Wie kriegt man als Frau die Verrenkung hin, Rap zu lieben und sich dabei permanent beleidigen zu lassen? Antonia Baum ist Schriftstellerin und Eminem gehörte einst zu ihren literarischen Vorbildern. Aber die Welt ist inzwischen eine andere geworden, bestimmte Aspekte der eigenen popkulturellen Biografie lässt man lieber verschwinden. Was also macht Antonia Baum zwanzig Jahre nach dem Rapklassiker »Stan« mit dieser misogynen, homofeindlichen, weißen Eminem-Leiche in ihrem Keller? Ist das Konzept »Leiche im Keller« eine gute Idee? Und kann es sein, dass Eminem trotz allem ein genialer Rapper war?
Geboren 1984 in Borken, lebt in Berlin. Studium der Literaturwissenschaft und Geschichte. Veröffentlichung verschiedener Kurzgeschichten in der Wochenzeitung Der Freitag und bei Zeitonline.
"Antonia Baum über Eminem" ist mein erstes Buch aus der Kiwi Musikbibliothek. Ich denke, dass die Reihe eine schöne Möglichkeit ist, verschiedenen bekannten Musikern in relativ kurzer Zeit näherzukommen und möchte deswegen immer mal wieder einen Band davon lesen. Mit Eminem habe ich begonnen, da ich lange Zeit großer Fan war und auch meine Seminararbeit in der Oberstufe über ihn geschrieben habe.
In knapp 2 Stunden Hörbuch erzählt Antonia Baum aus ihrer und aus Eminems Jugend, analysiert seine Texte und ordnet sie in seine Lebenswelt ein. Insgesamt ist das recht interessant, da ich aber aus oben genannten Gründen schon selbst viel über Eminem recherchiert habe, war nicht wirklich etwas Neues dabei. Auch das Übersetzen der Liedtexte, das einen relativ großen Teil des Hörbuchs eingenommenen hat, hat nur einen richtigen Mehrwert, wenn man kein Englisch versteht oder bei Musik nicht auf den Text achtet. Antonia Baums Schreibstil... gewöhnungsbedürftig, aber man kommt schon klar.
Um einiges interessanter hingegen fand ich die soziokulturelle Einordnung der Texte - einerseits die Frage, ob man Rapper wie Eminem von jeglicher Verantwortung hinsichtlich Homophobie oder Sexismus freisprechen kann, nur, weil er in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen ist und "die halt so sind". Außerdem konnte ich mich gut in den Konflikt einfühlen, den Baum darin beschreibt, als Frau Rap mit frauenfeindlichen Elementen zu hören. Wie sie erzählt, als Jugendliche alles in Raptexten hingenommen zu haben, nur, damit sie als "cooles Mädchen" galt, dass sogar richtig harten Gangsterrap hört, nur um dazuzugehören (und damit die Jungs sagen: "die hört das auch, der macht das gar nichts aus, die ist so locker")... that hits close to home. So war ich mit 16,17 1:1 auch 😐. Ich bin nicht stolz drauf.
Antonia Baum betreibt hier hauptsächlich Text-Exegese, was nur so mttelspannend ist, da Eminems Lyrik jetzt nicht sooooo deep und komplex ist - worum es in "Stan" geht, das haben wir ja nun wirklich vorher schon begriffen. Viel interessanter ist da schon der weltanschauliche Unterbau des Rappers und sein (zumindest früher vorhandenes) Potential, das Establishment zu triggern. Leider geht Baum hier weniger auf Eminems spezifisches kulturelles Umfeld ein, obwohl ein Künstler wie er wohl nur vom Land der Ayn Rand (bitte hier ein Kotz-Emoji dazu denken) hervorgebracht werden konnte - stattdessen Eva Illouz anzuführen ist ein weirder Bezugsrahmen.
Interessant aber natürlich auch Baums Selbstbefragung dazu, warum ein deutsches Akademikerkind auf dem Dorf (i.e., die Autorin) sich mit Vorliebe einen White Trash-Rapper aus Detroit reingezogen hat, und was das über ihr Verhältnis zum Feminismus aussagt. Wie mit Eminems frauen- und homo-feindlichen Ergüssen umgehen? Baum stellt sich der tricky "soll man den Autor vom Werk trennen"-Frage, und es macht Spaß, ihr beim Denken zuzuhören.
Hach, die KiWi-Musikbibliothek ist ein tolles Projekt.
Eminem - ein großes Musikphänomen der letzten zwanzig Jahre - wird in diesem sehr persönlichen Buch der Autorin beleuchtet. Was macht(e) seinen Erfolg aus? Welche Faktoren trugen zu seinem Aufstieg bei und welche Themen verarbeitet(e) er in seinen Texten?
Interessant ist hier vor allem die Verbindung zwischen Musik und dem Schreiben - von Lyrics und Romanen. Dennoch bleiben tatsächliche Antworten aus, es werden vor allem Fragen aufgeworfen. Die 128 Seiten reflektieren über die Bedeutung Eminems für Autorin und Musikwelt, im Zerrspiegel zwischen Kulturen, Gesellschaften und Kritikern. Eminem-Fans werden sich an die frühen 2000er-Jahren erinnert fühlen und diese Zeit vielleicht innerlich aufleben lassen.
Ein wirkliches Fazit bleibt leider aus. Der Leser bleibt nach dem Umblättern der letzten Seite ratlos zurück. Doch vielleicht ist es genau das, was mit diesem Buch gezeigt werden soll: Die Faszination der Kunst ist ungebrochen, doch quo vadis, Eminem, nachdem die Themen von damals besungen sind?
Das Buch ist nicht empfehlenswert, da es nichts Neues über den Künstler enthält und seine aktuelle Musik erstaunlich negativ und einseitig darstellt bzw. sogar richtiggehend heruntermacht. Somit ist der Buchtitel eher irreführend, da es sich vorrangig um Selbstreflexion der Autorin handelt. Daher leider nur 2.5 Sterne.
Stellenweise werden Eminem und seine Lieder etwas zu ausführlich und einseitig interpretiert (eine seitenlange Erklärung des Liedes Stan war jetzt meiner Meinung nach nicht nötig, den Platz hätte man nach einer kurzen Zusammenfassung des Liedes auch auch für ein paar seiner anderen Texte benutzen können), außerdem werden mir manche Vorwürfe wie zum Beispiel die Beschwerde, dass abseits von seinen Töchtern (obwohl er das Sorgerecht für drei Kinder hat, wird im Buch nur seine leibliche Tochter Hailie erwähnt) die Frauen auf eine negative Weise als Mordopfer oder als Sexobjekt dargestellt werden, etwas zu wenig durch Textstellen untermauert. Auch ist das Buch etwas zu sehr auf seine frühen Jahre konzentriert- es gibt zwar ein paar kurze Abstecher in die Gegenwart, in der die Autorin ihren Unmut über die jetzige Musik des Rappers kundtut, aber trotzdem ist die Berichterstattung in der Hinsicht etwas zu einseitig.
Andererseits gab es auch einige Stellen, die mir gefielen, zum Beispiel fand ich die Szenen, in denen analysiert wurde, warum gerade Eminem als Sündenbock für seine Texte geradestehen musste, während schwarze Rapper mit ähnlichen Textinhalten damit sozusagen davonkamen, recht stpannend, und auch die Momente, in denen die Ironie darüber, dass sich gerade eine Gymnasiastin mit der Leidensgeschichte eines Rappers aus der Unterschicht identifizieren konnte, ausgearbeitet wurde, waren recht gut geschrieben.
Aus dieser Serie habe ich schon die Bücher von Thees Uhlmann und Markus Kavka gelesen, und da habe ich mir gewünscht sie würden mehr über die Künstler:innen schreiben, als über sich selbst, aber bei Antonia Baum war das andersrum. Das Buch fühlt sich an mehr wie eine Diplomarbeit zu Eminem als eine Liebesgeschichte bzw. Liebeserklärung von Fan an Star. Eine schön geschriebene Diplomarbeit, aber trotzdem.
Als eine Person, die sich nie mit Eminem beschäftigt hat, die Stan-Geschichte nur so ungefähr im Vorbeigehen hörte und gefühlt 3 Songs aus dem Radio kennt, fand ich das Buch schon aufschlussreich mit interessanten Gedanken zum Rap als Genre.
Ich musste auch ganz viel über Folgendes nachdenken: Da ich mich nicht für den "frühen Eminem" interessiert habe, weiß ich nicht, wie damals die Rezeption war für seine Songs und vor allem auch davon was er in Interviews gesagt hat. Aber ich dachte immer, seine Songs waren ironisch gemeint, oder zumindest ein Mittel um Menschen zu irritieren (durch Beleidigungen oder Themen wie Mord/Vergewaltigung) so ähnlich wie die Songs von KIZ, zum Beispiel? Bei KIZ weiß man ja irgendwie, dass sie ihre Texte nicht ernst/buchstäblich meinen, und Menschen, die sie als rechtsextrem/rassistisch/etc. bezeichnen, werden eher verächtlich gesehen. Warum ist es dann anders bei Eminem?
Schwierig zu greifen, worum es in diesem Buch geht. Eindeutig weniger um Eminem als um die Autorin selbst, ihre Haltung und ihren schriftstellerischen sowie persönlichen Werdegang. Insofern steht sie aber ganz in der Idee, die die KiWi-Musikbibliothek trägt - radikal subjektive Liebeserklärungen an die Musik eben. Und sehr wohl wird die persönliche Geschichte, vor allem die der politischen und insbesondere der feministischen Haltung Antonia Baums durchgehend immer wieder auf Eminem, sein musikalisches und innerhalb dessen textliches Schaffen und die hierin sich ausdrückende Haltung bezogen, die eben in ihrer anhaltenden Misogynie und Homophobie das genaue Gegenteil darstellt. Und dennoch wird die große Bedeutung, die die Rezeption der Werke Eminenz für die Autorin hatte und hat sehr deutlich. Dieser Widerspruch wird zwar nicht aufgelöst, aber doch irgendwie begreiflich und so ein Stück aushaltbarer, was durchaus eine Leistung dieses Büchleins ist.
Das Phänomen Eminem und seine Energie muss man erst einmal aushalten. Antinio Baums Mut, über das krasse Phänomen Eminem zu schreiben ist bemerkenswert. Als Buch über Eminem als Musiker und Mensch und seine Wirkung halte ich das Buch für gelungen Eminems Song Stan zusammen mit Dido Stan, der bekannte Song, ist gut analysiert und bringt ihn dem Leser wirklich nahe. Als weniger zwingend finde ich Antonio Baums eigene Probleme mit Eminems textliche Aussagen. Als Jugendliche fand sie ihn faszinierend, hat ihn aber nicht so ganz reflektiert. Heute kann sie mit dem aktuellen Musiker nichts mehr anfangen. Gut und schön, aber was sagt das schon aus. Eminem ist wie er ist und das ist überwiegend nicht schön. Ein paar seiner Raps sind aber bleibend. Ich habe das Buch mit großen Interesse gelesen.
Ich bin Feministin und genauso wie für Antonia Baum war Eminem für mich in meiner Jugend einer der bedeutendsten Künstler. Leider hat es mir in diesem Buch an Tiefe gefehlt. Ich weiß, bei nur knapp 120 Seiten eine Herausforderung, aber ich hätte mir einfach gewünscht, dass nicht nur das Offensichtliche benannt wird. Für Menschen, die sich eventuell nicht so viel mit Eminem auseinandergesetzt haben und den Song "Stan" nie wirklich gehört haben, kann es ein interessantes Buch sein. Für mich, die im Alter von vielleicht gerade mal 10 seine Songs rauf und runtergehört hat, hat es leider keine neuen Impulse gebracht.
Ich wollte einem so kurzen Buch eigentlich keine fünf Sterne geben; erst recht nicht, nachdem Antonia Baum hier noch einmal in aller Ausführlichkeit auf die Stan Geschichte eingeht, die schon gefühlt tausendfach erörtert wurde. Zum Ende hin konnte ich mich in ihren Worten aber so sehr wieder finden, dass ich inne halten musste. Sehr schöner Schreibstil, vielleicht sollte ich mal schauen, was sie sonst so schreibt. <3
Mir ist das Buch teilweise zu unpersönlich, obwohl es eine subjektive Liebeserklärung an den Künstler darstellen sollen. Es werden Dinge angesprochen, die mit der Thematik, mit Eminem, überhaupt nichts zu tun haben. Es liest sich wie eine Gesellschaftskritik, wie eine Kritik an dem Musiker und wie Kritik an der eigenen Lebensweise. Ich bin enttäuscht, habe mehr erwartet.
Mein Eminem-Fan Herz möchte dieser Abhandlung mehr Sterne geben, aber es hat mich leider einfach nicht abgeholt, wie es bei persönlichen Texten eben manchmal so ist. Dennoch kann man das gut mal schnell lesen, wenn man sich mit dem Rap God auseinandersetzen mag. Wenig Neues, aber okay.
Antonia Baum schreibt über ihre eigene Zeit, in der sie Eminem gehört hat und analysiert verschiedene Songtexte. Mir hat das Buch gefallen, da die Autorin Eminems Leben als auch die Texte parallel betrachtet hat. Nach dem Lesen des Buches habe ich eine andere Sicht auf Eminem.
Es ist echt schwierig, die Arbeit von Künstler*innen zu mögen, deren Persönlichkeit zum Kotzen ist. Eminem ist so ein Fall für Antonia Baum, genau wie für mich z.B. JKR. Antonia kriegt das schon ganz gut vermittelt, und ich mag einfach das Konzept dieser Reihe, auch wenn dieser spezielle Band nicht mein Favorit war.