Ein nur kurzes Vergnügen, aber eines voller Geist, also ein geistvolles Vergnügen! Roger Willemsen versucht die Perspektive des Künftigen einzunehmen und sieht im "Heute" nur Transitorisches: "Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden. Voller Informationen, aber ohne Erkenntnis. Randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten." - Dem ist nichts hinzuzufügen. Oder wenn doch, dann vielleicht ein Satz, wie ich ihn so ähnlich meinen Schülern, ihres totalen Desinteresses an Hausaufgaben im Fach "Deutsche Geschichte" wegen, ins Stammbuch schrieb: Wer keine eigenen (authentischen) Erfahrungen mehr machen kann, denn dass man das nicht mehr kann ist kulturkritisch gesehen ein alter Hut seit Heine beim Aufstieg auf den Harz statt den Sonnenaufgang zu genießen daran dachte, wie Goethe ihn genossen (und beschrieben) hat, ein Umstand, den die heutige Mediengesellschaft mit ihrem Reich der schönen Bilder (schöner als jedes Erlebnis!) noch potenziert hat, jedenfalls, wer außer einer All- Inclusive- Reise auf dem Traumschiff keine Erfahrungen mehr hat und doch erkennen will, was Mensch sein bedeuten könnte, der soll die MINT- Fächer lernen, aber Literatur und Geschichte studieren! So könnte man sich beispielsweise in den Zeiten von Corona mit Albert Camus ("Die Pest") befassen, um zu verstehen: Es war nie anders und wir waren auch nie anders. Irgendwann wird jemand auf unsere Zeit schauen und verstehen, dass er in der Zukunft lebt, die unsere Zukunft war, als wir versuchten zu verstehen, warum die Natur, gestern noch schön, bald nur noch virtuell existieren wird. Wie die Liebe, wie das Reisen, wie das Leben... Schade, dass Willemsen, der sich hier als großer Philosoph erweist, das geplante Buch nicht schreiben konnte. Aber das Fragment, das auf einer Rede (im Zusammenhang mit Heine!) basiert, ist bedenkenswert genug, um Danke zu sagen. Welch großer kleiner Text!