Sommer 1972. Benjamin ist vor einigen Wochen elf geworden. Im nächsten Schuljahr wird er ein Herrenrad bekommen, eine Freundin und vielleicht eine tiefe Stimme. Doch dann stirbt sein kleiner Bruder Jonas. Nachts sitzt Bens Mutter auf einer Heizdecke und weint. Ben kommt nun extra pünktlich nach Hause, er spielt ihr auf der C-Flöte vor und unterhält sich mit ihr über den Archäopteryx. An Jonas denkt er immer seltener. Ben hat mit dem Leben zu tun, er muss für das Fußballtor wachsen, sein bester Freund erklärt ihm die Eierstöcke, und sein erster Kuss schmeckt nach Regenwurm. Mit seiner neuen Armbanduhr berechnet er die Zeit.
Oh man was ist denn mit dieser Geschichte passiert.🙈🙈🙈 Ich schwanke tatsächlich zwischen 1 und 2 ⭐...mehr kann ich leider nicht vergeben. Die Grund/ Anfangsidee des Buches war super. Der Verlust eines Kindes, plötzlich, unerwartet, was macht das mit einer Mutter, einem Vater und dem Bruder. Zusätzlich gab es noch viele andere Probleme und es hätte eine tolle Geschichte werden können,aber das ständige Wechseln der Perspektive/ Handlung/ Erzählstil/ Thematik.....hat mich wahnsinnig und echt wütend gemacht. Zwischenzeitlich dachte ich, ich bin in einem " Wie erlebe ich meine Pubertät und wachsende Sexualität während ich Karl May lese!" Buch...total verwirrend. Schade aber das war für mich leider nix.
Diese Rezension fällt mir sehr schwer. Ich habe mir aufgrund der Thematik sehr viel von dem Buch versprochen und bin total enttäuscht worden! Ich bin den Protagonisten nur anfänglich mal ein wenig näher gekommen, doch leider konnte sich das durch den gewählten Erzählstils nicht vertiefen, genau das Gegenteil war der Fall. Der Autor springt innerhalb eines Kapitels ständig nicht nur thematisch, sondern auch perspektivisch und zeitlich hin und her. Die Schwerpunkte innerhalb des Buches passten für mich leider gar nicht. Zum Ende hin war ich nur noch genervt😒. Schade.
Den einen Stern gibt es fürs Buch schreiben und den zweiten weil ich es aufgrund einer tollen Leserunde nicht abgebrochen habe.
"Ben ist krank, ohne wirklich krank zu sein. Der Platz hinter seiner Nase ist durchs Weinen gewachsen und stößt von innen gegen seine Augen. Eigentlich müsste er aufstehen. Doch er traut sich nicht. Gestern ist sein Bruder gestorben."
Zuerst einmal kurz und knapp zum Inhalt: Der kleine Jonas ist gestorben und lässt seine Mutter und seinen älteren Bruder Ben zurück. Die Beiden versuchen nun, mit dem Verlust klarzukommen, jeder auf seine Art. Aber als Ben nach einer Weile merkt, dass seine Mutter nicht mehr mit ihrem Leben bzw. dem Leben als solches klar kommt, hilft er ihr bei der Trauer. Eine sehr traurige Geschichte mit einem schönen Ende.
Nun zu meiner Meinung! Quick and dirty: Sehr gehyptes Buch mit einer schönen Idee, die Umsetzung war jedoch nicht mein Fall. Ganz ehrlich: Ich kann den Hype um das Buch nicht verstehen. Natürlich ist es eine sehr anrührende Geschichte und eine tolle Idee, aber meiner Meinung nach hat doch die Erzählweise nicht so gut gepasst. Aber mal von vorne. Die Geschichte beginnt damit, dass Bens Bruder Jonas gestorben ist. Nun muss er trotz seinen 12 Jahren erst einmal verstehen, was das bedeutet. Seine Mutter versinkt immer weiter in ihrer Trauer; die Lücke, die Jonas hinterlassen hat, versucht sie zunächst mit allerhand Tätigkeiten zu schließen, nachdem das aber alles nichts hilft, muss Ben Trauerhilfe leisten. Zwischen Penis-Abenteuern mit seinem Freund Chrisse und Winnetou-Geschichten muss er seine eigene Trauer bewältigen und dabei muss Ben seiner Mutter unter die Arme greifen, damit sie sich nicht in ihrer Trauer verliert. Dabei wechselt die Erzählperspektive zwischen den Charakteren hin und her, wobei man weder Bens noch Ruths Gedankengänge zu fassen bekommt, sondern alles aus der allwissenden Erzählperspektive berichtet bekommen, die ich etwas seltsam fand. Es hat sich also nicht wirklich die Perspektive verändert, sondern nur die Art der Erzählung. Während diese bei Ruths Anteil der Geschichte völlig in Ordnung war, wurde bei Ben eine „vereinfachte“ Form gewählt, die wohl ein wenig seine Gedankengänge widerspiegeln sollte, die ich allerdings einfach nur merkwürdig fand.
"„[Die Figur auf dem Sarg] soll uns daran erinnern, dass der liebe Gott einen Engel gebraucht hat. Und dafür hat er sich Jonas ausgesucht.“ Fauler Gott. Fauler Kackgott."
Natürlich ist er erst 12, aber Ben kam mir doch ein wenig unreif vor. Ihm hat einiges an Grundverständnis gefehlt, teilweise wirkte er doch sehr kindisch und mutterfixiert, und dabei geht mit 12 doch langsam die Zeit des gegen-die-Eltern-Rebellierens los. Ansonsten fand ich die äußeren Gegebenheiten ziemlich interessant: Das Buch spielt in Westdeutschland in den 70er Jahren, und in die Richtung und über diesen Zeitabschnitt, vor allem nicht in Deutschland, habe ich noch nichts gelesen.
Die Richtung, in die Ruth sich zusehends entwickelt hat, hat mir gar nicht gut gefallen, aber ich möchte hier natürlich nicht zu viel verraten. Storymäßig ist nach Jonas‘ Tod bei Ruth nicht allzu viel passiert (verständlich), Ben hat jedoch die ersten Schritte in Richtung Teenager-Leben gewagt, und ich hatte das Gefühl, als sei sein Charakter auch ein wenig ausgefleischter als der von Ruth.
Sie hat erwartet, in der Trauer um ihren Sohn zu etwas Wesentlichem vorzudringen. Doch stattdessen brachte die kränkende Normalität der letzten Wochen nur Überdruss hervor und die matte Erkenntnis, dass Jonas nicht mehr da ist. Ruths Leben ist zum Stillstand gekommen und in eine Anhäufung leerer Augenblicke von nagender Belanglosigkeit zerfallen.
Alles in allem kann man festhalten, dass „Ein fauler Gott“ eine sehr schöne und traurige Idee angepeilt hat, sie meiner Meinung nach allerdings durch den Erzählstil etwas verschossen hat. Außerdem kann ich noch sagen, dass ich eigentlich nie das Gefühl hatte, ein trauriges Buch zu lesen, das einen runterzieht, obwohl es um das Betrauern des Bruder bzw. des Sohnes geht. Aber leider war das Buch für mich nur eine 2/5. Vielleicht habe ich am „Hype-Effekt“ vorbeigelesen, vielleicht ist es einfach nur nicht meins. Schade.
Es ist 1972 und der 7-jährige Bruder des 11-jährigen Ben ist plötzlich und unerwartet gestorben. Ben und seine Mutter sind nun eine Mini-Familie.
Das Jahr 1972 ist m.E. hier ein zentrales Element. Das Leben als Kind Anfang der 70’er war ein ganz anderes, als wenn Ben ein Junge in unserer Zeit wäre. Kein Internet, keine Smartphones, DDR, Olympia-Attentat in München, RAF, keine Mutter-Kind-Kuren, aber auch Kinder die zum Spielen den ganzen Tag im Wald umherstreifen konnten und keine macht sich Gedanken.
Diese Stimmung als Grundlage hat Lohse ganz wunderbar eingefangen. Und er schafft es, diese Trauer mit beeindruckender Erzählweise und beeindruckenden Worten in eine Geschichte zu packen. Und wie sich die Trauer im Laufe der Zeit entwickelt (wobei er die klischeehaften und lehrbuchhaften „5 stages of grief“ vermeidet). Es sind so ganz viele kleine Sätze, oftmals eigentlich witzig, die das Buch trotz der traurigen Grundhandlung humorvoll und fluffig machen. Ich könnte dafür seitenweise Beispiele aufzählen, aber Lohses Sprache sollte jeder für sich selbst entdecken.
Fazit: Wieder einmal ein Buch, welches ich ohne #lovelybooks nicht gelesen hätte, welches aber definitiv ein Gewinn in meinem Lesejahr gewesen sein wird. Und ich glaube, ich werde es bald noch mal lesen, einfach um die vielen schönen Stellen, die ich mir markiert habe, noch mal zu genießen.
So tragisch traurig die Geschichte ist, ist es doch auch schön in eine Zeit zurückversetzt zu werden, in der man selber seine Kindheit durchlebt hat. Stephan Lose schafft dies mit Leichtigkeit, in einfachen Worten, aus der Sicht eines 11-jährigen.
Der Tod reißt eine Lücke in das Leben jeden Menschen. Auch bei Ben und seiner Mutter Ruth ist es nicht anders. Während Ben auf kindlich unbeschwerte Art um den kleinen Bruder trauert, ist Ruth gefangen in einer tiefen depressiven Trauer, welche sie immer mehr und mehr hinunterzieht. Ben findet Ablenkung durch seinen Freund Christophe und erhält liebevolles Verständnis von einem großväterlichen Nachbarn. Ruth hingegen zieht sich zurück, ist allein mit ihrer Trauer, findet keinen Weg aus dieser schmerzlichen Schwärze. Bens Umgang mit seiner Trauer ist mitunter recht amüsant zu lesen, kindlich unbeschwert eben. Fernab von Handy, PC und Internet erlebt man mit ihm eine fast unbeschwerte Kindheit. Ruth täglicher Kampf mit sich ist bedrückend, sie zieht sich zurück, stellt Ben gegenüber eine Unbeschwertheit zu Tage, ganz der erwachsenen Meinung dem Kind ihre Trauer nicht zeigen zu dürfen. Die Abwertsspirale, welche sie umgibt, ist bedrückend greifbar. Ein hoch und tief der Gefühlswelt umgibt sie.
Der Titel passt gut zur Geschichte. Gott doch einfach faul gewesen sein. Für Ben steht das fest, denn wie sonst wäre es möglich, dass er Jonas in so jungen Jahren aus dem Leben gerissen hat. Für solche Gedanken muss man kein Atheist sein. Auch Menschen, die gläubig sind, und einen tragischen Todesfall durchleben wird es ähnlich in ihren Grübeleien ergehen.
Was hat das Coverbild mit dem Titel zu tun? Nun mit dem Titel direkt vielleicht nicht, doch die Rakete findet auch in der Geschichte ihren Platz.
Mein Fazit:
Ein tröstliches Buch der Trauer. Dem Autor ist der Umgang mit ihr und all den verschiedenen Facetten gut gelungen diese zu durchleuchten. Besonders Ben mit seiner kindlichen Art die Dinge zu sehen fand ich sehr tröstlich. Ben zeigt, dass man auch in der größten Trauer lachen und Freude am Leben haben darf. Ein schönes Debüt, dass man nicht in einem durchlesen kann, denn man hat immer mal wieder Momente in denen man verweilen und pausieren muss.
Mich hat das Debüt "Ein fauler Gott" von Stehan Lohse leider nicht ganz abholen können. Das sensible Thema des Romans ist zwar überwiegend in emotionalem Schreibstil erzählt und die Handlungen auch für mich meist gut nachvollziehbar aufbereitet, doch blieben Ben und seine Mutter Ruth mir durchweg irdendwie fremd. Einzig die Unterhaltungen zwischen Herrn Gäbler und dem Jungen machten für mich die zu transportierenden Gefühle greifbar.
Fazit: Ein nicht immer ganz einfacher Roman um Verlust, Trauer und das Leben, dessen Leitgedanke mich zwar rührte, jedoch trotzdem nicht so recht erreichen wollte.
Im Sommer 1972 ändert sich für Benjamin sein bisherig 11jähriges Leben. Sein kleiner Bruder Jonas verstirbt unerwartet. Benjamin und seine alleinerziehende Mutter versuchen trotz des Kummers und der Trauer ihr Leben weiterzuleben. Doch meistens gelingt es mehr schlecht als recht. Benjamin versucht für seine Mutter da zu sein und trotz seiner Entwicklung zu einem Teenager ihr das Leben lebenswert zu machen. Der Debütroman von Stephan Lohse besitzt eine sehr gefühlvolle Grundidee. Leider konnte ich mit dem ungewöhnlichen Schreibstil und der Umsetzung der Geschichte nicht allzu viel anfangen. Daher gibt es von mir nur eine mittelmässige Bewertung.
Sehr gut erzählte Entwicklungsgeschichte eines 11-13jährigen Jungen, der, wie seine Mutter um seinen kleinen Bruder trauert. Die Innenwelt des Jungen wie auch die Trauer der Mutter werden plausibel erschlossen. Für mich sehr erhellend: Viele Facetten meiner eigenen Kindheit in den 1960er Jahren konnte ich wiedererkennen und erinnern, so die Erfahrungen in der Kinderkurverschickung, das Eintauchen in die Welt von Karl May und vieles mehr.
Die Geschichte fing interessant und stark an (besonders mochte ich die Kapitel aus Sicht des Sohnes), es wurde dann aber ziemlich wirr und sprunghaft. Außerdem wird leider diskriminierende Sprache verwendet (u. a. das N-Wort). Wie kann es sein, dass ein in 2017 erschienenes Buch einfach so vom Verlag durchgewunken wird, wenn solche diskriminierenden Wörter enthalten sind? I don't get it.
Ein tolles Buch das trotz des traurigen Beginns nicht bedrückend ist. Lesenswert macht es Lohses tolle Prosa, seine Fähigkeit eine neue Sprache und neue Bilder für altbekannte Gefühle und Erlebnisse zu finden.
Wir haben das Jahr 1972, es ist Sommer. Benjamin ist 11 Jahre alt als sein kleiner Bruder Jonas plötzlich stirbt. Jonas war acht. Bens Mutter sitzt nachts auf ihrer Heizdecke und trauert um ihren verstorbenen Sohn, Ben bemüht sich, ein guter Sohn zu sein. Doch Bens Erinnerung an Jonas gerät schnell ins Vergessene, denn er ist damit beschäftigt zu leben.
»Wie sein Bruder jetzt heißt, weiß Ben nicht, die Seelen haben lateinische Namen.« (S. 7)
Stephan Lohse erzählt in seinem Debütroman „Ein fauler Gott“ eine rührselige Geschichte. Der Schreibstil ist dabei recht einfach, manchmal dachte ich, dass es eher an ein Kinderbuch erinnert, aber das Buch hat keine Thematik, die sich dafür eignet. Dennoch gibt es immer wieder Sätze, die mich begeistert haben. Im Grunde ist der Schreibstil auch sehr passend, denn es wir meistens aus der Sicht des 11-jährigen Bens geschrieben, was teilweise schon recht komisch ist, aber dennoch auch emotional. Gerade den Beginn der Geschichte fand ich sehr traurig, sehr emotional, wie Ben erzählt, was passiert. Aber nicht aus Bens Sicht bekommen wir die Geschichte erzählt, auch aus Ruths Sicht, der Mutter von Ben, gibt es immer mal wieder Einstreuungen, womit wir auch ein wenig von der Mutter und ihrer Gefühlswelt, in dem Falle rechter Hilflosigkeit erfahren. Wir erleben, wie Ben in den 1970ern sein Leben weiterlebt, wie er von seinen Freundschaften profitiert und Halt findet, und Hilfe bei anderen sucht, um sein Leid, sein Kummer zu verstehen. Und intuitiv schafft es Ben auch, seiner Mutter zu helfen, denn dass sie dringend Hilfe braucht, ist klar. Sehr gut dargestellt fand ich auch die Gedankengänge von Ben, die wie eines Kindes manchmal ein wenig abdriften, oder uns als Erwachsenen vielleicht seltsam erscheinen, aber wenn man darüber nachdenkt, sicher nicht ganz fremd. Manche von seinen Gedankengängen haben mich doch sehr berührt, andere waren allerdings sehr ausschweifend, beinahe mühsam zu folgen. Weniger wäre hier wohl mehr gewesen.
»Den eigenen Tod sterben wir, den Tod unserer Kinder müssen wir leben.« (S. 102)
Alles in allem ein doch unterhaltsames Buch, dass ich gerne weiterempfehle. Aufgrund der Thematik vielleicht nicht für jeden geeignet, an manchen Stellen ist es doch traurig, andere sind dann doch wieder amüsant.
Jonas ist gestorben, er wurde nur acht Jahre alt – jetzt ist sein Bruder Ben, 11, ein Einzelkind. Aus der kindlichen Sicht von Ben im Wechsel mit der von seiner Mutter Ruth beschreibt Autor Stephan Lohse das Leben danach, erlaubt aber auch durch eingestreute Rückblicke Einblicke in das Leben davor. Das ist nicht „noch so ein Buch über einen Sterbenden oder Todkranken“, es geht vielmehr darum, wie die „Überlebenden“ mit einem eher plötzlichen und völlig unerwarteten Tod umgehen. Die Handlung ist in den 70ern angesiedelt, mit Rex Gildo und Grastapete, Mark Spitz und Cordsamt.
Der Leser wechselt zwischen der Perspektive von Ruth und Ben, stets in der dritten Person. Ben sieht vieles noch sehr kindlich – trifft aber damit mich persönlich wesentlich unmittelbarer, weil viele der für ihn verwendeten Bilder so zielsicher Emotionalität vermitteln: „Der Platz hinter seiner Nase ist durchs Weinen gewachsen und stößt von innen gegen seine Augen. Eigentlich müsste er aufstehen. Doch er traut sich nicht. Gestern ist sein Bruder gestorben.“ S. 7 Der Autor findet wiederkehrende Bilder für Bens Verzweiflung, sein Erstarren, wie das Wachs im Körper oder Bens „innere Regale“, die in Unordnung geraten. Mutter Ruth muss sich neben dem schlimmsten, das Eltern widerfahren kann, mit den Anforderungen für das Weiter-Leben auseinandersetzen, dabei wird sie nicht von den Plattitüden ihrer Umwelt verschont: „Den eigenen Tod sterben wir, den unserer Kinder müssen wir leben“ S. 102
Der Debütroman ist mit sprachlich schönen Bildern geschrieben, wechselt gekonnt zwischen den Sichten der Erwachsenen und des Kindes und ist in der Lage, aus beiden Blickwinkeln Bedeutung auch zwischen den Zeilen zu transportieren, beispielsweise zur Rolle des Vaters Hans in den Erinnerungen der Mutter: „Während sie erst Ben, später Jonas fütterte, wickelte und badete, wartete Hans darauf, dass die Kinder sprechen lernten. Sobald sie es konnten, unterwies er sie darin, einen Bissen fünfzehn Mal zu kauen, die Schönheit eines herbstlich verfärbten Blattes zu würdigen oder dem Gesang eines Dompfaffs zu lauschen.“ S. 147 Der Autor setzt hier nicht nur auf Tragik, zu sehr geht gerade für den Jungen am Rande der einsetzenden Pubertät das Leben weiter, dadurch wirken die Komik und Tragikomik aus vielen der kindlichen Betrachtungen auf mich jedoch noch stärker: so reagiert der Vater von Bens bestem Freund auf seine Verkleidung als Mexikaner in Bens Wahrnehmung mit so etwas wie „Viva Zahnpasta“ S. 108 oder es wird beim Brand während Bens Kur-Aufenthalt von den erwachsenen Betreuerinnen, den „Tanten“, eher sinnlos agiert: "Tante Regine rettet eine Sahnetorte." S. 170.
Durch das beschriebene Wechselspiel hatte das Buch auf mich eine sehr berührende Wirkung – ging mir aber schlicht teils so nah, dass ich oft Pausen setzen musste. Da ich das Buch in einer Leserunde gelesen habe, war es interessant, die Reaktionen anderer hierzu zu beobachten; ich vermute, dass – unabhängig vom Alter der Lesenden – die Nachvollziehbarkeit der oft eher absurden Reaktionen auf den Tod sowohl von Betroffenen als auch der Umwelt eher dort gegeben ist, wo eigene Erfahrungen bestehen. Das ist nicht wertend gemeint, eher als Hinweis für oder gegen die Lektüre (ich empfehle die Leseprobe); ich fühlte mich bereichert, auch und vielleicht gerade weil mir einiges fast ZU nah ging, und das, ohne dass es bei mir um ein Kind ging. Vermutlich muss ich hier jedoch DIE Warnung aussprechen, die ich sonst bei Krimis und Thrillern mache: dieses Buch könnte empfindsame Personen eventuell überfordern (und sollte dann eher „später“ gelesen werden).
Dabei ist gerade die Mutter zu Beginn sehr einfühlsam bei der Vermittlung des Unfassbaren an Ben „Dass sie glaubt, dass Gott nach Hilfe gesucht und sich für Jonas entschieden hat.“ S. 8 Der Titel ist vielleicht etwas unglücklich gewählt, da er hier die kindliche Reaktion Bens auf das Handeln Gottes widerspiegelt, jedoch dabei gläubige Leser eher verstören könnte, völlig unnötigerweise.
Eine Schwäche mag sein, dass Lesern, die nicht die Bundesrepublik der 70er Jahre erlebt haben, einige Bilder und Referenzen fremd bleiben dürften; ich habe mit Vergnügen die Bücher im Schuhgeschäft mit dem Wappentier des Firmengründers als Lurchis Abenteuer erkannt oder das Lied des Hundes über die Miezekatze https://www.youtube.com/watch?v=yW0gC... Von mir 6 Punkte von 5.
Folgebuch: den plötzlichen und unerwarteten Verlust, jedoch nicht den eines Kindes, sondern seiner Lebensgefährtin beschreibt Tom Malmpquist im gleichermaßen aktuellen „In jedem Augenblick unseres Lebens“. Da es sich hier um eine autobiographische Geschichte handelt (im Gegensatz zu „Ein fauler Gott“), sei hier erlaubt, zu verraten, dass mit dem Tod hier der (erfolgreiche) Not-Kaiserschnitt der gemeinsamen Tochter einher geht. Daraus erklärt sich die Motivation dieses Buches, in diesem Zusammenhang wählt der Autor dort eine völlig andere Textform und wirkt vor allem in der Darstellung von Emotionen völlig anders als speziell der Ben in der fiktiven Geschichte.