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Magic and Rhetoric in Ancient Greece

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Gorgias and magic --
Plato and conjurers --
Rhetoric and the classification of arts in the fourth century B.C. --
Logic versus magic: Aristotle and later writers.

165 pages, Hardcover

First published January 1, 1975

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Profile Image for A YOGAM.
2,823 reviews16 followers
October 8, 2025
In ihrer faszinierenden Abhandlung "Magic and Rhetoric in Ancient Greece" (französischer Titel: "Magie et rhétorique en Grèce ancienne") untersucht die renommierte Altphilologin Jacqueline Worms de Romilly (1913–2010) die stürmische Beziehung zwischen Magie und Rhetorik im antiken Griechenland. Das Buch zeichnet die hitzigen Debatten des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. nach, in denen Sophisten und Philosophen um die Seele des gesprochenen Wortes rangen. Es ist eine Reise von der fast übernatürlichen Macht der Verzauberung zur disziplinierten Kunst der rationalen Argumentation – eine Entmystifizierung, die das westliche Denken bis heute prägt.

Gorgias: Der Logos als magischer Zauberstab

Am Anfang dieser Entwicklung steht der Sophist Gorgias, der die Rhetorik als eine quasi-magische Kraft konzipierte. Für ihn war die Rede ein mächtiges Instrument, das die Seele des Zuhörers verzaubern (charme) und beherrschen konnte. In seiner berühmten Analogie setzte er die Wirkung des logos mit der von Drogen (phármaka) auf den Körper gleich: ein Mittel, um gezielt Emotionen wie Furcht, Freude oder Mitleid hervorzurufen. Gorgias' Rhetorik war eine technē der Täuschung (apatē), die auf der Schwäche des menschlichen Urteils (doxa) aufbaute und deren Ziel es war, die Zuhörer zu fesseln und zu überwältigen.

Platons philosophischer Gegenschlag

Dieser Vorstellung einer irrationalen, manipulativen Redekunst trat Platon mit aller Schärfe entgegen. Er verweigerte der sophistischen Praxis den Status einer wahren Kunst (technē) und degradierte sie zur bloßen Schmeichelei, vergleichbar mit der Kochkunst, die dem Körper schmeichelt, ihn aber nicht heilt. Für Platon war die sophistische Rhetorik eine Form der Zauberei (goēteia), die Illusionen schuf. Im Dialog Phaidros skizzierte er jedoch das Ideal einer wahren, philosophischen Rhetorik: eine "Seelenführung" (psychagogia), die auf Dialektik und einem tiefen Wissen über die menschliche Seele basiert und deren einziges Ziel es ist, zur Wahrheit und zum Guten zu führen.

Die Rehabilitierung der Rhetorik: Isokrates und Aristoteles

An dieser Stelle entfaltet das Buch eine seiner größten Stärken. Die Autorin widmet sich mit bewundernswerter Sorgfalt der oft vernachlässigten Figur des Isokrates und würdigt ihn als entscheidenden Denker im Umkreis von Platon und Aristoteles. Isokrates, beeinflusst von Gorgias und Sokrates, unternahm den Versuch, die Rhetorik zu rehabilitieren. Er brach bewusst mit den magischen Konnotationen seines Lehrers Gorgias und erhob die Rhetorik zu einer Form der umfassenden moralischen und intellektuellen Bildung (paideia), die er selbst als "Philosophie" bezeichnete. Indem er die Fähigkeit zur präzisen Rede als Zeugnis für gerechtes Denken definierte, gab er ihr einen ethischen Zweck zurück.
Aristoteles vollendete schließlich die Rationalisierung der Rhetorik. Er etablierte sie als eine systematische technē und definierte sie als das analytische Gegenstück (antistrophos) zur Dialektik. Ihre Funktion war nicht mehr die Überzeugung selbst, sondern die rationale Untersuchung der verfügbaren Überzeugungsmittel in jedem gegebenen Fall. Indem er die Rhetorik fest in Logik, Ethik und Politik verankerte, kappte er endgültig ihre Verbindung zur Magie und machte sie zu einer Säule des wissenschaftlichen Denkens.

Die fortwährende Relevanz der "Entzauberung"

Die Autorin legt eine brillante Analyse des intellektuellen Prozesses vor, der die Rhetorik von ihren magischen Ursprüngen befreite und sie als rationale Disziplin etablierte. Doch der Bogen lässt sich weiter spannen. Liest man diese antike Debatte im Licht der modernen politischen Anthropologie, wird ihre globale Relevanz deutlich. Während die westliche Tradition im Anschluss an Platon und Aristoteles eine strikte Trennung zwischen rationaler Politik und dem "Irrationalen" der Magie vollzog, zeigt die Arbeit von Forschern wie Peter Geschiere, dass diese Trennung keineswegs universell ist. In seinem Buch „Sorcellerie et politique en Afrique“ (1995) analysiert Geschiere, wie in vielen postkolonialen afrikanischen Kontexten politische Macht und okkulte Kräfte untrennbar miteinander verbunden bleiben. Der Erfolg in Politik und Wirtschaft wird dort oft nicht allein durch rationale Strategien erklärt, sondern auf den Einsatz von Zauberei zurückgeführt.  

Hier schließt sich der Kreis auf faszinierende Weise: Das antike griechische Ringen um die "Entzauberung" des öffentlichen Diskurses steht im Kontrast zur modernen Realität vieler Gesellschaften, in denen die "Magie" ein integraler Bestandteil der politischen Sphäre geblieben ist. Das Buch liefert somit nicht nur eine meisterhafte historische Abhandlung, sondern auch den Schlüssel zum Verständnis fundamental unterschiedlicher politischer Kulturen weltweit.
Profile Image for Woody.
Author 7 books3 followers
May 19, 2022
This is a badass and close look at technical aspects of rhetoric, prose, poetry, and magic.
Profile Image for Richard.
733 reviews31 followers
October 23, 2025
Short work on Plato’s ideas on goetia and rhetoric. Primarily examining Gorgias the Republic the Phaedrus and Aristotle’s rhetoric theory
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