Charlotte Wiedemann legt ein umfassendes Gesellschaftsporträt des modernen Iran ein selbstbewusster Vielvölkerstaat, heute die wichtigste Macht im Nahen und Mittleren Osten. Das Buch führt von der großstädtischen Theaterszene zum schiitischen Volksislam, von der kurdischen Sufi-Zeremonie zum Sabbat in einer jüdischen Familie. Es erklärt, wie die Ansprüche der Frauen das Land verändert haben und welche subversive Lebenskunst die politische Willkür hervorgebracht hat. Und es analysiert das Weltbild der Iraner, ihre in Jahrhunderten kolonialer Bevormundung entstandenen Ängste, ihren manchmal obsessiven Nationalstolz. Ein schwieriges Land, beschrieben mit Behutsamkeit und Genauigkeit.
Dieses Buch ist eine solide Empfehlung, wenn man sich mit dem Iran einmal etwas tiefer und unabhängig von Klischees beschäftigen will. Die Autorin scheut nicht davor zurück auch die Probleme und negativen Seiten klar zu benennen, ohne aber in eine Überheblichkeitserzählung oder Dämonisierung zu verfallen.