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Matou

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Der charismatischste Erzähler der Welt ist ein Kater – Michael Köhlmeiers neuer großer Roman

Die großen Fragen der Menschheit – betrachtet von einem einzigartigen Kater: Matou. Sein Leben ist ein Sieben-Leben-Leben, es reicht von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart. Seine Leidenschaft ist es, den Menschen verstehen zu lernen. E.T.A. Hoffmann und Andy Warhol kannte er persönlich, auf der Katzeninsel Hydra führte er einst einen autokratischen Staat und kämpfte im Kongo gegen die Kolonialherren. Matous Leben sind voller großer Abenteuer, er ist ein wilder Geschichtenerzähler und ein noch größerer Philosoph. Er ist der Homer der Katzen. Der neue große Roman von Michael Köhlmeier ist eine Liebeserklärung an Mensch und Tier: voller Sprachwitz und Ironie. Ein Geniestreich.

960 pages, Hardcover

First published September 23, 2021

79 people are currently reading
307 people want to read

About the author

Michael Köhlmeier

108 books120 followers
Michael Johannes Maria Köhlmeier ist ein österreichischer Schriftsteller, Musiker und Moderator.
Er lebt als freier Schriftsteller in Hohenems und Wien.

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1 star
5 (3%)
Displaying 1 - 23 of 23 reviews
Profile Image for Ernst.
648 reviews27 followers
March 21, 2025
Ästhetik / Sprachliches Niveau: 4/5
Sprachökonomie / Verdichtung: 1/5
Figuren / Charakterzeichnung: 4/5
Stil: 2/5 (pädagogisch)
Plot-Vielfalt / Buntheit: 4/5
Plot-Konstruktion: 2/5 (ausufernd)
Sinn / Inspiration: 3/5 (interessante Wissenssplitter)
Das gewisse Etwas / Magie / Atmosphäre: 2/5
Lesevergnügen: 2/5 (einzelne gelungene Szenen)

Dieser Roman ist ein Phänomen. Er hat viele Voraussetzungen, um ihn für mich zu einem interessanten Buch zu machen, reizvolle Plotelemente, ein „Katzenroman“, die Figuren, auch Nebenfiguren, werden liebevoll gezeichnet, es gibt einige takeaways an Wissenssplittern und historischen Details.

Der permanente Widerstand, den ich dennoch beim Lesen von ca. 3/4 des Romans empfunden habe, ist vor allem auf eine Köhlmeiersche Eigenheit zurückzuführen: er konstruiert in allen Kapiteln ein penetrantes Lehrer-Schüler-Verhältnis, mal ist Matou der Schüler, meistens aber auch der Lehrer seiner Herrchen und Frauchen und der anderen Tiere in seinem Umfeld; als Leser sind wir immer die Schüler und müssen die Unterrichtsfächer in ewig langen und oft langweiligen Vorträgen über uns ergehen lassen (Geschichte, Kunst, Lyrik, Musik, Pädagogik, Psychologie, Philosophie und einige weitere Nebenfächer). Köhlmeier protzt mit Wissen und Informationen, auch wenn sie zur Geschichte selbst nichts Notwendiges beitragen. Das macht das Lesen extrem anstrengend.

Gleichzeitig ist das Panorama so reichhaltig, dass ich Matou eventuell sogar als das eine „Buch für die Insel“ in Erwägung ziehen müsste, ähnlich wie Die Abschaffung der Arten von Dietmar Dath, bei dem mein Lesegenuss noch eingeschränkter war. Matou ist im Vergleich deutlich aufgelockerter und sprachlich gefälliger, lesbarer.
Und ginge es nur um die Bandbreite an Emotionen, die Matou bei mir als Leser ausgelöst hat, wäre es ziemlich herausragend, leider haben über die Dauer des gesamten Leseprozesses die unangenehmen Gefühle wie Ungeduld, Ärger, Frust dominiert.

Möglicherweise hätte ich dieses Buch ganz gerne mit 16 / 17 /18 Jahren gelesen. Nicht dass es ein Jugendbuch wäre, aber damals hatte ich einfach noch viel mehr Geduld mit langen Romanen.

Aus heutiger Sicht war es jedoch über weite Strecken eine mehr oder weniger große Quälerei. Und das liegt an zwei Hauptproblemen. Zum einen funktioniert das mit der Katze nicht wirklich sooo überzeugend. Ich hatte beim Lesen immer Köhlmeier vor Augen und nicht die Katze und zwar einen dozierenden, schwadronierenden Köhlmeier, der hier offensichtlich für einen Lesertypus schreibt, der nichts anderes im Leben zu tun hat, als sich auf dieses Buch einzulassen und Köhlmeiers Vorlieben in verschiedensten Themengebieten kennenlernen möchte; ungeheuer geschwätzig, ausufernd, maßlos und darin ist er völlig zügellos und zupft und zerrt unermüdlich an meinem Geduldsfaden.

Positiv war, dass es gegen Ende hin langsam aber kontinuierlich besser wurde.
Das (sechste) Leben bei Andy Warhol hat mich sehr amüsiert.
Sehr respektabel ist der enorme Aufwand des Autors, seine sprachliche Vielfalt und letztlich das große Panorama, das sich vor einem ausbreitet.
Profile Image for Regine O.
198 reviews11 followers
October 6, 2021
Ein toll geschriebenes, unterhaltsames und anspruchsvolles Buch, das allerdings zuweilen etwas langatmig wirkt. Meiner Meinung nach gab es z.B. zu viele Listen in dem Roman.

Fuer mich war Matous Leben als Panther der schwaechste Teil des Ganzen. Wahrscheinlich weil dieses Leben hauptsaechlich in Gedichtsform wiedergegeben wird, fehlen diesem die Details, die die anderen Kapitel so mitreissend machen. Die Beschreibung seines Daseins als Panther kam mir deswegen einfach zu unvollstaendig vor.

Aber im Grossen und Ganzen ist das Buch sehr empfehlenswert - und nicht nur etwas fuer Katzenfreunde!

Profile Image for Kat.
598 reviews107 followers
September 28, 2021
Nicht schlecht, aber teilweise zu langatmig und der Kater zu selbstgefällig.
200 Seiten weniger hätten es auch getan ;)
Profile Image for Johann Guenther.
806 reviews28 followers
December 8, 2023
KÖHLMEIER, Michael: „MATOU“, München 2023
Über 950 Seiten erzählt eine Katze ihr Leben. Da geht es einerseits um Fachwissen, über das Leben einer Katze und andererseits – sonst wäre es ja keine Dichtung – um Erfundenes. Über so viele Seiten die Leserschaft bei der Stange zu halten ist eine Herausforderung für einen Schriftsteller. Die Spannung darf nicht nachlassen und der Erzählfluss muss interessant bleiben.
Katzen – und so auch diese Katze mit Namen Matou – haben sieben Leben. Jeder Lebensabschnitt wird beschrieben. Im ersten Leben wohnt die Katze bei einem revolutionären Zeitungsherausgeber während der französischen Revolution in Paris. So lernt der Kater alle wichtigen Persönlichkeiten der Revolution kennen und aus seinem Mund (Maul) beschreibt sie Köhlmeier. Wie uns aber die Geschichte lehrte, landen sie fast alle am Schafott. Es werden ihnen die Köpfe abgeschlagen. Haben sie diese Todesurteile noch selbst ausgestellt, so verurteilen sie andere später. Kater Matou sieht auch den Kopf seines Herrn fallen. Von ihm, einem brillanten Redner, hatte er das Sprechen der menschlichen Sprache erlernt. Nur einmal hat er sie angewendet: als er unter der Guillotine stand und von seinem Herrn Abschied nahm. Die Familie zerfiel dann und der verwöhnte Kater – immerhin hat er in einem angesehenen Haushalt gewohnt, wo er alles bekam, was ein Katzenherz verlangen kann – musste sich als Unterstandsloser durchschlagen. Als verwilderter Kater kommt er dann selbst unter die Guillotine. Da das Messer dieser Tötungsmaschine neu geschliffen wurde und im Anschluss der berühmte Robespierre hingerichtet werden sollte, wollte der Schaftrichter die Funktion der Maschine prüfen und fing die Katze Matou ein und legte deren Kopf unter das Messer.
Matou vollendete sein erstes Leben und kam in die Zwischenzeit zwischen seinem ersten und zweiten Leben. Er nannte es „im Weggemachten“, denn „nirgends in der diesseitigen Welt wirst du einen solchen Frieden finden, eine solche Zufriedenheit, solche Heiterkeit und Gelassenheit und wärmende Geselligkeit, eine solche Zuversicht. Kein Blick kehrt sich nach unten, kein Gelenk schmerzt, kein Muskel zehrt, kein Auge trieft; fehlende Zähne sind wie durch ein Wunder ersetzt, Wunden geheilt…“ (Seite 151) Es ist eine heile Welt, in die die Katzen da eintreten. „Alles Leid ist weggemacht.“ Der diensthabende Kater im „Weggemachten“ empfängt die Verstorbenen und bringt sie zum Katalog, der für jeden Kater angelegt ist und dieser kann sich seinen Ort und Herrn des nächsten Lebens aussuchen. Matou, der im ersten Reden gelernt hatte, will jetzt einen Herren, bei dem er lesen und schreiben lernt. Die Auswahl fällt auf einen Dichter. Der ermöglicht es ihm auch, dass er – nachdem er „ausgelernt“ hatte, auf eine Abenteuerreise auf einem Schiff gehen konnte. Das Schiff kenterte. Viele der Besatzung starben. Er konnte sich durch seine Klugheit retten und kam wieder zum Dichter in Berlin zurück. Als dieser starb, wurde er wieder zum Streuner, der auf der Straße wohnte. Im Winter nahm er Quartier in einer Fabrik. Als eine Dampfmaschine explodierte, war sein zweites Leben zu Ende.
Im dritten wünschte er sich die Insel Hydra. Hier lebte er fast ausschließlich unter Katzen. Auf dieser Insel wohnten mehr Katzen als Menschen und die Katzen waren friedlich zueinander. Kein Überlebenskampf wie in Berlin. Er wurde bald zum Anführer und König und führte mit einer Mäusezucht eine Art Grundeinkommen ein. Als König wurde er aber – so wie viele Diktatoren – korrupt und unbeliebt. Das Volk war froh, als er starb.
Im vierten Leben wurde er eine Raubkatze in Afrika, die sich um ein verstümmeltes Kind kümmerte, das er im Rollstuhl vor sich herschob. Wie er aus diesem Leben schied, wird im Buch nicht verraten.
Im nächsten Leben landet er in einem Zirkus, wo er bei einem Tiger im Käfig Quartier bekommt. Im Zirkus gibt es auch einen sprechenden Affen, mit dem er sich anfreundet. Der Krieg war ausgebrochen. Ein Weltkrieg, worunter auch der Zirkus litt. Keine Besucher. Kein Geld. Die Tiere hungerten; verhungerten und starben. Der Kater sah für sich auch keinen Auweg mehr und setzte sich zum Nationalfeiertag Tschechiens – der Zirkus gastiert in Prag – in die Kanone, die abgeschossen wurde. So endete sein Leben.
Wieder kommt er ins Jenseits und kann sich sein nächstes Leben aussuchen. Diesmal will er nach Amerika. Dies war ein schwer zu erfüllender Wunsch, weil amerikanische Katzen neun Leben haben und europäische nur sieben. Mit verschiedenen Auflagen darf er aber dann doch nach Amerika und bekommt keinen geringeren als Andy Warhol als Herren. Hier ändert Köhlmeier auch den Schreibstil und versucht ihn an Warhol (sofern man Schreiben an Malen anpassen kann) anzupassen. Durch die Erzählungen des Katers erfährt man vom Leben des Künstlers. Er nahm den Kater auch zu vielen Veranstaltungen und Treffen mit. Letztlich wirft er ihn aber hinaus. Ein reicher Nachbar füttert ihn. Als ihn dieser auf der anderen Straßenseite sieht, ruft er ihm. Matou läuft hinüber und direkt in ein Taxi hinein. Sofort war er tot und muss wieder ins „Weggemachte“, wo er sich seine Bleibe für das nächste Leben aussuchen kann.
Der Kater tritt in sein letztes, das siebente Leben ein und suchte sich eine Frau in Wien aus, bei der er einzieht. Hier schrieb er die Biografie über sich selbst. Er wohnte bei dieser Frau und deren Neffen Daniel. Mit Daniel freundete er sich an und unternahm Reisen, wohnte manchmal bei ihm in der Stadt, bevor er wieder zu seiner Herrin zurückkehrte. Sie wusste nicht, dass er lesen und schreiben konnte, ja am Aufschreiben seiner eigenen Biografie war. Daniel, der Neffe, war aber eingeweiht. Sie halfen sich gegenseitig. So bekam der Kater Papier und Tinte und der Neffe erhielt Hilfe beim Verfassen seiner Diplomarbeit, weil Matou die Zeit, über die Daniel schrieb, selbst erlebt hatte. Kater Matou ist auch der seelische Betreuer von Daniel, der sich selbst schlecht einschätzt und schwer mit Menschen umgehen kann. Als er sich in eine älter Frau mit zwei Kindern verliebt (oder besser gesagt „sie verliebte sich in ihn), lässt sich diese scheiden und die Familie zieht nach Berlin. Matou musste mitkommen, konnte in dieser kleinen Wohnung aber nur schwer an seinem Leben weiterschreiben. Durch eine List bringt ihn Daniel zum Berliner Hauptbahnhof, wo er sich losreißt und mit einem Zug nach Wien fährt und sich bis zu seiner Herrin durchschlägt.
Das letzte und siebente Leben ist im Buch verteilt geschildert. Im Rahmen der Nacherzählung der sechs vorangegangenen Leben, wird immer wieder dazwischen vom siebenten, dem aktuellen Leben berichtet. Bei der Hausherrin in Wien verfasst er 99 Arten des Sterbens und sein Testament. So hat er das Ende seines Lebens vorbereitet, das er aber selbst nicht mehr beschreiben kann.
Köhlmeier hat in seinen Texten immer wieder Gedichte eingestreut und mit einem Gedicht endet auch die Erzählung des Katers:
Und wenn Matou und Dame – hier ihre Hand,
hier meine Pfote – treten in das Land,
in das ihr Tod und meiner wollen führen,
dann sollen Haut und Fell einander spüren.
Es ist zwar eine Katze, die in diesem Buch ihre Geschichten und aus ihrem Leben erzählt, da das alles aber von einem Menschen – Michael Köhlmeier – geschrieben ist, kommt immer durch, dass die Eigenschaften, die hier einer Katze zugeschrieben werden, auch auf Menschen zutreffen. Etwa wenn es heißt „Ein gesunder Leib und ein gesunder Geist sind die beiden Hauptstützen aller Glückseligkeit. Wer diese beiden besitzt, hat wenig mehr zu wünschen übrig.“ (Seite 321) So meint er eben auch, dass von 100 Katzen 99 durch ihre Erziehung geprägt werden. Die Erziehung sei es, die eine Katze (einen Menschen) gut oder schlecht, für die Gesellschaft nützlich oder unnutz, Klug oder dumm mache. Es ist also auch ein philosophisches Buch, was durch unzählige Literaturzitate belegt wird. So lernt Kater Matou in einem seiner Leben, dass er ein „Ich“ ist und mit diesem Ich der Mittelpunkt der Welt ist. ABER auch andere sehen sich als ein ICH und ebenso als den Mittelpunkt der Welt.
Es sind sieben verschiedene Leben, die in diesem Buch beschrieben werden. Man könnte sie auch in sieben selbstständigen Büchern abfassen, aber Köhlmeier verschachtelt sie und so muss man als Leser diese fast 1000 Seiten durcharbeiten.
PS: Eine Eigenschaft des Katers imponierte mir persönlich: er kann eine Seite im Stück lesen und im Hirn speichern, um nachher abzurufen. Wie ein Scanner, bei dem man nachher nach bestimmten Wörtern suchen kann. Vielleicht eine Eigenschaft der nachkommenden Generationen: Cyborg. Man kann die Katze aber auch als Vorläufer von Chat-GPT sehen.
Profile Image for Wandaviolett.
470 reviews67 followers
January 25, 2023
Ein Roman, der aus dem Gleichgewicht bringt
Kurzmeinung: Mit zeitlicher Entfernung kann ich die Genialität des Romanciers würdigen, eine Leseempfehlung kann ich dennoch nicht geben.
Es gibt nur wenige Bücher/Romane, die einen aus dem Gleichgewicht bringen. Matou ist so ein Buch/Roman für mich gewesen.
Worum geht es? Vordergründig geht es um den Kater „Matou“, der im 18. Jahrhundert in Paris geboren wurde, als Babykatze aus dem Fenster geworfen wird und in einen Hundehaufen fällt, so dass seine Augen verklebten, und er jämmerlich erstickt wäre an der Hundekacke, wenn nicht … das Schicksal in Form von Camille Desmoulins, - oder Michael Köhlmeier himself ihm zu Hilfe gekommen wäre.

Matou hat sieben Leben nach dem Mythos, der diese wundervollen Tiere umgibt, natürlich sind diese Mythen allesamt totaler Humbug, aber Michael Köhlmeier greift alle geläufigen Mythen über Katzen auf und bringt sie in seinem Roman unter. In Übersee haben die Katzen übrigens neun Leben, sagt das Sprichwort, aber unser Kater ist Franzose und hat nur sieben Leben. Das findet Matou bedauerlich, aber er muss sich am Ende mit seinem Schicksal abfinden wie wir alle.

Das Jenseits, in dem sich Matou jeweils nach Beendigung eines seiner Leben wiederfindet, spielt eine große Rolle in dem Roman. Köhlmeier macht sich seine Gedanken über den Tod, das Leben danach. Überhaupt philosophiert er gern. „Matou“ ist nicht nur ein Roman über „Matou“, sondern auch ein Roman über Köhlmeier. Jeder Roman, der geschrieben wird, ist auch ein Roman über dessen Autor, aber in „Matou“ ist diese Aussage weit mehr als eine Platitude. Gefühlt hat Köhlmeier jedes werte Werk, das ihm je untergekommen ist, oft Sachbücher über Sprache und Kunst, Philosophie und Psychologie, untergebracht und wenn es nur in einer Aufzählung oder einem Aphorismus erscheint. Man könnte dadurch eine Leseliste gutbürgerlicher Bildung bekommen, wenn man denn wollte.

Nein, langweilig ist das nicht, aber ausschweifend.

Köhlmeier philosophiert also ausgiebig über Sprache und Sprachbilder. Matou-Michael ist ein Gelehrter. Das bekommt der Leser herbe zu spüren. Lieder, Märchen, die Erzählung in der Erzählung in der Erzählung, afrikanische Legenden, die zum Speien ekelig sind, alles kommt auf den Tisch. Die eingewobenen Wiederholungen, die eigentlich mündlicher Sprache eigen sind, sorgen dafür, dass man weder entkommt noch so schnell vergisst.

Die geneigte Leserin konsumierte das Hörbuch über mehrere Monate hinweg beim Spazierengehen. Mindestens zweimal riss sie sich die Kopfhörer vom Kopf und ließ einige Stellen „leerlaufen“, weil sie sich sonst auf offener Straße übergeben hätte.

Ein Buch/Roman über die Menschen, über die menschliche Natur?

Ein Buch/Roman über die Grausamkeit von Menschen auf alle Fälle, über deren Aberglauben, ihre Vorurteile, entstanden aus Unwissenheit, über menschliche Dummheit und Brutalität. Matou ahmte die Menschen nach als er auf Hydra eine Katzen-Autokratie errichtet, die auf Lügen und Intrigen, gründet. Natürlich sind Matous Erlebnisse eine Parodie oder Satire auf herrschende Zustände; das ändert nichts daran, dass die Beschreibung der Katzenautokratie auf Hydra so ziemlich das Ekelhafteste ist, was ich in den letzten zehn Jahren gelesen habe!

Matou schreibt in seinem letzten Leben seine Memoiren und die Leser durchschreiten im Nachgang seine Leben.

Matou lebte eine Weile mit dem ebenso versoffenen wie genialen E.T.A. Hoffmann. Nun wissen wir diese Initialen zu deuten, Ernst Theodor Amadeus, Matou zog als wiedergeborener Leopard mit dem verkrüppelten blinden Mädchen auf dem Rädchen durch Afrika und machte einen Abstecher in die Unterwelt, er wohnte mit dem skrupellosen und egozentrischen Andy Warhol zusammen und beschließt seinen Lebensabend auf dem Land bei Dame Nowak.

Der Kommentar:
Gerne, so hatte es sich die geneigte Leserin vorgestellt, durchzieht man mit dem Kater Matou die Jahrhunderte, die Historie, und lernt dabei allerhand. Im Ansatz ist das auch so, aber Köhlmeier fokussiert sich nicht auf die Historie, vor allem nicht auf vergnügliche, sondern auf Anekdoten und Anekdötchen und feinsinnige Betrachtungen, die jedoch allesamt darin münden, dass die Welt brutal ist. „Matou“ ist ein Roman, der genial ist, doch, das ist er, denn der Autor verheddert sich niemals in seinen gefühlt tausend gesponnenen Fäden, aber es ist auch ein Roman, der nichts auslässt an Grausamkeit. Es ist ein Roman, der die geneigte Leserin buchstäblich folterte.

Fazit: Ein Lesevergnügen ist dieser Roman nicht (gewesen), aber irgendwie genial ist er schon.

Das Hörbuch wird von Köhlmeier selbst gelesen, das macht er sehr gut, wenn man sich erst einmal an seine manierierten Sprechpausen gewöhnt hat.

Kategorie: Anspruchsvolle Literatur
Der Hörverlag, 2021

Profile Image for yesterday.
488 reviews3 followers
April 9, 2022
Was für ein Epos! Als physische Ausgabe wird dieser Roman nicht so dick und ich bin sicher, hätte ich einfach “nur” das Buch gelesen wäre mir die Geschichte auch nicht so umfangreich vorgekommen. Aber als Hörbuch - ungekürzt - nimmt sich “Matou” seine Zeit und das zu recht.

Die 40,5 Stunden hört man nicht einfach so nebenbei. Michael Köhlmeier spickt die sieben Leben des Katers Matou mit viel Geschichte und einem teils sati(e)rischem und teils entwaffnend ehrlichem Seitenblick auf uns Menschen, aus Sicht eines Tieres.

Natürlich richtet sich das Buch dadurch stark an Katzenliebhaber und viele feine Details sind auch eher nur für jene zu erkennen, die selbst sehr viele Jahre mit Katzen zusammengelebt haben oder zusammenleben. Aber auch andere Leser und Hörer können Matou durch seine Jahrzehnte folgen und erleben bekannte Persönlichkeiten aus einer anderen Perspektive.

Köhlmeier verknüpft Tatsachen und Teile der Biografie dieser Personen wie E.T.A. Hoffmann oder Andy Warhol mit dem fiktiven Part des Katers Matou. Dieser ist nicht einfach nur ein Kater und ein guter Beobachter, sondern kann auch schreiben, lesen und sprechen.

Apropos sprechen: Köhlmeier liest das Hörbuch selbst und wer ihn schon einmal sprechen und erzählen gehört hat, wird diese Ausgabe lieben, auch wenn man nicht so schnell durchkommt wie beim gedruckten Buch.

Köhlmeier hat eine ganz besondere Erzählstimme und er findet, ohne dass es besonders angestrengt wirkt, immer den richtigen Ton. Er spielt nicht mit verschiedenen Stimmen oder mit Tempo, seine Art zu sprechen zieht einen dennoch immer in seinen Bann.

Ein Hörgenuss für alle Katzenversteher und für solche, die es vielleicht danach werden möchten.
Profile Image for Esther.
Author 3 books50 followers
June 14, 2022
Es stimmt schon, es ist ein bisschen lang geworden. Aber der Kater hat ja auch jede Menge erlebt in seinen sieben Leben und somit jede Menge zu erzählen. Und das tut er mitreissend!
“Die Aufklärung aus der Sicht eines Katers von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart.”

So ganz sympathisch war er mir auch nicht, der Kater Matou. Ein bisschen arrogant, überheblich, besserwisserisch, dabei aber nicht unverbesserlich. Vor allem aber ist er schlau, gewitzt, interessiert. Und er hat sich gemacht im Laufe des Buches, nicht zum Menschen, vielleicht auch nicht wie ein Mensch, vielleicht aber besser als das.
Auf den letzten Seiten war er mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich nicht wollte, dass es zu Ende geht. Obwohl es so lang war.
“Man kann etwas anderes wollen, als man will, aber man kann nicht wollen, was man nicht will.”

Meinen Kater sehe ich zumindest seit diesem Buch mit anderen Augen. Und wäre nicht überrascht, wenn er irgendwann zu mir spricht.

Zusammenfassung für mich:
Profile Image for David Bachmann.
118 reviews7 followers
January 7, 2022
Ein philosophisches Werk.
Oder doch eher eine Erzählung im Köhlmeier Stil ?
Dieses Buch hat soviele Facetten, dass man ein Buch in der gleichen Länge darüber schreiben könnte. Gewitzt und mit viel Kurzweile werden philosophische Ideen, historische Ereignisse und Lebensweisheiten in die Geschichte einer Katze verpackt. Dabei darf natürlich die ein oder andere Episode aus der Antike nicht fehlen.
Das Memento mori begleitet das ganze Buch und kommt am Ende doch nur zum Schluss, dass auch nach sieben Leben Schluss ist und es kein Leben danach mehr gibt.
Köhlmeier muss wohl ein sehr Tierliebender Mensch sein, denn Franz von Assisi begleitet Matou genauso wie viele andere Tiere.
Erwähnenswert sei auch die viele Anzahl an Gedichten und Prosa.
Ein großes Werk, das einen starken Eindruck hinterläßt.
5 reviews
December 16, 2021
Die erste Hälfte des Buches war wirklich okay und ich liebe die Idee, dass ein Kater in seinen 7 Leben die Vergangenheit erlebt und uns davon erzählt.
Leider finde ich aber, dass der Autor viel zu ausführlich über Dinge schreibt, die für die Geschichte überhaupt nicht relevant sind. So wird zum Beispiel über einzelne Worte ewig lang diskutiert. Zudem ziehen es die sehr langen Bücherlisten alle paar Kapitel sehr in die Länge.

Ich finde das Buch hat kaum Höhen und Tiefen. Mir persönlich hat es leider nicht gefallen und ich empfand es als sehr langatmig, daher nur 2 Sterne. 400 Seiten weniger hätten es tatsächlich auch getan.
Profile Image for olgilein.
28 reviews
September 20, 2023
3,5 Sterne
Spoiler!!!!
Alle Macht den Katzen!
Sehr interessant wie eine Katze so viele wesentliche geschichtliche Ereignisse wahrnimmt. Sehr viel Philosophie, vor allem über die Sprache, aber auch über das grundlegende Menschsein. M.A T, OU ist meine Inspiration. So stark, wie er sich einfach an dem belgischen König Arsch und security Mann, der in Elektro schocken will, rächt
Teilweise war es etwas repetitiv und hätte an manchen Stellen gekürzt werden können, und teilweise wurden diskriminierende Begriffe verwendet, wobei mich die Erklärung, dass eine Katze es nicht versteht, dass man solche Begriffe nicht verwenden sollte, nicht wirklich überzeugt hat
Profile Image for Anja.
32 reviews
February 22, 2022
Anfangs war ich hingerissen, so schöne und genaue Beschreibungen der Katzenmarotten, herrlich! Aber im Laufe der Lektüre schlug meine Begeisterung in Frust um. Ellenlange Auflistungen von Büchern, Synonymen, Persönlichkeiten etc. und ständig das Gefühl, im Kreis herumgeführt zu werden, Weil vieles immer und immer und immer wieder erwähnt wird verdarben mir die Freude am Buch. Wollte ich es anfangs noch verschenken, so kann ich jetzt, wo ich das Buch endlich beendet habe, keine Empfehlung mehr aussprechen. Es ist wohl nur etwas für fans des Autors.
100 reviews
April 12, 2023
Daß sich die sieben Leben einer Katze nicht in 200 Seiten erzählen lassen, ist klar und daß ein Köhlmeier philosophisch und anspruchsvoll ist, ebenfalls. Trotzdem schien mir das Buch etwas lang, aber vor allem das häufige „name dropping“ ist mir auf die Nerven gegangen.
Profile Image for Irsenica.
91 reviews5 followers
August 21, 2024
Aus der tmi Rubrik

Matou" von Michael Köhlmeier ist ein sehr, sehr, sehr .... sehr, sehr umfangreicher Roman, der die Geschichte einer außergewöhnlichen Katze namens Matou erzählt. Diese Katze ist jedoch keine gewöhnliche Katze, sondern besitzt menschliche Intelligenz, lebt über mehrere Jahrhunderte hinweg, begegnet viele historische Personen und hat die Fähigkeit, sich an all ihre früheren Leben zu erinnern.

Nichts gegen Autorenfleiß, aber bei Motou, wäre weniger mehr gewesen. Für mich ist Matou eine Geschichtsnerdvorlesung mit über die Jahrhunderte gestreckter Zitaten und Fußnotensammlung. Man braucht schon sehr viel Detailwissen über die beschriebenen Epochen und die darin zahlreich erwähnten Personen, um den Roman einigermaßen folgen zu können. Der pelziger (Selbst-) Hauptdarsteller wirkt auf mich leider unsympathisch und ermüdend. Sorry, nicht mein Lesefutter.

Gut gemeinte Feline historische Nachhilfe. Aber nicht gut gemacht.

Wertung:

Unterhaltungswert 0*
Bildungswert +1*
Fleiß +1*
...macht ** ... und na ja, es kommen auch Katzen darin vor +1*

mehr als knappe 3*** kann ich da leider wirklich nicht vergeben
Profile Image for Verena.
146 reviews
June 26, 2022
Matou ist wortgewandt, scharfsinnig, entwaffnend. Er studiert die Menschen in der Absicht, wie sie zu werden - und zeigt dem Leser seiner Memoiren so Eigenarten dieser Gattung auf, die er selbst bisher nicht sehen konnte.

Am unterhaltsamsten ist Matou aber dann, wenn er ganz Katze ist. Wenn die Selbstgefälligkeit durchkommt oder der spontane Drang ein Stück Papier zu zerfetzen. Wenn er einem aus einem Teich gefischten Fisch aus Freude an der Qual beim Zappeln zusieht. Wenn er die Unterwürfigkeit von Hunden belächelt.

Im Epos begleitet man Matou durch sieben Leben quer durch die Jahrhunderte und Kontinente. Manche Abschnitte sind dabei ohne Zweifel stärker als andere. Manche lesen sich locker, leicht - andere haben ihre Längen.

Insgesamt ein Lesevergnügen vor allem für Freunde von Listen, Querverweisen und anekdotischem Wissen (Köhlmeier macht seinem Ruf als wandelndes Lexikon der Geisteswissenschaften alle Ehre), aber vor allem auch für Katzenliebhaber.

Profile Image for Fiona.
677 reviews81 followers
September 10, 2024
Ich hatte mich so sehr darauf gefreut dieses Buch zu lesen. Leider hat es mir nicht so gut gefallen, wie gehofft. Matou ist als Charakter nicht besonders sympathisch, sein Charakter entwickelt sich aber mit der Zeit. Die erste Hälfte war für mich sehr zäh, dann wurde es flüssiger und sympathischer und ich hatte mehr Spaß beim Lesen. Trotzdem kommt das Buch in der Gesamtsicht für mich nur auf ein "ok", was für mich 2 Sterne bedeutet.
Profile Image for Marcel Schwarz.
443 reviews
November 4, 2023
Eigentlich sehr kreativer Ansatz - ein Kater schreibt seine Memoiren über seine 7 vergangenen Leben, die ihn Personen aus der Geschichte treffen lässt, daneben philosophiert und dichtet er auch. Der Gedankenschwall ist zwar zeitweise sehr lustig und interessant, zieht sich bei einem Buch dieser Länge aber auch. Die Story selbst ist eher simpel und hätte in dem Setting viel mehr Potential gehabt.
Profile Image for Astrid Schilcher.
Author 7 books
August 15, 2022
Matou, der kupferrote Kater mit der weißen Schwanzspitze, ist ein wunderbarer Philosoph. Ihn durch seine sieben Leben zu begleiten, die von der Französischen Revolution bis ins Wien der Gegenwart reichen, ist bereichernd. Seine Gedanken über die menschliche Natur sind treffend, erhellend und regen zum Nachdenken. Ich finde es charmant, dass Köhlmeier seinen Kater trotz all dessen Belesenheit, Bildungshunger und Einblicken in die menschliche Seele nicht zu sehr vermenschlicht hat. Am Ende des Tages ist Matou immer noch ein Tier, das am liebsten Mäuse jagt, quält und tötet.

Allerdings könnte Köhlmeier einen Editor brauchen, der den Mut hat, überlange, ermüdende und nichts zur Tiefe der Geschichte beitragende Passagen zu streichen. Wenn Köhlmeier absätze- und seitenlang Autoren bzw. Bücher listet, die Matou für lesenswert hält, neun Zeilen lang unterschiedliche Katzenrassen auflistet, oder drei Seiten lang unterschiedliche Begriffe für das Sterben nennt, ist das dem Lesevergnügen nicht unbedingt zuträglich. Es ist, bei allem Interesse, einfach zu viel des Guten und man bekommt immer wieder das Gefühl, dass der Autor einfach zeigen muss, was er alles weiß. Das hat ein großartiger Autor wie Köhlmeier nicht nötig. Also beim nächsten Roman bitte ein strenger Editor, der 955 Seiten auf 700 zusammenkürzt.
36 reviews
March 15, 2024
Ein einzigartiges Werk, sehr viel Recherche zu den verschiedenen Leben von Matou um diese so lebensnah wie mögligh erscheinen zu lassen.
Aber - teilweise sehr langatmig, und das von jemandem der Matous Vorliebe für halbseitige Sätze teilt.
Displaying 1 - 23 of 23 reviews

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