Niroz Malek ist ein syrischer Schriftsteller, der angesichts des Aufbruchs des Krieges entschieden hat, sein Vaterland nicht zu verlassen, sondern dort bleiben. Er kämpft gegen die Ungerechtigkeit und seiner eigenen Hilflosigkeit in die einzige Weise, in die er kann - durch Schreiben. In 57 kurzen Miniaturen schreibt er über Liebe, Freundschaft, Verlust, Sehnsucht an alles das, das nie mehr zu erfahren ist, an die Leute, die nie mehr da sind. Er beweint den Verlust der Zukunftsträume für die Kinder und die jungen Syrer. Es tut ihm weh, in seine eigene Seele anzuschauen und an seinen Gefühlen eine Operation durchzuführen. Wie er selbst mehrmals schreibt: "Das Schreiben über diesen Krieg ist schmerzhaft, sehr schmerzhaft".
Malek wurde ein Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren und hat nie geglaubt, daß Syrien so stark von einem Krieg leiden wird. Aus einem "Sohn des Friedens" ist er ein "Sohn des Krieges" geworden. Seine Stimme ist wichtig, denn er immer noch in Aleppo lebt und kann von des alltäglichen Lebens: von häufigen Stromunterbrechungen, zahlreichen Checkpoints auf den Straßen, die aus Aleppo ein Labyrinth machen, wenn man sie vorbeikommen möchte, von Angst und Panik, von Mangel und Hunger, aber auch von Mut und Dankbarkeit, von Träume und Hoffnung berichten.
Malek's Sprache ist häufig lyrisch und seine Beobachtungen und Geschichten sind träumerisch und märchenhaft, aber das ist auch eine Technik, das Grauen der Realität zu zähmen und nicht dabei verrückt zu werden. Obwohl viele Familienmitglieder des Schriftstellers jetzt im Ausland leben (die meisten in Deutschland), bleibt Malek in Aleppo und lehnt die Idee, um zu flüchten, eigensinnig ab. "Warum? Um meinen Körper zu retten? Du solltest wissen, daß das, was ich in diesem Raum zurücklasse, nicht nur Bücher und Antiquitäten und Photographien sind. Nein, ich lasse meine Seele zurück." Schließlich erklärte ich: "Kann ein Körper ohne Seele leben? Aus diesem Grund werde ich meine Wohnung nicht verlassen: Weil ich meine Seele nicht in einen noch so großen Koffer stopfen kann. Meine Seele ist all das, was du in meinem Zimmer siehst... Tausende Bücher. Hunderte Schallplatten, Zeichnungen, Gemälde und Photographien." Ich sagte zu ihr: "Geh du, rette du dich. Aber ich bleibe hier, in meiner Wohnung, solange meine Seele weiterlebt."