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Aus der Notrufzentrale #1

110: Ein Bulle hört zu - Aus der Notrufzentrale der Polizei

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Ein Freigänger erschlägt seine Frau mit einer Axt, eine verzweifelte Mutter sucht Rat in Erziehungsfragen, ein Yacht-Besitzer empört sich, weil er auf dem Landwehrkanal „geblitzt“ wurde: Wenn Cid Jonas Gutenrath Notrufe entgegennimmt, kommt er den Menschen sehr nahe. Ob er eine Frau zum Weiterleben überredet oder einen kleinen Jungen tröstet – Gutenrath begegnet ihnen allen auf seine ganz persönliche, faszinierende Art. Beim Lesen seiner authentischen Geschichten lacht man Tränen oder es stockt einem der Atem. Dieses Buch lässt keinen Leser kalt.

381 pages, Paperback

First published March 9, 2012

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About the author

Cid Jonas Gutenrath

5 books2 followers

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Community Reviews

5 stars
54 (36%)
4 stars
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20 (13%)
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9 (6%)
1 star
6 (4%)
Displaying 1 - 18 of 18 reviews
Profile Image for Agnieszka.
540 reviews
March 3, 2021
Einfach herrlich! Die einzelnen Geschichten reichen haben ein sehr breites spektrum. Bei zwei oder drei, habe ich bis zu den Tränen gelacht, es gab aber auch solche, die einfach nur traurig, grauenhaft oder schlicht unglaublich waren (sowohl erschiene es teilweise unglaublich dumm, weswegen manche Leute den Notruf wählen aber auch einfach unglaublich herzzerreissend).
Mir gefiehl sowohl der Still des Autors, in welchem der Alltag in der Notrufzentrale mit persönlichen Erlebnissen durchflochten werden, als auch die Auswahl der Begebenheiten sehr gut und ich freue mich schon auf die Fortsetzung.

Der einzige Wehmutstropfen ist, dass aus irgendeinem Grund, den Büchereien, von den meisten Titeln, nur gekürzte Hörbuch-Versionen zur Verfügung gestellt werden und wir somit nicht das ganze Werk geniessen können. Da der Autor nichts dafür kann, habe ich in diesem Fall, diese Tatsache nicht in der Wertung berücksichtigt.
Profile Image for Isabelle Neumann.
97 reviews27 followers
February 1, 2023
TW: Suizidalität, Vergewaltigung

Die schlechte Bewertung lässt sich hauptsächlich auf die Einstellung und Aussagen des Autoren zurückführen.
Ich hatte mir gewünscht, weniger Fallbeispiele und mehr über systematische Probleme/Herausforderungen in der Notrufzentrale zu erfahren. Das war nicht der Fall, kann man dem Autoren aber auch nicht vorwerfen.

Was man ihm durchaus vorwerfen kann?
Vorbehalte gegenüber bestimmter Personengruppen à la "Türken sind so und Schwule so". Trotz dieser Aussagen weißt er rassistisches/diskriminierendes Verhalten weit von sich. I don't know.
Mein 2. großer Kritikpunkt:
Der Autor bezeichnet Frauen immer wieder mit herablassenden Aussagen/behandelt diese wie Kinder, hier nur ein paar Zitate: "Leckerli", "Mäusschen", "Puschel".

Im Verlauf des Buches bezeichnet er dann noch den Genitalbereich einer Prostituierten, die gerade eine Vergewaltigung erlebt hat als "Muschi" und macht die Exfreundin eines suizidalen Hörers für dessen Suizidalität verantwortlich und bezeichnet sie als "dumme Ziege". Obwohl sie nach seiner Schilderung nicht mehr getan hat als die Beziehung zu beenden, weil sie ins Ausland möchte und ihr Exfreund ihr dabei im Weg steht. Ja, keine schöne Formulierung, aber trotzdem ihre Entscheidung, ob sie diese Beziehung fortführen möchte. So ein Verhalten allein ist unwahrscheinlich alleinige Ursache für Suizidalität, vermutlich gibt es weitere Faktoren (wie z.B. Depressionen).

Ich habe mich jedenfalls super unwohl beim Lesen gefühlt und kann für mich keinen Mehrwert erkennen.
Keine Empfehlung.
6 reviews
September 28, 2012
Man kann nur unterstreichen, was der Klappentext aussagt. Einige Geschichten sind total lustig, andere sehr traurig oder regen zum Nachdenken an. Wenn kleine Kinder anrufen, weil sie vor Bauchweh und ohne die heilenden Hände der vor kurzem verstorbenen Mutter nicht schlafen können, dann geht das dem Leser nahe. Kleine Racker, deren Puppe einen gebrochenen Arm hat, bringen den Leser zum Lachen.

Besonders beeindruckend fand ich den Anruf einer jungen Frau, die sich das Leben nehmen wollte und schon auf dem Dach eines Hauses stand. Gutenrath versuchte alles um sie von ihrer Tat abzuhalten. Da sachliche Argumente nicht zogen, versuchte er es auf einer anderen Art. Er sagte zu der jungen Frau, dass er seinen 3 Kindern gerne erzählen würde, dass er einer Frau das Leben gerettet hat. Die Frau antwortete darauf lakonisch, dass er seinen Kindern ausrichten solle, dass es ihr leid täte. Und dann sprang sie mit Gutenrath am Apparat in den Tod. Nach dieser Geschichte saß ich mit offenen Mund da und musste mich erst einmal sammeln. Aber wie gesagt, es gibt auch genügend lustige und kuriose Geschichten, die den Leser weit weniger fordern.

Gutenrath hat einen enormen Mutterwitz, in vielen Dingen sehr gesunde Ansichten und scheut sich auch nicht davor sich selbst auf den Arm zu nehmen. So bezeichnet er sich z.B. als Telefonistin. Mit so einem Polizisten hätte man gerne mal selber zu tun, doch er gehört mit Sicherheit zu den glorreichen Ausnahmen.

In manchen Passagen, besonders wenn es um seine private Vergangenheit geht, kann man sich des Eindrucks nichts erwehren, dass Gutenrath eine ziemlich hohe Meinung von sich hat oder zumindest damit kokettiert. Da er damit jedoch nie ein unangenehmes Level erreicht, kann man darüber hinwegsehen. Insgesamt finde ich aber seine Ausführungen über den Job als Marine-Taucher etwas zu lang geraten. Stattdessen hätte ich gerne noch weitere Geschichten von Anrufern gelesen.

Das Buch ist in einem echten Plauderton geschrieben und liest sich daher sehr gut. So ganz nebenbei gewinnt man eine Menge Respekt vor der Arbeit in der Notrufzentrale. Ein ideales Buch für Zwischendurch, da man einzelne Geschichten schnell weglesen und dann das Buch ruhig wieder zur Seite legen kann, ohne den Faden zu verlieren.
Profile Image for Jürgen.
1 review
January 15, 2021
Eines der besten Bücher, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Der Autor hat selbst 10 Jahre lang in Berlin in der Notrufzentrale gearbeitet. Die Geschichten sind also nicht erfunden, und psychologisch sehr gut aufgebaut und geschrieben. Von anrührend bis schockierend beherrscht Gutenrath das Spekrum der Leserfaszination. Unbedingt lesenswert!
Profile Image for larissaxmile.
172 reviews4 followers
March 31, 2023
Ganz schlecht gealtert, ganz unangenehmer Autor, ganz schwierige Aussagen.
Profile Image for Alice.
230 reviews34 followers
May 17, 2016
Dieses Buch bekommt einen besonderen Platz in meinem Schrank.

In seinem ersten Buch setzt sich ein ... untypischer ("Ich bin nicht dass, was Sie vermutlich erwarten.") Polizeibeamter Bulle (selbst-)kritisch mit seinem Arbeitsalltag und seinen Reaktionen in der Polizeieinsatzleitzentrale Hell's Kitchen auseinander. Seine unkonventionelle Art macht dieses Buch sehr kurzweilig, spannend und erfrischend. Die insgesammt 49 Fälle beschreibt er detailverliebt und mit wörtlicher Rede. Es sind Geschichten, die aus dem täglichen Leben gegriffen sind (von wirklichen Notfällen bis "Notfällen", denen er sich trotzdem liebevoll und mit einer Priese Humor annimmt (Er ist ein sehr humorvoller Mensch).), vermischt mit den persönlichen Ansichten des Autors (er war nicht sein ganzes Leben lang Bulle, im Gegenteil) und seiner Biografie (je ein passendes Teil pro Geschichte, als Erklärung zum Verlauf des Gesprächs).
Er wurde mir im Laufe des Lesens unglaublich sympathisch! <3

*seufz* Es wäre wunderschön, wenn es mehr Polizisten wie ihn gäbe ...

Es gibt viele Post-its in meinem Buch (blau, natürlich), die bemerkenswerte Stellen markieren, die ich mir für diese Review rausgesucht habe. Das alles in einen Text zu verpacken wäre aber schwierig. Desshalb folgt nun eine kleine Sammlung von Zitaten, damit ihr einen Einblick bekommt, denn er hat wohl für einen Bullen eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die in seinem Buch deutlich zum Vorschein kommt. Wenn ich er wäre, würde mein Titel lauten: 110 112 - Ein Bulle dreht durch.

Diese Zeilen befassen sich nicht mit seinen Fällen(!):

Die unterschiedlichsten Menschen werden darin finden, was sie finden wollen: Für den notorischen >>Bullenhasser<<, der sich darüber freuen wird, wie vortrefflich man die Idioten in Grün am Telefon verarschen kann, wird etwas dabei sein, genauso wie für die Trümmerfrau oder Polizistenwitwe, die in einsamen Nachtstunden anruft, um, wenn auch nur kurz, mit jemandem zu reden, der sie nicht auslacht oder an ihr Geld will. Ebenso für den Akademiker, der in juristisch unanfechtbaren Verbalattacken sein Mütchen kühlt an dem vermeintlich einfach gestrickten Vertreter der Exekutive am anderen Ende der Leitung. Aber auch für die alleinerziehende Mutter, die von ihrem fünfzehnjährigen Sohn geschlagen wird und dankbar ist für jeden Rat und einen Augenblick des Zuhörens. Selbst der Kreuzberger Deutschtürke, der sich sicher ist, dass die Grünen jedn Einsatz mit Migrationshintergrund aus rassistischer Motivation verzögern, hat am Ende vielleicht seinen Spaß dran, sein Klischee bestätigt zu sehn oder sich zu wundern, dass der Bulle am Telefon weiß, was >>Freund<< auf Türkisch heißt. Letztlich wird der Alt-68er, dem wir zu rechts sind ebenso dem Neonazi, dem wir zu links sind, genau dass in diesen Zeilen entdecken, was er will. Oder eben auch nicht ...


Das ganze hat etwas von einer geschlossenen Anstalt. [...] Manche behaupten hartnäckig, all der Aufwand wird nur getrieben, damit wir hier nicht abhauen können ...


Außerdem schreit eigentlich fast immer gerade irgendjemand. [...] Nein, auch der >>grüne Mülleimer<< ist nach dem zehnten >>Arschficker<< oder >>Nazischwein<< gelegentlich mal voll und steigt mit ein.


Dann gibt es noch jene Unsympathen in Uniform, die manchmal Menschen abrüllen, die es weder verdient haben, noch im Moment verkraften können. Solche Polizisten verschwinden aber glücklicherweise mittlfristig wieder, aufgrund natürlicher Auslese.


Böse ausgedrückt, ist unser Ziel also, sich verbal in das Vertrauen eines Menschen zu schleichen, um ihn von seinem Vorhaben abzubringen oder etwa einen Zugriff zu ermöglichen. Positiv ausgedrückt ist unser Ziel, die Beweggründe und den Charakter eines Menschen auszuloten, um ihm zu helfen. [...] Klingt gleich viel netter, was?


Schon lange vor meinem zehnten Geburtstag wusste ich, wie die >>Reeperbahn nachts um halb eins<< aussieht [...] Später war ich Türsteher und Geldeintreiber.


Dazu muss man was können? Richtig! Gut quatschen. Und ich bin gut. Gelegentlich und bei Bedarf eine regelrechte Quasselstrippe. Fast so etwas wie ein Verkaufstalent. Ich bin ziemlich sicher, dass ich ihnen einen Raumluftbefeuchter verkaufen könnte, obwohl Sie eigentlich eine Stereoanlage wollten. Idealerweise würden Sie mit beidem gehen. Die Frage, die sich irgendwann einmal jeder stellt, ist aber: Wie wollen wir unsere Talente nutzen? Wollen wir Immobilien verkaufen, oder Leben retten? Kein Geld der Welt kann das Gefühl toppen, wenn jemand am anderen Ender der Leitung atemlos sagt: "Alles klar, wir haben das Baby. Sie hat es nicht von der Brücke geworfen ...".


Aber selbst bei Banalitäten wie einer entlaufenen Katze, trennt sich schon die Spreu vom Weizen. Wenn ein Mensch sein ganzes Herz an so ein Felltier hängt, ist das nun mal sein Kumpel. Und wenn Muschi oder Mohrle nun auf Liebespfanden wandelt oder vom Nachbarshund gefressen wurde, also weg ist, ist dass für ihn, verdammt nochmal, ein Notfall.


Es gibt hier tatsächlich auch, sosehr es mich schmerzt dies zu schreiben, Schnittlauch: außen grün, innen hohl. Manche Kollegen sind sich nicht einmal zu schade, über >>Springer<< Witze zu reißen. Unfassbar, oder?


Da ich gerade bemerke, dass das mit den Zitaten doch Überhand (diese stammen aus der Einleitung(!)) nimmt und ich noch mehr als 30 weitere auf Lager habe: Wenn du aufgrund meiner Beschreibung und der Zitate auch nur etwas neugierig (auf den Autor und die Geschichten die er zu erzählen hat) geworden bist: kaufen! Du wirst dein Geld gut investieren.

Fazit:
Dieses Buch ist wesentlich besser, als es eine PR-Kampagne jeh sein könnte. Wenn ich (mal wieder) den Glauben an diesen Berufsstand verliere, werde ich in das Buch reinschauen, denn es gibt auch tolle Polizisten wie Gutenrath. Nicht alle sind schlecht gelaunte Arschlöcher und Nazis. Es gibt auch welche, die spürbar ihr ganzes Herzblut in ihre Arbeit stecken.

Was das Ganze bringen soll? Nun, im untersten Ansatz soll es einfach bereichern. Wenn der eine oder andere Leser unwillkürlich ein Lächeln aufsetzt - über wen oder was auch immer -, hat es sich schon fast gelohnt. Wenn darüber hinaus manch einer, sei es auch nur für 5 Minuten, zum Nachdenken verführt wird, würde mich dass sehr freuen. [...] Chorknabe oder gar Weltverbesserer bin ich aber auch nicht, sonder eigentlich nur jemand, dessen Alltag und Kopf angefüllt sind mit Geschichten, die er teilen möchte und irgendwie auch muss.
Machen Sie etwas daraus.


Wärend des Lesens habe ich oft den Wunsch verspürt, mit dem Autor in Kontakt zu treten, aber da er ein "Fortschrittsverweigerer" (er hats nicht so mit Technik/Internet) ist, hatte ich die Hoffnung schon fast aufgegeben. Glücklicherweise möchte er sich mit seinen Lesern austauschen, darum hat er auch eine Postadresse angegeben :D <3

Er wird von mir einen Brief erhalten.

Definitiv.
Profile Image for RedThingy.
192 reviews2 followers
April 6, 2020
Es war sehr interessant, von den kleinen Anekdoten zu lesen. Manchmal wundert man sich, was er alles so in der Leitung hat. Seine Art ist manchmal fraglich, manchmal interessant aber meistens lehrreich. Man muss für Menschen in subjektiver Not immer der sein, den er gerade braucht. Was mich vom 4. Und 5. Stern abgehalten hat: zu viele Geschichten aus seiner Marinezeit. Natürlich gehört das dazu, um ihn und seine Reaktionen zu verstehen, aber gegen Ende wurde es nicht mehr gestreut, sondern fast zum Hauptthema. Mal sehen, wie der zweite Teil ist.
Profile Image for Cabno24.
130 reviews9 followers
September 18, 2022
Dieses Buch war erfrischend anders. Ich habe geweint und gelacht und viele Gedanken daraus mitgenommen. Absolute Empfehlung.
Profile Image for sabisteb aka callisto.
2,342 reviews1 follower
April 14, 2012
Cid Jonas Gutenrath bezeichnet sich selbtironisch als Telefonistin. Nach einer rauen Kindheit und Jugend auf der Reeperband als Türsteher und Sicherheitsmann, einer Ausbildung zum Kampftaucher, Einsätzen als Grenzschützer und letztendlich als Streifenpolizist in Berlin, ist er nun an der Berliner Telefonhotline der Polizei und verdient seine Brötchen mit quatschen und zuhören. Das klingt so einfach oder bestenfalls langweilig, ist es aber mitnichten. Gutenrath erzählt von den Anrufen, die bei im eingehen, und die sind durchaus sehr unterschiedlich. Von kleinen Kindern, die nachts Angst vor einem Gewitter haben, über Menschen, die einfach jemanden zum Reden brauchen, über Jugendliche Mutproben, über Selbstmörder, Mörder und Ermordete. Hilflos, nur durch das Telefon mit seinem Gesprächspartnern verbunden, ist es Gutenraths Aufgabe nur durch Worte die Situation zu stabilisieren und zu retten bis die Einsatzkräfte vor Ort sind.
Es fällt mir schwer dieses Buch zu beschreiben oder zu klassifizieren. Beim Verlag läuft es als Sachbuch, was es sicherlich auch ist, denn es ist ein Tatsachenbericht aus dem Leben eines Polizisten. Andererseits ist jedes Kapitel fast wie eine eigene Kurzgeschichte. Teils plappert der Autor aus dem Nähkästchen, erzählt von seiner alles anderen als behüteten Kindheit und Jungend, lässt einen an seinem Leben teilhaben und dann kommt es teils hammerhart, wenn er wieder von einem Fall berichtet, der aus der Feder eines Horrorautors stammen könnte. Teils fragt man sich, wie ein Mensch das täglich verarbeitet, wenn er einen Sterbenden am Telefon begleitet und die letzte Stimme ist, die dieser hört. Es sind wohl die Lichtblicke dieses Jobs, die einen durchhalten lassen, wenn man es doch schafft, einen Abgestochenen durchhalten zu lassen, bis die Einsatzkräfte vor Ort ihn im Park doch noch finden, bevor es mit ihm zu Ende geht.
Licht- und Schattenseiten des Jobs werden beleuchtet. Es geht um den Autor, seine Vergangenheit, seinen Job. Aber auch darum, wie wir miteinander umgehen oder wie manche Menschen die Polizei wahrnimmt, die doch nur helfen will. Der Autor verteidigt dabei nicht den Berufsstand des Polizisten, er weiß selber, dass einige seiner Kollegen jedes Vorurteil verdient haben mit dem man ihnen begegnet. Aber in jeder Berufsgruppe gibt es diese Kollegen.
Gutenrath bestreitet nicht, dass er eher speziell ist. Er hat einen sehr schrägen Humor, er liebt die schrägen Blickwinkel auf eine Situation und es kann schon mal sein, dass einer, der bei der Polizei anruft, um sich Luft zu machen, von ihm nach Strich und Faden verarscht wird, bis beide Seiten lachen. Das macht einem die Polizei sympathisch und so einige Male dachte ich mir, mit den würde ich gerne mal telefonieren, ich werde aber Rücksicht auf den Wunsch des Autors nehmen und nicht, wenn ich mal wieder in Berlin bin die 110 anrufen und nach Herrn Gutenrath fragen, nur weil ich wissen will, wie seine Stimme klingt. So wie er sich beschreibt, ist er wohl der Held so mancher Singlefrau, er redet gerne und viel, ist ein harter Kerl, aber mit sehr weichem Kern, der schon mal in Tränen ausbricht. Die Sorte sanfter Krieger, nach der Frau sich sehnt und natürlich verheiratet, wie sollte es anders sein.
Gutenrath sieht dieses Buch durchaus als PR für die Berliner Polizei, eine PR der anderen Art. „Es transportiert soziale Kompetenz, Sachverständnis, Bürgernähe und all die anderen schleimigen Fachvokabeln, die uns auf Plakaten keiner abkauft.“ (S. 163).
Profile Image for Patricia.
80 reviews3 followers
December 6, 2015
Bereits in der Grundschule lernt man die 110 kennen. Das ist die Nummer die jeder im Notfall anrufen kann, wenn er Hilfe braucht! Nun ist Notfall ein durchaus dehnbarer Begriff, wie bei der Lektüre dieses Buch deutlich wird. Cid Jonas Gutenrath arbeitet in Berlin in der Notrufeinsatzzentrale und erzählt uns in diesem Buch von seinem Berufsalltag. Natürlich habe ich gewusst, dass der Berufsalltag eines Polizisten durchaus spannend sein kann, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, womit die Leute die am anderen Ende der 110 sitzen täglich umgehen müssen.

Das kann nämlich in einer Bandbreite von einem Selbstmörder über einen geblitzten Raser bis hin zu der Mutter, die mit ihrer delinquenten Tochter nicht zurecht kommt so ziemlich alles und jeder sein! Schließlich ist die 110 keine Casting Show in der schon vorher gründlich ausgesiebt wird. Cid Jonas Gutenrath erzählt in diesem Buch von all diesen Menschen und ihren Anliegen. Dabei beweist er hier ein nicht unerhebliches erzählerisches Talent, denn ihm ist es gelungen mich zum lachen und auch zum Weinen zu bringen und manche Abschnitte konnte ich nur mit einer tiefen Stirnrunzeln lesen. Er beschreibt jeden seinen Anrufer eindringlich und lässt uns auch an seinen inneren Monologen während verzwickter Gespräche teilhaben.

Dabei erfahren wir einiges aus seinen eigenen Lebenslauf, der schon für sich allein stehend, erstaunlich genug erscheint. Cid Jonas Gutenraht ist Polizist geworden obwohl er mit seinem Hintergrund auch gut auf der anderen Seite des Rechts hätte stehen können. Allein dieser Weg ist schon verblüffend und leider besonders im letzten Teil des Buch etwas zu ausschweifend erzählt. Am Ende des Buch schweift das Buch etwas in Richtung Biografie ab und wurde mir dadurch etwas zu langatmig.


Fazit:

Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen, der sich ein bisschen für Polizeiarbeit interessiert oder einfach gerne berührende oder auch lustige Geschichten liest. Der Autor ist nicht nur Polizist, sondern auch ein guter Erzähler, der seinen Berufsalltag in meinem Kopf hat lebendig werden lassen. Ich drufte ihm bei seiner Arbeit über die Schulter schauen und konnte so an vielen menschlichen Schicksalen Anteil nehmen. Lediglich das Ende zog sich für mich dann doch etwas in die Länge, so dass ich einen Stern von der Höchstwertung abziehe aber eine unbedingte Leseempfehlung ausspreche!
Profile Image for Kerstin.
829 reviews
July 19, 2017
4,5/5 Sterne
Obwohl es in "110 - Ein Bulle hört zu" hauptsächlich um seine Erzählungen verschiedener Notrufe geht, lernen wir auch einiges über den Autor, da er auch (teils vielleicht ein bisschen zu ausführlich) auf seine eigene Vergangenheit eingeht. Ich hatte am Anfang ein paar Probleme, mit ihm warm zu werden - er ist sehr direkt und sarkastisch, hat Ecken und Kanten und nimmt kein Blatt vor den Mund - doch schon nach wenigen Erzählungen habe ich seine direkte Art zu schätzen gelernt. Er trifft nicht immer den richtigen Ton, doch das macht ihn menschlich und realer... Und auch wenn ich nicht bei allem seiner Meinung war, hat er seine Positionen gut vertreten, mal einfühlsam, mal knallhart, je nach Situation.
Die Geschichten selbst sind eine bunte Mischung. Einige sind sehr unterhaltsam (kaum zu glauben, aus welchen Gründen manche Menschen den Notruf wählen...), andere wiederum beklemmend und auch erschreckend. Gutenrath schildert die Hilflosigkeit, die ihn manchmal packt, sehr eindringlich. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass es kein Beruf für mich wäre... das Buch hat mir aber gut gefallen und ich werde gleich mit dem zweiten Band anfangen.
Profile Image for Zauberlehrling!.
179 reviews
August 3, 2012
Ein schönes Buch, ein Blick hinter die Kulissen des Polizei Alltags. Ich würde einen zweiten Teil toll finden, aber vermutlich würde der nicht so erfolgreich sein, wie der erste, denn es wären nur noch Wiederholungen. CID hätte aber vermutlich das Zeug, einen richtigen Roman zu schreiben. Seine Schreibe ist sehr schön und liest sich fließend. Ich, die aus dem Raum Berlin-Brandenburg stammt, kann genau nachvollziehen, wie es zugeht, wie die Menschen sich verhalten und wenn er manchmal so mundartmäßig schreibt, hört man regelrecht die "Berliner Schnauze".
Profile Image for Bettina.
113 reviews9 followers
July 30, 2014
Ein super Buch mit interessanten Geschichten, aber bei weitem nicht so gut wie die Fortsetzung. Die Erzählerstimme ist mir hier noch zu selbstverliebt und naiv, und driftet zu oft über Erzählungen über die eigene militärische Vergangenheit ab. Einige der hier beschrieben Techniken würden in der Telefonberatung auch kritisch gesehen, aber der Notruf ist eben nicht das selbe wie eine Telefonberatungsstelle. Trotzdem bietet das Buch einen interessanten Einblick in die polizeiliche Arbeit und das, was die Menschen bewegt.
Profile Image for Lutz Staacke.
Author 1 book6 followers
August 31, 2020
Eines der wohl emotionalsten Bücher. die ich in letzter Zeit gelesen habe. Cid, das andere Ende der Nummer 110, schreibt wirklich sehr ergreifend, spannend und ehrlich zugleich. bei keinem anderen Buch schwankt man so sehr zwischen den Emotionen. noch nie war ich so traurig, wütend, froh und glücklich zugleich. Besonders die Geschichte der Studentin hat mich ganz tief getroffen. Ein Buch mit Tränenpotential (vor Traurigkeit und Freude).
Profile Image for Paula .
273 reviews11 followers
April 24, 2012
Der Herr Bulle beschreibt seine Episoden aus dem Notruf mal mit Witz und voller Leichtigkeit, manchmal mit dem vollen Ernst den ein Selbstmord mit sich bringt.
Eine interessante Perspektive, gut erzählt und einiges gelernt.
Profile Image for 沊 沊.
91 reviews8 followers
September 10, 2015
具有專心傾聽的人在一般互動裡已屬少數,作者所從事的報案專線接線工作,需在短暫的時間能獲得最多的訊息和快速的應對,能偶爾用其他非官方版作法解決對方的困擾更是一絕,最重要的是他誠懇對待生命的態度。

書中每篇故事裡傳達出接線人員對電話線另一端人員的重視,期望能多幾秒爭取到來電者的生存機率,畢竟願意撥打110,就是一個想活下的機會,感謝所有認真傾聽的人,讓這世界有更多角落被陽光照耀。
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