Von Inoue hatte ich bislang zwei Bücher gelesen: Eiswand und Meine Mutter. Gerade letzteres, das mit einem unglaublichen Detailreichtum den Umgang mit der zunehmend dementen Mutter Inoues schildert - schonungslos und zugleich liebevoll, fremd und zugleich vertraut, hat mich sehr beeindruckt.
Der Tod des Teemeisters ist ein historischer Roman, der sich mit den Gerüchten um das Ableben des berühmten Teemeisters Sen no Riky-u beschäftigt. Er führt die Leser ins Japan des 16. und 17. Jhs., eine kriegerische Welt, die von der ruhigen und bis ins feinste Detail regulierten Welt des Tees gleichsam konterkariert wird. Der Erzähler, ein Schüler des berühmten Meisters, sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, dass Riky-u vom Taiko Hideyoshi, dem er untadelhaft gedient hatte, den Befehl zur Entleibung erhalten hatte. Nachdem er sich zunächst vollkommen aus der Welt des Tees zurückgezogen hat, versucht der Erzähler im Laufe der Jahre und Jahrzehnte, den Gründen für das Ableben seines Meisters näherzukommen und seine eigenen Fragen dazu zu beantworten. Das geschieht sehr langsam und führt den Leser durch unzählige Teezeremonien. Dabei wird eine Welt beschrieben, in der jedes noch so kleine Gerät eine sehr spezifische Bedeutung hatte, in dem Objektbiographien eine grosse Rolle spielen und in der kein Detail dem Zufall überlassen wird - und in der Konsequenz, das Aufgehen in bestimmten Wegen und die Untadeligkeit eines Charakters zentral sind. Eine Welt, die ein grosses Stück weit fremd und unzugänglich bleibt - in die das Buch aber zumindest zumindest einen Spalt weit ein Fenster öffnet.