Saksalainen historioitsija Rolf Peter Sieferle (1949-2016) kirjoitti teoksia laajasta aihepiiristä. Hän tuli tunnetuksi ympäristöhistorian pioneerina ja toimi ilmastoasiantuntijana Angela Merkelin hallituksessa. Sieferle edusti 1960-luvun uusvasemmistoa, mutta tuli ajan myötä yhä kriittisemmäksi sukupolvensa aatteita kohtaan. Sieferle teki itsemurhan syyskuussa 2016, ja hänen viimeinen teoksensa ”Finis Germania” ilmestyi postuumisti seuraavana vuonna. Kollektiivisen syyllisyyden kulttia ja Saksan maahanmuuttopolitiikkaa ruoskiva kirja aiheutti valtavan kohun ja oli yksi vuoden suurimpia bestsellereitä kotimaassaan. Moni älymystön edustaja tuomitsi sen ”ääriainesten pamfletiksi” ja ”taantumukselliseksi”, ja Der Spiegel jopa poisti sen myydyimpiä kirjoja esittelevältä listaltaan. Tämä ei kuitenkaan vähentänyt teoksen suosiota.
”Finis Germania” ilmestyy nyt suomeksi Olli Virtasen käännöksenä. Se on kylmän estoton katsaus sivilisaatiosairauteen, jonka oireita ovat historian karkea yksinkertaistaminen, pakkomielle turvallisuuteen, politiikan kuolema ja aistillisuuden palvonta. Sieferle kuvaa diagnoosia tekevän lääkärin tavoin länsimaista yhteiskuntaa, jota sisäiset ristiriidat ovat kuljettamassa demografiseen ja ekologiseen haaksirikkoon.
Rolf Peter Sieferle was a German historian known for applying the methodology of the social sciences to contemporary topics including ecological sustainability and social capital. He was a pioneer scholar of German environmental history. His work was wide ranging, addressing German conservatism around the period of the First World War, Karl Marx, and the fall of Communism. He was an advisor on climate change to the Angela Merkel government.
Sieferle came of age with the generation of 1968 as a youthful Socialist. By the 1990s, he was increasingly critical of what he viewed as naïve idealism. During the 2015 European migrant crisis, Sieferle wrote, “A society that can no longer distinguish between itself and the forces that would dissolve it is living morally beyond its means,” causing the Frankfurter Allgemeine Zeitung to describe him as “embittered, humorless, ever more isolated”. He committed suicide on 17 September 2016.
Sieferles Buch ist sehr einsichtsvoll. Ich kann verstehen, warum die Linke diese Buch angegriffen hat, aber nicht weil es echt antisemitisch oder Rechts-radikal ist, sondern es dringt effektiv die Hauptmythen der moderne Abendlaendische Zeitgeist durch.
Das Buch ist eine Sammlung der kurze Aufsaetze. Sieferle schrieb seine Gedanken an der deutsche Geschichte, moderne Kultur und auch gibt es ein paar Aufsaetze, die philosophische Themen untersuchen, z.B die Wirklichkeit des "Ichs". Man muss der Inhalt uberlegen, aber der Schreibstil ist einfach erreichbar zu verstehen, und darueber freute ich mich. Ein gutes Morgen oder Nacht Buch.
Ich habe eine 30-seitige Hausarbeit darüber geschrieben, inwiefern in diesem Buch Identität bzw. das Scheitern am selbstreflexiven Prozess der Identität und Antisemitismus verknüpft werden. Ich zitiere einfach mal ein paar Ausschnitte aus Einleitung und Fazit dieser Hausarbeit - mit der ganz klaren Empfehlung, dieses Buch nicht zu lesen. An manchen Stellen ist mir wirklich schlecht geworden, so selbstmitleidig, judenfeindlich und geschichtsrevisionistisch ist es. Es ist noch nicht mal gut geschrieben, sondern wirr, schlecht strukturiert, voller inhaltlicher Wiederholungen und pseudointellektueller Fremdwörter.
Die Textsammlung "Finis Germania" von Rolf Peter Sieferle wurde insbesondere kurz nach ihrer Veröffentlichung 2017 viel diskutiert, weil sie durch die Stimmpunkte von Spiegel-Redakteur Johannes Saltzwedel Teil der Liste "Sachbücher des Monats" von NDR und Süddeutscher Zeitung wurde. Außerdem kontrovers: Dass das Buch kurz darauf zunächst auf der verkaufszahlenbasierten Spiegel-Bestsellerliste stand, aber von dieser entfernt wurde mit der Begründung: „Ohne die Empfehlung unseres Kollegen [Johannes Saltzwedel] hätte das Werk des im vergangenen Jahr verstorbenen Autors es unserer Einschätzung nach nicht in die Liste geschafft.“
Die Rezeption in neurechten Kreisen nimmt kein Ende, zum Beispiel hat Eva Herman in ihrer Youtube-Nachrichtensendung "Der andere Blick" am 12. Februar 2020 betont, Sieferles „düstere Prophezeiungen“ würden sich immer mehr bestätigen. Auch Martin Sellner, Sprecher der rechtsextremen Identitären Bewegung Österreich, hatte 2017 auf seinem inzwischen gesperrten Youtube-Kanal über „den Fall Sieferle“ gesprochen und den Autoren dafür bewundert, dass er nicht so tue, „als ob Multikulti noch funktionieren würde.“
Finis Germania von Rolf Peter Sieferle kann mit gutem Gewissen als antisemitische Lektüre bezeichnet werden, das wurde bereits mehrfach nachgewiesen. Schuld daran ist auch der Zeitgeist, den er als in der Nachkriegszeit Geborener kennenlernte, aber nicht nur. Eine weiterführende Erklärung für diesen Antisemitismus ist das Scheitern des Autors, seine eigene Identität ─ als Deutscher ─ zu reflektieren und als Prozess wahrzunehmen.
Er definiert die deutsche Identität stattdessen auf völkische Art und Weise, um daraus kulturrassistische Schlüsse zu ziehen. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, seine eigene Gruppe zu erhöhen (denn die Zugehörigkeit zu einer Gruppe scheint die einzige Lösung für das Scheitern am Identitätsprozess zu sein) und ‚die Anderen‘ zu erniedrigen, findet er das Konzept der Täter-Opfer-Umkehr.
Eine Bewertung nach Sternen verbietet sich. Nach Lektüre umso rätselhafter, warum ausgerechnet dieses Werk so einen Hype in (neu)rechten Kreisen hervorgerufen hat. Wer eine „Abrechnung“ mit dem Liberalismus von rechts sucht, liest lieber Deneen.
Unangenehmer Stil, wirrer Aufbau. Vermutlich nur durch Sieferles Suizid zu dieser Prominenz gelangt.
Gleichzeitig tragisch, da hier und da durchaus durchscheint, dass der Autor mal ein kultivierter, bürgerlicher Intellektueller gewesen sein muss. Letztlich der Beweis dafür, dass Bürgerlichkeit ein dünner Firnis ist.
Leider enttäuschend. Teils flapsig, immer polemisch, thematisch manchmal ähnlich zu seinem sehr erhellenden Monumentalessay „Epochenwechsel“ - nur in deutlich schlechter. Neu sind allein die Ausführungen zu Auschwitz als deutschem Mythos; Zentrum des Medienskandals. In der Sache ist Sieferle nicht zu widersprechen: Die deutsche Schuld des Holocaust und der daraus resultierende humanitäre Universalismus ist das letzte Absolutum einer sonst relativistischen, emanzipierten, gedankenlos-nihilistischen Gesellschaft. Dass dieser Widerspruch nicht ins allgemeine Bewusstsein tritt, ist wohl Grund für Sieferles unübersehbare Verbitterung im Alter. Dabei hat er doch die Mechanismen der Massengesellschaft selbst illusionslos beschrieben… so zeigen sich die inneren Bruchlinien des (ehemals?) bürgerlich-Intellektuellen, der die Missstände als systemisch bedingt erkennt, aber trotzdem an ihnen leidet und irgendwie doch noch an das uneinlösbare Versprechen einer allgemeinen Aufklärung der gebildeten Massen glaubt - und dann an der überraschend fehlenden Fairness der intellektuellen Debatte verzweifelt.
Sieferle's Buch eignet sich sicher nicht als entspannende Lektüre für zwischendurch - auch nicht als aufklärendes Werk (wie der Titel vermuten lassen könnte) darüber, was Deutschland in nächster Zeit zu erwarten hätte. Seine Thesen sind vielmehr so komplex, universalistisch und ineinander verwebt, dass man oft Sätze mehrmals lesen muss, um zu verstehen, worum es ihm eigentlich geht. Dabei bedient er sich einer Sprache voller philosophischer (Fach?)Begriffe, die eher verwirren als einem präzisen Ausdruck dienen. Das Einzige, das man aus seinen - relativ ungeordneten - Gedankenströmen (der Text wurde auch tatsächlich posthum veröffentlicht) herauslesen kann, ist Folgendes: Die Mentalität der Deutschen leidet an der ihnen nach der Katastrophe des Nationalsozialismus zugeschriebenen Rolle des 'absoluten Täters' (im Gegensatz zur Rolle der Juden als 'absolute Opfer'). Der etablierte 'Mythos Ausschwitz' (Unvergleichbarkeit des Verbrechens von Deutschen mit anderen Menschheitsverbrechen) aber beinhaltet, dass sich die Deutschen von dieser Rolle gar nicht emanzipieren DÜRFEN - daher liegt die einzige 'Lösung' von diesem Negativmuster in der Auflösung des deutschen Volkes per se. Daher ist wohl wie in keinem anderen Land der Welt Multikulturalität nicht nur ein - im besten Fall - positiv konnotiertes Nebenprodukt der Globalisierung, sondern erwünschtes Ziel (!) einer gesellschaftlichen Metamorphose. Kurz gesagt: erst, wenn sich die Deutschen als Volk komplett aufgelöst haben, in einer heterogenen Masse ohne spezifische Eigenschaften verloren haben, haben sie sich in den Augen der Weltgemeinschaft (oder auch nur vor ihrem inneren Auge) rehabilitiert. Man möchte fast sagen, nach einer mehr als erfolgreichen Umerziehung nach dem Zweiten Weltkrieg soll Deutschland letztendlich von einem Extrem zum anderen schwanken: einem von der Staatsspitze (und etlichen Mitläufern) erwünschten 'Endziel der Juden' (sprich deren vollständige Vernichtung) zu einem von der Mehrheitsgesellschaft getragenen Auflösung des deutschen Volkes (nämlich dem völligen Aufgehen in anderen Kulturen). Deutschland als das zukünftige 'Volk ohne Eigenschaften' (?!).
Intellektuell sehr anregendes Buch. Sprachlich ansprechend und lehrreich geschrieben. Herausfordernd, weil es eigene Denkansätze und Glaubenssätze spiegelt, demaskiert und dadurch zum Nachdenken, Weiterdenken und prüfen anregt. Empfehlenswert für Menschen, die offene Debatten über Politik, Gesellschaft und Kultur lieben. Nicht empfehlenswert für Menschen mit Scheuklappen oder Personen, die nur Bücher lesen, durch die sie Bestätigung suchen. Das Nachwort ist ebenfalls positiv hervorzuheben.