Jump to ratings and reviews
Rate this book

Die Kinder von Nebra

Rate this book
Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...

624 pages, Hardcover

Published March 27, 2020

2 people are currently reading
57 people want to read

About the author

Ulf Schiewe

29 books23 followers
Geboren bin ich im Weserbergland und in Münster aufgewachsen. Ich habe lange als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen gearbeitet und über zwanzig Jahre lang im Ausland gelebt, unter anderem in der französischen Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war ich ein begeisterter Leser von abenteuerlichen Geschichten aller Art.

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
21 (25%)
4 stars
34 (41%)
3 stars
23 (28%)
2 stars
2 (2%)
1 star
1 (1%)
Displaying 1 - 15 of 15 reviews
Profile Image for Aleshanee.
1,721 reviews126 followers
June 26, 2021
Sehr interessante Zeit, die der Autor mit vielen schönen Ideen und Details zum Leben und Glauben der Menschen damals gefüllt hat. Die Protagonistin konnte mich leider nicht so überzeugen und insgesamt wirkte es auf mich zu "modern"

Mit "Land im Sturm" hatte ich ja schon ein historisches Werk des Autors versucht und bin nicht so recht warm geworden damit. Allerdings war das eher ein Episodenroman über mehrere Zeiträume und Generationen, weshalb es vielleicht auch daran lag, dass es keine zusammenhängede Geschichte war.

Mit Die Kinder von Nebra wollte ich aber dem Autor nochmal eine Chance geben, da wir hier in der Zeit ziemlich weit zurückgehen und es recht wenige historische Romane gibt, die in dieser Epoche spielen, was mich sehr gereizt hat.

Vielleicht hab ich zuviel erwartet - definitiv aber etwas anderes. Denn auch wenn der Autor mit wirklich viel Liebe zum Detail das Leben der Menschen damals beschreibt und sich auf die Funde stützt, mit denen die Historiker arbeiten, hatte ich nicht das Gefühl, so weit in der Zeit zurückversetzt zu werden.
Zum einen durch den Schreibstil, der mir zu gezwungen erscheint. Ich weiß nicht genau wie ich es ausdrücken soll - als wäre jedes Wort auf die Goldwaage gelegt worden. Vor allem aber durch die Dialoge, die sehr an den "neuzeitlichen" Sprachgebrauch erinnern. Ebenfalls die Struktur der Klans und das Patriarchat hat mich etwas enttäuscht, einfach weil ich mir hier mal neue, andere Ideen erhofft hatte, wie das Zusammenleben funktioniert hat.

Angetan hat es mir dafür der Götterkult. Sehr schön beschrieben ist, wie die Menschen sich damals die Natur und das Schicksal als "gottgelenkt" vorgestellt haben, wie man es ja aus zahlreichen Mythen und Sagen kennt. Heilige Stätten, Rituale und Priesterinnen stehen dabei im Mittelpunkt, denn hier sind die Frauen die Wissenden und Mächtigen. Anschauliche Details zeigen, wie ihre Kraft ihren Glauben lebendig gemacht haben.
Sehr passend dazu auch die Kapitelüberschriften mit einem kleinen Beitext zu den jeweiligen Göttern, die perfekt den folgenden Handlungsabschnitt eingeleitet haben.

Ebenso interessant fand ich die vielen überlebenswichtige Handfertigkeiten zum leben und überleben, die immer wieder passend eingeflochten wurden, so dass man sich die mühevolle Arbeit der Menschen sehr gut vorstellen konnte.
Besonders schön fand ich den kurzen, aber bedeutenden Vergleich zwischen den "Alben" (den Waldbewohnern) und den Klans, in denen Rana lebt. Auf der einen Seite die Jäger und Sammler, die ein friedfertiges Leben in der Natur leben und einen Hauch des Göttlichen in allem sehen - und auf der anderen Seite die Menschen, die sesshaft geworden sind, Felder bestellen, Viehzucht betreiben und damit eine völlig neue Lebensart einläuten, die sogenannte Zivilisation.

Natürlich spielt auch die Himmelsscheibe eine große Rolle in der Geschichte. Da müsst ihr euch aber selbst überraschen lassen :)

Die Protagonistin Rana. Einerseits eine sehr wichtige und antreibende Persönlichkeit, aber ich kam einfach nicht so ganz mit ihr klar. Die Aufmüpfigkeit erinnerte oft eher an ein kleines Kind und ihr Verhalten war von trotziger Pubertät geprägt; dazu kommt, dass sie sich in Gedanken ständig wiederholt und über die immer gleichen Probleme nachgrübelt... sowas finde ich leider immer etwas nervig und abgenutzt und kennt man zur Genüge aus YA Büchern.
Geheimnisse sollte man ihr auch keine anvertrauen, denn trotz Versprechungen und Schwüren plaudert sie jedes Mal dann doch alles wieder aus.
Dennoch hat sie ein gutes Herz und kämpft für ihre Überzeugungen.

Die Handlung insgesamt geht etwas langsam voran. Obwohl ich anfangs noch zu sehr gefangen war von den Eindrücken und Kennenlernen des Schauplatzes und der Figuren, hätte es dann doch etwas mehr Spannungen geben und vom Tempo her anziehen können.
Es war mir oftmals auch einfach etwas zu "rund", es lief zu glatt und hatte wenig Überraschungen parat.
Grade auch die Charaktere, die entweder gut oder böse waren, dazwischen gab es kaum Feinheiten. Da hätte ich mir mehr Ecken und Kanten gewünscht.

Das Nachwort sollte man unbedingt auch lesen, um einiges über die Entstehung zu dieser Geschichte zu erfahren. Auch gibt es ein Glossar mit Erklärungen zu den Klans, den Göttern und einzelnen Personen.

Ihr seht, ich bin sehr hin- und hergerissen mit dieser Geschichte. Solide und schön zu lesen ist sie allemal, mir persönlich aber zu glatt und vorhersehbar. Überraschungen gab es für mich kaum, worunter deshalb auch die Spannung gelitten hat. Dennoch waren die Einblicke in das Leben zur damaligen Zeit definitiv interessant.

Weltenwanderer
Profile Image for black-eyes-black.
261 reviews8 followers
April 21, 2020
Der mir bereits durch viele Werke bekannte Autor Ulf Schiewe hat mit „Die Kinder von Nebra“ sein neustes Werk veröffentlicht. Dies ist (bisher?) ein Einzelband und kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Klappentext:
Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...

Von dem Autor Ulf Schiewe habe ich bereits einige historische Bücher gelesen, bisher konnte er mich immer mit seinen Werken begeistern. Seinem neusten Werk „Die Kinder Nebra“ gegenüber war ich etwas skeptisch. Spielt es doch so gar nicht in der Zeit, welche ich bevorzugt lese. Ein Buch, welches vor 4000 Jahren spielen soll, gehört leider nicht zu meinem typischen Beuteschema. Dennoch habe ich dem Buch eine Chance gegeben, hat mich Schiewe doch bisher immer begeistern können. Und auch dieses Mal ist es dem Autor gelungen, obwohl ich dem Buch gegenüber recht skeptisch war. Meine Erwartungen wurden um ein vielfaches übertroffen.
Zuerst ist mir die Gestaltung positiv aufgefallen. Hier wurde ein umfangreiches Bonusmaterial zur Verfügung gestellt, die ich als Leser gerne zu Rate gezogen habe. Gleich zu Beginn ist eine farbige Karte beigefügt wurden. Gerne habe ich sie als Hilfestellung genommen, wenn ich mir unsicher war, welches Volk in welcher Region wohnt, wer der direkte Nachbar von wem war. Hilfreich waren auch das Personenregister oder auch die Götterübersicht. Sehr ansprechend fand ich auch das Nachwort. Hier geht der Autor nochmal auf die Trennung von Fakten und Fiktion ein. Er beschreibt, was seiner eigenen Fantasie entspricht und wo er sich an die aktuellen Ansichten der Wissenschaftler gehalten hat. Ich empfand dies als sehr lehrreich und es hat mir nochmal einen besseren Einblick in die damaligen Lebensverhältnisse ermöglicht.
Wie ich es bereits aus seinen vorherigen Werken gewohnt war, konnte mich auch dieses mal wieder der bildgewaltige und flüssige Schreibstil von Schiewe überzeugen. Er schafft es gekonnt, Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen. Die Schauplätze werden bildhaft beschrieben, ohne dass die Ausschweifungen zu ausufernd sind. Dennoch konnte ich mich gut in diese längst vergangene Zeit hineinversetzen, hatte in Bild vor meinem geistigen Auge. Auch folgt der Autor stetig dem roten Faden – ein klares Ziel ist erkennbar, auf welches gekonnt hingesteuert wird. Dabei werden einige unerwartete Wendungen und spannende Szenen eingebaut, sodass ich gebannt an den Seiten geklebt habe. Was ich auch noch positiv hervorheben möchte: die umfangreiche Recherche des Autors. Man merkt jeder Seite an, dass er sich im großen Maße mit dieser Zeit beschäftigt hat und auch, dass er sich an die derzeitigen Ansichten der Wissenschaftler gehalten hat. Stetig habe ich etwas über diese Zeiten gelernt und es hat mir Spaß gemacht, immer neue Informationen zu erhalten. Oftmals hat mich dieses Wissen in ein Staunen versetzt, hätte ich mir doch rückständigere Lebensumstände vorgestellt. Dies ist eigentlich nicht meine bevorzugte Zeit, meist lese ich historische Romane die deutlich später spielen. Daher habe ich wirklich viel Spannendes lernen können. Besonders haben mir die Darstellungen der Rituale und mögliche Ansichten der Götterkultur gefallen. Auch über die Entstehung der Himmelsscheibe erhält man umfangreiche Informationen, welche ich nur zu gerne mit verfolgt habe. All dies hat Ulf Schiewe gekonnt in die Handlung einfließen lassen, sodass man quasi spielend lernt.
Überzeugen konnten mich auch die lebendigen und vielseitigen Charaktere. Sie wirkten auf mich alle so dreidimensional, sie hatten alle ihr persönliches Päckchen zu tragen, hatten eine Vergangenheit oder eine Geschichte, welche sie geprägt haben. Es gibt eine klare Grenze zwischen Gut und Böse, Grauzonen sucht man hier eher vergeblich. Dies hat mich jedoch nicht weiter gestört, hat es doch zum Inhalt des Buches gepasst und hat der Spannung keinen Abbruch getan. Rana ist hier der weibliche Protagonist. Sie ist die Tochter einer Priesterin und eines Schmieds, wohnt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf. Sie ist eine willensstarke, sture Person, aber sie ist auch stark und kämpferisch. Dabei setzt sie sich für ihre Prinzipien ein und ist dabei nicht selten impulsiv. Zu Beginn hatte ich ein paar kleinere Schwierigkeiten mit ihrer Person, war sie mir doch zeitweise zu aufbrausend oder auch naiv. Doch im Verlauf des Buches ist sie mit den Aufgaben gewachsen, die sie meistern musste. Rana hat eine interessante Charakterentwicklung durchgemacht, welche ich nur zu gerne mit verfolgt habe.
Mein einziger kleiner Kritikpunkt: Ich persönlich habe ein paar Seiten gebraucht, um mich in dieser Zeit zurechtzufinden – gleich zu Beginn wird man in die Geschichte hineingeworfen und ich musste mich in dieser erst einmal zurechtfinden. Ich musste die Namen aber auch die Völker sortieren. Aber nach nur wenigen Seiten hat sich auch das wieder gelegt und liegt vielleicht auch daran, dass ich mich in dieser Zeit nicht wirklich auskenne. Liegt also nicht unbedingt an dem Buch selbst.

Auch dieses Mal konnte mich Ulf Schiewe mit seinem neusten historischen Roman „Die Kinder von Nebra“ wieder überzeugen. Völlig unerwartet, da dies normalerweise nicht meine bevorzugte zeitliche Epoche ist in Bezug auf historische Romane. Dieses Werk besticht durch seine umfangreiche Recherche, eine spannende und fesselnde Handlung, den bildgewaltigen Schreibstil und die plastischen Charaktere. Ich kann es wirklich nur empfehlen und möchte 4,5 Sterne vergeben.
Profile Image for Klusi.
86 reviews
April 29, 2020
In seinem neuen Roman entführt uns Ulf Schiewe in die Welt vor viertausend Jahren. Die Protagonistin Rana ist eine eigenwillige junge Frau, die mit ihrer Familie in einem kleinen Ort nahe der Gera-Mündung ein zufriedenes Leben führt. Ist sie anfangs noch unschlüssig, wie ihr weiteres Leben aussehen soll, so bestärkt eine unschöne Begegnung mit Arrak, dem Sohn des Fürsten Orkon, die junge Frau, dem Wunsch ihrer Mutter nachzukommen und ihr als Priesterin der Göttin Destarte nachzufolgen.
Fürst Orkon und seine Anhänger huldigen Hador, dem Gott der Unterwelt und des Totenreichs. Orkon nutzt seine Macht brutal aus, um das Volk zu knechten und auszubeuten.
Eines Nachts erscheint Rana die Göttin des Lichts im Traum. Destarte fordert sie auf, sich gegen Orkons dunkle Herrschaft zu stellen. Währenddessen schmiedet Ranas Vater eine Bronzescheibe, die ein geheimes Wissen birgt. Zusammen mit wenigen Verbündeten macht sich Rana auf, den Menschen das Licht ihrer Göttin nahe zu bringen. Die mystische Bronzescheibe ihres Vaters soll ihr dabei he.fen. Kann sie wirklich etwas gegen die finstere Übermacht Orkons und seiner Krieger ausrichten?

Bei der Bronzescheibe, die Ranas Vater Utrik gefertigt hat, handelt es sich um die geheimnisvolle, real existierende Himmelsscheibe von Nebra. Sie ist das Herzstück des Romans, um das sich die Handlung dreht. Wie der Autor im Nachwort verrät, war es eine Herausforderung für ihn, als er gebeten wurde, einen Roman über die Himmelsscheibe und ihre Entstehung zu schreiben. Das kann ich gut nachvollziehen, denn die Geschichte spielt in einer Zeit, über die nicht allzu viel bekannt ist. Wer Ulf Schiewe kennt, weiß, dass der Autor sehr authentische Romane schreibt, immer in dem Bemühen, möglichst viele bekannte Fakten zu verarbeiten und sich mit der Handlung nahe an der Realität zu bewegen. Gerade hier, bei einem Roman über die Bronzezeit, setzte das eine extrem intensive Recherchearbeit voraus.
Man merkt es dem Roman an, dass sich der Autor bis ins Detail mit dieser damaligen Welt, ihren Sitten und Gebräuchen, ihren Herrschern und Göttern, beschäftigt hat. Hinter vielen Schauplätzen und Höhepunkten in der Handlung stecken tatsächliche Erkenntnisse und Entdeckungen, über die man nichts Näheres weiß, die ihr Geheimnis nicht preisgeben, aber trotzdem unsere Phantasie anregen. So ist dieser Roman entstanden, indem der Autor um diese Tatsachen herum seine Handlung aufgebaut hat. Seine Protagonisten sind allesamt glaubwürdig. Sprachlich ist das Buch eher neutral gehalten, denn eine Anpassung an die damalige Sprache ist sowieso unmöglich, und jeder Versuch, dies zu erreichen, würde unweigerlich unbefriedigend ausfallen.
Die Handlung baut einen sehr hohen Spannungsbogen auf, so dass dieses Buch für mich ein wahrer Pageturner war, den ich am liebsten in einem Rutsch gelesen hätte. Andererseits habe ich es genossen, in diese fremde, geheimnisvolle Welt mit ihrer Mythologie und ihren Sitten und Gebräuchen einzutauchen und möglichst lange dort zu verweilen. Mich hat dieser Roman ungemein gefesselt und mit seinen farbigen, lebendigen Bildern begeistert. Ein Buch von Ulf Schiewe lesen bedeutet für mich auch immer, viel Neues zu erfahren und dazu zu lernen. So birgt jedes Kapitel nicht nur mitreißende Ereignisse, sondern zugleich eine Geschichtsstunde vom Allerfeinsten.
Auch die äußere Aufmachung des Buches möchte ich nicht unerwähnt lassen. Die Gestaltung ist sehr hochwertig und schön. Auf dem Cover sieht man die Himmelsscheibe in voller Pracht, und auf den inneren Buchdeckeln findet man eine Karte mit den Handlungsorten.
Personenverzeichnis, Glossar, das informative und sehr interessante Nachwort des Autors sowie Übersichten zu den Göttern und den beteiligten Klans runden dieses großartige Buch ab.
Profile Image for Kingofmusic.
271 reviews54 followers
November 12, 2020
Wahnsinnig spannender Roman mit Sogwirkung

„[…], dass es in einer wirren Welt Dinge gibt, die sich nie ändern, auf die man sich verlassen kann.“ (S. 564)

Dieses Credo schwebt über dem Roman „Die Kinder von Nebra“ von Ulf Schiewe, den ich erst im Januar mit „Der Attentäter“ kennengelernt habe, der sich aber bereits jetzt in die Riege meiner Lieblingsschriftsteller einreihen darf.

Ulf Schiewe nimmt seine Leserinnen und Leser in „Die Kinder von Nebra“ mit in die Bronzezeit vor 4.000 Jahren, lässt uns aus „seiner“ Sicht an der Entstehung der berühmten Himmelsscheibe teilhaben und lässt eine Götterwelt vor den Augen der Leser*innen entstehen, die sich sowohl an den nordischen als auch an den griechischen Mythen orientiert.

Die geneigte Leserschaft ist während der Lektüre stets „mittendrin statt nur dabei“: man hört das Plätschern eines Baches, das Rauschen der Blätter, das Hämmern in der Schmiede, Pferdegetrappel und Kriegsgebrüll – Ulf Schiewe schafft es mit seiner einzigartigen (modernen) Schreibweise, ein facettenreiches und intensives Kopfkino loszutreten und als Leser*in kommt man nicht umhin, das Buch immer weiter zu lesen, bis man nach der letzten Seite – äh, am liebsten gleich wieder von vorne beginnen würde :-).

Neben der bildhaften Sprache lässt der Autor auch geschickt sein (historisches) Fachwissen einfließen; davon zeugen das Glossar und das mehrseitige, äußerst lesenswerte Nachwort des Autors. Darüber hinaus gibt es ein Personenregister, die Klans und Götter werden genannt und ihre Bedeutung erklärt.

Für mich stellt „Die Kinder von Nebra“ ein, wenn nicht DAS historische Roman-Highlight in diesem Jahr dar und bekommt ergo von mir 5 wohlverdiente Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

©kingofmusic
Profile Image for Marion.
247 reviews19 followers
Read
July 29, 2023
Abgebrochen nach Kapitel 3
Selten lese ich ein Buch nicht zu Ende, aber diesmal musste ich aufhören. Ich habe mir etwas anderes vorgestellt.
Leider scheint der Schreibstil eher an Jugendliche gerichtet zu sein und die detaillierten Aufzählungen und Erklärungen haben mich gelangweilt.
Da es aber nur meine persönliche Empfindung ist und man es sicher auch ganz anders sehen kann gebe ich keine Sternebewertung.
Profile Image for auserlesenes.
364 reviews16 followers
December 6, 2020
Vor fast 4000 Jahren im Gebiet rund um Saale und Unstrut: Seit Längerem herrscht Fürst Orkon über die Menschen und verbreitet Angst und Schrecken. Kaum jemand wagt es, sich gegen ihn aufzulehnen. Wer es doch tut, bezahlt meist mit dem Leben. Auch Ranas Familie ist der Mächtige ein Dorn im Auge. Dabei geht es ihnen im Dorf Altorp vergleichsweise gut. Mutter Herdis ist eine angesehene Priesterin, in deren Fußstapfen die 18-jährige Frau treten soll. Auch Vater Utrik hat als Schmied ein gutes Auskommen und einen hervorragenden Ruf. Was niemand außerhalb der Familie weiß: Utrik hat eine kostbare Himmelsscheibe geschaffen, die in den falschen Händen noch mehr Leid verursachen könnte...

„Die Kinder von Nebra“ ist ein historischer Roman von Ulf Schiewe.

Meine Meinung:
Der Roman besteht aus 18 eher längeren Kapiteln, die sich in mehrere Abschnitte unterteilen. Schön finde ich die Idee, die Kapitel nach den Göttern der damaligen Zeit zu benennen. Der Aufbau funktioniert gut.

Der Schreibstil ist anschaulich und schafft - dank viel wörtlicher Rede - eine lebhafte Atmosphäre. Dabei fehlt es nicht an ausdrucksvollen Beschreibungen, um dem Leser ein umfassendes Bild der damaligen Landschaft und Begebenheiten zu machen. Nur sprachlich ist der Roman teilweise nicht so authentisch. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven im Präsens und in chronologischer Reihenfolge.

Ein Fokus der Geschichte liegt auf Rana, einer mutigen und etwas impulsiven Protagonistin, die meine Sympathie gewinnen konnte. Auch weitere interessante Charaktere tauchen auf. Trotz deren Vielzahl fällt es nicht schwer, den Überblick zu behalten. Obwohl man durchaus Einblicke in das Innenleben unterschiedlicher Personen erhält, wirken manche Figuren leider ein wenig eindimensional, was vor allem auf die Bösen zutrifft.

Die Thematik der Himmelsscheibe hat meine Neugier auf den Roman geweckt. Zwar gibt es aus der Zeit vor fast 4000 Jahren nicht so viele Zeugnisse wie aus späteren Epochen. Die fundierte Recherche ist der Geschichte jedoch anzumerken. Sie wird nicht nur in den interessanten Anmerkungen des Autors dokumentiert, sondern spiegelt sich in vielen Textstellen wider. Ein Glossar gibt Aufschluss über Orte und Begriffe aus jener Zeit. Immer dann, wenn genaue Kenntnisse durch die Archäologie bisher nicht vorhanden sind, hat der Schriftsteller Fakten und Fiktion auf sinnvolle Weise verknüpft. So hat er eine Liste mit Göttern und eine zu den im Buch erwähnten Klans erstellt. Zum Zusatzmaterial gehören außerdem eine Personenübersicht und eine Karte.

Die Handlung nimmt zu Beginn nur langsam Fahrt auf, wird aber dann spannend und abwechslungsreich. Mehrere Überraschungen und Wendungen sorgen dafür, dass der 600 Seiten umfassende Roman kurzweilig und unterhaltsam bleibt.

Das Cover mit der Himmelsscheibe gefällt mir. Es passt sowohl zum Genre als auch zur Geschichte. Das Wort „Kinder“ im Titel könnte eventuell missverstanden werden.

Mein Fazit:
Mit „Die Kinder von Nebra“ hat mich Ulf Schiewe wieder einmal nicht enttäuscht. Durch das spannende Thema und die abenteuerreiche Handlung ist das Buch nicht nur für eingefleischte Fans historischer Romane eine empfehlenswerte Lektüre.
Profile Image for Tinstamp.
1,098 reviews
May 15, 2020
Ulf Schiewe's historische Romane sind spannend und sehr abwechslungsreich. Jedes Buch spielt in einer anderen Epoche. Zuletzt hat mich der Autor ins Jahr 1918 nach Sarejevo geführt, wo ich die letzten Tage des Thronfolgers Franz Ferdinand verfolgen durfte. (Der Attentäter)

Diesmal ist er gleich 4000 Jahre zurückgegangen, nämlich in die Bronzezeit und ich war mir gar nicht sicher, ob diese Zeit etwas für mich ist. Außerdem stelle ich es mir unvorstellbar schwer vor über dieser Zeit zu recherchieren. Mit der Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 gefunden wurde und seit 2002 im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle zu bestaunen ist, hat Schiewe seinen Plot für diesen Roman gefunden.

Ich muss zugeben, dass ich mich zu Beginn ein bisschen schwer damit tat in die Geschichte zu finden. Die ungewohnten Namen und die sehr detaillierte Beschreibung ließen meine Gedanken oftmals abschweifen. Doch ich denke, dass lag an meiner eigenen Unkonzentriertheit, denn kaum las ich länger am Stück, war ich von der Geschichte gefesselt und danach wirklich schnell durch.
Mit der jungen Rana hat Ulf Schiewe eine selbstbewusste, aber auch eigensinnige Protagonistin erschaffen. Sie ist anders als die anderen Mädchen und denkt viel nach. Sie ist die Tochter von Herdis, einer Priesterin der Göttin Destarte, und soll ihre Nachfolgerin werden. Rana ist unsicher, ob sie in die großen Fußstapfen ihrer Mutter treten kann. Doch ein Überfall auf sie im Wald ändert ihre Meinung. Arrak, der Sohn des Fürsten Orkon, und zwei seiner Freunde überfallen Rana, die durch die Hilfe zweier Elben gerettet wird. Orkon und Arrak, die Hakon, den Gott der Unterwelt huldigen, verbreiten Angst und Schrecken beim Volk. Die Edlen des Landes trauen sich nicht sich gegen Orkon und seinen Clan aufzulehnen, um die Götter nicht zu erzürnen.

Ranas Vater Utrik ist Schmied und arbeitet an einer ganz besonderen Bronzescheibe. Bei seinen Reisen in den Süden hörte er unglaubliche Geschichten über den Sternenhimmel und wie sich die Tage im Jahr genauer einteilen lassen. Dieses Geheimnis möchte er mithilfe seines Sohnen Arni auf dieser Scheibe festhalten. Eines Tages erscheint Rana die Göttin Destarte im Traum und ermutigt sie sich gegen die dunkle Herrschaft von Orkon zu stellen. Mithilfe der Himmelsscheibe und der Göttin des Lichts schwört Rana Orkon und Arrak zu Fall zu bringen...

Ulf Schiewe stützt sich bei seinem Roman auf die Erkenntnisse über die Himmelsscheibe von Nebra. Dabei verwebt er die wenigen Kenntnisse aus dieser Zeit mit einer fiktiven Geschichte und erzählt wie es damals hätte sein können. Dadurch entsteht ein vielfältiges Bild dieser Zeit, die der Autor sehr spannend darstellt. Die Sitten und Gebräuche, wie auch die damaligen Götter und Herrscher wurden lebendig dargestellt.

Die Charaktere sind wunderbar ausgearbeitet und die Location sehr detailliert dargestellt. Obwohl der Roman vor 4000 Jahren spielt, hatte ich alles vor Augen - man hat richtige Bilder im Kopf - und ich war oftmals überrascht, wie weit entwickelt diese Menschen bereits waren. Die echte Himmelsscheibe, die in Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden wurde und heute im Museum zu bewundern ist, zeigt die Kunstfertigkeit der Menschen von damals auf.

Schreibstil:
Ulf Schiewe erzählt uns die Geschichte um die Himmelsscheibe in Präsens, die eine ganz besondere Nähe zu den handelnden Personen schafft. Die Sprache ist neutral, denn eine der Zeit angepasste Sprache wäre wohl nicht zu lesen gewesen ;)
Der Autor hat bei diesem Roman sehr viel Recherchearbeit geleistet. Er erzählt gewohnt detailliert, aber sehr lebendig und bildgewaltig.

Die Aufmachung des Buches ist sehr hochwertig und edel. Zu Beginn und am Ende gibt es eine Karte der Region aus der damaligen Zeit. Ein Lesebändchen vervollständigt das Erscheinungsbild.
Zusätzlich befindet sich ein Nachwort des Autors und ein Glossar.

Fazit:
Ein wunderbares und facettenreiches Werk über eine Zeit, die uns völlig unbekannt ist und die vom Autor bildgewaltig und spannend erzählt wird. Obwohl ich anfangs dachte, dass diese Zeit nicht wirklich etwas für mich ist, hat mich das Buch gefesselt und mir wunderbare Lesestunden beschert. Ulf Schiewe ist damit zu einem meiner Lieblingsautoren im historischen Genre aufgestiegen
Profile Image for Moni2506.
394 reviews
June 19, 2021
„Die Kinder von Nebra“ von Ulf Schiewe wurde Anfang Mai 2021 mit dem goldenen Homer ausgezeichnet und ist fast zeitgleich bei Bastei Lübbe als Taschenbuch erschienen. Das Buch spielt 4.000 Jahre vor unserer Zeit und erzählt eine fiktive Geschichte zur Himmelsscheibe von Nebra, die es wirklich gibt.

Nebra vor 4.000 Jahren: Es herrscht Aufruhr im Land der Ruotinger. Seit langer Zeit herrscht ein grausamer Fürst über das Volk und opfert Menschen im Namen Hadors. Als der Sohn des Fürsten es zu weit treibt, beginnt sich Widerstand zu regen. Die junge Priesterin Rana träumt von einer friedlichen Welt, in der alle glücklich zusammenleben und sich gegenseitig achten. In der Arbeit ihres Vaters erkennt sie ein Zeichen, um die Menschen zusammenzubringen. Die Göttin des Lichts soll dem Gott der Unterwelt entgegen treten und das geheime Wissen der Bronzescheibe ist der Schlüssel hierzu. Ein gefährlicher Weg steht ihr bevor, den sie nur mit Hilfe mächtiger Verbündeter bestehen kann.

Überraschenderweise habe ich den Roman als Rezensionsexemplar zur Erscheinung der Taschenbuchausgabe von Lübbe zugeschickt bekommen. Ich war schon letztes Jahr neugierig auf das Buch, insbesondere weil es mal zu einer vollkommen anderen Zeit spielt als andere historische Romane, war mir aber auch unsicher, ob es mir nicht zu sehr Abenteuergeschichte sein wird.
Im Schreibstil Ulf Schiewes war ich schnell wieder drin, habe ich doch schon einige Bücher des Autors gelesen. Was ich dabei immer wieder verdränge ist die Tatsache, dass der Autor seine Romane im Präsens schreibt. Das erzeugt für mich mehr Nähe und hat zu dieser Art Geschichte meiner Meinung nach besonders gut gepasst. Wie die Welt vor 4.000 Jahren genau war, darüber können wir nur spekulieren und so mochte ich sehr das Gefühl beim Lesen, dass das Geschehen im Buch quasi in diesem Moment stattfindet. Die Orte und Wälder konnte ich mir sehr gut vorstellen und hatte die meiste Zeit über Bilder in meinem Kopf.
Der Spannungsbogen hat mir insgesamt gefallen, auch wenn die Geschichte etwas in die Länge gezogen wirkt. Es dauert das halbe Buch bis die Geschichte so weit aufgebaut ist, wie es im Klappentext beschrieben wird. Für mich sollte ein Klappentext höchstens das erste Drittel oder Viertel eines Buches beschreiben, denn im Prinzip konnte ich mir so schon herleiten, was im gesamten Buch passieren wird. Das empfinde ich als suboptimal, weil es so etwas die Spannung aus dem gesamten Buch nimmt.
Es wurde wahnsinnig viel Wissen ins Buch eingebracht. Das ist etwas was ich in der Regel sehr mag und ich bewundere den Autor dafür, dass er hier so viel Einbringen konnte, über eine Zeit, die schon so lange her ist. Das Einbinden in die Geschichte ist dem Autor mal besser und mal schlechter gelungen: Zeitweise wurden viele Fakten aneinandergereiht und ich habe mich etwas erschlagen gefühlt, an anderen Stellen wiederum war alles wunderbar mit der Geschichte verbunden und wirkte harmonisch auf mich.
Diesmal sehr aufgefallen sind mir einige Klischees, die mich teilweise sehr gestört haben und mit den Augen rollen lassen haben und sie haben mir zeitweise auch das Zeitgefühl für die Geschichte genommen. Ich will nicht zu genau auf diesen Punkt eingehen, um nicht zu sehr zu spoilern. Das es vor 4.000 Jahren klarere Rollenbilder gab, möchte ich auch gar nicht abstreiten, aber ich glaube schon, dass diese sich doch etwas differenzierter dargestellt haben als es in dem Buch der Fall ist. Wir haben den abgrundtief bösen Fürstensohn, der wirklich nur Arschloch ist und keinerlei positive Eigenschaften hat, wir haben die Heldin, die natürlich anders als andere Mädchen/Frauen ihrer Zeit ist. Es gab teilweise diverse Ansätze im Buch, diese wurden aber einfach nur erwähnt und nicht weiter verfolgt oder wiederum mit einem anderen Klischee verbunden, was mich hierbei etwas zwiegespalten zurücklässt.
Ich habe die Geschichte und das Schicksal der Personen im Buch gerne verfolgt, aber ich kann nicht sagen, dass ich mich einer Person im Buch extrem verbunden gefühlt habe. Gerade bei den Frauenfiguren, empfand ich einige in ihrem Verhalten einfach nur unlogisch. Wahrscheinlich sollte suggeriert werden, dass es sich um komplexe Charaktere handelt, aber dies ist dem Autor meiner Meinung nach nicht so gut gelungen. Insgesamt sind alle Charaktere etwas klischeehaft geraten, an der einen Stelle fällt das mehr ins Gewicht und an anderer Stelle wirkt es hingegen passend.
Es geht in diesem Buch, um die Himmelsscheibe von Nebra, die wirklich existiert und in diesem Buch werden die neuesten Erkenntnisse zu dieser Bronzescheibe in einer fiktiven Geschichte verarbeitet. Diese Verknüpfung ist dem Autor gut gelungen, finde ich. In einem ausführlichen Nachwort gibt Ulf Schiewe ausführlich Auskunft darüber. Das hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte das Buch nochmals Revue passieren lassen und so für mich die Geschichte besser einordnen. Einige Fakten wurden sehr gut und glaubhaft ins Buch eingearbeitet.
Weiteres Zusatzmaterial gibt es in Form einer Karte im Buchumschlag auf denen wichtige Ortsnamen vermerkt sind. Darüber hinaus findet sich noch ein Glossar, eine Übersicht über die Klans und Götter im Buch und ein Personenverzeichnis ganz zum Schluss. Die Vorstellung der Götter ist auch innerhalb des Buches gut gelungen. Jedes Kapitel ist einem anderen Gott gewidmet. Wichtig zu wissen, die Namen sind ausgedacht und an spätere uns bekannte Gottheiten angelehnt. Diese Spekulation halte ich durchaus für realistisch.

Fazit: Ein historischer Roman, der für mich Höhen und Tiefen hatte. Die Einbindung der Fakten rund um die Himmelsscheibe von Nebra in eine fiktive Geschichte finde ich gelungen, auch wenn mich das viele allgemeine Wissen manchmal etwas erschlagen hat. Die vielen Klischees haben mich zeitweise genervt und mir ein bisschen das Gefühl für die Zeit genommen, in der der Roman spielt. Empfehlenswert für Personen, die Klischees nicht groß stören und die etwas über das Leben vor 4.000 Jahren und die Bronzescheibe von Nebra erfahren wollen.
Profile Image for James Eliza.
71 reviews
February 28, 2022
Als Ende der 90iger Jahre die „Himmelsscheibe von Nebra“ entdeckt wurde war ich fasziniert und auch überrascht über die astronomischen Kenntnisse einer Zeit, welche man als Kind nicht so im Geschichtsunterricht gelehrt bekommen hat. Ich bin von der Umsetzung der Geschichte sehr angetan. Das Cover ist in but gehalten und zeigt kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold, die sogenannte „Himmelscheibe von Nebra“. Der Klappentext beschreibt ausführlich die Handlung und bereitet die Leser sehr gut auf die Erzählung vor. Die Handlung spielt in der sogenannten „frühen Bronzezeit“, ca. 2000 Jahre vor Christus und ist mit fiktiven Personen um teilweise nachgewiesene Ereignisse erzählt worden. Im Nachwort des Autors erfährt man dabei weitere Hintergründe über die sich damals zugetragenen Ereignisse.

In der Handlung geht es im Wesentlichen um die junge Rana welche dem Ruotinger Klan angehört und die Tochter eines Bronzeschmiedes, sowie der hochangesehenen Priesterin Herdis der Göttin Destarte ist. Rana ist eine sehr mutige und für damalige Verhältnisse sehr selbstbewusste Frau, welche trotz der harten kriegerischen Zeiten und einiger Schicksalsschläge nie den Mut verliert. Die wesentlichen Nebenfiguren der Geschichte sind neben Ranas Eltern, der Klan der Helminger und den Fürst „aller Ruotinger“ Orkon, sowie sein brutaler und furchteinflößender Sohn Arrak und Hakun Sohn des Klanherre der Harruner. Ebenso erwähnenswert ist die Leibwache von Orkon Odda, ein bärenstarker übergroßer Mann, welcher im Laufe der Geschichte einer Charakteränderung durchfährt. Er war für mich eine der Lieblingsfiguren der Geschichte. Am Anfang unnahbar und kühl beweist er im Laufe der Zeit ein Gespür für „die richtige Handlung sowie die richtigen Entscheidungen“ und kann so der Geschichte mit seinen Taten die richtige Wendung geben.

Die Spannung der Geschichte lebt von ihrer Dramatik und dem Kampf „Gut“ gegen „Böse“. Der Aufbau der Geschichte ist stringent und es sind keine Zeitsprünge vorhanden. Der Schreibstil des Autors ist flüssig, leicht tragend und zeitgemäß, sowie in Teilen auch sehr dialogorientiert. Als Besonderheit sind neben einem Glossar, einem Personen- sowie einem Klanverzeichnis auch eine abgedruckte Karte der wesentlichen Handlungsorte zu nennen. Als Zielgruppe des Romans kommen Freunde historischer Romane, Anhänger der Bronzezeit sowie neugierige Leser aller Altersklassen in Frage. Das Fazit des Romans ist sehr positiv. Da ich bis jetzt keine Vorstellung vom Leben „vor der Antike“ hatte war ich über das alltägliche Leben doch sehr überrascht. So hatten nach historischen Überlieferungen bereits die Menschen „vor der Antike“ Streitwagen besessen. Allein dieser Umstand war mir nicht bekannt. Auch das damals bereits rudimentäre astronomische Kenntnisse vorhanden waren zeigt nicht nur allein diese wunderbare Himmelsscheibe. Dem Autor ist es gelungen um historisch nachgewiesene Tatsachen eine sehr interessante, abwechslungsreiche und auch spannende Geschichte zu erzählen. Ich bedanke mich beim Autor sowie bei Lübbe für die Bereitstellung des Rezensions-Exemplars.
Profile Image for Sabine.
771 reviews19 followers
June 19, 2021
Ich liebe historische Romane – aber so weit in der Vergangenheit habe ich mich bisher nicht gelesen; in dieser Geschichte, die vor fast 4000 Jahren spielt steht die „Himmelsscheibe von Nebra“, die im Jahr 1999 in Sachsen-Anhalt gefunden wurde, im Mittelpunkt des Geschehens. Ich gebe zu, dass ich anfangs skeptisch war, und tatsächlich habe ich auch ein bisschen gebraucht, um in die Geschichte reinzukommen – dann aber wurde es spannend und mit den sympathischen Protagonisten galt es, viele Abenteuer zu bestehen.

Es ist kein leichtes Unterfangen, ein Buch zu schreiben, das in einer Zeit spielt, aus der nur wenig bekannt ist. Zwar gibt es einige Fundstücke, aber wie die Menschen wirklich gelebt haben, da bleibt viel Spielraum zur Spekulation. Der Autor hat wirklich exzellent recherchiert und alle Fakten geschickt mit der fiktiven Geschichte verknüpft – denn natürlich ist vieles erdacht, aber in den bekannten historischen Kontext gebracht.

Die Geschichte beginnt gemächlich und führt den Leser langsam in die Zeit und die Lebensumstände ein. Man erfährt, wie die Himmelsscheibe entstanden sein könnte, wie die Menschen damals gelebt haben, dass das Land von Fürsten und Clans geführt wird und Götter angebetet und gehuldigt werden. Ich habe mich am Anfang sehr schwer getan, nicht nur wegen der vielen fremden Namen, die zu Menschen, Charakteren, Orten und Clans gehören, sondern weil mir auch einfach Spannung gefehlt hat, denn viel passiert zu Beginn wirklich nicht. Nach und nach wird es dann aber doch packender, als klar wird, welche Gottheiten mit welchem Clan wie zusammenhängen und wer welche Machtansprüche an wen stellt. Dann wird die Geschichte zu einem spannenden Abenteuerroman, bei dem ich sehr gefesselt war und mitgefiebert habe.

Der Götterkult spielt in diesem Roman eine große Rolle und Ulf Schiewe hat einen tollen Götter-Stammbaum erstellt und ausgearbeitet. Natürlich ist dieser angelehnt am römische und griechische Gottheiten, dennoch aber ist er in sich schlüssig und muss sich in keinster Weise verstecken.

Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, auch wenn bei fast allen der Hang dazu besteht, nur aus guten oder auch schlechten Seiten zu bestehen. Damit wirken sie ein wenig unauthentisch – aber wer weiß schon, wie die Menschen vor 4000 Jahren gewesen sind. Trotzdem mochte ich die Hauptcharaktere und habe sie bei ihren Abenteuern gerne begleitet – sie sind Helden, und damit ist eigentlich auch klar, dass ihnen viele gute Eigenschaften zugeschrieben sind, aber auch, wie die Kämpfe sowohl zwischen den Clans als auch im Privaten enden werden.

Schwer getan habe ich mich mit der Sprache – nicht weil sie anspruchsvoll ist oder schlecht zu lesen, sondern wie sie mir zu modern war und gar kein Zeitgefühl in mir geschaffen hat. Natürlich weiß man nicht, wie die Menschen damals gesprochen haben, trotzdem wünsche ich mir beim Lesen eines historischen Romans – egal zu welcher Zeit er spielt – ein gewisses „historisches Lesegefühl“, eine Atmosphäre, die mich fühlen lässt, in einer anderen Zeit zu sein. Und das hatte ich nicht. Ich habe tatsächlich ein bisschen gebraucht, dieses für mich bestehende Problem beiseite zu schieben, dann aber konnte ich die Geschichte endlich genießen und auch in ihr abtauchen.

Ulf Schiewe hat großartiges geleistet, eine Geschichte in einer Zeit anzusiedeln, über die nur wenig bekannt ist, und seine exzellenten Recherchen merkt man nicht nur beim Lesen, sondern erfährt auch von ihnen in dem ausführlichen Nachwort. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.

Mein Fazit
Der Einstieg ist mir sehr schwer gefallen, sowohl wegen des Schreibstils, der mit zu modern war, aber auch wegen der nur allmählich in Gang kommenden Geschichte – dann aber wird es spannend und ich war gefangen von den Abenteuern, die die sympathischen Charaktere in einem Land, in denen Götter und Clans regieren, erleben. Ich gebe dem Buch 4 von 5 Sternen.
566 reviews3 followers
April 28, 2020
Ein paar mehr Grautöne und es wäre perfekt

Buchmeinung zu Ulf Schiewe – Die Kinder von Nebra

„Die Kinder von Nebra“ ist ein historischer Roman von Ulf Schiewe, der 2020 bei Lübbe erschienen ist.

Zum Autor:
Ulf Schiewe wurde im Weserbergland geboren und wuchs in Münster auf. Er arbeitete als Software-Entwickler und Marketingmanager in führenden Positionen bei internationalen Unternehmen und lebte über zwanzig Jahre im Ausland, unter anderem in der französischen Schweiz, in Paris, Brasilien, Belgien und Schweden. Schon als Kind war Ulf Schiewe ein begeisterter Leser, zum Schreiben fand er mit Ende 50.

Klappentext:
Nebra vor 4000 Jahren: Lange haben sich die Menschen der Willkür des mächtigen Fürsten Orkon gebeugt, der das Volk quält und ausbeutet, sich nimmt, wonach immer es ihn gelüstet. Jetzt endlich regt sich Widerstand. Die junge Priesterin Rana will Orkons dunkle Herrschaft brechen und die Menschen befreien. Das Werk ihres Vaters soll ihr dabei helfen: eine bronzene Scheibe, die den Sternenhimmel zeigt und eine geheime Botschaft der Götter enthält. Sie steht für die Göttin des Lichts, die dem Hass Liebe entgegensetzt. Doch Ranas Weg ist gefährlich, viel steht auf dem Spiel. Auch das Leben derjenigen, die ihr am liebsten sind ...

Meine Meinung:
Auch bei diesem Werk kommen die Stärken des Autors voll zum Tragen. Es ist eine Abenteuergeschichte voller Leben, mit starken Frauenfiguren und üblen Widerlingen auf der anderen Seite. Das historische Umfeld ist fundiert recherchiert und eindrucksvoll in den Roman integriert. Die Seiten fliegen nur dahin und doch fehlt mir etwas. Die Figuren sind fast alle mit nur wenig Grautönen versehen und entweder eindeutig gut oder eindeutig übel. Die Üblen sind dann auch richtig übel. Den Guten gelingt fast alles, auch wenn es Verluste unter den Randfiguren gibt. Auch das Ende des Buches war mir zu sehr auf Happy End gebürstet. Aber gefallen hat mir das Buch trotzdem.

Fazit:
Ein historischer Roman schwungvoll erzählt, dem ein paar mehr Grautöne zur Höchstnote helfen könnten. So gibt es vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung für die Freunde aufregender Abenteuergeschichten.
Profile Image for AurorasDream.
161 reviews
November 1, 2021
Toll fand ich auf jeden Fall die mühe und liebe die der Autor in dieses Werk gesteckt hat. Alle beschriebenen Dinge und Orte sind durch Ausgrabungen gestützt und so wird eine Geschichte gewebt wie sie vielleicht zu teilen wirklich passiert sein könnte.
Die Himmelsscheibe von Nebra übt immer noch so wahnsinnig viel Anziehungskraft aus und wirft natürlich sehr viele Fragen auf. Trotzdem schafft dieser Roman es sie glänzen zu lassen.
Die Charaktere, die fast modern anmutenden Gespräche und vor allem das Ende waren mir dann doch eher zu glatt als dass ich mehr als 3 Sterne geben konnte.
Trotzdem sehr gelungen.
Profile Image for Doros Lesesofa.
356 reviews2 followers
September 14, 2021
Sehr feiner Bronzezeit-Roman!
Tolle Geschichte, die Herr Schiewe da um die Himmelscheibe herum gestrickt hat!
Für mich ist das wie Fantasy...
Profile Image for Günter.
33 reviews1 follower
April 1, 2024
Very well researched and written. As always, when gods and religions are port of something, people suffer.
Profile Image for Julia.
1,014 reviews1 follower
March 22, 2022
Mit Hilfe der bronzenen Himmelsscheibe ihres Vaters möchte die Priesterin Rana den grausamen Herrscher Orkon stürzen, der ihr Volk unterdrückt. Ihre Göttin des Lichts gegen Hass und Zerstörung.
.
Das Buch ist aus unterschiedlichen Perspektiven geschrieben, man bekommt also die verschiedensten Einblicke in die wirklich sehr vielen Charaktere. Diese stammen aus verschiedenen Völkern, weshalb es durchaus interessant ist, wie sich die Kulturen voneinander unterscheiden. Aus den verschiedenen Perspektiven ergeben sich auch unterschiedliche, kleinere Handlungsstränge, die sich im Laufe des Buches immer weiter miteinander verflechten und letztendlich zu einer großen Handlung mit vielen verschiedenen Aspekten werden. Die historischen Bezüge, die ebenfalls schön in die Handlung eingeflochten sind, liefern ein paar interessante Informationen über die Völker. Leider ist der Schreibstil sehr anstrengend zu lesen, da er unglaublich langatmig ist.
.
Langwieriger, historischer Roman
Displaying 1 - 15 of 15 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.