Es beginnt wie ein Roadmovie. Im gemieteten Transporter fahren Martin und sein bester Freund Noah über die Autobahn. Auf der Ladefläche der Speer der bronzenen Athene vom Münchner Königsplatz, Trophäe einer rauschhaften Sommernacht. Sechs Stunden später sind sie zurück an den Orten ihrer Kindheit: Die Spielstraßen, die Fenchelfelder, die Kiesgrube haben sie vor Jahren hinter sich gelassen. Auch Mugo ist zurück, die kluge, wütende Mugo, die immer vom Ausbruch aus der Provinz geträumt und Martin damit angesteckt hat. Sie wollte raus aus der Kleinstadt, aus dem Plattenbau mit Blick auf Einfamilienhäuser und Carports. Nun arbeitet sie an der Tankstelle am Ortseingang und will nichts mehr von Martin wissen. Sogar Noah wird ihm in der vertrauten Umgebung immer fremder. Auf sich allein gestellt, ist Martin gezwungen, das Verhältnis zur eigenen Herkunft zu überdenken.
Einfühlsam und mit Witz erzählt Kristin Höller in ihrem Romandebüt vom Erwachsenwerden: von der Verwundbarkeit, der Neugierde, der Liebe und der Wut, von großen Plänen und den Sackgassen, in denen sie oftmals enden. Sie erzählt von der Entschlossenheit der Mütter und dem Erwartungsdruck der Väter, vom Ende einer Freundschaft und der Schönheit von Regionalbahnhöfen. Existenziell, tröstlich, hinreißend.
Zeitreise vom Leben in der Stadt zurück auf das Dorf, zum lokalen EDEKA, zum Baggersee und zu allem was so tief in einem ist, wenn man in sein Heimatdorf zurückkommt.
Hinten auf der Ladefläche des gemieteten Transporters liegt der abgebrochene Speer der Athene, einer Bronzestatue vom Münchner Königsplatz, und vorne sitzen Martin und Noah. Beide hätten zu Beginn der durchzechten Partynacht wohl nicht erwartet, dass sie am Ende queer über die Autobahn in die Heimat „fliehen“ müssen. 600 km später stehen sie wieder am Ort ihrer Kindheit und fallen direkt zurück in ihr altes Leben. Spätestens als Martin auf Mugo trifft, die immer davon geträumt hat eines Tages aus der Provinz auszubrechen, ist alles wieder wie früher, aber irgendwie auch nicht…
Kristin Höllers Debütroman „Schöner als überall“ beschäftigt sich in erster Linie mit dem Thema „Heimat“ und dem „Nach-Hause-Kommen“. Dabei schafft es die Autorin unheimlich gut das Setting zu beschreiben. Die Fenchelfelder, die Kiesgrube, die Gärten, all das konnte ich direkt vor mir sehen. In „Schöner als überall“ geht es zudem um Freundschaften und wie verschieden sich diese entwickeln können, um Träume und um das Erwachsenwerden. Das ganze Buch ist durchzogen von einer melancholischen, irgendwie beklemmenden Grundstimmung. Im Mittelpunkt stehen dabei oft die komplexen, tiefen Gefühle der Figuren. Das Buch ist aus Martins Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben und im Gegensatz zu einem anderen Buch, welches ich letztens dafür kritisiert hatte, dass ein männlicher Autor aus weiblicher Sicht geschrieben hatte, empfand ich es als hier nicht als störend. Zwischenzeitlich hatte ich nämlich immer mal vergessen, welchem Geschlecht der Protagonist angehört, denn es wurde nicht einmal spezifischer auf seine männlichen Attribute eingegangen – aber das nur am Rande. Das Buch war nur leider für mich etwas kurzweilig und es kommt mir vor als würde es mir nicht mehr lange im Kopf bleiben, gerade weil es auch nicht besonders handlungsgeladen ist. Außerdem bin ich nicht der größte Fan von Büchern, in denen die wörtliche Rede schlicht weggelassen wird. Nichtsdestotrotz ist das Buch wohl für alle, die ein bisschen Heimweh haben und sich in der Heimat dann dennoch irgendwie auch immer ein bisschen fremd fühlen, ein guter Lesesnack einer jungen Autorin und ich bin auf jeden Fall gespannt, was da noch so kommt.
Ich liebe, liebe, liebe, wie Kristin Höller Geschichten schreibt und wie nuanciert sie menschliche Beziehungen erzählt. am liebsten hätte ich das ganze Buch unterstrichen. Unbedingt lesen 🧡
Der Schritt vom Jungsein ins Erwachsenwerden ist einer der Schwierigsten. Doch wir müssen ihn alle gehen. Kristin Höller lässt uns Martin auf diesem Weg begleiten. In einer Nacht und mit seinem besten Freund Noah kehren sie von München zurück in ihre Heimat. Dort wird Martin von vielen Fragen und Eindrücken zu seiner Freundschaft mit Noah oder auch seiner alten Liebe Mugo überwältigt, die ihn vor wichtige Entscheidungen stellen. Martin als Hauptcharakter war angenehm, sehr sympathisch und bodenständig. Im Gegensatz zu Noah der in seiner Welt fern des Bodens schwebte und Mugo die doch recht eigensinnig war. Ich habe ein paar Seiten gebraucht um in die Geschichte einzutauchen. Die Autorin schreibt ohne erkennbare mündliche Rede und die Kapitel sind sehr lang und ohne Absätze. Dass hat es für mich manchmal unglaublich anstrengend gemacht der Geschichte zu 100 % zu folgen. Jedoch greift Kristin Höller viele Dinge auf die einem als Leser bekannt vorkommen. Denn wer kennt nicht das allwöchentliche Montagsgefühl oder wird wehmütig, wenn er in seine alte Heimat zurückkehrt. Das war ein sehr schöner Aspekt. Die Grundstimmung war insgesamt sehr ruhig, melancholisch und sehr nachdenklich gehalten, was jedoch zum Erzählten ganz gut gepasst hat. Die Gedanken von Martin waren auch immer sehr poetisch und ansprechend. Leider wurde mir nie vollständig klar was den jetzt der rote Faden der Geschichte war, was war die eigentliche Haupthandlung, wo sollte es hingehen? Es wurden immer wieder Gespräche geführt, Szenen kreiert mit denen ich nichts recht anzufangen wusste und es kam irgendwie auch nie mehr. Das fand ich ein wenig schade. Denn das Thema hatte unglaublich Potential und wurde natürlich auch weitgehend gut umgesetzt, nur hat es für mich definitiv noch Luft nach oben gehabt und es hat auch ein wenig der Pfeffer gefehlt. Es war mir dann insgesamt doch ein wenig zu unaufgeregt. Es geht um Freundschaft, Erwachsenwerden und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. „Der Trick ist keine Angst zu haben“, wie Mugo so schön sagt. Ein schöner Roman mit wunderbarem poetischem Einschlag, dennoch für mich leider manchmal etwas zu fad, zu ermüdend und die Thematik wäre in meinen Augen noch ausbaufähig gewesen.
„Ich konnte nichts mehr ertragen, nicht die Doppelhaushälften, nicht die Sonnenblenden für die Autos mit den Saugnäpfen oder wenn noch jemand erklärte, er würde erst mal bei seinen Eltern wohnen bleiben, aber auf dem Dachboden, und da hätte er sein eigenes Reich und es wäre mehr wie eine WG.“ (S. 46)
Selten habe ich so viele Textstellen markiert wie in „Schöner als überall“ - mein Exemplar hat lauter Eselsohren, weil ich all diese Sätze, die das Leben für mich so unfassbar toll beschrieben haben, markieren wollte und sie mir immer wieder ansehen mag, weil Kristin Höller das so unglaublich klug niedergeschrieben hat in diesem kurzen Buch. Gerade zum Schluss häufen sich die Knicke in den Buchseiten und ich kam gar nicht mehr hinterher damit, diese Dinge zu verinnerlichen und jedesmal kopfnickend zu bestätigen.
„Sag es nicht, denke ich, die Dinge sollen so bleiben, wie sie sind, sag’s nicht und lach in mein Gesicht stattdessen, aber natürlich passiert es trotzdem.“ (S. 168)
Eine starke Stimme in der jungen deutschen Literatur, die über Freundschaft schreibt, wieder einmal das Thema Erwachsenwerden unserer Generation aufgreift und über die Schönheit des Nachhausekommens spricht, aber auch die innere Distanz zum Elternhaus thematisiert. Wer Svenja Gräfen liebt, wird auch dieses Buch mögen, behaupte ich jetzt jedenfalls einfach.
„Auch die Vorstellung, dass jeder einmal ein Kind war, dass jeder einmal Eltern hatte, die vielleicht geweint haben bei der Geburt vor Rührung [...] - das gibt mir so ein vages Gefühl für die Widersprüche, für all die doppelten Böden unter uns und die Gewissheit, dass alles irgendwie zusammenhängt auf eine Weise, die ich mir nicht so richtig erklären kann.“ (S. 94)
Am Anfang hat mich der Schreibstil an ein kleines Kind erinnert, das einem eine Geschichte erzählt und noch nicht so gut mit Worten / Sätzen umgehen kann. So als, würde immer mehr einfach raus sprudeln, vieles einfach aneinander gereiht und manchmal auch etwas wirr. Irgendwann hat man sich aber dran gewöhnt. :)
Die Story an sich, war etwas Handlungsarm und ich kann nur erahnen, welche Gefühle und innere Konflikte die Autorin vielleicht rüber bringen wollte. Es wirkte alles auf mich zu sehr gewollt, aber nicht richtig getroffen. Zur Mitte des Buches, war ich kurz positiv überrascht, nach ein paar Seiten war das aber leider auch wieder vorbei.
Trotzdem gab es ein paar schöne Textstellen / Zitate, die ich hier im neuen Jahr nochmal ergänzen werde. :)
"Schöner als überall" ist ein Debüt einer Jungautorin, das es wirklich in sich hat! Diese herrlich schräge, wahrhaftige Geschichte aus dem letzten Jahr habe ich beim Lovelybooks-Adventskalender 2019 gewonnen und wurde positiv überrascht. Bestückt mit vielen kleinen Weisheiten, viel Liebe zum Detail und einem scharfen Blick, liest sich die Geschichte sehr klug, an manchen Stellen aber etwas ermüdend und anstrengend. Wer auf der Suche nach einem sehr intensiven Jugendroman über Heimat, Freundschaft, Erwachsenwerden und Aufbruch sucht, wird mit großartiger Tiefe belohnt werden. Wer jedoch auf Romane steht, die von ihrer Handlung getragen werden, wird mit diesem eher verkopften Roman nur wenig anfangen können.
"Mugo kann das gut: Wenn ein Moment feierlich wird, so wichtig eben, dass Musik eingespielt würde, wären wir im Fernsehen, dann sagt sie etwas wie, super filmig, und macht den Moment kaputt."
Die Gestaltung ist mit dem grob gezeichneten, schwarzen Fenchel auf grauem Grund sehr schlicht. Die Autorin erklärt in einem Interview, dass sie genau dieses Motiv ausgewählt hat, weil die Fenchelfelder der Provinz in der Geschichte häufig als Kulisse dienen und sie den Geruch sehr mag. Ich werde von den nach oben abgehenden Strünken, den feinen, haarförmigen Blättern immer an ein anatomisches Herz erinnert und finde die Knolle sehr ästhetisch, auch wenn ich ihren Geschmack nicht besonders mag. Aber zurück zum Thema: neben dem grauen, kartonierten Einband setzen Titel und Autorenname in Blau die einzigen Farbtupfer. Der Titel geht auf ein Zitat von Mugo zurück, die von einem Aussichtspunkt am Regionalbahnhof behauptete: "Hier ist schöner als überall".
Erster Satz: "Unten vor der Tür steht ein Transporter."
Wir beginnen mit der überstürzten Flucht der Freunde Martin und Noah aus München, die nach einer besoffenen Aktion, bei der der Speer der Athene-Statue dran glauben musste, zurück in ihre Heimat fahren. Auch wenn der Klapptext den Begriff "Roadmovie" einwirft, hat die Geschichte außer der Autofahrt zu Beginn wenig mit einer abenteuerlichen Fahrt ins Blaue gemein. Nicht nur dass der Aufbruch der Beiden von Beginn an ein Ziel hat, auch spielt ein Großteil der Handlung in ihrer Heimatprovinz. Nach zwei Jahren wieder zurück zu sein ist für Martin aber nicht ganz so einfach wie für Noah und als er seine Jugendliebe Mugo wieder trifft, beginnt er sein Zuhause mit neuen Augen zu sehen und muss überdenken, was Heimat für ihn wirklich bedeutet...
"Mein Herz schlägt hart gegen den Boden, und ich stelle mir vor, wie daraus ein Erdbeben wird auf der anderen Seite der Welt, und darum drehe ich mich schnell auf den Rücken. So liegen wir da nebeneinander, liegen zusammen in der Hitze, wie wir das jeden Sommer getan haben, und ich sehe uns von oben in diesem Moment und denke, dass das gestern Nacht schon eine dumme Idee war, aber irgendwie auch das genaue Gegenteil davon, weil wir hier einfach wieder wie früher sind. "
Wie ich im kurzen Einleitungstext schon vorgewarnt habe, passiert auf der reinen Handlungsebene original NICHTS. Am See sitzen mit Freunden, mit der Familie Mittagessen, durch die Felder streifen, ein kleines Grillfest - für die spannendste Action wird die Autorin sicher keinen Preis gewinnen. Das bedeutet aber nicht, dass die Geschichte langweilig wäre, das Hauptgeschehen, spielt sich im Kopf des Protagonisten Martin ab. Jede kleinste emotionale Regung wird in Worte gefasst und mit Sprachbildern ausgestaltet, sodass wir auch häufig in sehr zeitdehnenden Szenenbeschreibungen viele kleine Details erleben können.
"Draußen hängt der Himmel tief. Es ist plötzlich viel weniger Platz auf der Erde, weil nach oben so schnell Schluss ist. Alles ist grau, es weht ein schwacher Wind, und die Schwalben schießen durch die Häuserreihen wie Pfeile. So möchte ich auch sein: völlig furchtlos und unaufhaltbar in eine Richtung zielen, aber nie damit scheitern und an einer Hauswand zerbersten."
Ihre Erzählkunst sticht dabei natürlich besonders hervor. Neben den originellen Sprachbildern, beeindruckt die Autorin immer wieder mit ihren scharfen Beobachtungen, die manchmal melancholisch, manchmal tröstlich wie eine Umarmung, manchmal schmerzhaft bissig und manchmal einfach nur unverständlich und seltsam sind. Es waren viele seltsame Regungen dabei, die ich nicht nachvollziehen konnte, aber auch viele Szenen, in denen man sich wiedererkennt. Durch anschauliche Vergleiche finden wir immer wieder Gedanken wieder, die man selbst auch schon hatte, kleine Gefühle, Ideen oder Gedankenblitze, die man nie in Worte hat fassen können, werden hier niedergeschrieben, sodass neben vielen absurden Gedanken auch einige kostbare Weisheiten zu finden sind. Kristin Höller erzählt hier lang und breit von der Schönheit des Banalen und demonstriert, dass auch aus dem Nichts eine atmosphärische, spannende Geschichte entstehen kann.
"Und dann versuche ich es mit einem letzten freundlichen Blick, nur kurz, nur vorsichtig, ein Lächeln ohne Zähne, und dieses Mal ist da dieses Schimmern in ihren Augen, rund um die Iris, und dann rund um den Mund, und das ist ein Gefühl, wie wenn der Himmel aufbricht nach einem Sturmtief, als wäre das Schlimmste vorbei, mehr noch: als könnte nie wieder etwas Schlimmes passieren."
Sehr gewöhnungsbedürftig ist dabei, dass der Roman keine erkennbare wörtliche Rede enthält. Nein im Ernst, ich frage mich das immer wieder: was ist das mit hippen Jugendromanen und der wörtlichen Rede, seufz? Dass Gesprochenes ohne Anführungszeichen oder gestalterische Abhebung in den Fließtext mit eingebettet wird trägt nicht unbedingt zum flüssigen Lesen bei und auch die sehr langen Kapitel ohne erkennbare Abschnitte, steigern den Lese-Comfort nicht gerade. Diese teilweise fast schon Gedankenstrom-artige Erzählweise sorgt jedoch dafür, dass der Leser aufmerksamer lesen und sich intensiver eindenken muss und hat somit auch etwas Gutes: etwas mal nicht in leicht konsumierbaren Häppchen serviert zu bekommen kann man auch als erfrischend anspruchsvoll betrachten.
"Ich stand am Straßenrand, die Füße still, überall das Hämmern des Pulses, mit dem Wissen: Es ist etwas passiert. Ich konnte nicht sagen, was, es war mehr ein Gefühl dafür, eine Linie, fast überschritten, allgegenwärtig in jeder Faser."
Am spannendsten sind jedoch die Charaktere, vor allem die Erzählstimme des 20jährigen Martins hat es mir sehr angetan. Zwischen einem dominanten oder manchmal sogar bis zum Egoismus ignoranten besten Freund und einer von ihm auf ein Podest gestellten Rebellin, die ihre Wut pflegt wie ein Garten, hat Martin sein Leben, Fühlen und Denken immer an anderen ausgerichtet. Als er jedoch beginnt, Noahs Egoismus und Mugos Heuchelei zu sehen, verliert er die Orientierung und muss selbst herausfinden, was ihn ausmacht und er will.
"Mugo findet überall Regeln (…) zum Beispiel dass es zwei Varianten von Liebe gibt, und die sind wie zwei Leuchtmittel: Glühbirnen, die hübsch sind und gleich zu Anfang ganz hell, und Energiesparlampen, die sind hässlich und erst schummrig, aber nach einer Zeit leuchten sie immer mehr und halten ewig. Mugo ist die schlauste Frau, die ich je getroffen habe."
Trotz der als männlich definierten Erzählstimme sind seine Gedanken, Gefühle und sein Verhalten nicht "typisch" männlich oder was wir manchmal dafür halten. Hier erzählt kein Mann, hier erzählt keine Ansammlung an gesellschaftlichen Stereotypen, da erzählt einfach ein sensibler, empfindsamer und orientierungsloser Mensch und genau das verleiht der Erzählstimme ihre Tiefe. Zwischen Enden und Neuanfängen, zwischen Kindlichkeit und Ernsthaftigkeit, zwischen Naivität und Eigenverantwortung, zwischen Einsamkeit und Unabhängigkeit, zwischen Scheitern und Träumen, zwischen Wut und Liebe, zwischen Flucht und Wurzeln - Martin bewegt sich innerhalb der wenigen Seiten in einem Spannungsfeld, dem man dem Überbegriff "Erwachsenwerden" geben könnte und erzählt somit eine ganz besondere Coming-of-Age-Geschichte.
"Das hat sie mir auch mal erklärt: Es gibt Wörter, die nehmen Frauen ihre Bedeutung weg, Wörter wie zickig, schnippisch, hysterisch; bei Männern heißt das immer einfach nur Wut und das klingt nach einem ehrlichen, starken Gefühl."
Auch die anderen Figuren wie seine spießigen aber liebevollen Eltern, der ebenfalls verwirrte Noah, die wütende Mugo, der zierlichen Josef zeigen sich von so unterschiedlichen Seiten, erleben, äußern und rufen in Martin so widersprüchliche Gedanken und Erkenntnisse hervor, dass es schwer ist, sich ein genaues Bild von ihnen zu machen. Doch genau das ist es, wodurch uns Martins Unentschlossenheit und Orientierungslosigkeit verdeutlicht wird: es gibt keine klaren Linien, keine Lager wie "gut und schlecht" und alles besteht aus viel mehr Facetten, als dass man es einfach erklären oder mit wenigen Worten darüber urteilen kann. Der Vorgang des Begreifens, dass selbst im einfachen Kleinstadtleben eine komplexe Schönheit verborgen liegt, wird schmerzhaft und wunderschön geschildert. Ein ganz besonderes Plus sind noch die vielen feministischen Gedanken und kritischen Anspielungen, die manchmal in Nebensätzen versteckt sind. Insgesamt war mir für meinen Geschmack der Erkenntnisprozess aber doch ein wenig zu langgezogen und trotz tiefsinniger Sprache und Figurennäher blieb vieles für mich nicht greifbar, sodass gemischte Gefühle zurückbleiben, in denen aber Bewunderung für die Autorin dominiert.
"Noahs Schwester ist Anwältin in einer großen Firma (…) und alle sprechen davon, wie erfolgreich sie ist, vor allem seit sie ein Kind bekommen hat und dann direkt noch ein zweites. Bei Frauen ist das so, die müssen beides gleichzeitig machen und dabei am besten noch ihre Haare zurückwerfen aus Leichtigkeit, erst dann ist es beeindruckend, weil eins von beidem ist immer irgendwem zu wenig."
Fazit:
Viele kleine Weisheiten, eine beeindruckende Erzählstimme, tiefsinnige Sprache, ein Gedankenstromartiger Aufbau und scharfe Beobachtungen machen diese kluge Geschichte zu einem einmaligen, stellenweise aber auch ermüdenden Leseerlebnis! Diese Coming-of-Age-Geschichte über Heimat, Scheitern, Wut, Freundschaft, Liebe, Aufbruch und Neuanfänge schwankt zwischen "großartig" und "langweilig."
Inhalt: Im gemieteten Transporter fahren Martin und sein bester Freund Noah über die Autobahn. Auf der Ladefläche der Speer der bronzenen Athene vom Münchner Königsplatz, Trophäe einer rauschhaften Sommernacht. Sechs Stunden später sind sie zurück an den Orten ihrer Kindheit: Die Spielstraßen, die Fenchelfelder, die Kiesgrube haben sie vor Jahren hinter sich gelassen. Auch Mugo ist zurück, die kluge, wütende Mugo, die immer vom Ausbruch aus der Provinz geträumt und Martin damit angesteckt hat. Sie wollte raus aus der Kleinstadt, aus dem Plattenbau mit Blick auf Einfamilienhäuser und Carports. Nun arbeitet sie an der Tankstelle am Ortseingang und will nichts mehr von Martin wissen. Sogar Noah wird ihm in der vertrauten Umgebung immer fremder. Auf sich allein gestellt, ist Martin gezwungen, das Verhältnis zur eigenen Herkunft zu überdenken.
"Ich spüre alles gleichzeitig, die Wut, die Wortlosigkeit, aber auch diese riesige Zuneigung und die Versuche meiner Mutter, es mir immer ein bisschen leichter zu machen." -182
Ich mag das Cover, weil ich zuerst dachte, es wäre ein anatomisches Herz, dabei ist es Fenchel. Ich liebe den Schreibstil, die treffenden Vergleiche, die Bildhaftigkeit, die kleinen Beobachtungen, die Art, wie man jeden Satz fühlen kann. Dass die wörtliche Rede nicht kenntlich gemacht wurde und es keine Absätze gibt, hat mich nicht gestört. Ich finde eher, dass es zur Atmosphäre gut beigetragen hat. Die Verzweiflung wurde für mich fassbar, das unerträgliche Kleinstadtleben und wie man einfach von niemandem verstanden wird, aber trotzdem so viel Wärme für Menschen empfindet. Es geht um Herkunft, Nostalgie und Verlorenheit, ums Scheitern und Loslassen und Erwachsenwerden. Auch die feministischen Gedankengänge des männlichen Protagonisten haben mir gefallen. Ein Buch, das mich sehr berührt hat.
Zitate: "Manchmal sitze ich in meinem Zimmer, nachdem etwas Großes passiert ist, und warte auf dieses Flattern in mir, aber da ist nichts. Oft liege ich wach, allein, und wundere mich, wie scharf und gestochen ich das alles noch vor mir sehe. Ich weiß, dass das bei anderen alles längst zu Schemen geworden ist, die vorbeiziehen wie Nebel, wenn man lange Zug fährt zum Beispiel und auf Landschaften starrt. Sie erinnern sich an diese merkwürdigen Jahre und viele sind sicher froh dass all das vorbei ist, und das bin ich ja auch, irgendwie. Aber trotzdem denke ich oft an die Abende an der Kiesgrube oder auf der roten Brücke mit Mugo im Sommer, und wenn es ganz schlimm ist, dann denke ich, dass ich mich nie weniger einsam gefühlt habe als hier. (...) Ich denke an all meine Anrufe, an ihre Stimme vor dem Ton Ihrer Mailbox, nie eine Antwort. Ich frage mich, was sie tut - genau jetzt, in diesem langen, heißen Augenblick - , wo sie jetzt wohnt, was aus ihrer Wut geworden ist und ob ich sie immer noch so schön finde, aber das ist eine blöde Frage, denn ich kenne die Antwort." -39
"Mugo sagt, der Trick ist, keine Angst zu haben. Wenn man alleine ist und merkt, dass das okay ist, dann passiert was. Was denn?, frage ich, obwohl ich fürchte, die Antwort nicht zu hören wegen des Pochens in meinem Kopf. Na, du bist unverwundbar, sagt Mugo, und lächelt mit den Eckzähnen." -213
"Ich konnte nichts mehr ertragen, nicht die Doppelhaushälften, nicht die Sonnenblenden für die Autos mit den Saugnäpfen oder wenn noch jemand erklärte, er würde erstmal bei seinen Eltern wohnen bleiben, aber auf dem Dachboden, und da hätte er sein eigenes Reich und es wäre mehr wie eine WG. Ich fand das alles unerträglich, und darum habe ich nichts vermisst, außer Mugo vielleicht. Ich habe auch gedacht, dass das immer so bleiben wird, aber jetzt bin ich hier und es ist so warm und das Grubenwasser ist so blau, dass ich gar nicht anders kann als zuzugeben dass ich alles sehr viel schlimmer in Erinnerung hatte. Ich bin froh, dass Mugo das nicht weiß, denn sie würde mir an den Hals fassen vor Wut mit ihren kräftigen Armen und schreien, was aus mir geworden ist, und sie hätte recht damit." -46
"Durch ihr T-Shirt kann ich ein paar Zacken ihrer Wirbelsäule sehen, und ich würde gern mein Ohr auf ihren Körper legen, an irgendeine Stelle, und in sie hineinhorchen. Wenn es still ist, dann klingen Körper innen wie Schiffsbäuche, dieses Raunen, dieses Gurgeln, und ich habe das schon mal zu ihr gesagt, früher: Weißt du, Jona, der aus der Bibel, drei Tage von einem Wal Fisch verschluckt war - das muss ich schön anfühlen, wenn jemand im drin zu sein, weil näher geht es ja nicht. Mugo hat zwar gesagt damals, dass sie einen Scheiß auf die Bibel gibt, aber dann hat sie doch so ausgesehen, als wüsste sie was ich meine, und ich bin sicher dass sie es verstanden hat, eigentlich. " -104
"Sie schaut nach vorn, und dabei blinzelt sie ganz schnell, wie Flügelschlagen, wie ein Kolibri. Sie stellt das Bier ab und verkeilt die Hände ineinander, ganz fest, und kurz wird sie so klein, so verloren auf diesem Dach bei Sturm, ihr ganzes Leben ein Scheitern, aber dann schlägt sie sich selbst auf die Schenkel, dass es klatscht, und dieses Geräusch ist das Zeichen, dass es weitergeht, dass es einfach immer weitergeht. -110
"Mugo findet überall Regeln (…) zum Beispiel dass es zwei Varianten von Liebe gibt, und die sind wie zwei Leuchtmittel: Glühbirnen, die hübsch sind und gleich zu Anfang ganz hell, und Energiesparlampen, die sind hässlich und erst schummrig, aber nach einer Zeit leuchten sie immer mehr und halten ewig. Mugo ist die schlauste Frau, die ich je getroffen habe." -114
"Ich kann bloß denken, ich hatte recht, ich hatte recht, es ist nie so, wie es aussieht, es ist immer ein Stück anders." -192
Dies ist der erste Roman der 1996 geborenen Autorin Kristin Höller, die jedoch bereits in den letzten Jahren als freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften auf sich aufmerksam gemacht hat. Sie hat auch schon Preise bei Literaturfestivals gewonnen. In dem Buch geht es um Martin, einen jungen Erwachsenen, der zusammen mit seinem besten Freund Noah aus der mitteldeutschen Provinz nach München gezogen ist. Als Noah in einer feuchtfröhlichen Nacht die Speerspitze der Athene am Königsplatz abbricht, flüchten die beiden Hals über Kopf mit einem gemieteten Transporter zurück in die Heimat ihrer Kindheit, um die Speerspitze unauffällig loszuwerden. Dort werden sie mit ihrer Herkunft, der Wahrhaftigkeit ihrer Freundschaft, überholten Vorstellungen vom Leben und sich selbst und dem Erwachsenwerden konfrontiert. So wird aus dem Buch vom Roadtrip ein sehr tiefgründiger Roman, der mich absolut bereichert und begeistert hat. Es gab unglaublich viele tolle Sätze, die ich mir am liebsten mit Textmarker markiert hätte. Der Schreibstil war gleichzeitig witzig, locker und bewegend. Ich hoffe, bald wieder von Kristin Höller zu lesen, Hut ab für so ein großes Talent in so jungen Jahren!
Ehrlicherweise muss ich sagen, dass mir das Cover persönlich nicht ganz so gut gefällt. Das sagt natürlich nichts über den Inhalt des Buches aus. In einer Buchhandlung wäre mir das dezente Cover nur nicht aufgefallen. Ich muss aber sagen, dass mir die Haptik des Buches sehr gefällt. Der Schreibstil ohne wörtliche Reden ist auf jeden Fall eine Besonderheit. Er passt irgendwie zur Geschichte. Leider ist der Stil für mich aber auch etwas schwierig zu lesen. Man muss sich sehr konzentrieren und kommt nur langsam voran. Auch mit den Charakteren hatte ich so meine Schwierigkeiten. Mir war keiner wirklich sympathisch. Martin ist mir etwas zu sehr Schoßhündchen von Noah und zu sehr vernarrt in Mugo. Solche Mitläufer sind nicht wirklich meins. Noah und Mugo sind mir beide auch alles andere als sympathisch. Auch die Handlung an sich konnte mich leider nicht wirklich begeistern. Das Ende ist ganz nett zu lesen. Es freut mich, dass Martin endlich versucht erwachsen und selbstständig zu werden. In manchen Szenen kann man sich gut selbst wieder erkennen, man spürt irgendwie Nostalgie. Die Atomsphäre fand ich manchmal sehr gut, da fühlte ich mich ebenfalls in meine Jugendzeit zurückversetzt. Insgesamt war das Buch leider nur Durchschnitt für mich. Ich vergebe dafür 3 von 5 Sterne.
Martin hat sich die Flucht aus dem Dorf und zum Studium in die Großstadt als Lösung der ewigen Langeweile und Ziellosigkeit vorgestellt, die wohl jedes Dorfkind nachvollziehen kann. Doch München wirft ihn in eine unerwartete Einsamkeit. Als er Hals über Kopf in die Heimat zurückkehrt und auf alte Freunde und Bekannte trifft, holt dies zuerst auch seine depressiven Gedanken zurück. In jedem von Kristin Höllers Worten ist die so gerade eben erst beendete Jugendlichkeit der 23-jährigen Autorin zu spüren, der Roman ist übersät von cleveren Beobachtungen über das Leben, wie sie scheinbar nur ein junger Mensch zu denken vermag, ihre Sätze sind lang und mitunter unstrukturiert, wie es auch die Gedanken eines Teenagers wären. Höller skizziert die Unsicherheiten gegenüber Freunden, die einen nicht vollends verstehen, aber auch, dass das gar nicht so schlimm ist. Gewissermaßen ist es eine Liebesbekundung an das Aufwachsen in einem von so vielen deutschen Dörfern und der Fingerzeig, dass jeder Mensch eine andere Umgebung zum Glücklichsein benötigt, das aber niemanden von uns zu einem schlechteren Individuum macht. ****1/2
Was als Roadtrip von Martin und Noah begann, wird zu einem alles-auf-die-Probe-Stellen, sobald die beiden in ihrer Heimat angekommen sind. Sie sind vor 2 Jahren aus ihrem beschaulichen Dorf in NRW nach München gezogen. Noah, um als Schauspieler Karriere zu machen und Martin um, na ja, nicht alleine zu sein und irgendwie zu studieren. Auf den ersten Blick wirkt alles wie die richtige Entscheidung. Doch was für Noah bedeutet, wieder zur Ruhe kommen zu können, wirkt sich bei Martin genau gegenteilig aus. Er wird konfrontiert mit seiner Wut, die er damals verspürte, gegen die Ungerechtigkeit, die Verschönigung, die Stagnation in seiner Heimat. Die Oberflächlichkeiten und Zusammenhänge, die ihn schon in seiner Jugend stets dazu anspornten, nach der Schule diesen Ort schnellstmöglich zu verlassen. Genau so sah es auch seine Ex-Freundin, Maria, die auch wieder zurückgekehrt ist. Doch alles scheint zunächst anders, als Martin es sich vorgestellt hatte. Niemand ist so glücklich, wie es wirkt, niemand hat erreicht, was er anderen predigte und vorschwärmte. Jeder ist gescheitert auf die eine oder andere Weise. Aber jeder geht anders mit diesem Schicksal um. ⠀ ⠀ Ein ehrlicher, authentischer und sprachlich sehr schöner Debütroman von Kristin Höller. Über das Herauswachsen, den schwierigen Weg zur Erkenntnis, wer man selbst und wer die anderen wirklich sind. Man wird hineingezogen in die Landluft, den Geruch von Sommergewittern und die Geräuschkulisse der Gartenfeten. In die schwierigen und verletzten Körper der Figuren und die Wut, den Drang nach Veränderung und die schmerzhafte Einsicht, das nichts scheint, wie es ist. Und dass man manchmal erst zurückkommen muss, um zu erkennen, dass das Weggehen die beste Entscheidung war. ⠀ Ich glaube, schöner als überall ist es genau da, wo man sich selbst am wohlsten und dem inneren Frieden ein Stück näher fühlt.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Die Geschichte von einem mehrheitsangehörigen jungen Mann aus einer "Heile Welt"-Mittelschichtsfamilie, der nach zwei Jahren zum Studium in München in sein Heimatdorf zurückkehrt und erkennt, dass die Welt komplexer ist er dachte.
Etwa in der Mitte des Romans wird es kurz ein paar Seiten spannend. Ab und an dachte ich, jetzt passiert noch was. Aber es passierte nichts.
Sprachlich erst gewöhnungsbedürftig und oft so formuliert als stecke da jetzt eine sehr tiefgehende Wahrheit in den langen Sätzen drin, ohne dass ich sie gespürt / gesehen hätte. Oft hat mich das Buch einfach genervt, einzelne Stellen oder Ansätze gefielen mir ganz gut.
Im Nachwort sagt die Autorin, wie sehr sie ein Spruch-Kalender ihrer Eltern und das Frühstücken mit ihren Mädels geprägt habe, kein Witz!
Ich war hin- und hergerissen, wie ich das Buch bewerten soll. Als jemand, der selbst lange außerhalb der Heimat gelebt und starkes Heimweh empfunden hat, verschlinge ich solche Werke, die diese komplizierten Gefühle in Worte fassen. Das ist mit sicherheit persönliche Präferenz, aber der Schreibstil der Autorin hat mich leider absolut rausgenommen, wie zB. nicht gekennzeichnete wörtliche Rede, das stört den Lesefluss so sehr, dass ich zwischendurch überlegt habe, das Buch abzubrechen. Würde mir für zukünftige Werke der Autorin wünschen, dass sich das ändert um das Lesen etwas zu vereinfachen.
ach das war schön. irgendwie schon so der typische coming of age-roman, dieses "zurück-in-die-kleinstadt fahren", das hat man schon öfter so gelesen. aber es kriegt mich halt eigentlich jedes mal, deswegen will ich mich nicht beschweren. ich liebe auch bücher über freundschaft, und die beziehung zwischen zwei besten freunden wird selten so nuanciert dargestellt, wie hier. das mochte ich sehr. auch der schreibstil konnte mich begeistern! das ende hat mich nicht überrascht, leider, aber das muss vielleicht auch gar nicht sein.
Die Message hinter dem Roman ist schön und ich konnte einige Sachen sehr gut nachempfinden. Für mich war die Story allerdings nicht ganz so fließend/ packend und der Schreibstil etwas abgehackt bzw. teilweise haben Wörter gefehlt. So sollte es wahrscheinlich nahbarer wirken, da es manchmal geschrieben war, wie man spricht. Allerdings hat das mich persönlich eher irritiert.
Die Story hat mich erst nicht so gepackt auf den ersten Seiten.. aber durch die Weise wie die Geschehnisse beschrieben werden hat mich das Buch dann doch so richtig gepackt
Kurzmeinung: In Schöner als überall erzählt Kristin Höller eine Geschichte über Freundschaft, die erste Liebe und die Heimat, die mit der eigenen Vergangenheit durchmischt ist. Zwischendurch hatte ich so meine Schwierigkeiten mit der Geschichte, aber der Schreibstil hat mir insgesamt sehr gefallen und das Ende hat mich auch wieder mit dem Buch versöhnt.
Meine Meinung: In dem Schöner als überall von Kristin Höller geht es um Martin und Noah, die ganz plötzlich aus der Großstadt zurück in ihre Heimat fahren. Der eine ist ein Schauspieler, der sich nach dem ersten und einzigen großen Erfolg in seinem Ruhm sonnt und auf die nächste Chance wartet. Der andere ist Student, weiß noch nicht genau, was er will und hat die Rolle des Anhängsels seiner Freundes übernommen. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit. Nach einer im Rausch begangenen Dummheit fliehen die beiden aus München zurück in den kleinen Ort, in dem sie aufgewachsen sind.
In der Geschichte geht es um Freundschaft, erste Liebe, Heimat und Identität. Das Buch hat mir sehr gefallen, auch wenn ich zwischendurch ein paar Schwierigkeiten mit der Geschichte hatte. Da konnte ich einige Gedanken nicht ganz nachvollziehen. Irgendwie war mir alles ein bisschen zu fokussiert auf die immer selben Gedankenkreise, die ich ehrlicherweise auch nicht immer ganz nachvollziehen konnte, bzw ihre alles erschütternde Bedeutung nicht erkennen konnte, der es in der Geschichte beigemessen wurde. Aber der Schreibstil ist wirklich sehr besonders und hat mir sehr gefallen. Und das Ende hat mich wieder absolut mit dem Buch versöhnt. Es geht um die erster Liebe, um eine Emanzipation vom besten Freund und um eine Reise zurück in die Heimat, an dessen Ende der Protagonist sich ein Stück weit selbst gefunden hat.
„Da habe ich nur das Nötigste genommen, also Handy, Geld, eine Packung NicNacs und sonst nichts, weil mir nie einfällt, was mir wichtig ist, wenn es darauf ankommt.“ (S.18 aus "Schöner als überall")
Fazit: Schöner als überall von Kristin Höller hatte für mich erzählerisch einige Schwächen, die Geschichte hat mich ingesamt aber überzeugt und ich habe sie gern gelesen. Besonders der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Kein Highlight, aber eine solide Geschichte über die erste Liebe, Freundschaft und die Suche nach sich selbst, die ich durchaus empfehlen kann.