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Robert Darnton schreibt in seinem Nachwort, dass das Lesen der Encyclopédie sich in ein Spiel verwandeln konnte, "in eine Jagd nach Hinweisen zwischen den Zeilen und an entlegenen Plätzen, in eine Dechiffrier- und Detektivarbeit, die eine kritische Geisteshaltung förderte". Die Gefährlichkeit des Buchs, an dem die größten Geister des 18. Jahrhunderts mitwirkten, lag zudem in seinem Programm, das gesamte Wissen der Epoche nach allgemeinen Prinzipien zu strukturieren und die Grenzen zwischen dem, was gewusst werden kann und dem Unerforschlichen neu zu ziehen und damit das Christentum dem Bereich des Nicht-Wissen-Könnens überantworteten.
Worin besteht die Aktualität dieses historisch einmaligen Projekts? Vielleicht ist die Ankündigung der Herausgeber ein wenig angestrengt, dass es sich hier um ein Orakel auf dem Weg ins 21. Jahrhundert handelt. Das Buch bereitet vor allem ein außergewöhnliches Lesevergnügen in inhaltlicher und literarischer Hinsicht, das in der vorliegenden Ausgabe noch verstärkt wird durch eine Reihe von kommentierenden und Ausblicke bietenden Artikeln, die von Wissenschaftlern, Schriftstellern und Intellektuellen eigens dafür verfasst wurden, sowie durch zahlreiche eingefügte philosophisch-literarische Zitate, die einen Kontrapunkt zum Haupttext bilden.
Nicht Aktualität also, sondern jene Jagd nach Hinweisen und die subtile Detektivarbeit zur Förderung kritischen, und wie man nach einer mehr als 200-jährigen Erfahrung wohl auch hinzufügen darf, selbstkritischen Geistes, von der Darnton spricht und die so manche Fragwürdigkeit und Kuriosität ans Licht fördert: Das ist es, was das Versinken in die singuläre Welt der Enzyklopädie dem heutigen Leser, vor allem in der auch äußerlich sehr schönen Präsentation in der Anderen Bibliothek, zu bieten hat. --Jens Kertscher
Hardcover
First published January 1, 1751