Ein weiteres Werk von Stefan Ulrich, in dem es um sein Leben und seine Reisen in Italien geht. Diesmal dreht sich alles um seine Zeit als Korrespondent in Rom. Soviel vorweg: Dem Autor gelingt es exzellent, den Zauber, aber auch die Beschwerlichkeiten des Mittelmeerlandes zwischen zwei Buchdeckel zu pressen. Mühsam ist es etwa, sich überhaupt erst einmal einen Telefonanschluss zuzulegen, was letztendlich nur mit den richtigen Beziehungen gelingt. Zauberhaft ist es, mit der Familie übers Wochenende ans nahe Meer zu fahren und dort am Strand die vielbeschworene Dolce Vita zu leben.
Auch über den Alltag im "Palazzo" und die dort lebenden, zunächst gewöhnungsbedürftige, aber dann umso liebenswerteren Sippe, weiß Ulrich charmant zu berichten. Dazwischen lässt Ulrich uns dann noch an seinen Recherchen zu einem sagenumwobenen Etrusker-Schatz teilhaben oder er schreibt über seinen ersten Flug an Bord des Papstfliegers bei einem Auslandsbesuch. Das hört sich dann so an:
"Dass Benedikt XVI. irgendwann ebenfalls zusteigt, merke ich nur an den hektischen Bewegungen der Kollegen, die auf der richtigen Fensterseite sitzen. Wenig später heben wir ab. Es fühlt sich an wie immer, ob nun mit Papst oder ohne. Dann wird endlich die elegant gestaltete Frühstückskarte gereicht. Es gibt Zucchini-Omelette mit Käseflocken, Früchte der Saison, torta della nonna, Joghurt, warme Brötchen und allerlei mehr. Dazu werden geistige Getränke kredenzt, etwa ein Verdicchio aus den Marken, ein roter Val di Cornia aus der Toskana und ein Spumante aus der Franciacorta. Wie gesagt, wir sind beim Frühstück."
Wer Italien liebt, dem dürfte auch dieses Buch gefallen, denn zwischen allen Schilderungen vermag es Ulrich, das Gefühl des Südens vor unserem inneren Auge auferstehen zu lassen, etwa wenn er an einem frühlingshaften Tag im Mai auf die Straßen Rom tritts oder der Wind vom nahen Meer schwüle, salzige Luft mit sich in die Straßen des Viertels Prati trägt. Immer wenn es deshalb im Winter besonders kalt ist und die Sonne das Grau kaum durchdringen kann, schnappe ich mir ein Buch von Ulrich über Italien und schon wird mir wieder warm ums Herz. Bei diesem grenzwertig kitschigen Satz muss ich noch erwähnen, dass Ulrich selbst nie in Klischees und ins Kitschige abgleitet. Absolute Leseempfehlung also!