Berlin 1931. Es hat sich ausgetanzt. Die Roaring Twenties sind vorbei. Massenarbeitslosigkeit, soziale Verelendung und politische Radikalisierung bestimmen den bürgerlichen Alltag. Nach dem großen Börsenkrach von 1929 steht auch der angesehene Bankier Ernst von Ufermann kurz vor dem Bankrott. Er muss dringend nach Frankfurt, um einen neuen Kredit zu verhandeln. Auf dem Weg zum Flughafen werden ihm seine Papiere gestohlen. Das Flugzeug fliegt ohne ihn los. Als es kurz nach dem Start abstürzt, glaubt alle Welt, dass auch er unter den Opfern ist. Ufermann packt die Gelegenheit beim Schopf: Im Dienst eines jungen nationalsozialistischen Zirkels nimmt er eine neue Identität an, fährt nach Wien und taucht dort unter neuem Namen unter. Seine Ehefrau, die schon lange eine Affäre mit Ufermanns Kompagnon unterhält, streicht derweil die exorbitante Lebensversicherungssumme ihres Mannes ein. Ein rasantes Katz- und Mausspiel um Täuschung, Verrat und Lüge beginnt, bei dem nur eines sicher zu sein scheint: Für Ernst von Ufermann bleibt das Leben verboten. Im Schatten des Hakenkreuzes scheint die Welt der Kolportage plötzlich grausame Wirklichkeit geworden.
„Denn glaube mir, mein Kind, zwischen dem sehr grotesken Fall des Bankiers Ernst von Ufermann und dem anscheinend völlig sinnlosen Eisenbahnattentat, dem so und so viel Menschen zum Opfer fielen, bestehen doch Zusammenhänge. Es ist ja immer wieder dasselbe Evangelium der Ausrottung, das sich hier kundtut. Verrecke, stirb, verschwinde. Das ist die Losung, mit der die Ware Mensch jetzt dezimiert werden soll. Darf man da schweigen?“ – Aus LEBEN VERBOTEN! (1932)
Maria Lazar, 1895 geboren, entstammte einer großbürgerlichen jüdischen Wiener Familie. Sie absolvierte das berühmte Mädchengymnasium der Kugenia Schwarzwald, in deren Salon Oskar Kokoschka sie 1916 porträtierte und in dem sie mit zahlreichen prominenten Figuren der damaligen Wiener Kulturszene zusammentraf. Als engagierte Publizistin schrieb sie seit den frühen Zwanzigerjahren für renommierte Wiener Blätter und Schweizer Zeitungen. Als sie 1930 zum "nordischen" Pseudonym Esther Gronen greift, stellt sich literarischer Ruhm ein; ein Erfolg, der allerdings durch Hitlers Machtergreifung ein Ende findet. Aufgrund des repressiven Klimas verlässt sie schon 1933 mit ihrer Tochter Österreich und geht zuerst, gemeinsam mit der Familie Bert Brechts, ins Exil nach Dänemark. 1939 flüchtet sie nach Schweden und scheidet 1948 nach einer langwierigen, unheilbaren Krankheit freiwillig aus dem Leben.
Weltwirtschaftskrise, 1931. Auch das Berliner Bankhaus von Ernst von Ufermann ist pleite. Die letzte Rettung scheint ein beschämender Bittgang nach Frankfurt zu sein, um noch einen Kredit zu bekommen. Doch kurz vor dem Abflug am Flugplatz Tempelhof werden ihm Tickets und Papiere gestohlen, der Aeroplan hebt ohne ihn ab. Insgeheim ist es ihm gar nicht unangenehm, dem Auftrag entkommen zu sein, er beschließt den Tag zu verbummeln. Einige Stunden später erfährt er in der Zeitung von seinem eigenen Tod. Der Aeroplan ist abgestürzt, alle Passagiere verbrannt.
Die Situation ist erschreckend und befreiend zugleich. Für den gutsituierten aber frustrierten Bankier ergibt sich ganz unverhofft die Perspektive ein völlig neues Leben zu beginnen. So landet er in Wien, wo er als Untermieter bei einer Beamtenfamilie untertaucht.
Die Geschichte entwickelt sich nun in Wien, das der Monarchie nachtrauert und schon bald im Bürgerkrieg stehen wird. Massenarbeitslosigkeit bei den kleinen und Kapitalschwund bei den großen Leuten bestimmen das Leben, deutschnationale Kundgebungen und Anschläge auf jüdische Bürger künden bereits vom kommenden Unheil. Die Spaltung der Gesellschaft wird durch die Figuren verkörpert und hautnah greifbar: Bankiersmilieu und Strichmädchen, Bettler und Arbeitslose, der Hofrat samt Gattin und Dienstmädchen, verarmter Adel, ein jüdischer Professor in Sommerfrische am Semmering, fanatisierte Deutschtümler, die den Umsturz vorbereiten und nicht zuletzt die reizende, aber aufsässige 17-jährige Mutz, mit der sich Maria Lazar wohl selbst ein Abbild geschaffen hat.
Im Juni 1931 kam es am anatomischen Institut der Universität Wien in der Währingerstraße zu gewaltsamen Ausschreitungen von Heimwehrstudenten und organisierten Prügeltrupps der Nationalsozialisten gegen jüdische Studierende. Maria Lazar integriert historische Ereignisse wie dieses und historische Personen ganz beiläufig in die Handlung und schafft so eine atemberaubend authentische Atmosphäre des damaligen Wiens.
[Jüdische Studierende flüchten aus dem anatomischen Institut, Wien]
Ernst von Ufermann ist ein eher farbloser Typ. Er tut was von ihm erwartet wird, er wirkt solide aber ohne Ambitionen. Durch den Verlust seines offiziellen Ichs setzt eine allmähliche und spannende Wandlung ein. Er lernt das Wort Ausgesteuerte kennen und nimmt plötzlich das Schicksal von Menschen wahr. Als er einer Rotte von Burschenschaftern begegnet, die antisemitische Parolen grölen, entdeckt er seine Betroffenheit.
In allen Nebenstraßen lauern sie. Betteln Verboten! Sie füllen die Hörsäle der Universität. Denken verboten! Oder sie wollen ganz einfach essen ohne zu arbeiten, all diese Überflüssigen. Leben verboten! Da steht einer allein in einem Park und ist doch nicht allein. Die bleichen Rasenflächen weiten sich im Dunkel. Ist denn kein Platz mehr auf der Welt für die zu vielen, für die viel zu vielen? Verrecke. Sie haben es ganz laut gesagt, sie haben es beinah geschrien im Chor. Nachdem sie einem von den viel zu vielen ein Auge ausgeschlagen haben. Ein Auge nur. Ein Menschenauge. Da steht einer allein im Park und weiß: Es geht ihn etwas an.
Ufermann hat seine Empathie entdeckt, seine Solidarität mit den Überflüssigen. Wie in mehreren Häutungen musste er eine Identität nach der anderen ablegen, um zuletzt geläutert in die Lederjacke und die abgetragenen Hosen des Arbeitslosen Javornik zu schlüpfen, um nach Berlin zurückfahren zu können. Ein zurück jedoch gibts es nicht.
Leben verboten! ist spannend, originell und sehr unterhaltsam, und es vermittelt auch gut die Stimmung in den beiden Metropolen Berlin und Wien während der Jahre vor dem Nationalsozialismus. Heute darf der Text auch als Warnung gelesen werden, wie ökonomische Verwerfungen zu identitären und nationalistischen "Lösungen" führen, die hinterher keiner gehabt haben will.
Das Buch wird komplettiert durch ein umfassendes und sehr aufschlussreiches Nachwort des Editors. Maria Lazar stammt aus einer gutbürgerlichen jüdischen Familie und ging 1933 zusammen mit Bert Brecht und Helene Weigel ins Exil nach Dänemark, und 1939 dann nach Schweden, wo sie sich 1948 auf Grund einer unheilbaren Krankheit das Leben nimmt. Der vorliegende Roman wurde von den Verlagen bereits in vorauseilendem Gehorsam abgelehnt und konnte nicht mehr veröffentlicht werden. Wie viele andere weibliche Autorinnen dieser Zeit wurde Maria Lazar vergessen, erst jetzt wurde sie wiederentdeckt und es ist dies die erste deutsche Veröffentlichung in der Originalfassung von 1932.
Meine Bewertung schließt auch die idealistische Leistung des DVB Verlags und des Editors Johann Sonnleitners ein, die sich zum Ziel gesetzt haben, ehemals verbotene und verfolgte Autorinnen und Autoren trotz des kommerziellen Risikos wiederzuentdecken und neu zu verlegen.
Ernst von Ufermann, een Duitse industrieel, begin jaren jaren 30 en voordat Hitler aan de macht kwam, wordt in de luchthaven bestolen waardoor hij zijn vlucht mist. Gelukkig voor hem want het vliegtuig stortte neer en niemand overleefde. Omdat zijn bedrijf op instorten staat besluit hij onder te duiken zodat zijn vrouw met het geld van zijn levensverzekering de zaak nog kan redden en zodat zij zelf vorstelijk verder kan leven. Hij zwerft een tijd rond in Berlijn en neemt dan de wijk naar Wenen, met een wat louche opdracht en onder een valse naam. Ondertussen maakt hij kennis met het leven van minder gefortuneerden en met de invloed van de toenmalige tijdsgeest. Je kan dit boek lezen als een soort thriller maar ook als een knap tijdsbeeld. Voor mij was het beiden. Maar vooral de sociale dimensie sprak mij aan. "Leven verboden" is geschreven voordat Hitler Rijkskanselier werd maar je voelt de dreiging al. Een van de personages voorspelt zelfs het vernietigen van mensen. Het is enerzijds Ernst von Ufermann verboden te leven want hij wordt geacht dood te zijn, en als hij terug keert heeft dat voor velen grote gevolgen, en anderzijds wordt aan niet productieve mensen in de toenmalige tijd van enorme werkloosheid ook het leven niet gegund. Het betreft immers "parasieten" die teren op anderen. Die opvatting is jammer genoeg 80 jaar later nog niet uitgeroeid. Ik vond de taal en de stijl van deze roman ook heel bijzonder. Je kan in de hoofden van verschillende personages kijken, niet enkel in dat van Ernst von Ufermann. Dit gebeurt vaak via innerlijke monologen die me aan de Spaanse Nobelprijswinnaar Cela of aan de Portugese schrijver Lobo Antunes deden denken. Ook vond ik het af en toe wel grappig, bijvoorbeeld de interactie tussen de Weense Hofrat, bij wie de hoofdpersoon een kamertje huurt, en zijn vrouw die haar man op passief agressieve wijze het bloed van onder de nagels treitert. Werkelijk een herontdekking/heruitgave die ik de moeite waard vond.
Hoe zal er over mij gesproken worden als ik dood ben?
Maria Lazar (1895-1948) was een Weense bohème van welgestelde Joodse afkomst. Ze groeide op met namen als Robert Musil en Stefan Zweig tussen de elite van de Oostenrijkse cultuur en publiceerde destijds in dezelfde bladen als Elias Cannetti's vrouw Veza en Joseph Roth. Vanwege de oorlogsdreiging vluchtte ze naar het noorden, om in ballingschap te gaan op het Deense eiland Thurø, waar ze werk uitbracht onder het pseudoniem Esther Grenen. Zodoende overleefde ze de oorlog, maar in 1948 maakte ze een einde aan haar leven toen er een terminale ziekte bij haar was geconstateerd.
Leven verboden! speelt zich af in 1931. Het werd in 1934 in Engeland gepubliceerd door uitgeverij Wishart onder de titel No right to live. De uitgever echter was beducht voor de anti-nazi uitingen en haar openlijke beschrijvingen van de opkomst en ideologieën van het nationaalsocialisme aan het begin van de jaren dertig – het laat zien hoe het politieke klimaat steeds dreigender wordt – en schrapte destijds niet alleen passages, maar voegde ook er ook dingen aan toe. De Engelse versie las niet overal even vloeiend, daar er duidelijk te merken was dat er stukken misten en het verhaal onverwachte sprongen maakte in de tijd.
Lazars werk raakte in vergetelheid en pas in 2020 werd in Oostenrijk alsnog het ongecensureerde Duitstalige boek gepubliceerd. Uitgeverij van Maaskant Haun bracht deze versie in november 2021 uit in een vloeiend leesbare vertaling van Kris Lauwerys en Isabelle Schoepen.
Leven verboden! is spannende literatuur en begint met een dramatische passage; een vliegtuig stort neer. Bankier Ernst von Ufermann is onderweg naar Frankfurt om te onderzoeken hoe hij zijn noodlijdende firma nieuw leven in kan blazen om derhalve zijn welgestelde leven veilig te stellen. Op het vliegveld concludeert hij dat zijn zakken zijn gerold, inclusief portefeuille met vliegticket, waardoor hij de fatale vlucht mist en iedereen denkt dat hij erin zit. Het onheuglijke nieuws van zijn vermeende ter aarde storten, bereikt hem pas later, als hij in het huis van zijn maîtresse de telefoon aanneemt zonder zich bekend te maken.
'Hallo! Het is gewoon niet te geloven. Hallo! Je weet dus echt van niets. Stel je voor, Ufermann, je weet wel, die wilde vandaag naar Frankfurt vliegen, Ufermann, stel je voor, Ufermann is neergestort, met het vliegtuig natuurlijk, het hele vliegtuig is neergestort en uitgebrand. Ufermann is dood, joh, die is zo dood als een pier, die is zelfs geen lijk meer, alle inzittenden verkoold, staat in de kranten.'
Hij weet niet wat hij met deze situatie aan moet en besluit om niet meteen terug te gaan naar huis. Zodoende is hij ineens iemand die zich niet meer onder de levenden kan bewegen; een levende dode in een schemergebied tussen de wereld van de levenden en die van de doden.
In verschillende verhaallijnen worden de hersenspinsels van de achterblijvers beschreven, maar de lezer volgt grotendeels de gedachtestroom Ufermann. Hij vraagt zich af hoe het zijn vrouw vergaat, of ze om hem rouwt en hoe ze haar leven zal vervolgen met het enorme bedrag dat zijn levensverzekering aan haar zal uitkeren. Ineens komt hij tot de ontdekking dat hij met zijn 'overlijden' ook zijn aanzien heeft verloren.
'[...] hij is immers dood, verkoold en neergestort, niet eens een lijk meer, niet eens een nog zo zielig hoopje botten meer. Hij heeft geen recht meer op zijn comfortabele bed, dat onaangeroerd in zijn kamer staat als in een grafkamer. Hij heeft geen recht meer op zijn huis, zijn thuis, wat heeft het voor zin daar nog gedachten aan te wijden, geen recht op zijn vrouw en op zichzelf. Als een indringer dwaalt hij rond in een stad die hem plotseling vreemd voorkomt, als iemand die hier niets te zoeken heeft. Weg met jou, verdwijn, we hebben je niet nodig.'
Een kans om te verdwijnen, tijdelijk of permanent, grijpt hij met beide handen aan. Als Edwin von Schmitz – geblondeerd kapsel, zwarte ulster – kan hij, 'in dienst van een hogere zaak', wat geld verdienen door per trein een pakje de grens met Oostenrijk over te smokkelen. Hij belandt in een rollercoaster van belevenissen, en zwijgzaam dolend door Wenen heeft hij de kans om het leven dat hij als Ufermann heeft geleid te overlopen. Hij lummelt wat rond, geeft ontwijkende antwoorden en moet spaarzaam met zijn geld omgaan, iets wat hij als rijke ondernemer allang was verleerd. Men begrijpt echter niet wat hem in Wenen houdt. 'Er is iets niet pluis met die Pruis.' Dit leidt er echter toe dat hij verstrikt raakt in zijn eigen leugen, waaraan hij niet meer kan ontsnappen. De fantasie en nieuwsgierigheid om zijn oude leven achter zich te laten, maken plaats voor een nachtmerrie; hij raakt gevangen in het dodenrijk.
De beklemming en spanning worden steeds sterker; de spanningsboog wordt tot het einde vastgehouden. Doordat hij 'dood' is, wordt het niet meer geaccepteerd wanneer hij ineens weer opduikt. Hij kan praten tot hij een ons weegt, maar hij wordt door niemand meer gehoord.
Toch is het niet alléén dat beklemmende verhaal aan de oppervlakte; het is ook een gedachte-experiment en een parabel die mensen van alle tijden bezig kunnen houden. Lazar beschrijft een fantasie die veel mensen koesteren; hoe zal er over mij gesproken worden als ik dood ben? Gaat het gewone leven dan door? Word ik wel gemist en door wie?
Ufermann maakt gaandeweg een psychologische ontwikkeling door. Waar hij eerst leeft voor zijn succes en rijkdom en weinig oog heeft voor de zielenroerselen van de mensen om hem heen, wordt hij tegen wil en dank teruggeworpen op zichzelf en overdenkt hij zijn leven en relaties. De scherpe dialogen en gedachtestromen zitten vol ellipsen die het verhaal een ongekunstelde vorm en een levensechtheid hebben gegeven.
Een betekenisvol component van het verhaal is de setting in Duitsland en Wenen aan het begin van de jaren dertig. De opkomst van Hitler, het antisemitisme en de economische situatie na de beurskrach van 1929 vormen het decor van het verhaal. Tijdens het interbellum zindert de Grote Oorlog nog na, terwijl de volgende alweer in de startblokken staat. Het gedachte-experiment van de levende dode krijgt hiermee nog eens een extra laag, omdat het tegelijkertijd een metafoor wordt voor het leven van grote groepen mensen van wie het leven steeds moeilijker gemaakt zal worden en ook zullen 'verdwijnen'. Op het moment het wij dit boek lezen, weten we natuurlijk dat WOII enkele jaren later zal uitbreken en dat de Holocaust in het verschiet ligt; dat te wéten maakt dat je dit boek niet meer 'onbevangen' als fictief verhaal kunt afdoen.
Er zijn veel ontwikkelingen in Leven verboden! en de afloop laat zich tot aan het einde toe niet raden. Het is een krachtig tijdsbeeld van de jaren dertig, beschreven door een maatschappijkritische, scherpe observator die niet oordeelt, maar toont.
Nicht ganz umanstrengend, gleichzeitig aber auch sehr beklemmend.
Vielleicht war's schon fast etwas prophetisch, was Maria Lazar Anfang der 1930er Jahre prophezeit hat - das leichtfertige Sicher-Sein "Es gibt ja sicher nie wieder Krieg!" - die verharmlosenden "Na ja - so schlimm ist das mit der Ausgrenzung und der Radikalisierung schon nicht!" - das augenverschließende "Was soll schon passieren?".
Und irgendwie ist's auch total bitter, wie der etwas planlose Herr Ufermann da in die Mühlen gerät, sich selber in die Mühlen schmeißt, letztlich damit dann aber total hilflos und überfordert ist. Pars pro toto, gewissermaßen.
Aus heutiger Sicht fast schwer zu ertragen, dann in selber Weise aber auch ermahnend, eben NICHT die Augen zu verschließen und drauf zu bauen "Wird schon nicht so schlimm."
Daher dann doch sehr nah - auch wenn's fast 100 Jahre alt ist.
Vom Bauprinzip sehe ich Ähnlichkeiten zu Canettis Blendung (im Nachwort gelesen, dass sie auch miteinander bekannt waren und beide Bücher sind etwa in der selben Zeit entstanden), nämlich die Handlung durchs Aneinanderclashen der inneren Monologe der Figuren voranzutreiben (mit ihren fixen Ideen und Spracheigenheiten usw.). Bei Canetti (eins meiner Liebeshassbücher schlechthin) ist das ins Weitgrelle überzogen, hier nicht, und hat so ordentlich Zug.
1931 Wien und Berlin. Die Sprache der Zeit fällt zuerst einmal als ganz anders auf. Schon nach wenigen Seiten überlagert das grundsätzliche Setting in seinen Möglichkeiten die Wahrnehmung. Sehr schnell taucht man in die Zeit ein mit wenigen solidarischen und offenen, hilfsbereiten Menschen. Es dominiert allerdings Misstrauen, Verdacht, Ausgrenzung. Bedrückende Betrachtungen einer heute nicht unöhnluchen Zeit. In dieser Ausgabe noch ein paar Erklärungen zur Autorin und Werk samt Grillparzerzitat "....von Humanität zu Nationalität und Brutalität"
Das Böse ist noch lange nicht das Schlimmste auf der Welt, es findet sich nicht gar so häufig. Aber die Feigheit, die Gleichgültigkeit des Herzen- - Professor Frey -
Ich finde diese Geschichte ein ausgezeichnetes Werk im Bezug auf den Aufstieg des Nationalsozialismus. Gott sei Dank, tauchen diese in Vergessenheit geratenen Romane wieder auf. Was besonder heraussticht ist, dass so viele Perspektiven und Gefühle beleuchtet werde. Besonders wie die Gesellschaft auf die Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit reagiert. Wie fokussiert doch alle auf sich selbst sind und wie wenig Wert soziales Mitgefühl hat. Nach dieser Geschichte habe ich ein tieferes Verständnis für die Situation in der Zwischenkriegszeit und welche Gründe so schnell zu einem weiteren Krieg geführt haben.
3.5 Kadeiloscopische stijl met de snelle afwisseling van innerlijke monologen. Aardig verhaal, vlot geschreven maar als satire op de prefascistische tijd in Wenen niet helemaal geslaagd. Daarvoor is het mikpunt niet duidelijk genoeg. De tegenslagen van Ernst zijn niet typisch voor die periode, eerder voor de enkel door geld gedreven consumptiemaatschappij. Ook de kenmerken van de periode begin jaren 30 komen niet heel sterk naar voren, mede door de gekozen vorm waardoor je steeds in het hoofd van een personage zit en niet in de directe actie.
[3.5] Die literarische Wiederentdeckung Maria Lazars ist wunderbar, der 1931 geschriebene Text schildert bedrückend das latente, wie auch das offenere Brodeln in der deutsch-österreichischen Gesellschaft der späten Zwischenkriegsjahre und warnt bereits prophetisch vor dem, was noch kommen sollte.
Ebenso begrüßenswert ist die schauspielerische Wiederentdeckung im Sinne der Kanonerweiterung, wobei besonders das Schauspielhaus Graz in den letzten Jahren mit einigen Lazar Inszenierungen (vielleicht sogar den meisten?) seinen Beitrag geleistet hat.
Intrigerend verhaal van topbankier in Duitsland jaren dertig, die niet op een vliegtuig is gestapt, dat is neergestort. De kranten verklaren hem dood en hijzelf worstelt met de vraag of hij überhaupt wel recht op leven heeft. Onder een schuilnaam en vele klassen lager dan in zijn vorige leven, reist hij door Duitsland naar Oostenrijk waar hij de armoede van het werkvolk ontdekt en per toeval in rechtse kringen verzeilt.
Een misdaadverhaal, psychologische thriller dat zich afspeelt in Berlijn en Wenen anno 1932. Je voelt reeds het onheil van het nazisme en de toegenomen jodenhaat. Het misdaadverhaal vind ik wel nogal ver gezocht, maar interessant document over de tumultueuze jaren dertig.
Gelaagd verhaal over een man die levend 'dood' is. Achteraf bevat deze roman visionaire elementen in de aanloop naar de Tweede Wereldoorlog en de afschuwelijke jodenvervolging.
Für lange Zeit war Maria Lazars Werk in Vergessenheit geraten. Nicht nur in der Zwischenkriegszeit und zur Zeit des Nationalsozialismus wurden ihre Werke aufgrund ihres Geschlechts, ihrer jüdischen Wurzeln und ihrer sozialdemokratischen Gesinnung kaum publiziert. Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges blieben ihre Werke lange unbeachtet.
Doch nun, fast 90 Jahre später, wurde ihr Roman "Leben Verboten" erstmal in deutscher Fassung publiziert. Der Roman erzählt die Geschichte eines vor dem Bankrott stehenden Bankiers, Ernst von Ufermann, der aufgrund eines Flugzeugabsturzes als tot gilt. Doch dieser hat das Flugzeug niemals betreten und entscheidet sich, nicht zu seiner Frau zurückzukehren, da diese seine Bank durch seine Lebensversicherung retten kann. Stattdessen kommt er in Kontakt mit der "Berliner Unterwelt", durch die er mit einer neuen Identität schlussendlich in Wien landet.
Lazar schafft es mit ihrem Roman eindrücklich, die soziale und politische Situation in Wien Anfang der 1930er Jahre zu erfassen. Sie schneidet dabei Themen wie die steigende Arbeitslosigkeit, die sozialen und wirtschaftlichen Ängste der Bürgertums, aber auch die sich zuspitzende politische Situation in Wien an. Diese äußert sich beispielsweise in rechten antisemitischen Angriffen und Attentaten. Lazar lässt diese Themen immer wieder in die Geschichte Ufermanns einfließen und schafft es dadurch, ein authentisches Bild der damaligen Zeit zu zeichnen. Trotz des fast 90-jährigen Bestehens, büßt der Roman nicht an Aktualität ein. Immer wieder lassen sich Kontinutiäten zwischen der damaligen politischen Situation und der heutigen Situation in Europa aber auch weltweit finden. Es lohnt sich somit diesen Roman zu lesen!
Das Nachwort des Buchs stammt von Johann Sonnleitner, ao. Professor für Neue Deutsche Literatur an der Universität Wien. In diesem zeichnet er die Biografie Maria Lazars nach und gibt eine historische Kontexualisierung des Romans. Damit arbeitet er nicht nur die lang vergessene Biografie der Schriftstellerin auf, sondern bietet Leser_innen auch ein tieferes Verständnis der im Roman angeschnittenen sozialen und politischen Inhalte.