum zu beantworten sind. Munin findet ein paar Ansätze, aber bis wir eine Lösung haben, werden wohl noch einige Jahrzehnte, Jahrhunderte vergehen...
Nicht meins. Die Journalistin Mina Wolf hat zugesagt eine Festschrift für eine kleine Stadt in Westfalen anlässlich des Gedenkens an den 30-jährigen Krieg zu schreiben anstatt den Sommer zu faulenzen. Schnell verlegt sie ihre Arbeitszeit in die Nacht, da eine ihre Nachbarinnen die Straße mit ihrem Gesang terrorisiert. Sie verliert sich in ihrer Recherche zum 30-jährigen Krieg und fängt irgendwann auch noch an, mit einer Krähe, die sie Munin nennt, zu quatschen.
Das ganze soll laut positiver Stimmen eine tolle Darstellung der aktuellen Stimmung in Deutschland sein. Dem kann ich mich leider nicht anschließen. An einigen Stellen habe ich durchaus gesehen, dass Maron versucht, Konflikte und ihren Umgang damit einzufangen. Aber mehr als ein Anreißen war das für mich nicht. Und unterm Strich weiß ich auch gar nicht, was die Autorin mit ihrem Buch überhaupt bezweckte, was ich nach der Lektüre mitnehmen soll, wo der Grund für die Publikation dieser Geschichte liegt. Viel stärker bleibt der negative Nachgeschmack, denn es finden sich vermehrt respektlose und diskriminierende Aussagen über Minderheiten als auch gegenüber Ausländern oder Menschen mit Mitgrationshintergrund. Und die waren meines Erachtens absolut nicht notwendig für die Story, haben diese in keiner Weise vorangebracht. [Solche Aussagen sind meines Erachtens nie notwendig, aber wenn man z.B. einen Konflikt mit einem rassisstischem Charakter in eine Story inkulidert, so sind diskriminierende Aussagen an der Stelle durchaus relevant für die Story, für die Porträtierung des Charakters.] Einige wenige Interessante Punkte gab es im Vergleich des 30-jährigen Krieges mit der aktuellen globalen Situation, jedoch blieb das auch eher oberflächlich. Die Gespräche mit der Krähe, die in einigen Rezensionen als "erfrischend" dargestellt werden, fand ich leider unnötig. Keine Empfehlung von meiner Seite aus.
Um nicht missverstanden zu werden: Nichts läge mir ferner, als mich an Altersdiskriminierung zu beteiligen. Aber diese Bemerkung sei mir erlaubt. In letzter Zeit fällt mir immer mehr auf, wie schwer es Autoren zu fallen scheint, rechtzeitig mit dem Publizieren aufzuhören. Vielleicht werden sie auch von ihren Verlagen gedrängt, zu liefern, obwohl ihnen eigentlich nicht mehr genug einfällt, um die Qualität früherer Werke zu erreichen. Im vorliegenden Fall scheint es mir so zu sein, dass die Autorin in ihrer Dissidentenhaltung stecken geblieben ist. Was vor vierzig Jahren die Umweltzerstörung in der DDR war, die sie zu Recht kritisiert hat, sind heute Entwicklungen, die ich als humanistisch und gut bezeichnen würde. Natürlich wollen wir Menschen, die vor Krieg fliehen müssen, helfen. Natürlich begrüßen wir es, wenn sich die Geschlechter annähern und auch Männer sich für die Familie engagieren. Warum soll sich das nicht auch in der Sprache ausdrücken dürfen? Natürlich ist es gut, wenn sich Menschen um ihre Gesundheit kümmern und durch den Park joggen - selbst wenn das so manche Hundebesitzerin stört. Sicherlich ist es fragwürdig, wenn ein Verlag eine Autorin nach Jahrzehnten der guten Zusammenarbeit - pauschal - nicht mehr drucken möchte. Aber auf eine Art kann ich es verstehen. Maron hat sicherlich mit diesem Buch erneut gezeigt, dass sie das Schreiben nicht verlernt hat. Formal ist es gelungen. Die Meinungen, die sie vertritt, sind mir jedoch zu menschenUNfreundlich und möchte ich sie nicht lesen. Daher nur drei Sternchen.
Meine Erwartungen sind bei Monika Maron extrem hoch. An die Brillanz ihrer früheren Bücher reicht "Munin oder Chaos im Kopf" aber bei weitem nicht heran. Dennoch halte ich die weitreichende Kritik an dem Buch für überzogen. Einige sprachliche Schnitzer hätte ein besseres Lektorat wohl ausmerzen können. So wird beispielsweise von "Hefebakterien" (i.e. ein wohl unbeabsichtigtes Oxymoron) geschrieben, Dinge "zerren" an den Nerven anstatt an ihnen zu zehren, die Millionen (sic) Flüchtlinge, die ins Land gelassen worden seien, werden eine Zeile später zu einer Million. Die Verweise auf die Flüchtlingsproblematik kommen ohnedies etwas hölzern daher und fügen sich nur sperrig in eine ansonsten durchaus kluge Erzählung, von deren Lektüre ich trotz allem nicht abraten würde.
Einer der besten Romane seit langem. Kaum ein Werk schafft es, den in Deutschland herrschenden Zeitgeist auf eine so unterhaltsame Weise zu schildern. Eine wunderbare Allegorie auf ein orientierungslos gewordenes, (sich seiner selbst) unsicher gewordenes und geschichtsvergessenes Land. Es fällt nicht allzu schwer, die Anspielungen der Autorin auf unterschiedliche Charaktere unserer Zeit zu verstehen, vorausgesetzt, man verfügt über den allbekannten "Blick aufs große Ganze" und wird nicht zu sehr von den gewaltsamen Strömungen des Zeitgeists mitgerissen. Ein tolles und unterhaltsames Buch!
Beim Lesen hatte ich übrigens ständig Minas Lied im Kopf. Ich persönlich finde es schon etwas seltsam, meine Tochter nach einer Sängerin zu nennen, deren Lied einen so traurigen Ausgang hat. Auf der anderen Seite ist es für die Handlung wieder passend.
Minas Chaos kann ich so gut verstehen. Sie hat schon vor der ganzen Sache nicht stabil auf mich gewirkt und der Druck, unter dem sie jetzt steht, macht das Chaos nur größer. Wie gut, das wenigstens Munin zu ihr steht
Befindet sich Europa in einer Vorkriegszeit? Diese und andere Frage stellt sich unsere Protagonistin Mina ueber einen langen Sommer "eingesperrt" in ihrer Wohnung in Berlin waehrend sie Parallelen zwischen dem Dreissigjaehrigen Krieg und den 2010ern sucht.
So kurz diese Geschichte auch war, ich fand dass die Autorin auf interessante Art und Weise relevantes Material verarbeitet hat.
At first, I found the setting, the characters, and the overall premise tantalizing. And the writing itself was interesting enough. But somehow it never really played itself out or redeemed itself properly. Hm.
Kritisch und kritikfähig, chaotische Gedanken klar gezeichnet, Allegorien, die zum Gedankenaustausch anregen (sofern dies noch zivil möglich ist)- mir gefällt's ausgezeichnet.