Ein Passagierflugzeug stürzt über dem Südpazifik ab. Unter den Passagieren, die nicht sofort ertrinken, ist die 22-jährige Marina Palm. Tagelang treibt sie, festgeklammert an einen Fenstersitz, auf dem Ozean. Dann erscheint am Horizont eine einsame Insel. 25 Jahre lang ist Marina verschollen. Und für den Leser bleibt sie es auch. Lennardt Loß erzählt in seinem Debüt keine Robinson Crusoe Geschichte, sondern von Menschen, deren Lebenswege sich mit dem seiner Hauptfigur kreuzen. Da ist ein ehemaliger RAF-Terrorist, der die ersten zwei Tage mit Marina auf dem Ozean treibt. Oder ein neurotisches Handmodel aus Kanada, das auf Google Earth das Satellitenbild eines scheinbar unbewohnten Pazifikatolls entdeckt, auf dessen Strand HELP geschrieben steht. Marinas Vater, ein Bauunternehmer zwischen Größenwahn und Lächerlichkeit, ihre geltungssüchtige Mutter, die den Verlust der Tochter durch das Drehen eines Splatterfilms verarbeitet, und ihr Freund, ein Nachwuchsboxer, der mit Marinas Geschichte viel Geld verdient. Sieben skurrile, abgründige Kapitel, jedes eine Short Story für sich. Mit viel schwarzem Humor, nie aber zynisch.
Ein kleines Büchlein, das damit beginnt, dass ein Flugzeug in den Pazifik stürzt. Alles dreht sich um Marina, die ihren Vater in Buenos Aires besuchen wollte und nun im Ozean treibt.
Wobei es eigentlich gar nicht wirklich um Marina geht, sondern um Menschen die in irgendeiner Form mit ihr in Verbindung stehen. Dies ist nicht die Geschichte einer Überlebenden, kein Robinson Crusoe Motiv! Es ist ein Erzählexperiment im besten Sinne.
Auf 150 Seiten erschafft Loß in sieben Kurzgeschichten Figuren und Lebenssituationen von profan bis aberwitzig und im Hintergrund all dessen stehen der Flugzeugabsturz und die Überlebende.
Mir hat daran am Besten gefallen mit wie wenig Loß dabei auskommt. Keine langatmigen Charakterisierungen und ausufernden Geschichten. Schnell ist man drin, in jeder neuen Figur; sei es der Profiboxer, die Amateur-Splatter-Film-Regisseurin oder der kanadische Trailerpark-Boy.
Und die sollen alle was mit dem Flugzeugabsturz zu tun haben? Ja. Überraschender- und originellerweise ja.
Auf das erste Kapitel dieses Buch bin ich im Rahmen des letztjährigen Bachmann-Lesens aufmerksam geworden. Der Autor hatte es dort vorgetragen. Und wenngleich ich nicht mehr sicher weiß, wie die Reaktion der Jury war, ist mir der Vortrag (im Vergleich zu vielen anderen) doch sehr in Erinnerung geblieben. Zu viele Haken und Ösen hatte Lennardt Loß in Form von witzigen, skurrilen, abstrusen oder vermeintlich offensichtlichen Ideen eingewoben. Aber es war eben nur ein Vortrag; kein fertiges Buch. Auf ein Buch mit Oktopus auf dem Cover wurde ich aufmerksam, als ein Bekannter es in die Hand nahm, las, und davon schwärmte. In diesem Fall blieb die ungewöhnliche, sehr ansprechende (auch skurrile?) äußere Gestaltung bei mir hängen, sodass ich, als ich es in einer Buchhandlung stehen sah, hineinlesen musste. Einen kurzen Moment der Schnappatmung später stellte ich fest, dass der tolle, einprägsame Vortrag aus Klagenfurt gleichzeitig das erste Kapitel dieses schönen, umschwärmten Buchs darstellte.
Ob man aber Kapitel oder eher Erzählung sagen sollte, weiß ich nicht sicher. Jedes der Kapitel ist eine vermeintlich eigene Geschichte, die aber allesamt durch eine Person als zentralem Dreh- und Angelpunkt verbunden werden. Und so kann man jede einzelne der Erzählungen herauslösen und als kleinen, sehr wohlschmeckenden literarischen Snack verputzen, oder sich an der ungehörigen Erzählstruktur aller Teile ergötzen und bewundern, was sich doch für eine schöne Geschichte ergibt, die nochmal größer ist, als die Summe ihrer Teile.
Vermutlich hat Lennardt Loß es geschafft, mich mit einer modernen Romanform zu versöhnen, die mir Herr Bellen in seinem Deutsch-LK in Stufe 11.2 mit Büchners Woyzeck damals ordentlich verleidete. Man erinnert sich … das offene Drama … keine klassische Kapitelstruktur … Einheit von Zeit, Ort und Handlung gilt nicht mehr … Aristoteles ad absurdum …
So könnte man auch in diesem Fall die Lesereihenfolge wohl (fast) beliebig ändern, ohne dass der Lesegenuss darunter leidet. Und ein Genuss ist es wirklich. Loß hat so eine feine, freche, derbe Art. Seine Charakterzeichnung lässt mich hinschmelzen, so verwegen und abstrus wirkt die Welt, wirken die Menschen, im besten irving'schen Sinne menschlich.
Ich hoffe inständig, von Lennardt Loß noch manches lesen zu dürfen. Roman oder Geschichten … modern oder klassisch … ganz egal!
Manchen Autoren liegt die Kürze, aber eben nicht allen. Loss gehört eindeutig zu letzteren. Denn das Buch fühlt sich von Anfang an unfertig an, und das zieht sich durch bis zum Schluss. Die Figuren hätten etwas werden den können, aber der Autor nimmt sich nicht die Zeit für sie. Die Handlung... dazu kann ich nichts sagen, weil nicht vorhanden. Und vom angeblichen Witz und Humor, habe ich nur die Ansätze mitbekommen.
Wie gesagt, hätte mit mehr Mühe und Aufmerksamkeit etwas werden können. Aber das tat es nicht. Grundsätzlich nenne ich Lesen bzw. Bücher nie eine Zeitverschwendung. Auch von jenen, die man abbricht oder nicht mag, lernt man etwas. Aber wenn es ein Buch gibt, für das ich das Wort "Zeitverschwendung" benutzen müsste, dann wäre es dieses hier.
Kurzmeinung / Leseerlebnis Naja. Ich hätte mir eine eher lineare Erzählung gewünscht. Auch blieb man meiner Meinung nach zu wenig bei den einzelnen Charakteren. Von Marina bekommt der Leser kaum etwas mit. Das Buch geht sehr in die Breite und wenig in die Tiefe. Der Schluss ist meiner Meinung nach nichtssagend, es bleiben zu viele Dinge offen. Wäre das Buch länger gewesen, hätte ich abgebrochen. Und nebenbei: Das Cover ist zwar schön, aber was hat das mit der Geschichte zu tun?
Ich bin etwas enttäusch um ehrlich zu sein. Der Klappentext klingt sehr spannend, doch der Inhalt geht in eine komplett andere Richtung.
Es fühlt sich irgendwie während des Lesens die ganze Zeit so an, als wäre das Buch unfertig. Es kommen einige Charaktere vor, doch mit jedem von ihnen verbringt man als Leser so wenig Zeit, dass sie alle gesamt blass wirken lässt.
Leider nicht meins .. trotz des wirklich wunderschönen Covers.
Nicht besonders alltägliche Schicksale werden hier über Jahre und Milieus hinweg auf unterhaltsame Weise verknüpft. Die Figuren, die hierbei eigentlich wichtiger als die Ereignisse sein sollten, bleiben aber leider flach - es liest sich ein bisschen wie ein verstohlener Blick aus der Mitte der Gesellschaft auf Sonderlinge und Außenseiter, die in ihrer Überzeichnung unglaubwürdig werden.
"11.312 Kilometer über dem Südpazifik" sind die ersten Wörter und stehen für mich symbolisch für die vielen Ungenauigkeiten die dieses Buch enthält. (Offensichtlich müssen Meter gemeint sein.) Gestört hat mich vor allem, dass solche 'Schludrigkeiten' nicht nur in fehlerhaften Fakten enthalten sind, sondern auch in der Art und Weise in der das Buch geschrieben ist zeigen.
Beispielsweise wird in Abschnitten mit direkter Rede scheinbar wahllos von geschriebenem Hochdeutsch in geschriebene Umgangssprache gewechselt, allerdings inkonsequent (z.B. "is" statt "ist", aber an singulären Stellen). Kritisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Anzahl Rechtschreibfehler, die im Buch enthalten sind, groß genug ist, dass man das fehlende 't' zunächst auch einfach als einen solchen abtun könnte. Vielleicht liegt das daran, dass das die erste Auflage ist, das kann ich aber nicht beurteilen.
Die Idee des Buches hat mir jedoch gut gefallen: Das (Un)Glück einer einzelnen Person wir als verbindende Element in den Hintergrund gestellt, um die kuriosen Lebensumstände einer kleinen Auswahl an Personen darzustellen. Mit manchen dieser quasi-Kurzgeschichten habe ich mir ein wenig schwer getan, weil sie sehr willkürlich und fremd auf mich wirkten - was jedoch mit Sicherheit beabsichtigt war und daher nichts per se schlechtes. Für mich persönlich wurde das Buch zum Ende hin auch immer besser.
Die einfache Sprache als Stilmittel zu benutzen ist zwar in Ordnung, aber jetzt auch nicht unbedingt revolutionär. Und zu guter Letzt, muss ich gestehen, dass ich ehrlich gesagt nicht weiß, warum das Buch mit einer Nahaufnahme des Autors, die über eine komplette Doppelseite groß gezogen wurde, eröffnet.
Das Buch ist in mehrere kurze Geschichten unterteilt, die alle auf eine eher tragische Art miteinander verbunden sind. Über dem Pazifik stürzt ein Flugzeug ab, eine Überlebende ist Marina Palm, die nun schutzlos auf dem Meer treibt. 25 Jahre lang bleibt sie verschollen. Während die Geschichte um Marina das Buch einleitet, lernen wir weitere Personen kennen, deren Wege sich alle mit Marina kreuzen. Ein RAF-Terrorist, ein Profiboxer, eine gescheiterte Splatterfilm-Regisseurin. Es ist schwer, das Buch in Worte zu fassen. Es liest sich super schnell weg und die einzelnen Charaktere sind alle für sich gescheiterte Existenzen, deren Geschichten einen den Kopf schütteln lassen. Man fragt sich dauerhaft „Wie kann sowas passieren?“ und das ist es, was dieses Buch so besonders macht. In meinen Augen war das ein ganz besonderes, anderes Buch. Nicht nur das Cover ist ein absoluter Hingucker sondern auch der Inhalt ist bemerkenswert. Eine Empfehlung geht raus an alle, die sich in die Welt der Gescheiterten mit einer Prise Komik hineinwagen wollen.