Ein etwa 16 Jähriger Junge, dessen Name nie genannt wird, wartet am 23. August 1944 im rumänischen Fogarasch auf den Beginn seiner Schulabschlussfeier, einem sogenannten „Thé desant“ und erinnert sich an die vergangenen Jahre. Er stammt aus einer Familie von Siebenbürger Sachsen, hat aber ungarische Großeltern. Das ist der Einstieg in die Beschreibung des Ortes Fogarasch und seiner bunt gemischten Bevölkerung von Rumänen, Deutschen, Ungarn, Juden und Roma, die der Zeit und dem Ort entsprechend Zigeuner genannt werden.
Es gab eine Zeit, in der das Zusammenleben ganz gut funktionierte, als Vision wird das himmlische Jerusalem angeführt. Mit dem Nationalsozialismus ändern sich die Beziehungen, die Gruppen separieren sich, die Deutschen spielen sich in den Vordergrund, die Juden verschwinden. Vorurteile, die es immer gab, verstärken sich, Gerüchte und Neid trüben die ohnehin schwierigen Beziehungen. Doch inzwischen stehen die Russen an der rumänischen Grenze, immer deutlicher wird, dass eine Abrechnung der letzten Jahre vor der Tür steht.
Erzählt wird aus der Sicht des Jungen, der nur langsam die Verhältnisse um ihn herum begreift, der sich begeistert den Hitlerjungen anschließt, der Juden verantwortlich macht und erst zu denken beginnt, als er begreift, dass es auch um seine Klassenkameradin geht. Er erlebt Freundschaft und Liebe, Missgunst und Ablehnung, Hass und Tod.
Die Darstellung der Situation in Siebenbürgen 1942 -1944 war für mich ein neuer Blick, interessant in der vielgestaltigen Bewohnerschaft und deren sich verändernden Beziehungen. Dabei verwendet der Autor viele Bilder bzw. Metaphern wie etwa der titelgebende „geköpfte Hahn“ oder „Dornröschen“. Er lässt den Jungen eine Vielzahl von Büchern lesen, zieht literarische Vergleiche und nutzt Gespräche des Pfarrers für die Auseinandersetzung mit dem Christentum. Das ist im Einzelnen, z. B. bei dem Gedanken, dass man nicht zwei Herren (also Gott und Hitler) dienen kann, durchaus gelungen, aber in der Fülle werden die Themen überstrapaziert. So viele geköpfte Hähne, literarische Anspielungen, religiöse Sprüche hätte ich nicht gebraucht, um die Situation zu verstehen. Ganze Abschnitte bestanden eher aus Kurzvorträgen als aus echten Dialogen.
Dann gab es jedoch wieder sehr gelungene Szenen einer Freundschaft, eines Geländespiels usw. Misslungen fand ich die zarte Liebesbeziehung zwischen dem Jungen und dem (natürlich) schönsten Mädchen der Klasse. Deren Gespräche hatten für mich keinen altersgemäßen Ton, überhaupt hatte ich das Gefühl, dass niemand so redet, einfach zu gestelzt, zu unnatürlich.
Doch es überwog die Freude beim Lesen an der auch humorvollen Darstellung des Zusammenlebens verschiedener Gruppen an einem Ort in Siebenbürgen, das mit dem 23. August 1944 und dem Seitenwechsel Rumäniens endete, aber dessen Ende eigentlich schon viel eher begann, als sich eine Gruppe über die anderen stellte. Am Schluss bleibt nur eine Vision, die es wert ist, erzählt zu werden.