Maria Hotel Amerika Edition Holzinger. Taschenbuch Berliner Ausgabe, 2017 Durchgesehener Neusatz bearbeitet und eingerichtet von Michael Holzinger Herausgeber der Michael Holzinger Viktor Harvion Umschlaggestaltung unter Verwendung des Henri de Toulouse-Lautrec, Waschfrau, 1888 Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.
Die Wäscherin Shirley träumt von einem besseren Leben als reiche Dame - dem Leben voller Entbehrungen und Schikanen als Angestellte in einem New Yorker Luxushotel möchte sie gerne entkommen. Einen vermeintlichen Ausweg bietet ihr der zwielichtige Mr. Fish, der jedoch ganz eigene Ziele verfolgt. Auch das schwedische Zimmermädchen Ingrid und der deutsche Küchenjunge Fritz haben mit der harten Arbeit und anstrengenden Hotelgästen zu kämpfen. Langsam spitzen sich die Ereignisse im Hotel zu, die Arbeitnehmenden werden immer unzufriedener und proben den Aufstand - aber ist die Zeit für einen Streik schon reif?
Maria Leitner beobachtet in ihrem 1930 erschienenen Debütroman "Hotel Amerika", der als eines der ersten Bücher von den Nationalsozialisten verboten wurde, durch die Augen ihrer Figuren hindurch einen Tag im Hotel aus Sicht der Angestellten. Sie beschreibt die Ausbeutung und die harte Arbeit, denen das Hotelpersonal täglich ausgesetzt sind und wie ausweglos die Situation für die meisten von ihnen ist. Streiks gestalteten sich zu dieser Zeit noch schwierig, eine Arbeit zu finden war fast unmöglich und schlechte Arbeitsbedingungen deshalb zu erdulden. Leitners Protagonist*innen hören trotzdem nicht auf zu träumen und sich solidarisch zu zeigen. Die Geschichte spitzt sich zum Ende hin immer mehr zu und gewinnt an Dynamik, die ich jedoch im Mittelteil des Buches vermisst habe. Gestört hat mich, dass in dieser wirklich sehr schön gestalteten Neuauflage diskriminierende Sprache gebraucht wird - das ist in meinen Augen absolut nicht zeitgemäß und gerade bei einem neu aufgelegten Buch eine vertane Chance. Ich freue mich trotzdem, dass ich Maria Leitner durch die Reihe der Klassikerinnen des Reclam-Verlags kennen- und schätzen lernen durfte und finde gerade auch die Autorin selbst sehr spannend. Vielleicht werden weitere Werke Leitners wiederentdeckt, das würde mich freuen!
„Haben Sie schon darüber nachgedacht, was für eine ungeheure Stadt dieses New York ist? Sie können sich große Reisen ersparen, wenn Sie sie nur genau studieren. Ungarn, China, Schweden und Japan, bitte, hier sitzt alles zusammen. Die Ausgestoßenen aus allen Teilen der Welt haben sich in dieser Stadt ein Rendezvous gegeben.“
Genau aus der Perspektive dieser Ausgestoßenen erzählt Maria Leitner ihre Geschichte und erfüllt damit so gar nicht die Erwartungen an einen Hotel-Roman, angesiedelt in den „goldenen“ 20er-Jahren.
Die Figuren? Beinahe nebensächlich! Tatsächlich handelt es sich vielmehr um ein Lehrstück, eine Studie des Klassismus, die sich reportagehaft aus den Erfahrungen und Beobachtungen der Autorin in Amerika zusammensetzt. Es geht um das Oben und Unten, um versteckte Hierarchien, die Hindernisse für klassen- und geschlechterübergreifende Solidarität und die stählernen Machtstrukturen des Kapitals, das sich in den Wolkenkratzern Manhattans moderne Burgen errichtet hat.
Das umfangreiche Nachwort sei hier unbedingt empfohlen! - und der diskriminierende Sprachgebrauch als möglicherweise irritierendes Zeitkolorit eingeordnet.
3,5 (?) musste das für „arbeit“ lesen, daher keine erwartungen aber dann hat’s mir solide gut gefallen! ist eine wiederentdeckung aus den 1930ern, dementsprechend werden auch diskriminierende begriffe gedruckt, finde ich wichtig zu proclaimen. abgesehen davon ist es aber ein (recht offensichtlich) linker, gesellschaftskritischer roman in einem luxushotel, über dessen arbeiterklasse, es geht um die desillusionierung des american dream, wie hoffnungslos diese situation ist, usw. das ist sehr gut lesbar und bildhaft gemacht. im großen ist das buch für mich ein zeitdokument; die kapsel eines zustandes, festgehalten von einer autorin, mit sehr bewegter (tragischer) biografie die niemand auf dem schirm hat (nachwort!)
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Die aus Irland stammende Wäschereifrau Shirley arbeitet seit nunmehr sechs Jahren in einem New Yorker Luxushotel. Gemeinsam mit ihrer Mutter Celestina, dem Zimmermädchen Ingrid, dem deutschen Küchenjungen Fritz und vielen weiteren Einwanderern schuftet sie täglich unter harten Bedingungen, um den Gästen jeden Wunsch zu erfüllen. Im Hotel steht eine große Hochzeitsfeier bevor und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Während und vor dieser Veranstaltung kommt es zu einer Erpressung und einem Aufstand unter den Angestellten.
»Hotel Amerika« von Maria Leitner gehört zu den ersten Büchern, die 1933 von den Nationalsozialisten in Folge der Bücherverbrennungen den Flammen zum Opfer fielen und so auf dramatische Weise aus dem Verkehr gezogen wurden. Die Neuauflage aus dem Reclam-Verlag liefert die Möglichkeit, diese Geschichte neu zu erleben, deren Setting ein Luxushotel in New York ist. Und genau dieses steht stellvertretend für die Hoffnungen und Sehnsüchte seiner Angestellten und versammelt deren Schicksale. Leitner beschreibt in ihrem Debütroman ganz unterschiedliche Charaktere, die vereint, dass sie im »Hotel Amerika« arbeiten und alle nach einem besseren Leben streben. Der elende Arbeitsalltag zeigt ihnen, dass sie nicht als Menschen wahrgenommen werden, sondern ausschließlich Arbeitskraft sind.
Im Hotel sind Menschen verschiedenster Nationalitäten vertreten, von denen sich viele den amerikanischen Traum versprochen haben und auf dem Boden der Realität gelandet sind. Maria Leitner beschreibt die harten Arbeiten bildhaft, sodass wir als Leser*in eine gute Vorstellung von dem bekommen, was die Angestellten leisten müssen und wie wenig Anerkennung ihnen zuteil wird. Vom Küchenjungen, den Heizern, Nachtwächtern, Pagen und Wäscherinnen über die Zimmermädchen, Spülerinnen, Köche, Aufzugführer und Kellner sind sämtliche Hotelberufe vertreten und Leitner gelingt ein tiefer Einblick in den regen Hotelalltag. In diesem Rahmen lernen wir die Figuren in der Geschichte kennen und erfahren von ihren täglichen Bürden, ihren Wünschen und ihren persönlichen Zielen.
In diesem Buch zeigt sich Maria Leitners gute Beobachtungsgabe, ihr Sinn für Gerechtigkeit und ihr steter Kampf für das Aufdecken von Klassenunterschieden. Sie reiste um die Welt und konnte sich daher ein differenziertes Bild von den Lebens-und Arbeitsbedingungen verschiedenster Gesellschaften der 1930er Jahre machen. Sie beschreibt in ihrem Werk »Hotel Amerika« die unsäglichen Zustände, mit welchen sich die Hotelangestellten auseinandersetzen müssen und macht diese zum großen Mittelpunkt der Geschichte. Am Rande erfahren wir Hintergründe und Motive einzelner handelnder Figuren, wie den Erpressungsversuch vor der Hochzeitsfeier oder den Wunsch von Shirley, einer irischen Einwanderin, tags darauf ein neues, besseres Leben zu beginnen. Immer wieder zeigt Maria Leitner auf, welche Lücke zwischen den schuftenden Angestellten und den Gästen klafft, die ihrem Luxus frönen. Das Nachwort möchte ich deutlich hervorheben, da es informativ und detailliert ist und zu den großen Stärken dieser Ausgabe zählt.
Maria Leitner schreibt eindrücklich vom geplatzten amerikanischen Traum. Sie erzählt eine Geschichte von Ausbeutung, elenden Arbeitsbedingungen und einem Klassenkampf, der ins Bewusstsein ruft, wie drängend dieses Werk ist, das uns die Möglichkeit gibt, einen wichtigen Roman neu zu erleben.
„Du wirst schon sehen, ich werde wirklich gehen, noch heute, alles dalassen, dies ganze hässliche, schwere Leben. Möchtest du das nicht auch? (Zitat Pos. 127)
Inhalt Shirleys Mutter Celestine ist Scheuerfrau im Hotel Amerika, die junge Shirley ist eine der Wäscherinnen. Seit sechs Jahren lebt Shirley mit ihrer Mutter und drei weiteren Frauen in einem erbärmlichen, engen Zimmer in diesem New Yorker Hotel, das die Gäste mit jedem nur denkbaren Luxus verwöhnt. Shirley träumt von einer Veränderung in ihrem Leben, bald wird auch sie das Hotel als Gast betreten, das hat ihr ihr neuer Freund versprochen. Heute soll ihr letzter Tag als schwer arbeitende Wäscherin sein, doch die Ereignisse entwickeln sich anders, als von ihr erwartet.
Thema und Genre In diesem sozialkritischen Roman geht es um den Traum von einem besseren Leben in Amerika, der sich jedoch nur für einen kleinen Teil der New Yorker Bevölkerung erfüllt hat. Die meisten Einwandererfamilien fristen ein Leben unter den härtesten Arbeitsbedingungen, immer in Sorge um den Arbeitsplatz. Es geht um Erpressung, Liebe, Luxus, Armut, Träume, und den Beginn von gewerkschaftliche Zusammenschlüssen.
Erzählform und Sprache Dieser Klassiker, erschienen 1930, spielt an einem einzigen Tag und ist eine interessante Mischung aus Kriminalgeschichte und gesellschaftskritischem Zeitbild. Eine bunte Vielfalt von unterschiedlichen Menschen mit Träumen, Hoffnungen und Schicksalen erlebt die ebenso vielfältigen Ereignisse an diesem besonderen Tag. Durch Erinnerungen und Gespräche ergeben sich viele Einzelgeschichten, deren Fäden sich bereits um die Mittagszeit in diesem Hotel verknüpfen, während die Vorbereitungen für eine Luxushochzeit laufen und das Personal erstmals bei einem völlig ungenießbaren Mittagessen offen gegen die Missstände aufbegehrt. Maria Leitner war bekannt für ihre intensiven Recherchen, für ihre Sozialreportagen nahm sie auch selbst inkognito Arbeit in den unterschiedlichen Bereichen an und diese Erfahrungen finden sich in auch in diesem Roman wieder, was die Geschichte zu einem authentischen Zeitbild macht. Ich selbst habe die Kindle-Version gelesen, doch am 16. Februar 2024 erscheint im Reclam Verlag unter der ISBN-13: 978-3150114766 eine neue, gebundene Ausgabe.
Fazit Ein Klassiker, der bei seinem Erscheinen 1930 sehr erfolgreich war, bis die Bücherverbrennung im Jahr 1933 den Roman für viele Jahre in Vergessenheit geraten ließ. Dicht, interessant, authentisch, lesenswert.
The precise descriptions of the workings of a New York luxury hotel in the 1920s are indeed gripping and most interesting from today‘s perspective when you want to compare what may have changed and what is still the same. The crime story around which these descriptions are arranged is not very convincing however and seems to serve more the all too obvious socialist intent of the book than to induce excitement. I think that socialst goal would have been much better achieved through description of the working conditions and the contrast of the lives of the rich and the poor alone rather than through the insertion of fatherly teachings by a unionist worker. So, the book is well worth reading, but could have been better. I recommend to look for a different edition however - this one is full of typos and has an ultra small font - very hard on the eyes.
Der amerikanische Traum aus sozialistischer Perspektive.
Maria Leitners Roman erschien 1930 mit dem Untertitel „Reportageroman“. Er erzählt angelehnt an den Stil der Reportage von einem Tag in einem New Yorker Luxushotel, wenig von den Gästen, dafür viel von den Angestellten, von Frauen und Männern, Schwarzen und Weißen. Das Hotel steht wohl als Symbol für das kapitalistische System, das Leitner anklagen wollte. Ihr ging es darum, ihren Leserinnen und Lesern klar zu machen, dass sie sich organisieren müssen, um der Ausbeutung und ihrem Elend zu entkommen. Sie kannte das Milieu der kleinen Leute, der armen Einwanderer aus nächster Nähe, denn in den 20er Jahren arbeitete sie in vielen verschiedenen Berufen in den USA: als Dienstmädchen, Verkäuferin, Putzfrau, Fabrikarbeiterin, mehrfach auch im Hotel. Sie kannte die Verhältnisse, die sie kritisierte, gut und schrieb darüber.
Im Mittelpunkt der Handlung steht zunächst das „Wäschermädchen“ Shirley, die Tochter einer alleinerziehenden Mutter, Einwanderin aus Irland. Sie trumpft plötzlich auf und behauptet, dies sei ihr letzter Tag als ausgebeutete Arbeiterin im Moloch des riesigen Hotels. Sie werde schon am nächsten Tag als Hotelgast wiederkommen. Shirley hat einen Traum, sie will das gute Leben genießen, das sie in den oberen Etagen beim Wäscheaustragen kennengelernt hat. Später erfahren wir, dass ihre Zuversicht daher rührt, dass sie Kontakt zu einem Erpresser hat. Mit ihm hofft sie, ihre Ziele zu erreichen. Ohne Angst gefeuert zu werden, zettelt sie einen Aufstand im Speisesaal der weißen Frauen an, als die nur verfaulte Kartoffeln zu essen bekommen. Wie der ausgeht, kann man sich denken.
Die Handlung des Romans ist weniger wichtig als die drastische Beschreibung der Zustände im streng hierarchisch geordneten Gefüge des Hotels, eine Maschinerie der Ausbeutung und Erniedrigung. Die Schwarzen stehen auf der untersten Sprosse der Rangleiter. Die einzelnen Gruppen werden strikt getrennt. Die Machthabenden wissen, wie man Solidarisierung verhindert. Leitner beschreibt die Klassengegensätze meist eindrucksvoll, manchmal auch mit dem Holzhammer. Die Charaktere werden – im Sinne einer Reportage – nur angerissen. Viele Dialoge erscheinen für heutige Ohren zu ideologisch gefärbt. Dennoch eine lohnende Lektüre und ein Zeitdokument. Das erfolgreiche Buch wurde 1933 von den Nazis verbrannt.
Die weitgereiste Schriftstellerin starb völlig verarmt und ihrer Sinne beraubt 1942 in einer Marseiller Psychiatrie im Exil, nachdem Varian Frys Organisation kein amerikanisches Visum für sie bekommen konnte. Das informative Nachwort der neuen Reclam-Ausgabe von Katharina Prager liefert die Lebensgeschichte, soweit sie bekannt ist.
Curiosa crónica periodística convertida en novela para poner sobre el tapete la lucha de clases en el corazón de América. El microcosmos del hotel y sus jerarquías (tanto entre huéspedes y trabajadores como internas a estos en función de la raza, el género, la nacinalidad, etc.) sirven de espejo para la denuncia general del sistema capitalista. Una pequeña joya, olvidada en su día, escrita en los años 20 por una pionera del periodismo gonzo comprometida con la justicia social.