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Mobbing Dick

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Das Jurastudium wird immer trockener, das elterliche Reihenhäuschen immer enger. Die Lösung verspricht ein Job und eine eigene Wohnung. Sich selbst über sein Berufsprofil nicht ganz im Klaren, gelingt Dick in der ominösen Bankanstalt ein rasanter Aufstieg, der Druck wächst. Gleichzeitig wissen die Eltern immer noch nichts von der neuen Wohnung, ein überteuertes Loch in einer üblen Gegend, und schließlich entdeckt er ein lange gehütetes Geheimnis seines Vaters.

Dick gerät immer mehr in Bedrängnis und flüchtet sich bald in seine eigene Wirklichkeit als Mobbing Dick. Es beginnt eine packende und extreme Irrfahrt, bei der er immer mehr die Kontrolle über sein Alter Ego verliert.

316 pages, Hardcover

First published February 25, 2019

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Tom Zürcher

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Displaying 1 - 19 of 19 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,051 followers
September 14, 2019
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019
Joah, man kann der Buchpreis-Jury bestimmt das ein oder andere vorwerfen, aber eine konservative oder langweilige Auswahl haben sie mit der diesjährigen Longlist sicher nicht getroffen. Der Protagonist dieses Schweizer Beitrags heißt Dick, benannt nach dem großen Unsympathen Dick Cheney, und während Letzterer gerne mal mit Hilfe vorgeschobener Argumente (Stichwort Massenvernichtungswaffen) in den Irak einmarschiert oder auf der Jagd versehentlich mit der Schrotflinte auf Rentner schießt kapert unser Dick, unbelastet von irgendwelchem Wissen über Finanzmärkte und Geldanlagen, eine angesehene Bank und schießt dann nicht nur dem ein oder anderen Kollegen, sondern vor allem sich selbst metaphorisch voll ins Gesicht. Ist das nun eine groteske Satire oder eine satirische Groteske? Man weiß es nicht, und ich brauch jetzt erst mal 10 Bier und ne Crèmeschnitte.

In diesem Text wird nämlich viel gesoffen und ungesund gegessen, während Studienabbrecher Dick bei einer Bank anheuert und ihm nicht trotz, sondern eher aufgrund seiner Inkompetenz der Aufstieg in Führungspositionen in Aussicht gestellt wird. Zürcher beschreibt die Ränkespiele innerhalb der Bank, wo sich alles um Seilschaften, Macht, Geld und Sex dreht, und auch die Reaktionen von Dicks Familie, die sich schwer was auf den aufstrebenden Bänker-Sohn einzubilden beginnt. Genau wie sein literarischer Bruder Patrick Bateman in American Psycho durchschaut Dick das Spiel, doch er kann es nicht genießen, dabei mitzuspielen - vielmehr macht es ihn mehr und mehr verrückt. Inspiriert durch den dauerhaften Konsum von jeder Menge Wodka entwickelt er sein Alter Ego Mobbing Dick, das erst Mal durch knallharte Rache-Aktionen wie Klingelstreiche auf sich aufmerksam macht, bis dieser Schweizer Tyler Durden (s. Fight Club) ein Eigenleben annimmt und blutigen Ernst macht.

Zürchers Roman ist oft lustig, aber immer bitter-böse. Schlau verknüpft der Autor Themen und Motive, z.B. das bereits genannte Essen: Hier wird auch kräftig in moralisch fragwürdige Nahrungsmittelfonds investiert ("Aber mit Essen spielt man nicht, das hätte Dick wissen müssen"), man schlägt sich mit Diabetes rum und hey, nicht nur Nahrungsentzug ist Folter. Auch die USA tauchen in verschiedener Art und Weise auf, ob als Gesprächsthema zu Hause am Küchentisch, in Form des US-amerikanischen Kapitalismus, als Sehnsuchtsort oder in Form des unvermeidlichen orangenen Immobilien-Kaspers, der gerade das Weiße Haus bewohnt.

Gleichzeitig muss sich dieses Buch aber vorwerfen lassen, es sich stellenweise recht einfach zu machen. Auf den Welthunger zu spekulieren ist böse? Sozialdarwinismus macht die Leute kaputt? Höher-schneller-weiter ist keine nachhaltige Unternehmens- und Lebensstrategie? Ach nee, sag bloß. Es ist auch möglich, das Bankensystem analytisch anspruchsvoller zu kritisieren, aber Zürcher holt hier den ganz, ganz dicken Pinsel raus und nutzt ausschließlich die grellen Farben. Klar, das ist Satire, aber das ginge auch nuancierter.

Dennoch ist dieses wilde, widerspenstige Buch ein Gewinn für die Longlist, denn es ist eigensinnig, unterhaltsam und bietet eine wiedererkennbare Stimme. Das hier ist keine brave Literatur, wie sie das Klischee immer auf Preislisten vorsieht. Und das ist doch auch mal was.
Profile Image for DrWarthrop.
207 reviews145 followers
October 14, 2019
Ach der Dick - der Dick ist ein armer Wicht. Muss sein angefangenes Jurastudium auf Grund auto-aggressiver Verhaltensmuster (beißt sich selbst in den Arm) nach anraten eines Arztes abbrechen und wohnt noch bei seinen Eltern im unfreiwillig zöllibertären Jugendzimmer. Um dem Stress zu entkommen und gleichzeitig den hohen Erwartungen seiner Erzeuger zu entsprechen bewirbt sich Dick im Schweizer Bankinstitut und wird dort trotz fehlender Kenntnisse und geringer Belastbarkeit sofort eingestellt - zur eigenen Überraschung. Bachmann, Dicks neuer Vorgesetzter ist ein freundlicher, aber dauerbeschäftigter, junger Mann, der wenig Zeit dafür aufbringen kann Dick in die Feinheiten seines neuen Arbeitsfeldes einzuarbeiten - so sitzt Dick die meiste Zeit des Tages rum und versucht beschäftigt auszusehen. Kurz darauf ist Bachmann krank und während Dick die kleine Abteilung kommissarisch leiten muss begegnet er Leonhart: einem der fantastic five; den unangefochtenen Platzhirschen des Ladens. Dieser findet Dick direkt sympatisch und macht keinen Hehl daraus, dass er Bachmann schnellst möglich aus der Firma haben möchte, um Dick zu dessen Nachfolger zu machen. Gesagt, getan. Ab dieser Sekunde beginnt eine blümerante, finale Abwärtsspirale menschlicher Psyche, die letztendlich zur Geburt "Mobbing Dick"s führt - dem Mr. Hyde unseres Provinzprotagonisten, der noch einige Tricks auf Lager hat.....

Zürcher leitet in diesem Antimärchen durch eine luzide, paranoide Geschichte, gefüllt mit spleenigen Charakteren und eklatanten Folgen. Die dabei gesetzte Kritik an der fehlenden emphatischen Reaktion seines Umfelds auf seine Situation im Einklang mit den erbitterten, harten Machtkämpfen, in die er sich nun verstrickt sieht entwickelt sich zu einem interessanten Kontrastprogramm. Dabei kann schnell der Eindruck simplifizierter Kapitalismuskritik entstehen, die weder haltbaren Boden besitzt, noch beim Leser Spuren zu hinterlassen vermag, jedoch vom Autor lediglich als umfassende, erdrückende Kulisse genutzt wurde, die dem Leser erst nach und nach präsentiert wird. Die Akteure befinden sich dabei in einem ständigen, irrationalen Kampf der Anerkennung, des Ruhms und nicht zuletzt dem letzten Rest übrig gebliebener Menschenwürde, ohne dabei auf so etwas wie Pietät oder Moral zu achten. Schnell mutiert die Bankanstalt zu einer Irrenanstalt, aus der Dick versucht zu fliehen - desto stärker er sich wehrt, desto mehr versinkt er langsam im Morast der Lügen. Kein Entkommen möglich, nur das unausweichliche Verschlingen abwartend versucht er sich ein letztes Mal durch sein Alter-Ego zu retten und driftet dabei in einer fast romantischen Manier völlig gen Abgrund.

Der Roman beschreibt durch simplifizierte, paranoide Diktion den Abstieg eines unschuldigen Jungen in eine brutale, kalte und verlogene Welt. Gerade die konturlose Aneinanderreihung von direkter Rede, visuellen Beschreibungen und Realität vermischen sich zu einem expressiven Gemälde, das die fragile Wand zwischen "rational" und "irrational" kurz erschüttern lässt. Dabei nimmt die visuelle Ebene immer weniger Raum ein und lässt Platz für den kognitiven, emotionalen und moralischen Verfall des Protagonisten, der durch Alkohol und Einsamkeit in rasender Geschwindigkeit seinen inneren Dämonen verfällt. Zudem vereint der Autor die Irrationalität des Bankinstituts, inklusive völlig verwirrenden Vorgänge und neurotisch-aggressiver Kollegen mit dem alltäglich stattfindenden Wahnsinn, der sich von Zeit zu Zeit aufdrängt. Leider bleibt trotz der vielen metaphorischen Eigenheiten kaum ein nennenswert prägnanter Punkt hängen, verschwindet in luziden Verschrobenheiten.

Tom Zürcher trägt durch seinen Roman eine eigene, charmante literarische Ader, die bis auf wenige Ausnahmen konsequent vorhanden ist, meist den gewollten Ton zu treffen vermag, jedoch in der finalen Aussage kaum hörbar verklingt. Mit den spleenigen Charakteren, der unkonventionellen Sprache und den metaphorischen Besonderheiten entsteht hier eine neurotische, kontrastreiche Geschichte eigentümlicher Fulminanz, die harte Kritiker des Feuilletons nicht überzeugen wird, jedoch für "den Leser von nebenan" durchaus einen Blick wert ist.
Profile Image for Jörg.
485 reviews53 followers
February 13, 2024
If I had to do a one-word review, it would be 'cringe' in the meaning it has in youth culture today. Everything the main character Dick is doing made me feel uncomfortable. I continuously wanted to hinder him from doing what he was up to. One thing that is clear from the beginning is that this is going to end bad. Sure, after throwing his law studies he gets a job in the ominous Schweizer Bankanstalt and even starts a fast career, being promoted to the boss of his boss within weeks. But this only happens to increase the height from which Dick will fall later.

The other characters in the book aren't better. They are just templates for the oddities you face in business life. Trying to outsmart their rivals, push morals to the side if they hinder the career, being taken advantage of if they show weakness, secretly plotting revenge plans. This is the playing field Dick has chosen. His family isn't much different. Stand-ins for any dysfunctional characters you can imagine.

With the last page, I got an understanding why none of the characters was believable in itself. Why Zürcher consistently went for the grotesque. The individual development of the main character Dick is a representation of the macro developments on society level. The first indication of this relation is there from the beginning. He was named Dick for the former Vice President of the US, Dick Cheney. While Dick turns paranoid and finally ends up in an asylum, a similar thing happens with the President. Occasionally, the presidential elections in the US are the topic of the conversation between Dick and his father. Nobody believes that Trump could win the Republican preliminaries. Nobody believes that he could win the election. Guess what. The book ends with that election. The world has turned as crazy as Dick.

At the time of writing, Zürcher couldn't know that this was just the beginning. Reality again beat out anything fiction could have thought out. That leaves Mobbing Dick as a rather inconsequential affair that most reviewers IMHO misunderstand as a satire on the banking system which jumps too short.
Profile Image for Jenny's Lesestoff.
96 reviews46 followers
March 29, 2020
Eine Geschichte über das Bankwesen, aus Sicht eines jungen Protagonisten, der seine Ausbildung dort beginnt.
Der psychische Druck wird zu groß und er entwickelt eine Seite an sich, die er vorher nicht kannte. Hinzu kommt ein Haufen blöder Zufälle und schon steckt er in einer ausweglosen Lage, die seinen Tribut fordert.

Ich hatte eine Erwartungshaltung, etwas ähnliches zu lesen wie American Psycho und bin leider enttäuscht worden. Die Tage in der Bank waren anfangs lustig zu lesen, haben mich aber zunehmend gelangweilt. Die Geschichte nahm nur sehr langsam Fahrt auf und es war sehr skurril!
Leider nicht meine Geschichte!
Profile Image for Wandaviolett.
471 reviews66 followers
September 15, 2019
VORGEFÜHRT
Der Geschmack im Abgang verbrennt den Lesegaumen! Aber sonst wäre es auch keine bitterböse Satire. Doch genau das ist Mobbing Dick, bitterböse Satire auf das schweizerische Bankenwesen . Allerdings gibt das Buch sich am Anfang als "harmlos" aus - glaubt es nicht.

IM EINZELNEN:
Mobbing Dick ist das neunte Buch, das ich von der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 lese und so langsam wäre es möglich, diese Romane in ihrer Qualität untereinander zu vergleichen. Doch, so einfach ist das nicht. Die diesjährige Jury macht es uns schwer.

Jeder Roman, den sie ausgesucht hat, ist wieder so ganz anders als der vorherige. Mobbing Dick zum Beispiel punktet nicht mit schöner Sprache oder ernster Erzählkunst, sondern mit Beobachtungsgabe und einer Mischung aus Tragik und Witz, mit der er das schweizer Bankenwesen vorführt.

Nach unten treten, nach oben buckeln, ist das oberste Motto. Wer sich dazu zu schade ist, hat es schwer.

Karrieregeilheit, sinnlose Arbeitsabläufe, das heilige Bankengeheimnis, die Boni der höheren Angestellten und Manager, mangelnde Transparenz aller Vorgänge, Willkürlichkeit des Auf- bzw. Abstiegs, Borniertheit der Vorstände, horrende Summen, die hin- und herverschoben werden, eine Buchhaltung, die mehr verschleiert als offenzulegen, um nicht gleich doppelt genannt zu werden, feindliche Übernahme, drohende Massenentlassungen, Tom Zürcher nimmt alles aufs Korn.

Um die Welt des Großkapitals ad absurdum zu führen, erschuf er unseren Helden Dick Meier. Der ist ein Versager erster Ordnung, sitzt zuhause rum, will raus, aber als Nicht-Leistungsträger ist das nicht so leicht, zumal der parentäre Erwartungsdruck ihn fertig macht. Also lügt Dick seinen Eltern die Hucke voll. Mit der Zeit glaubt er selber an seinen Größenwahn. Das Drama nimmt seinen Lauf.

Fazit: Tom Zürcher hat das Großkapital vorgeführt. Dafür schuf er eine Figur, die sein böses Spiel mitspielte und mitspielen konnte. Chapeau.

Kategorie: Anspruchsvoller Roman. Satire.
Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019
Salis Verlag, 2019

Profile Image for Michael Bohli.
1,107 reviews54 followers
April 5, 2021
Ihr glaubt, das Finanzwesen ist absurd? Dann lest den Roman von Tom Zürcher und werdet in eine Zürcher Umgebung voller Geld, krummen Machenschaften und Süssigkeiten geworfen. "Mobbing Dick" ist ein Roman, gefüllt mit schrägen Figuren, kurzen Sätzen und Kalauer. Wortspielereien und wirre Einfälle verbinden sich zu einem Strudel, der immer weiter in die Untiefen führt.

Was zu beginn noch als Kritik an dem Spiessbürgertum funktionierte, das wird gegen Ende nicht nur brutaler, sondern fast gewalttätig. Ein Stimmungswechsel, den ich nicht wirklich nachvollziehen konnte und das Vergnügen etwas schmälerte. Für das rasche und andere Leseerlebnis eignet sich das Buch trotzdem.
Profile Image for Wal.li.
2,561 reviews70 followers
October 4, 2019
Vreneli

Benannt nach Dick Cheney, dem ehemaligen Vizepräsidenten der USA, muss Dick Meier mit seinem Namen leben. Das Jura-Studium bringt ihm auch nichts mehr und dass er immer noch bei seinen Eltern wohnt, ist auch nicht gerade altersgemäß. Um endlich etwas anderes zu machen und sich abzunabeln, bewirbt sich Dick auf eine Stellenanzeige einer Schweizer Bank. Überraschend bekommt er den Job, in dem er sich erstmal mehr schlecht als recht macht. Sein Kollege Remo Bachmann hilft ihm ein ums andere Mal. Durch Zufälle fällt Remo bei den Vorgesetzten in Ungnade. Dies versucht Dick zu nutzen, um selbst die Karriereleiter herauf zu stolpern.

Zunächst leicht gleitet man in das Leben und das Umfeld Dick Meiers hinein. Man gewinnt den Eindruck, dieser Junge will erwachsen werden. Spitz und ironisch ist die Kommunikation mit seinen Eltern und so langsam fragt man sich, wie sind die denn drauf. Durch seine Arbeit bei der Bank erhält Dick überraschende Einblicke und obwohl er eigentlich keine Leistung erbringt, wird er zu einem Fortbildungskurs eingeladen. Immer tiefer gerät er in die Maschinerie des Bankwesens hinein. Weiterhin jedoch schludert er sich so durch. Doch wenn er bald in seine eigene Wohnung ziehen kann, wird alles besser werden.

Was zu Beginn leicht, witzig und ironisch scheint, wird doch bald zu einer recht bitteren Farce. Auch wenn man das Schweizer Banksystem nicht kennt, merkt man doch, wie verachtend und korrupt dieses System ist. Da werden Mitarbeiter zu Handlungen gebracht, die ihnen unter normalen Umständen nicht in den Sinn gekommen wären. Und wer sich wehrt oder auch nur etwas sagt, wird gedeckelt oder fliegt raus. Man muss schon sehr von sich überzeugt sein und darf keine Skrupel haben, um zu überstehen. Dick stellt fest, das sein Nervenkostüm den Anforderungen nur bedingt standhält und so mal er sich in seiner Phantasie immer eigenartigere Szenarien aus und erzählt seinen Eltern, Kollegen und Bekannten immer dreistere Lügen. Ob er oder sie diese schließlich bittere und düstere Satire, die vermutlich eine wahren Kern enthält, eher mit Widerwillen oder mit großem Amüsement liest, wird für jeden Leser oder jede Leserin gesondert entscheiden.
Profile Image for Wedma.
438 reviews11 followers
September 11, 2019
Eine bitterböse Satire mit Tiefgang vom Anfang bis zum Ende: Eine stark simplifizierte, auf das Wesentliche reduzierte Schilderung der heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse. Das Ganze ist zwar gnadenlos auf die Spitze getrieben. Die Botschaft, der Wahrheitsgehalt sind aber kaum von der Hand zu weisen.
Klappentext fasst den Inhalt recht gut zusammen: „Der junge Dick Meier versucht, aus dem Gefängnis seines kleingeistigen Elternhauses auszubrechen und heuert bei der Schweizerischen Bankanstalt an. Diese wird rasch zu seinem neuen Gefängnis, was er aber lange nicht merkt. Er gerät immer mehr unter Druck. Um nicht durchzudrehen, fängt er an, sich nachts in Mobbing Dick zu verwandeln und sich an der Erwachsenenwelt zu rächen.

Das Jurastudium wird immer trockener, das elterliche Reihenhäuschen immer enger. Die Lösung verspricht ein Job und eine eigene Wohnung. Sich selbst über sein Berufsprofil nicht ganz im Klaren, gelingt Dick in der ominösen Bankanstalt ein rasanter Aufstieg, der Druck wächst. Gleichzeitig wissen die Eltern immer noch nichts von der neuen Wohnung, ein überteuertes Loch in einer üblen Gegend, und schließlich entdeckt er ein lange gehütetes Geheimnis seines Vaters.

Dick gerät immer mehr in Bedrängnis und flüchtet sich bald in seine eigene Wirklichkeit als Mobbing Dick. Es beginnt eine packende und extreme Irrfahrt, bei der er immer mehr die Kontrolle über sein Alter Ego verliert.“
Der Roman ist aber viel mehr als die Zusammenfassung der Handlung, was man eigentlich über viele guten Werke sagen lässt. Solche Verwandlungen wie Dick und sein Kollege Bachmann erfahren, dürfte wohl jedem bekannt sein, der ins Berufsleben als Angestellter einsteigt und erst recht, wenn man dort bereits mit beiden Füßen steht. Dick durchläuft die typischen Stadien vom naiven Anfänger bis zu dem zum zerreißen gequälten Geist, der lediglich der Welt auf seine Weise das zurückgibt, was ihm angetan/aufgezwungen wurde. Zum Schluss kippt es schon mal ins zynisch Abgeklärte, gar Abgeschmackte. Die Groteske wird an die Spitze getrieben. Anfangs konnte ich noch schmunzeln, in der zweiten Hälfte nicht mehr. Für mich war da etwas zu viel „des Guten“.
Die Art zu erzählen zeichnet einen Profi aus: knapp, nur das Nötigste, aber stets auf den Punkt, schön ausdrucksstark. Mit diesem Minimum an Sprachmitteln wird aber viel erreicht. Dem kleinbürgerlichen Dasein mit seiner obsessiven Sparsamkeit, Scheinheiligkeit, Angepasstheit uvm. wurde Spiegel vor die Fratze gehalten. Zum Kontrast gab es auch die andere Extreme, die Hippie-Szene, die im Grunde die andere Seite der Medaille darstellt. Hinzukamen die Kollegen Dicks bei der Bank mit ihrem sinnfreien Gerangel um den Aufstieg in einem sinkenden Schiff uvm. Karrierismus und seine Auswüchse wurden ebenso klar zur Sprache gebracht wie das Thema Frauenrolle, von verschiedenen Blickwinkeln betrachtet: Frau als Mutter, als Hausfrau, als anvisierte Geliebte, als Karrierebesessene usw.
Man kann noch viel über diesen Roman schreiben, besser, man liest selbst.
Ich vergebe gute vier Sterne und eine Leseempfehlung.

Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
February 7, 2020
#lesejahr2020 Ich lese ihn als große #satire , den Roman von #tomzürcher , der es leider nicht auf die Shortlist des #dbp19 geschafft hat. Ich lese ihn als Satire auf den #mittelstand der versucht aufzusteigen im Ranking, auf den #kleinbürger dessen Wunsch es ist, dass die Kinder mal das erreichen, was man selbst nicht geschafft hat, auf die revoltierenden Kinder, die schlussendlich doch wieder gerne in das sichere Nest zurückkehren, auf den #kapitalismus der seine Kinder frisst. Im Mittelpunkt steht der tumbe Tor Dick Meier (Dick wie der Vorname des Dick Cheney, nicht wie der englische Slang für Pensi, wie es im Roman immer wieder betont wird. Er, der niemanden etwas zu Leide tun will, er, der als der große Naive beschrieben wird steht im Mittelpunkt und erweist sich als unbewusster Drahtzieher negativer persönlicher Ereignisse für Personen aus seiner Umgebung. Aufstieg und Fall eines Bankangestellten, so könnte auch ein Untertitel lauten. #leseempfehlung unbedingt.

#reading2020 I read it as a great #satire, the novel by #tomzürcher, which unfortunately didn't make it onto the shortlist of # dbp19. I read it as a satire on the #middleclass that tries to rise in the ranking, on the #pettybourgeois whose wish it is that the children achieve what they did not manage themselves, on the revolting children who ultimately like return back into a safe family nest to the #capitalism that eats its children. The focus is on the dumb guy Dick Meier (Dick like Dick Cheney's first name, not like the English slang for Penis, as the novel emphasizes again and again). He who does not want to harm anyone, he who is described as a great naïve guy is in the focus of the novel. He proves to be an unconscious mastermind of negative personal events for people from his surroundings. Rise and fall of a bank employee could also be a subtitle. #recommended
Profile Image for LiA.
366 reviews
November 2, 2019
Ein Mann, der Trucker werden wollte und dann bei einer Bank und in der Gastronomie arbeitete (so jedenfalls die Buchrücken-Legende) schreibt einen stark American Psycho / Hannibal Lecter inspirierten Roman über einen angehenden Schweizer Banker - Dick Meier - der in den Wahnsinn abgleitet. Und dass Dick schizophren, paranoid, Borderliner o.ä. ist, merkt man spätestens auf halber Strecke, als er seine nächtlichen Mobbing Dick Touren beginnt. Kann man mögen oder auch für Kapitalismuskritik halten. Allerdings weiß ich nicht, für welches Publikum die brutale Gefangenschaft und Fesselung und grausame Quälerei der Frau Koch seitenweise und detailliert beschrieben wird? Perfiderweise mit der wiederholten Aussage: „Ich habe sie nicht vergewaltigt.“ - Sorry, lieber Männerautor, Vergewaltigung ist mehr als Penetration, und die Zeiten, in denen MANN genüßlich seitenweise Vergewaltigungsfantasien ausbreiten und das als Kunst/Literatur erklären konnte, sind längst vorbei. Schon bei Bret Easton Ellis war es grenzwertig, aber sein Protagonist kritisierte tatsächlich noch eine dekadente exzessive Gesellschaft. Bei Tom Zürcher kommt das eher als Comedy rüber, und wirkt krass aus der Zeit gefallen. Zu dick aufgetragen für die Botschaft, die vielleicht vermittelt werden sollte. Oder soll es nur Unterhaltung sein? Dann bestenfalls für ganz gestrige alte weiße Männer, die vermutlich noch über Blondinenwitze lachen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Conny.
616 reviews87 followers
April 1, 2021
Dick lebt noch immer unter Mutters Fittiche, hat das Jusstudium geschmissen und auch sonst keine besonderen Talente, ausser sehr viel essen zu können. Perfekte Voraussetzungen also, um bei einer Bank direkt am Paradeplatz anzuheuern. Was er dort tun soll, weiss er zwar nicht genau (und auch sonst keiner), steigt damit in der Hierarchie aber schnell auf, gönnt sich mehrmals täglich Cremeschnitten & Co. vom Sprüngli (wieso eigentlich keine Luxemburgerli?) und zieht in ein überteuertes Loch im Kreis 4. Dort droht dann der totale Kontrollverlust mit Wasser, Wodka und einem Zahnarztstuhl.

«Mobbing Dick» versucht, zynisch und abgedreht zu sein. Am Anfang gelingt das auch, es ist witzig und verknüpft kritische Themen wie Nahrungsmittelspekulation einigermassen klug mit dem Handlungsstrang. Leider läuft die Sache schnell aus allen Rudern und endet in dümmlicher Gewalt, die dick aufgetragene Moral (Kapitalismus ist böse!) ersäuft im Wodka und man sieht nur noch ein grosses Fragezeichen: Was zur Hölle habe ich da gerade gelesen?!
852 reviews11 followers
December 21, 2019
Die Zürcher Bankenwelt macht krank, so wohl das Fazit aus diesem Buch. Oder aber, sie befördert in negativer Hinsicht bereits vorhandene Anlagen. Diese Geschichte über Dick Meier, der zu "Mobbing Dick" wird ist in vielerlei Hinsicht abstrus und nicht nur einmal ist es mir schwergefallen, mich auf das Geschehen konzentrieren zu wollen. Das Zürcher Bankenwesen wird ab absurdum geführt und an Klischees wird nicht gespart (Stichwort: "Das ist altes Geld."). Naja, ich weiss nicht, nicht wirklich meins. Aber ich muss mir wohl auf die Schulter klopfen, dass ich bis zum ende durchgehalten habe.
Profile Image for Hannes Spitz.
261 reviews4 followers
February 19, 2020
Zürich als Kosmos eines Romans, der Paradeplatz mit seinen Großbanken an einem Ende, die Brauerstraße als Sinnbild für Sittenverfall am anderen Pol. Selbst dort kostet eine 2-Zimmer Wohnung noch 2000 Franken Miete. Historisch oder global gesehen ist Zürich eben eine Insel des Wohlstandes. Die Hauptperson stolpert als Berufsanfänger in der Vermögensverwaltung der Großbank die Karriereleiter nach oben, Elemente des Schelmenromans zitierend. Den misogynen Drogenrausch kurz vor Schluss des Buches finde ich abstoßend.
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
September 1, 2019
Nachdem er das Jurastudium aufgegeben hat, findet Dick Meier einen Assistentenjob in der Schweizerischen Bankanstalt. Was sein Vorgesetzter Remo Bachmann genau tut, weiß er nicht, nur manchmal eilt dieser mit Stift und Papier davon. Auch was er selbst tut, weiß er nicht so genau, denn richtige Arbeit hat er eigentlich nicht. Je mehr sein Chef gestresst ist, desto prekärer wird dessen Position in der Bank. Die Vorgesetzten beobachten ihn genau und bereiten Dick langsam auf die Übernahme wichtigerer Aufgaben vor. Dazu gehört ein Seminar in Vreneli, einer Geheimschrift, in der alles in der Bank codiert wird. Dicks Stern steigt und zunehmend gerät er in einen Strudel, der durch die belastende Situation im Elternhaus, wo er immer noch lebt, noch gesteigert wird. Sowohl die Arbeit, wie auch die Freizeit zehren an seinen Nerven und bald schon verwandelt er sich in „Mobbing Dick“, denn nur so kann er dem Druck noch standhalten.

Man kann sich köstlich amüsieren mit Tom Zürchers Bankensatire. Die Geheimnistuerei, strenge Hierarchie und Prahlen auf Basis von absurden Titeln und Statistiken lädt zum Schmunzeln ein. Jedoch fragt man sich bei Dicks Arbeitsbeschreibung schon, wie viele Mitarbeiter es wohl geben mag, die auch in der Realität kaum Arbeit haben und ihre Tage nur so vertrödeln oder umgekehrt, nicht den leisesten Schimmer davon haben, was sie eigentlich tun. Hier deutet sich schon an, dass das Buch nicht nur lustig sein wird. Ebenso die Familiendialoge während des Essens, verfolgt man diese zunächst noch belustigt, zeigt sich jedoch im Verlauf immer deutlicher die destruktive Konstellation, die nicht ohne Folgen für den Protagonisten bleibt.

Vieles an dem Roman hat geradezu kafkaeske Züge. Dick Meier kann das Treiben in der Bank nicht überblicken, seine Ängste werden immer stärker und die damit verbundene Unsicherheit treibt ihn zum Äußersten. Vieles, was er tut, erscheint völlig sinnlos und absurd, aber er kommt aus dem Hamsterrad, in dem er sich gefangen sieht, nicht heraus. Was zunächst als Befreiungsschlag wirkt, das Mobbing der Kollegen, wendet sich unweigerlich gegen ihn und führt ihn letztlich in einen wahren Wahn. „Mobbing Dick“ ist das Psychogramm eines modernen Arbeitnehmers, der die Arbeitswelt und die unterschiedlichen Erwartungen der Gesellschaft nicht mehr erfüllen kann und sich plötzlich in seiner eigenen Scheinwelt wiederfindet.

Auch wenn man die Geschichte mit einem gewissen persönlichen Abstand liest, geht sie doch nicht spurlos an einem vorbei. Unweigerlich kommt man ins Grübeln und erkennt ohne große Mühe, dass die Muster, die sich in der Fiktion auftun, keineswegs erfunden, sondern ausgesprochen real sind. Unterhaltsam im Ton, ernst in der Aussage – die Nominierung auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 ohne Frage verdient.
Profile Image for yellowdog.
855 reviews
August 31, 2019
Tom Zürcher, eher ein unbekannter der Autoren der diesjährigen Longlist zum Deutschen Buchpreis, hat einen witzigen, teilweise überdrehten Roman geschrieben und er hat dafür einen Erzählton gefunden, der funktioniert. Im Mittelpunkt ein naiver junger Mann namens Dick Meier. Den für einen Schweizer ungewöhnlichen Namen Dick muss er mehrfach im Roman erklären und wählt unterschiedliche Antworten.

Dick bricht sein Studium ab und ist genervt von seinen Eltern, bei denen er noch wohnt. Der kleinbürgerlichen Welt will er entkommen. Also sucht er einen Job und findet erstaunlicherweise einen in einer Bank. Den Berufsalltag in der Bank wird sehr amüsant erzählt, wenn auch absurd. Zwar nicht unrealistisch, aber deutlich überzeichnet.
Es gibt dort einige schräge Figuren und der exzentrische Dick fühlt sich anfangs wohl unter ihnen.
Dick sucht auch nach einer Wohnung und findet unwissend ausgerechnet eine im Rotlichtbezirk.

Eigentlich mag ich keine Deppen als Protagonisten in Romanen und Dick ist sicher einer, aber durch die Ironie des Autors wird er zu einer funktionierenden Figur.
Es gibt viel Wortwitz, der teilweise durch die Dialoge entsteht, dann aber auch wieder durch Dicks Gedanken. Manche groteske Szene werden aber auch erschreckend, wenn der paranoide Dick mit der Zeit die Kontrolle verliert und die Situation eskaliert.

Wahrscheinlich wird Tom Zürcher auch durch Mobbing Dick ein Außenseiter im Literaturbetrieb bleiben, aber immerhin zeigt das Buch, wie befruchtend es für den Leser sein kann, nicht immer dem Mainstream zu folgen.
Profile Image for Andi.
71 reviews39 followers
November 27, 2019
Von allen Büchern der Longlist des Deutschen Buchpreises 2019 hat sich Mobbing Dick definitiv am schnellsten und leichtesten gelesen. Es war poignant und oft witzig und am Ende nur noch übel. Auf die detaillierten und überflüssigen Beschreibungen hätte der Autor sicher verzichten können, er allein weiß, warum er das unbedingt auslebenschreiben musste... Deshalb nur 4 Sterne. Das Ende ist dafür sehr befriedigend.
Profile Image for Tom Martus.
9 reviews4 followers
October 10, 2020
Die Witzigkeit erschöpft sich zunehmends beim Lesen. Besser ausgearbeitet Tragikomik wäre ein gewinn gewesen. Die Charaktere werden im Verlauf zugunsten von "Gags" geopfert, deswegen keine Identifikationsmöglichkeiten. Das Konzept funktioniert bestenfalls auf der theoretischen Ebene - und da nur unzureichend.
15 reviews15 followers
August 27, 2019
Easy to read, short chapters. Funny characters, scenes, and language. Last 20% get really mean and in the end, I'm left not entirely knowing what was real and what wasn't.
Displaying 1 - 19 of 19 reviews

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