Qu'on le pende!
Besonders schwer ist das Richterleben im Wilden Westen wohl nicht - ein paar Brocken Vulgärlatein, kein Gewissen und als Strafe entweder Konfiszierung allen Bargelds oder eben Aufhängen: Alles andere würde auch dem Ruf als harter Hund, vor dem man Respekt haben sollte, schaden. Roy Bean als historische Persönlichkeit, der sich selbst "Gesetz westlich des Pecos" nannte, hatte es aber sogar leichter, denn schließlich musste er sich nicht mit Lucky Luke rumärgern, der den unterdrückten Dorfbewohnern in Langtry helfen will, sich vom strengen Joch des selbsternannten, korrupten Friedensrichters zu lösen.
Ich hatte zwischendurch den Eindruck, dass die Episodenhaftigkeit etwas nachlässt, doch in diesem Band schlägt sie wieder voll durch - man könnte das auch als 30 Einseiter publizieren, es gibt keinen wirklichen Storybogen. Irgendwie läuft das bei Lucky Luke in den letzten 10 Bänden immer nach dem gleichen Schema, nur der Name des Gegners wird ausgetauscht.
Trotzdem liest man die Abenteuer Lucky Lukes gern, wegen Morris' tollem, verschnörkelten Stil, und der Pseudo-Western-Atmosphäre, in der im Hintergrund immer das mechanische Klavier spielt und man den Pulver- und Zigarrendampf des Saloons beinahe riechen kann...