Es muss Jahre her sein, seit mich ein Buch das letzte Mal so sehr zu fesseln vermochte, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte und an nur einem Tag durchgelesen habe. Was übrigens das einzige Kriterium für mich darstellt, um fünf Sterne zu vergeben, und den einzigen Grund, mir die Mühe einer Rezension zu machen.
Zugegeben, das Grundgerüst, das die Geschichte trägt, ist nicht ganz neu, aber bei so vielen Romanen, die schon geschrieben wurden, erwartet das doch auch kaum noch ein Leser. Auf die Umsetzung kommt es an, und die ist hier - wie überall, wo es um Geschmäcker geht - sicherlich diskussionswürdig, aber für mich durchaus gelungen. Der Schreibstil wirkt so gleitend und dabei doch so lebendig, dass die gut 360 Seiten im Nu zerronnen waren. Während mich ständige Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln in anderen Büchern oft stören, empfand ich sie hier als Ansporn zum Weiterlesen, was sicher auch daran lag, dass es keinen Charakter gab, dessen Erzählstrang ich für langweilig hielt. Und sind die Charaktere auch nicht unbedingt durchweg sympathisch, so doch immerhin alle äußerst interessant, was sicherlich gerade dem Umstand zu danken ist, dass keinem gänzlich der Stempel „gut“ oder „böse“ aufgedrückt werden kann. Jeder entpuppt sich früher oder später als Träger von mehr als nur einer einzigen Facette, und so werden die Grenzen zwischen „Helden“ und „Monstern“ irgendwann fließend, was auch der Storyverlauf sehr schön einbindet. Man könnte bemängeln, dass die Charaktere nicht genug Tiefe haben, weil man nicht ausreichend oder zu langsam Einblick in sie bzw. ihre Hintergrüne erhält, doch hat mich dieser Umstand eher hungrig gemacht, mehr über sie erfahren zu wollen. Hinzu kommt ein spannender und auch nicht völlig stereotypischer Weltaufbau, der nicht in langen Abhandlungen vorgetragen, sondern nebenbei mit der Geschichte verwoben wird, wodurch zwar ebenfalls viele Fragen offen bleiben, jedoch mit dem gleichen Effekt, dem Verlangen nach mehr. An einigen Stellen wirken die Entwicklungen womöglich etwas konstruiert, aber schlussendlich ist ja jede Erzählung nur ein Konstrukt, und hier hielt es für mich den Lesefluss aufrecht. Und zuletzt sei noch angemerkt, dass dem einen oder anderen das Buch in einigen Aspekten vielleicht etwas grausam anmuten mag, aber ich finde, es gibt deutlich härteren Tobak auf dem Markt. Tatsächlich wirkten die Entscheidungen und Handlungen der Charaktere auf mich eher erfrischend ungeheuchelt, wenn auch nicht immer lückenlos realistisch (aber hey, dafür ist es schließlich Fiktion).
Jedenfalls gut, dass bei mir Band 2 für meinen nächsten freien Tag schon bereit liegt.