Ein typischer Poetry Slam ist witzig, ernst, lyrisch, politisch, privat – vor allem aber bunt. Und so mischen auch immer mehr queere Menschen im Zentrum des Geschehens mit. 36 überwiegend junge, queere Slampoet*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz begeben sich auf eine unterhaltsame, abwechslungsreiche und höchst informative Entdeckungsreise durch LGBTIQ*-Lebenswelten und ein rundum diverses Universum. Ihre Texte handeln nicht selten vom Finden: Wie sie sich selbst finden, wie sie andere finden, wie sie einander finden. Wer Vielfalt sucht, wird sie in diesem Buch finden.
"No matter gay, straight, or bi, lesbian, transgendered life, I'm on the right track baby: I was born to survive!" Mit diesen ergreifenden Worten singt die US-amerikanische Sängerin Lady Gaga eine Ode an die Selbstliebe und die bunt gemischte menschliche Diversität. Im alltäglichen Leben gibt es dennoch oft die Momente, in denen es nicht einfach ist, zu sich selbst zu stehen, wenn man nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, und auf Dauer ermüdend, stets um die Akzeptanz von Mitmenschen zu kämpfen. Woher soll man diese Kraft nehmen, warum möchte einen niemand so haben, wie man ist, wer bin ich selbst überhaupt? Über all diese dringlichen Fragen nach Toleranz, Identität und der Suche nach dem richtigen Partner zerbrechen sich 36 junge Poetry Slammer*innen in der bunt durchmischten Anthologie "Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden" den Kopf.
Der Titel ist ziemlich klug gewählt; er verbindet die sofortige Assoziation zu Harry Potter mit dem unbedingten Wunsch nach gesellschaftlichem Anklang und gleichgesinnten Gesprächspartnern, den sicherlich jedes LGBTIQ*-Mitglied bereits verspürt hat. Auch das Cover ist sehr ansprechend gestaltet; es zog auch in meinem Bekanntenkreis viele neugierige Blicke auf sich. Soweit hat das Buch alles richtig gemacht.
Es geht um die aufgestandenen nach jeder Prügelei, weil sie zu bunt waren für die Schwarz-Weiß-Fotografie unserer Gesellschaft.
In Gesamtheit liegt hier ein vielschichtiger und abwechslungsreicher Mutmacher für all die queeren, bunten Menschen dort draußen vor, die sich unsicher, unverstanden und einsam fühlen. Die Texte kreieren ein Gefühl der Gemeinschaft, die man während des Lesens verspürt. Man fühlt sich weniger allein, sogar als etwas besonderes, wenn man sich mit den mutigen Schreiber*innen dieser Sammlung identifizieren kann und mit ihren plakativen Aussagen im Einklang steht.
Dabei versammelt das vorliegende Werk einige sehr starke Poetry Slams, die mich persönlich wirklich berühren und die Hoffnung auf eine etwaige tolerante Gesellschaft schüren konnten. Einige subjektiven Eindrücke schockieren, lassen dich fassungslos zurück über die Ignoranz der breiten Masse. Die Kapitel "Händchen halten, Fäuste ballen" und "In unserer Haut" sind dabei mit Abstand die stärksten und konnten einen positiven Eindruck in mir hinterlassen.
Die sprachliche Qualität der einzelnen Texte schwankt während dieser knapp hundertachtzig Seiten gewaltig; so auch der Unterhaltungswert und der damit verbundene Spaßfaktor des Buchs. Bei all den starken Poetry Slams, die "Fantastische Queerwesen" zweifelsohne beinhaltet, gibt es aber auch nicht wenige, die langweilig und nichtssagend sind, ja, insgesamt sehr austauschbar wirken. Oftmals ist dort der Bezug zur Grundthematik nicht klar erkennbar oder die wahre Botschaft bleibt hinter einer verschlüsselten Ausdrucksweise verborgen. Somit fühlte ich mich leider auch häufig nicht gut unterhalten, da diese beiden Arten der Geschichten in etwa die Waage halten.
All den bunten, queeren Menschen dort draußen möchte ich das Buch dennoch weiterempfehlen. Nur halt unter der Prämisse, die Erwartungshaltung etwas zurückzuschreiben, da die Sammlung nicht jederzeit ihr hohes Niveau beibehalten kann.
Es ist schwer zu begreifen, dass sich pluralisiert eine Chance für eine Gesellschaft ergibt, die in die Zukunft sieht, wenn man selbst noch nicht blickt, dass die Schublade, die man um sich selbst herum zimmert, den Sprung ins eigene Leben verhindert.
Meine persönlichen Favoriten habe ich auf einem kleinen Zettel notiert. Die Namen der betreffenden Texte seien hier noch kurz genannt: "Sie sind hier falsch"; "Ich hab da so 'nen Freund"; "Kotzen im Strahl"; "Zigaretten nach dem Sex"; "Ein, zwei Dinge noch"; "Händchen halten"; "Kein Bock"; "TDB"; "Wutbürgerhobby"; "Swimming"; "Gaylord 3000"; "Das Kleid"; "Was ist dir heilig?"; "Wir sind Dichter_innen".
"Fantastische Queerwesen und wie sie sich finden" ist ein vielschichtiger Mutmacher für alle queeren Menschen, dessen einzelne Beiträge qualitativ stark schwanken.
Daher vergebe ich insgesamt drei von fünf möglichen Sternen.
Ich denke viele Poetry Slam Fans werden diese Sammlung großartig finden, ich kann leider allgemein nichts mit Poetry Slam anfangen (bis auf wenige Ausnahmen).
Ich bin ja ein sehr großer Fan von Poetry Slams und als ich dieses Buch entdeckt habe, hab ich mich sofort angesprochen gefühlt. Nicht nur, dass ich mich sofort in den Titel verliebt habe, sondern auch der Inhalt überzeugt auf voller Linie. In dem Buch finden sich 41 Poetry Texte zu allen möglichen queere Themen von den diversesten (ja ich weiß, das ist kein Wort) Menschen. Und natürlich möchte ich nicht behaupten, dass mir jeder Text absolut gleich gut gefallen hat, aber absolut keiner auch nur annähernd negativ aufgefallen. Genauso wenig könnte ich mich jedoch auch auf einen Lieblingstext festlegen. Besonders im Kopf geblieben ist mir aber „Frauen auch“, in dem das Lied Männer von Herbert Grönemeyer umgeschrieben wurde. Das Lied kennt schließlich fast jeder und das macht den Text irgendwie besonders. ⠀ Allerdings war ich bei dem Buch anfangs auch etwas skeptisch. Würde es ein geschriebenes Buch schaffen, gesprochene Texte gut rüberzubringen? Und hier hat es der Satyr Verlag geschafft mich positiv zu überraschen. Einige der Texte hatten einen QR-Code und einen Link, mit dem man die Texte auf der Verlagswebsite anhören kann. Großes Lob für diese tolle Idee, ich war völlig begeistert und habe das so noch nie gesehen. Ich finde das ist die perfekte Lösung. Ich hab an dem Buch also absolut nichts auszusetzen, außer dass es noch keinen zweiten Teil gibt... ⠀ Es ist einfach ein berührendes Buch, in dem queere Menschen zu Wort kommen und eine absolute Leseempfehlung! Und auch wenn man denkt, man hat so ein dünnes Buch recht schnell durch, sollte man sich Zeit nehmen um die einzelnen Texte wirken zu lassen.
Ich trag Sünde, als wär sie meine zweite Haut Wie Jeans, die man zu spät aus der Waschmaschine genommen hat und die jetzt noch leicht feucht auf den Oberschenkeln kleben Ich trage Sünde, als wär sie meine zweite Haut Und man nimmt dieses Gefühl mit aus dem Haus Dieses nervige Gefühl, dass irgendetwas mit dem, wie ich mich fühl, wie ich bin Nicht stimmt
2,75 ⭐️
Hab ich mir dieses Buch vor allem deswegen gekauft, weil das Cover unglaublich geil ist und ich den Titel super fand? Zugebenermaßen ja. Aber auch irgendwie, weil ich schon seit langem an Poetry Slam interessiert bin und mal was aus diesem Bereich lesen wollte.
Alles in allem ist diese Anthologie ganz okay. Es sind ein paar extrem gute Texte dabei, aber auch ein paar, die zumindest aus meiner Sicht künstlerisch/schriftstellerisch recht fragwürdig sind. Irgendwie kommt es mir auch so vor, als wäre Deutsch (auch wenn die Sprache an sich schon lyrisch ist) nicht unbedingt ganz so geeignet für den Rhythmen von Poetry Slam. Oder vielleicht haben sich manche AutorInnen auch zu sehr an den Stil von englischen Werken aus diesen Bereichen gehalten und es lesen sich manche Texte deshalb komisch? Oder vielleicht sollte man Poetry Slam auch lieber statt mit den Augen mit den Ohren genießen?
Nun ja, wie dem auch sei: Schlussendlich fand ich die meisten Texte ziemlich durchschnittlich. Aber Dichtungen und dergleichen ist ja immer Geschmackssache. Trotzdem bin ich aber froh, meine Lesesammlung im Bereich deutschsprachige LGBTQ+-Literatur ausgeweitet zu haben.
Liebe, hab ich immer gedacht, Liebe ist einen halben Kopf größer als ich. Liebe spielt mindestens ein Instrument, am liebsten Klavier. Liebe hat diese Surferboyfrisur und einen guten Bräunungston, ein bisschen wie ein guter Weihnachtsbraten. Liebe ist Nichtraucher und nur Gelegenheitstrinker. Liebe kann sehr gut skaten. Liebe, hab ich immer gedacht, klar, Liebe ist ein Junge. Und dann kam Liebe. Mit großen Schritten, stark und selbstbewusst - in Ballerinas. Liebe war kleiner als ich. Liebe war der unmusikalischte Mensch, den ich mir vorstellen konnte, und ihre gesamte Playlist bestand nur aus Charthits! Liebe trug meist einen Pferdeschwanz, und sie brauchte zum Lesen eine Brille. Liebe hielt nichts von Weihnachtsbraten, denn sie war Veganerin. Aber Zigaretten sind ja vegan, also rauchte Liebe wie ein Schornstein. Liebe war sehr sportlich, sie fuhr fast überall mit dem Fahrrad hin. Liebe war ein Mädchen.
Wie zu erwarten, gibt es Texte, die mir mehr bedeutet haben, als andere, aber generell hat es unglaublich Spass gemacht, dieses Buch zu lesen. Hat auch meinen Respekt vor Poetry Slammer*innen noch gesteigert, da ich oft auch selbst beim Lesen einen mitreissenden Rhythmus gefunden habe, der einfach Teil des Textes war und zeigt, wie gut er dazu geeignet ist, vorgetragen zu werden.
Schöne Sammlung sehr unterschiedlicher queerer Texte. Manche gibt es coolerweise auch zum anhören auf der Webseite des Verlags. Ich glaube dieses Buch ist auch schön zum immer-wieder-reinblättern oder für Büchertische. Neue Lieblingstexte habe ich in diesem Buch nicht gefunden, aber allein schon wegen des coolen Titels hat es sich gelohnt das Buch zu kaufen ;-)
Einige schöne Texte dabei. Sehr vielfältig, bunt und queer. Und vielleicht hat es einfach nicht ganz meinen Geschmack getroffen, aber leider kann ich nur 3 Sterne geben, weil mich auch einiges so gar nicht angesprochen hat.