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Die Verteidigung

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"Wie verteidigt man als Sohn den Vater, der einem verbrecherischen Regime gedient hat? Ein sprachlich meisterhafter Roman" (Uwe Timm) über Ernst von Weizsäcker und die Nürnberger Prozesse.

1947, die Nürnberger Prozesse: Einer der Angeklagten ist Ernst von Weizsäcker, SS-Brigadeführer und Spitzendiplomat unter Ribbentrop. Zu seinen Verteidigern zählt auch sein Sohn Richard, der vier Jahrzehnte später als Bundespräsident in seiner Rede vom 8. Mai über Kriegsschuld und die Befreiung Deutschlands vom Nazi-Gräuel sprechen wird. Eine historische Konstellation, die man kaum erfinden könnte: Hier stoßen – verkörpert in Vater und Sohn – das alte, schuldbeladene Deutschland und die gerade entstehende Bundesrepublik aufeinander. Mit literarischem Gespür nähert sich Fridolin Schley den historischen Figuren und umkreist dabei die grundlegenden Fragen nach Gut und Böse, Schuld und Unschuld, emotionaler und moralischer Verpflichtung.

272 pages, Hardcover

Published August 1, 2021

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Fridolin Schley

17 books3 followers

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Gavin Armour.
618 reviews130 followers
September 28, 2021
Spricht man heute von den Kriegsverbrecherprozessen der unmittelbaren Nachkriegszeit, meint man meist jenen gegen die Nazi-Größen wie Göring, Ribbentrop oder Hans Frank. Weniger meint man die Nachfolgeprozesse gegen die Juristen oder die Mitarbeiter bspw. des Auswärtigen Amts – dem Ribbentrop seinerseits vorstand.

Fridolin Schley nimmt sich in seinem Roman DIE VERTEIDIGUNG (2021) eines jener Prozesse an, die aus verschiedenerlei Gründen Aufsehen erregten, heute aber eher als vergessen gelten müssen – dem Wilhelmstraßen-Prozeß, in welchem der Hauptangeklagte Ernst von Weizsäcker hieß. Verteidigt wurde er u.a. von seinem eigenen Sohn, dem späteren Regierenden Bürgermeister von Berlin und Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Weizsäcker war tief in die Verbrechen des Regimes verwickelt, da er u.a. dem Auswärtigen Amt als Staatssekretär diente, in dieser Funktion Deportationsbefehle nach Auschwitz abgezeichnet hatte und natürlich auch in die Kriegsvorbereitungen eingebunden war. Allerdings gehörte er auch zu denen, die lange versuchten, einen, wenn auch fragilen, Frieden aufrecht zu erhalten. So war es u.a. ihm zu verdanken, daß nicht bereits nach Hitlers Einmarsch in der Tschechoslowakei 1938 ein europäischer Krieg ausbrach – was historisch gesehen möglicherweise ein Fehler war, da die Wehrmacht im Jahr 38 noch nicht die Stärke aufwies, die sie nur ein Jahr später erreicht hatte. Möglicherweise wäre es 1938 noch möglich gewesen, Deutschland in die Schranken zu weisen.

Sich selbst sah Weizsäcker hingegen völlig anders – er wähnte sich sogar im Widerstand und baute darauf seine Verteidigung auf. Er habe mitgemacht, um Schlimmeres zu verhindern. Ein Motiv, das Viele nach 1945 anführten. Es war einer der Gründe dafür, daß in den 50er und den frühen 60er Jahren die Überzeugung herrschte, das Regime, das die Verbrechen zu verantworten habe, sei eben eine kleine Clique gewesen, die sich das Land, den Staat, praktisch unter sich aufgeteilt habe – „das Volk“ aber sei kaum an den Verbrechen beteiligt gewesen.

Für Schley ist aber nicht eine genaue Chronologie dieses längsten aller Nachfolgeprozesse der Dreh- und Angelpunkt seines Romans[1], sondern das Verhältnis zwischen Richard von Weizsäcker und seinem Vater. Anhand dieser Beziehung, die fast ausschließlich aus der Perspektive des Sohnes geschildert wird – der Vater bleibt dem Leser ähnlich erratisch, wie dem Sohn, der sich zunehmend fragen muß, ob er diesen Mann wirklich kennt – kann Schley wesentliche Punkte an Vergangenheitsbewältigung verhandeln, die hier exemplarisch durchexerziert werden. Sozusagen stellvertretend für die Deutschen, die in den Jahrzehnten danach erst lernen mussten, das ganze Ausmaß der Schuld, welche man auf sich geladen hatte, zu begreifen – und vor allem zu begreifen, wie mit dieser Schuld umgegangen wurde.

Es ist vor allem die Sprache – die des Regimes und die, mit der man vor sich selbst besser dasteht – die Schley durch die Augen Richard von Weizsäckers untersucht. Die Euphemismen, die Vertuschungen, die Selbstentlastung und die darin sich verbergende Schizophrenie, ein öffentliches Ich von einem persönlichen Ich abzuspalten. Sprache als Entlastungsinstrument. Immer wieder wird aus Weizsäckers persönlichen Papieren zitiert, die auch Richard liest, um seinem Vater, aber auch dem Mann, als den er ihn verteidigen muß, näher zu kommen. So wird der Sohn Zeuge, wie sein Vater sich von sich selbst distanziert, wie er sich als erhaben über den ganzen Prozeß begreift, weil jene, die über ihn urteilen, gar nicht in der Lage seien, die Situation zu begreifen, die sie da beurteilen sollen. Wie der Vater sich bemüht, sein Ich, also die tieferen Lagen des eigenen Wesens, abzutrennen von demjenigen, der in offizieller Position handelte. Die Haltung, so das Credo des Alten sich selbst gegenüber, sei das Entscheidende. So ist er bereit, den Prozeß und das zu erwartende Urteil zu ertragen – gleichsam als Exempel, als Märtyrer, um eben diese Haltung zu demonstrieren und darzustellen, daß es eben auch „anständige Nazis“ gegeben habe. Ein „anständiger Nazi“, einer der sauber geblieben war – so sah sich Ernst von Weizsäcker. Und so sahen sich viele Deutsche.

Schley enthält sich selbst jedes historischen Urteils, was eine kluge Haltung ist, um sich dem Sujet zu nähern. Weizsäckers Mitgliedschaft in Partei und SS, seine Versetzung nach Rom in den Vatikan 1943, die angeblich auch auf seine Differenzen mit Ribbentrop zurückzuführen gewesen sei, die unterschriebenen Deportationsmitteilungen usw. – Schley führt all dies an und überlässt es dem Leser, sich ein Urteil zu bilden. Allerdings macht Schley dadurch, daß er Richard von Weizsäcker den eigenen Vater erforschen lässt, deutlich, wie extrem die Selbstverleugnung, die Selbsttäuschung gewesen ist, der viele der Schreibtischtäter unterlagen. Es ist eine geschickte Konstruktion, die der Autor wählt, da er so den inneren Kampf des Sohnes beschreiben kann, die Unsicherheiten, je tiefer er sich in die Papiere des Vaters – die offiziellen wie die persönlichen – einliest. Und damit, wie oben erwähnt, eine exemplarische Auseinandersetzung mit den Verbrechen – auch dem eigenen Tun, denn Richard von Weizsäcker war Offizier an der Ostfront und hatte dort einige der Untaten erlebt, die auch die Wehrmacht beging, hatte sich nachweislich auch der Befehlsverweigerung schuldig gemacht. Und war dadurch im Nachhinein natürlich ebenfalls „sauber“ geblieben. Doch musste auch er sich der Tatsache stellen, daß es die Verbrechen gegeben hat. Und das, wer auch nur irgendwie in die Maschinerie der Nazis eingebunden war, kaum unschuldig bleiben konnte. Anhand einer Frage wie dieser, streift Schley die Diskurse jener Zeit, die auch in den Zeitungen geführt wurde. Diskurse wie jene über die Kollektivschuld im Gegensatz zu Individualschuld etc. Immer wieder sickern Fragen und Diskurse wie diese in den Text ein.

Es lässt sich nun trefflich darüber streiten, ob ein Sachbuch zum Thema nicht sinnvoller wäre? Die Fakten sauber aufgereiht, Pro und Kontra abgewogen gegeneinandergestellt, Dokumente genau angeführt oder in einem Appendix einzeln aufgeführt. Aber warum nicht auf diese Art und Weise? Warum nicht sinnlich, emotional erfahrbar machen, was es bedeutete, so nah an den Tätern dran zu sein? Zumal es Richard von Weizsäcker war, der in seiner vielbeachteten Rede zum Kriegsende am 8. Mai 1985 erstmals klar von einem „Tag der Befreiung“ sprach, nicht von einem der Niederlage. Schley erwähnt diese wegweisende Rede relativ früh in seinem Text und markiert damit den intellektuellen wie emotionalen Weg, den auch ein Mann wie Richard von Weizsäcker gegangen ist, zurückgelegt hat, zurücklegen musste.

Es wird häufig die Frage gestellt, wie wir nun mit der Erinnerung umgehen, jetzt, da die Zeitzeugen langsam wegsterben, die Augenzeugen kein Zeugnis mehr ablegen können. Es hat in den vergangenen 20 Jahren einige Versuche gegeben, die Erinnerung in fiktionalen Formen aufrecht zu erhalten, einige gelungen, andere weniger. Fridolin Schley gelingt hier eine gute Mischung aus sachlicher, dokumentarisch genauer Betrachtung und einem vorsichtigen Vorantasten in den Geist eines vergleichsweise jungen Mannes, der sich eben mit der Geschichte, aber auch mit der eigenen Familie auseinandersetzen muß. Es ist dem Autor hoch anzurechnen, wie vorsichtig, ja skrupulös er dabei vorgeht. Selten bis nie eignet sich Schley die Gedanken seines Protagonisten – der im engeren Sinne keiner ist – an, sondern immer wieder markiert er die Distanz zu dessen Gedanken. „Wahrscheinlich“, „vermutlich“, „mag er…“, sind die Adverbien, Einleitungen und Konjunktive, mit denen er dem Leser verdeutlicht, daß es sich hier allenfalls um eine Annäherung handelt, niemals um eine Wiedergabe.

So kann er eine Äquidistanz halten, die das Historische des Vorgangs bedenkt, den zeitlichen Abstand markiert, die Überlegung hervorhebt und damit auch immer den Unterschied zur reinen Prosa. Denn ein Roman im engeren Sinne ist dies nicht. Dafür gibt es zu wenig Szenisches, im Grunde keine Handlung. Einziger Ort der Handlung ist der Gerichtssaal, der Großteil des Textes betreibt Innenschau. Alles kreist um die Gedanken des Sohnes zum Vater, dessen Kälte in der Funktion als Vater (immer wieder kommt der Text auf ein Ereignis in Richards Kindheit zurück, bei dem der Vater mit ihm auf einen See hinausruderte und ihn dann ins Wasser warf; er müsse schwimmen lernen), die unterschiedlichen Personae – ob als Vater, als Gatte, als Staatssekretär, als verinnerlichtes Ich, das alles ganz anders gemeint und getan haben will, als die reine Evidenz es erscheinen lässt.

So also mag es möglich sein, sich dieses langsam der Historizität überantworteten Teils der jüngeren deutschen Geschichte anzunähern. Äußerst genaue Kenntnis der Dokumente – Schley liefert wie erwähnt einen erschöpfenden Apparat, der die Quellenlage dokumentiert – und eine auch sprachlich genaue und zurückhaltende Annäherung an die Figuren und ihre Handlungen und Haltungen. Schley setzt hiermit also Maßstäbe, die zukünftige Chronisten und Romanciers, die sich des Themas 3. Reich annehmen wollen, zu beachten haben werden.


[1] Was auch nicht nötig ist, denn es gibt eine vielfältige Anzahl an Dossiers, Dokumentationen und Studien zu dem Gesamtkomplex der Nürnberger Prozesse, die Schley in einem umfangreichen Anhang auch minutiös auflistet.
Profile Image for Tobias Lange.
5 reviews
January 5, 2022
"Die Verteidigung" von Fridolin Schley handelt von Wilhelmstraßenprozess der Nürnberger Prozesse. Genauer gesagt geht es um Ernst von Weizsäcker (Staatssekretär Auswärtiges Amt) und seine Schuld an den Gräueltaten des Dritten Reiches und seinen Sohn Richard von Weizsäcker (späterer Bundespräsident BRD). Aus Perspektive des zweiterem ist auch der Roman geschrieben. Dabei schafft es der Roman gut Passagen mit Sachbuch Charakter mit Passagen reiner Fiktion (wie Richard mit der Schuld seines Vaters umgeht, seine Eindrücke des Prozesses) zu verbinden. Dabei wird immer deutlich wo der Autor recherchiert hat, was also der Wirklichkeit entspricht (oft wird dies mit Zitaten begleitet) und wo er über die Gefühle des Sohns phantasiert. Dabei weiß dieser selber nicht ob sich sein Vater schuldig gemacht hat und wie er damit umgehen soll. Schley zeichnet die Zweifel und Ängste des Sohns sowohl sprachlich als auch lyrisch sehr gut. Dabei geht es in dem Roman auch sehr viel um Schuld, Moral und inwiefern sich Weizsäcker senior sich selbst schuldig gemacht hat obwohl er bloß Befehle ausgeführt hat. Auch in die Ansichten und Biografie des Vaters sind sehr gut eingearbeitet da der Autor aus den Memoiren des Vaters zitiert, was sich sehr toll liest.

Dennoch habe ich bei diesem Roman auch ein Kritikpunkte. Zum einen musste ich grade anfangs viel Hintergrundwissen und Personen googlen, ohne dessen ich manche Aspekte einfach nicht verstanden hätte. Wenn man dieses Wissen hat, stört einen das natürlich nicht. Und auch zum Ende als viele Personen als Zeugen auftreten, muss man einfach den Hintergrund der Person googlen um das einordnen zu können. Auch verfängt sich Schley generell bei diesem Abschnitt was dazu führt das sich Buch zwischendurch etwas zieht.

Aber das ist nur ein kleiner Makel einer sonst sehr guten Lektüre. Für geschichtsaffine Leser ist es ein großartiger Roman über deutsche Geschichte. Auch dem politisch interessierten Leser kann ich das Buch ans Herz legen. Allerdings darf man es nicht als reines Sachbuch sehen.

4/5 ⭐⭐⭐⭐
Profile Image for Norman Weiss.
Author 19 books72 followers
October 4, 2021
Ein wichtiges Buch. Der Nürnberger Wilhelmstraßenprozeß gegen Ernst von Weizsäcker und andere war einer der Prozesse, mit denen nach 1945 versucht wurde, das Unrecht von Angriffskrieg, Kriegsverbrechen, Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit juristisch aufzuarbeiten und individuelle Schuld festzustellen.
Der frühere Staatssekretär im Auswärtigen Amt Ernst von Weizsäcker und sein (dritter) Sohn Richard, der nachmalige Bundespräsident, stehen im Zentrum dieses Buches, das aus RIchards Perspektive erzählt wird. Der junge Mann hatte sein Jurastudium unterbrochen, um die Verteidigung seines Vaters zu unterstützen, obwohl er sich des Vaters wie des Beamten unsicher war.
Schley erzählt sehr einfühlsam, macht aber durchgängig deutlich, was auf Akten, Briefen oder Erinnerungen der handelnden Personen beruht und was seine, Schleys Spekulation ist. Dabei wird Sprache und ihrer Bedeutung ebenso nachgespürt, wie der Funktion, die ihr zukommt: Im Prozeß, in den Akten, in der rechtfertigenden Erinnerung.
Die Verstrickung Ernst von Weizsäckers wird erfolgreich in Widerstand umgedeutet, eindrucksvoll beschreibt Schley, wie sich Unterstützer des Angeklagten formieren und eine Welle der Solidarität in Gang setzen, die nicht selten auch ihnen selbst zu Gute kommt. Am Ende war niemand ein Nazi gewesen, alle hatten Widerstand geleistet und viele waren Opfer geworden. Ein wenig mulmig scheint es darüber sogar dem Sohn Weizsäcker zu werden.
Profile Image for Gerhard.
363 reviews31 followers
November 17, 2022
Ich hätte zu diesem Komplex lieber ein Sachbuch gelesen. Mit der Romanform kam ich persönlich nicht so zurecht. Der dauernde Wechsel zwischen Gedanken Richard´s, dem Prozess und den vielen Personen rund um den Angeklagten haben mich irgendwann genervt. Ich musste mich auch immer wieder darauf konzentrieren, dass das Buch in Romanform geschrieben wurde.
Profile Image for Jonas.
63 reviews1 follower
May 6, 2023
In "Die Verteidigung" geht es um den Nürnberger Prozess gegen Ernst von Weizsäcker et al und die Rolle seines Sohnes Richard von Weizsäcker, dem späteren Bundespräsidenten, als Hilfsverteidiger.
Der Roman ist aus Richards Perspektive erzählt, mit (Original-)Briefauszügen oder Tagebucheinträgen.
Dabei gibt es keine, wie ich es verstehen würde, klassische "räumliche" Handlung, der Roman ist vielmehr eine Nacherzählung der Ereignisse und spielt nicht an einem Ort. Richard gibt einerseits den Prozess und die Gespräche mit seinem Vater wieder, aber reflektiert auch ausführlich über die Schuld oder Unschuld seines Vaters.
Schley hat sich dabei grundsätzlich an Originaltexte und Verweise gehalten, hat aber natürliuch an einigen Stellen aus dramaturgischen Gründen nachgeholfen.
Dabei gelingt es Schley extrem gut, Richards inneren Konflikt darzustellen. Richard hadert andauernd mit den Taten seines Vaters, und versucht, diese einzuordnen. Hat sein Vater eine Mitschuld? Kann er Mitwisser und gleichzeitig verborgener Widerstandskämpfer in hoher Position sein?
Diesen Gegensatz bereitet Schley hervorragend heraus.
Sicherlich "passiert" nicht viel in diesem Buch, aber wer ein höheres Sprachniveau und moralische Konflikte schätzt, wird hier seine Freude haben!
Profile Image for Mark Swatek-Evenstein.
Author 1 book8 followers
October 2, 2023
die prämisse (sohn verteidigt vater bei den nürnberger prozessen) ist historisch interessant, weil real. das buch ist ein roman, keine dokumentation, weil es die archivmaterialien für mehr als einen roman vermutlich nicht gibt, auch wenn der text auf den realen ereignissen beruht und sich insbesondere bei den autobiographischen aufzeichnungen des vaters bedienen kann. dennoch bleibt alles stückwerk. es entsteht zu keinem zeitpunkt der eindruck, die auseinandersetzung mit den motiven insbesondere des sohnes erreiche die notwendige tiefe - und das, obwohl wir nun mittlerweile über so viel literatur verfügen, die sich gerade mit diesem thema der familiären verstrickungen auseinandersetzt.
Profile Image for Sophie.
2,641 reviews116 followers
Read
November 11, 2021
Simply fantastic. Reminiscent of Vuillard; maybe not as biting but cutting in his own way. A blend of historical fiction, fact and opinion, this account of one of the later Nuremburg trials is a great example of what novels can accomplish. And the use of language, the shifting of the meaning of words is masterful. I don’t read that many books in German, but Schley showed me what a good writer can do with it. One of my highlights of the year, without a doubt.
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