Wie könnte Widerstand heute aussehen? Auf der Suche nach einer Antwort zieht Enis Maci eine Linie von Jeanne D'Arc über Sophie Scholl zu den albanischen Schwurjungfrauen. Sie entlarvt die medialen Strategien der Identitären als Travestie, befragt Muttersprache und Herkunft, reist nach Walhalla und blickt dort auf die Büste der in Auschwitz ermordeten Nonne Edith Stein. Sie verweilt in den sozialen Randzonen und verwebt die losen Zipfel erzählens-notwendiger Dinge zu einem dichten Panorama europäischer Gegenwart. Das Außerordentliche überkreuzt sich in ihren Essays mit dem Alltäglichen, das Private mit dem Politischen.
Die Schwächen sind die Stärken dieses Buches. Es bildet nicht ab, sondern spielt nach. Die Herstellung von Wirklichkeiten im 21. Jahrhundert. Netzhaftes Weben. Da fällt viel durch die Maschen. Wie wenn man sich durchs Internet liest. Da ist viel Intelligentes, von dem man sich nur einen Bruchteil merken kann. Maci schreibt von den Rändern her, fragmentarisch, denn es gibt kein Zentrum mehr. Das Kleine erzählen, denn das Grosse ist nicht erzählbar (oder nicht präzise).
Der Text über die neofaschistische Szene in Deutschland und jener zu Internet/Enzyklopädien gehört zum Besten, was ich dazu gelesen habe. Zwischendurch nervt der coole-aber-hochbelesene Tonfall grausam. Dann wieder will mensch jubeln.
was für eine intelligente person enis maci ist, in diesem fragmentarischen essayband über identität, nationalität, und rechtsradikalismus in deutschland steckt so wahnsinnig viel, das man es immer wieder lesen könnte, ohne das interesse zu verlieren. die sprache empfand ich als zynisch, wahnsinnig wortgewandt und präzise und mir hat das buch sehr viel gegeben, auch wenn ich manchmal noch lieber noch tiefer eingestiegen wäre und mir einige sprünge zu schnell gingen, während ich an anderen stellen das gefühl habe, nur oberflächlich verstanden zu haben. das wird den re-read umso spannender machen :) ich bin gespannt auf macis weitere werke und darauf zu sehen, wie sich die behandelten themen weiterknüpfen lassen.
Enes Macis Essaysammlung ist eine wahrhaftige Sprachgewalt. Ihr analytischer und bildhafter Schreibstil ist beeindruckend, fordert aber auch die Leser*innen. Jeder Satz ist so reichhaltig, so gefüllt aber auch nicht überfüllt. Sie ist zynisch, sie ist mitfühlend, sie ist bissig und sie ist wortgewandt. Sie beherrscht die Sprache. Allein sprachlich ist dieses Buch absolut genial.
Noch genialer ist der Inhalt. Maci knüpft rote Fäden, wo erstmal keine zu sein scheinen. Die Essays sind in sich fragmentiert. Teilweise scheint es zunächst, dass wahllos Motive und Ereignisse aufgegriffen werden, die nichts miteinander zu tun haben. Doch bei näherer Betrachtung wird die Intention der Autorin deutlich. Jedes Zitat, jedes vermeintlich unwillkürlich gewählte Motiv wird mit solch einer Genialität miteinander verbunden. Die Bedeutung, der Sinn der Aussagen, der Themen, der Überschriften wird tiefer, je mehr man die einzelnen Puzzleteile zusammenfügt. Das absolute Highlight in diesem Buch ist das Makeup als Metapher für die Identitäre Bewegung. Solch eine Verbindung ist so ungewöhnlich, so außergewöhnlich und einfach clever.
Doch nicht alles versteht man beim ersten Lesen. Vermutlich holt man mehr aus den einzelnen Essays raus, je mehr man diese liest und diskutiert. Gleichzeitig habe ich so viel gelernt, so viele neue Begriffe ergoogelt und von Walhallas Existenz erfahren.
Ja, man kann mir und meinen Worten ansehen, dass ich absolut begeistert bin und so viel mehr von dieser Frau lesen will. Ich glaube, dass Sie ein Roman, sei es autofiktional oder fiktional, zu einem absolut national treasure machen könnte. Wahrscheinlich würde sie jetzt mit mir darüber streiten, welche Nation ich meine und ob ein anderer Begriff nicht passender wäre aber ja sei’s drum. Enes Maci ist herzlich eingeladen, mit mir über alles zu reden, auch wenn es nur RuPaul’s Drag Race ist.
Thank you my love for gifting me this amazing book! <3
Nur ganz am Ende hat das Buch etwas in mir aufgewacht, so eine Neugierde. Leider war das kein Beispel für ein gut lesbare Lektüre; aber die Sprache war extrem reichhalting!!
“Was wir nicht verstehen, ist die durchlässige, idealerweise nicht löchrige Oberflache, die wir Haut nennen, was wir nicht verstehen, sind die von wohlwollenden Kleinstlebewesen durchzogenen, mit unerklärlichen Nervenknoten gespickten Windungen unseres Inneren, die wir Gedärm nennen, was wir nicht verstehen, ist jener fettige, brutale Faltenwurf, den wir Hirn nennen, in dessen Inneren es tost, was wir nicht verstehen, ist die bidung der Gedanken, nein, sind Verhältnisse.”
5/5. Eseji mlade nemške avtorice albanskih korenin s simpatičnim in hihitajočim podtonom parodirajo na eni strani predstavnike militantnega feminizma, na drugi pa v fašistoidno govorico zapakirano misel "alternativnega" konservativizma. Na "obiske" k stari mami Evropi prihajajo vnuki in vnukinje iz napol barbarskega sveta, kjer goveje župce niso nikoli igrale vloge pri obrambi njenih tradicionalnih vrednot. Starikavo Evropo eseji lahko tako pretresejo, da jo je potrebno lopniti po hrbtu, ko se ji v grlu zataknejo požirki nudeljcev in poprovih zrn s te maščobne brozge.
Pronicljivi fragmentni tokovi v osmih esejih prinašajo avtoričino razmišljanje o feminizmu, devicah, identitarnih tokovih, socialnih omrežjih, neonacizmu in neofašizmu, uporu, jeziku in še bi lahko naštevala. Anekdote, razmisleki in citati (tudi s strani Wikipedije, kateri avtorica obožuje) skupaj tvorijo zanimivo celoto razgaljene sodobne družbe.
Eine Sammlung von Essays über die Bedeutung von Identität, Nationalität, Herkunft und Rechtsradikalismus in Deutschland.
Maci schreibt Notizen aus denen tiefe Gedanken werden. Sie vermischt Erinnerungen und Gespräche mit Zitaten aus Literatur, Musik und Wikipedia Einträgen.
Eine Frage des Buches, die ich mitnehme: Wann wird das Polymergel global eingeführt?
Vier Sterne, weil ich etwas gebraucht habe, um reinzukommen, weil mir die erste Hälfte der Essays zu wirr ist, keiner von Enis Macis Gedanken bei mir hängen bleiben will, die zweite Hälfte der Essays dafür umso fantastischer, prägnanter, kluger, aufmerksamer ist.
Objektiv: Eine fabelhafte Essay-Sammlung, dicht, komplex und analytisch; lesenswert. Subjektiv: Wenn die Lektüre dazu bewegt selber Stift und Papier zur Hand zu nehmen und zu schreiben anzufangen, dann muss das was bedeuten.
Mochte ich sehr. Habe mich selten so über scharfe, unfassbar witzige Formulierungen gefreut, die bittere Wahrheiten/Deutungen anders erzählbar werden lassen