Als Olga, Svenja und die Ich-Erzählerin sich die Busen abbinden, schreibt sie: Wir laufen im Quartier herum, und es fühlt sich wirklich gut an. Obwohl alles abgequetscht ist, sind wir frei.
Frei sein, so sein, wie man will, ganz man selbst sein können – darum geht es. Und es ist schwer als Mädchen, noch schwerer als junge Frau. Wie oft muss etwas abgequetscht werden, muss man sich beugen, fügen, richten, anpassen, wie oft still sein, nichts sagen oder besonders stark und laut und gut, um gehört zu werden. Das Leben stellt so viele Aufgaben und Ansprüche. Olga und Svenja wissen genau, was sie wollen, und kommen auf ihre unterschiedliche Art durch. Die Ich-Erzählerin ist verloren, das Leben lässt sich nicht greifen, es ist kein klarer Weg in Sicht, den sie nehmen könnte. Am Ende müssen die Eltern noch einmal anrücken und helfen, die Tochter auf die Beine stellen, auf den Weg bringen. Doch dieser Weg ist noch lange nicht klar.
In einem distanziert-sachlichen Stil berichtet die Erzählerin das Alltägliche ebenso wie die außerordentlichen Ereignisse, den ganz normalen Wahnsinn eines Mädchens, das zur Frau wird, ebenso wie die krassen Erfahrungen genau dieser jungen Frau. Gerade die ungewöhnliche Zeitform des historischen Berichts, in der die Erzählerin am Ende einer Episode weiß und voraussagt, was weiter passieren wird, unterstreicht die Distanziertheit und ruft gleichzeitig den Eindruck von Wahrhaftigkeit hervor. Sehr interessant und lesenswert.