Eine Urne in einer Plastiktüte fällt während einer Straßenbahnfahrt in St. Petersburg zu Boden, ein jüdisches Kind bekommt ein Zigarettenetui mit einer Landkarte des Großdeutschen Reiches als Geschenk, ein altes russisches Ehepaar schleppt ein Bett vom Sperrmüll durch die Straßen von New York.
Authentisch und exemplarisch für die Emigrationserfahrung im 20. Jahrhundert erzählt Vladimir Vertlib die Geschichte der Irrfahrten einer russisch-jüdischen Familie auf dem Weg in die erhoffte Freiheit. Die Stationen dieser voller skurriler und überraschend komischer Episoden steckenden Reise sind Wien, Israel, Holland, Italien, die USA und abermals Wien, wo die Familie, einem Bumerang gleich, immer wieder landet und wo sie schließlich versucht, in der Heimatlosigkeit eine Art Heimat zu finden.
Ein sehr aufrüttelnder Roman, der sich stark an Vertlibs Biografie anlehnt. Die im Buch beschriebenen Zwischenstationen decken sich großteils mit den realen Wohnorten des Autors, der Charakter erinnert an den Autor auch die Situationen wirken sehr realistisch, sodass man nicht das Gefühl hat, ein fiktives Werk zu lesen. Definitiv ein wichtiger und gut lesbarer Beitrag zur Aufarbeitung der Lebensumstände von Juden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts!