Es ist dies ein ungewöhnlicher DDR-Roman, der mich bis zum Ende nicht wirklich in seinen Bann gezogen hat, weshalb ich auch wochenlang daran gelesen habe. Zwischen dem Leser und der Erzählung bzw. den Erzählungen bleibt eine Distanz, wobei nicht klar ist, inwiefern das die Absicht des Autors war. Viel dessen, was die Charaktere sagen, wird nur indirekt wiedergegeben, was sicher dazu beiträgt, dass man nie richtig in die Geschichte eintauchen kann. Außerdem wird immer aus der Perspektive der drei männlichen Hauptcharaktere erzählt, was Amanda schwer fassbar macht, die definitiv eine sehr interessante, wenn auch nicht gerade sympathische Frauenfigur ist. Das trifft auf die Männerfiguren aber auch zu. Deren Motivation wird jedoch viel klarer.
Amanda scheint intelligent, sehr selbstreflektiert, aber emotional überhaupt nicht einordenbar. Sie ist auf jeden Fall eine, die dem DDR-Regime negativ gegenübersteht und Leute verachtet, die nach den Regeln spielen. Sie selbst stellt sich aber auch nicht offen gegen das Regime.
Im 2. Teil des Romans wird Amandas Beziehung mit einem erfolgreichen Schriftsteller geschildert, der über dieses Verhältnis ein Buch schreibt. Quasi ein Buch im Buch. Dieser literarische Kniff allerdings trägt meiner Meinung nach nicht unbedingt zur Qualität der Erzählung bei, sondern wirkt total überflüssig bzw. hat keinen Mehrwert. Literarisch gesehen fand ich den Roman gut, der Autor versteht definitiv etwa von seinem Handwerk. Inhaltlich war ich mäßig begeistert, wenn auch immer wieder Glanzlichter zu finden sind. Was die DDR-Thematik betrifft, so ist interessant, dass die DDR gar nicht unbedingt als extremer Unrechtsstaat gezeichnet wird, sondern teilweise wie ein Staat wie jeder andere, wo Menschen auch nur mit Wasser kochen.