„Vielleicht lag es an all diesem Verkehrten und Missverstandenen, dass sie verschwinden wollte, vielleicht lag es daran, dass sie sich nicht mehr schützen konnte, dass es einfach nicht mehr möglich war.“ (S. 125)
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In Lauras Erinnerung gibt es sie noch, die starke Frau, an die sie sich immer anschmiegen konnte um ihre Wärme zu spüren, doch im alltäglichen Leben fehlt die Mutter sehr. Sie geht ins Wasser, als Laura in der ersten Klasse ist und kommt nicht mehr zurück. Stattdessen muss sie sich alleine durchschlagen, weil der Vater unnahbar geworden und ihr Bruder mit den Gedanken schon gar nicht mehr zuhause ist. Lauras Erwachsenwerden ist ein Suchen und Finden. Ohne familiären Rückhalt macht sie ihren eigenen Weg, erlebt wahre Freundschaft, die ersten sexuellen Erfahrungen und erspürt ihre Bedürfnisse, als Mensch, als Frau, als Individuum. Der große Sinn des Lebens ist am Ende vielleicht doch im ganz kleinen Zufriedensein zu finden?
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Mona Høvrings Debütroman „Was helfen könnte“ ist mit knapp 140 Seiten schnell erzählt, sein Nachklang allerdings, ist nicht zu unterschätzen und sickert ganz langsam und warm ins Gedächtnis. Die Autorin schafft durch klare, sanfte Töne eine zarte Intensität, die ihre Geschichte besonders macht. Gänzlich unaufgeregt und frei von jeder Benennung einer sexuellen Orientierung schreibt sie über das Erwachen von Laura, ihrem Zu-sich-Finden und gibt ihrer Protagonistin einen sicheren Raum um ihre Vorlieben auszuleben, sich auszuprobieren. Sie lässt Laura ihre Gefühle fühlen, wie sie kommen: Genuss, Angst, Frustration, Freude und zeigt, dass das Leben voller Möglichkeiten ist, die man annehmen oder ausschlagen kann. Ich habe mich beim Lesen sehr aufgehoben gefühlt und irgendwie verstanden.
Ein wundervoll zarter und ebenso sinnlicher Roman, der noch viel mehr Aufmerksamkeit verdient!
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👉🏻aus dem Norwegischen von Ebba D. Drolshagen