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Wer wir waren

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Roger Willemsens letztes Buch sollte 'Wer wir waren' heißen. Es sollte die Versäumnisse der Gegenwart aus der Perspektive derjenigen erzählen, die nach uns leben werden. Dieses Buch werden wir nie lesen können. Umso stärker wirkt eine Rede, die Roger Willemsen noch im Juli 2015 gehalten hat: Sie ist nicht nur das melancholische Resümee und die scharfe Analyse eines außergewöhnlichen Zeitgenossen, sondern zugleich das leidenschaftliche Plädoyer für eine "Abspaltung aus der Rasanz der Zeit". Sie ist ein Aufruf an die nächste Generation, sich nicht einverstanden zu erklären.
Roger Willemsen hat diese Rede am 24. Juli 2015 gehalten. Es war sein letzter öffentlicher Auftritt.

"Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten."
Roger Willemsen

64 pages, Hardcover

First published January 1, 2016

18 people are currently reading
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About the author

Roger Willemsen

89 books66 followers
Roger Willemsen was a German author, journalist, TV presenter, and public intellectual.

He studied German philology (Germanistik), philosophy and history of art in Bonn, Munich and Vienna and was awarded a scholarship by the Evangelisches Studienwerk. He did his postgraduate studies on Robert Musil and received his PhD.

Willemsen started his TV career in 1991 as head interviewer at "0137", a daily talkshow and signature programme at newly founded German pay-TV Premiere. He performed about 1.000 interviews, including some with imprisoned members of the Red Army Faction, a fugitive bank robber, a leftover cosmonaut in space station MIR and a cannibal. He also interviewed Audrey Hepburn, Jesse Jackson, Yasser Arafat, Lech Wałęsa, Dame Edna Everage and Madonna. Driven by Willemsen, the show won numerous prestigious awards. Willemsen was praised for his intellect, charm and wit. 1994 Willemsen got his own show "Willemsens Woche" on public broadcaster ZDF. In 2006 he ended his career in mass-TV.

In 1999, he interviewed one of the most famous German musicians, Herbert Grönemeyer, for Stern magazine after Grönemeyer's wife Anna had died of cancer. Willemsen wrote newspaper columns in Zeit Magazin and Die Woche. He authored about 50 books, many of them inspired by travelling such as "Die Enden der Welt" (The Ends of the Earth). His last bestseller, published in 2014, is "Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament", reflecting on a year sitting in meetings of the German parliament Bundestag.

He died of cancer on 7 February 2016, aged 60.

(Source: Wikipedia)

Picture credits:
This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license by blu-news.org (Roger Willemsen) [CC BY-SA 2.0], via Wikimedia Commons. See Wikimedia page here.

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Displaying 1 - 30 of 41 reviews
Profile Image for Semjon.
767 reviews504 followers
September 27, 2022
Es gibt kaum einen Menschen des öffentlichen Lebens, den ich so sehr vermisse, wie Roger Willemsen. Sein früher Tod ist einfach ein großer Verlust für die Menschheit. Für mich ist er der Inbegriff des Intellektuellen, ein Mensch, der scheinbar in allen Bereichen bewandert war, von Musik bis zur Philosophie. Der aber nicht nur Wissen anhäufte, um sie billig der Öffentlichkeit in Büchern oder Talkshows wiederzugeben, sondern der seine Erkenntnisse aus dem Wissen zog, vernetzt dachte, eloquent formulierte, immer an den Menschen dachte, ein Freund des Menschen war (auch wenn er sehr bissig austeilen konnte) und dabei immer fröhlich schien, das Leben offensichtlich liebte.

Und das hier sind seine letzten Worte, eine Rede, in der man sich jeden Satz auf der Zunge zergehen lassen kann. Eine Rede, die mich sehr bewegte und mich selbst hinterfragen ließ, wer ich war und sein sein will und am Ende meiner Tage gewesen sein wollte.

“Unsere Existenzform ist die Rasanz. Das ist das Therapeutische am Leben im Medium des Smartphones. Wir erwachen im Goldenen Zeitalter der Ruhelosen und werden sagen können: Wenn wir in den Städten auf die Straße traten, hatte der Kampf um unsere Aufmerksamkeit schon eingesetzt. Die Fassaden schrien uns an, die Nackten umgarnten uns in den Auslagen, immer gab es etwas Hingeräkeltes, Schmeichlerisches, das uns besser gefallen wollte als alles sonst auf der Welt. Alles Großaufnahme, alles äußerste Steigerungsform, und wir dazwischen, die umkämpften Abgekämpften. Dass wir nicht mehr können, erliegen, dass wir unrettbar sind, in der Kapitulation leben, das sagten wir nicht, wir fühlten es bloß, und es gab Waren dagegen, käufliche Stimmungen und Versprechen. Der Mensch für sich, er hat sein Recht verwirkt, es auch draußen zu sein. Die Außenwelt betritt er nur unter Verzicht auf dieses aufgeriebene, kaum mehr souveräne Ich.”
Profile Image for leynes.
1,322 reviews3,711 followers
September 20, 2024
Roger Willemsen (1955-2016) sollte den meisten Deutschen ein Begriff sein. Ich war noch zu jung, um ihn in der Blüte seines Schaffens im Fernsehen zu verfolgen, habe mir aber einige seiner Auftritte (vor allem im Literaturclub) als Erwachsene dann doch angeschaut, und was soll ich sagen? Man muss ihn einfach mögen. Mir war gar nicht klar, dass er auch selbst Schriftsteller war. Umso überraschter war ich, als ich dieses schmale Büchlein im Bücherschrank meines Sportvereins vorfand. Hab's natürlich sofort mitgenommen und noch am gleichen Abend gelesen.
»Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten.«
Roger Willemsen hatte vor seinem Tod an einem neuen Buch gearbeitet. Es sollte ›Wer wir waren‹ heißen und unsere Gegenwart betrachten – aus der Zukunft. Als Willemsen im Sommer 2015 jedoch krank wurde, stellte er die Arbeit an diesem Buch ein.

Die zentralen Gedanken des Buches stecken aber in seiner "Zukunftsrede", die zu seinem letzten öffentlichen Auftritt wurde. Diese Rede wurde nun im Fischerverlag unter dem Titel Wer wir waren veröffentlicht.

Mir war die Rede insgesamt etwas zu pessimistisch. Willemsen resümiert, dass alles immer schlechter wird; die Menschen seien zu rückwärtsgewandt und scheren sich nicht um die Zukunft (der Menschheit, des Planeten), Handys und Displays seien zu Modulen unserer "ausgelagerten Intelligenz" geworden; wir opfern das Soziale dem Virtuellen und würden zu "Second-Screen-Menschen", denen der eine Bildschirm nicht mehr reiche. Mag ja alles stimmen, aber mir bleibt da die Frage: "Und nu?"

Es ist ja nicht wirklich neu, was Willemsen hier anklagt. Wir alle wissen, was die Probleme unserer Zeit sind. Ich will ihm zugute halten, dass er Eliot (absolute ICON that he was) gekonnt zitiert: "Where is the wisdom we lost in knowledge? Where is the knowledge we lost in information?" Wir häufen Informationen an, handeln aber nicht. Aus all den Fakten ist keine Praxis entsprungen, die auf der Höhe der drohenden Zukunft wäre. Ich denke, das ist den meisten von uns klar. Die Rede hat nicht den aufrüttelnden Charakter, den sie vielleicht gerne gehabt hätte. Natürlich kann ich nicht beurteilen, wie diese Rede 2015 auf ihr Publikum gewirkt hat, mir scheint aber, dass die angesprochenen Themen und Probleme schon damals ausreichend erkannt und diskutiert wurden.

Was mir zudem sehr sauer aufgestoßen ist, ist, dass Willemsen bemängelt, dass wir zu empfindlich geworden seien und nun über Sprachregelungen Worte wie das N-Wort und Z-Wort (natürlich ausgeschrieben im Text, natürlich als "Zitat" – verarschen kann ich mich selber) zum Tabu erklären. Old white men never cease to amaze me.
Profile Image for Charlotte.
141 reviews27 followers
August 23, 2018
Wow! Habe es glaube ich in einer Stunde wie gebannt durchgelesen mit ab und zu innehalten, markieren und überlegendem vor mich hin starren. Ein sehr starkes Werk, willemsens Vermächtnis und verlängerte Version seiner letzten öffentlichen Rede. Das Buch hält der Menschheit und dem ignoranten Laufenlassen unserer Zeit den Spiegel vor, ist unglaublich pessimistisch und melancholisch aber birgt auch Hoffnung. Ich bin begeistert, es regt zum nachdenken an, trifft oft die perfekten Worte und identifiziert Phänomene, derer man sich vielleicht nicht bewusst war, dann aber kopfschüttelnd wahrnimmt. Sollte jeder lesen.
Profile Image for Frank.
594 reviews124 followers
March 19, 2020
Ein nur kurzes Vergnügen, aber eines voller Geist, also ein geistvolles Vergnügen! Roger Willemsen versucht die Perspektive des Künftigen einzunehmen und sieht im "Heute" nur Transitorisches: "Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden. Voller Informationen, aber ohne Erkenntnis. Randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten." - Dem ist nichts hinzuzufügen. Oder wenn doch, dann vielleicht ein Satz, wie ich ihn so ähnlich meinen Schülern, ihres totalen Desinteresses an Hausaufgaben im Fach "Deutsche Geschichte" wegen, ins Stammbuch schrieb: Wer keine eigenen (authentischen) Erfahrungen mehr machen kann, denn dass man das nicht mehr kann ist kulturkritisch gesehen ein alter Hut seit Heine beim Aufstieg auf den Harz statt den Sonnenaufgang zu genießen daran dachte, wie Goethe ihn genossen (und beschrieben) hat, ein Umstand, den die heutige Mediengesellschaft mit ihrem Reich der schönen Bilder (schöner als jedes Erlebnis!) noch potenziert hat, jedenfalls, wer außer einer All- Inclusive- Reise auf dem Traumschiff keine Erfahrungen mehr hat und doch erkennen will, was Mensch sein bedeuten könnte, der soll die MINT- Fächer lernen, aber Literatur und Geschichte studieren! So könnte man sich beispielsweise in den Zeiten von Corona mit Albert Camus ("Die Pest") befassen, um zu verstehen: Es war nie anders und wir waren auch nie anders. Irgendwann wird jemand auf unsere Zeit schauen und verstehen, dass er in der Zukunft lebt, die unsere Zukunft war, als wir versuchten zu verstehen, warum die Natur, gestern noch schön, bald nur noch virtuell existieren wird. Wie die Liebe, wie das Reisen, wie das Leben... Schade, dass Willemsen, der sich hier als großer Philosoph erweist, das geplante Buch nicht schreiben konnte. Aber das Fragment, das auf einer Rede (im Zusammenhang mit Heine!) basiert, ist bedenkenswert genug, um Danke zu sagen. Welch großer kleiner Text!
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,053 followers
April 9, 2017
"We are those who disappeared." "We lived as the person who stops at the door and turns around in order to say something, but does not have anything more to say."

Roger Willemsen knew that he would not be able to finish the book he had planned to name "Who we were" when he was diagnosed with cancer. Instead, he turned the manuscript into a speech that he held at his last public apperance in July 2015 and that was now published under the title Willemsen had chosen for the book. In this text, Willemsen looks back at our time from an imagined post-apocalyptic future and, from this viewpoint, hopes for a better past.

What is consciousness, what is time, and what do we do with it? Willemsen mourns how easily we allow ourselves to get distracted and be numbed. Life passes us by and what we value disappears while we fuss about trivialities. It is strange to know that when Willemsen started to write about the end of humanity and how those coming after us would think about us, he did not know that he would die soon.

Willemsen passed away in 2016 at age 60. What a loss for all of us.
Profile Image for Kiki.
15 reviews
December 1, 2016
Ich finde es immer wieder großartig wie Willemsen in seinen Büchern mit Worten spielt, oder gespielt hat. Die deutsche Sprache entfaltet sich unter seiner Feder und es ist einfach wundervoll sich darin zu versenken. Zusätzlich fasziniert es mich, mit welch analytischem und offenem Blick er die Welt und unsere Gesellschaft beobachtete. Ich finde das Buch mit 12€ leider etwas teuer für 60Seiten seiner Zukunftsrede, aber es ist ein schöner Erinnerungsruf daran, dass wir den Wecker nicht hören wollen.
Profile Image for Anna Cresswell.
46 reviews2 followers
November 1, 2018
Ich bin wie erschlagen nachdem ich dieses Buch in einem Rutsch gelesen habe. Das Buch reflektiert die Bedeutung des Lebens im 21. Jahrhundert - das Gefühl der Flüchtigkeit, das uns inzwischen bei fast allem begegnet und auch das Gefühl, verloren zu sein in einer informationsüberfluteten Welt ohne Privatsphäre. "Wer Wir Waren" ist in Buch, das mehrfach gelesen werden muss, weil jeder Satz so wertvoll ist und eines, das einen zum Weiterdenken verleitet.
267 reviews3 followers
March 18, 2017
Viele gute und im Wortsinne "nach-denkens"-werte Gedanken, die es lohnen wird, noch ein weiteres Mal zu lesen und zu reflektieren. Dieses Buch liest sich nur vermeintlich in einer guten Stunde. Es sollte in vielen guten Stunden immer und immer wieder zur Hand genommen werden - dann können es sicherlich auch im qualitativen Sinne sehr gute Stunden werden.

Bedauerlich nur, daß wir nie erfahren werden, wie das eigentlich geplante Buch "Wer wir waren" ausformuliert worden wäre - vielleicht hätte Roger Willemsen ja außer einer melancholischen (und sehr präzisen) Bestandsaufnahme auch den einen oder anderen Vorschlag für eine optimistisch stimmende Handlungsanweisung gehabt.
Profile Image for Jonas S..
25 reviews1 follower
October 29, 2025
"Wir waren jene, die wussten aber nicht verstanden, die begriffen, aber sich nicht vergegenwärtigen konnten, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, nicht aufgehalten von uns selbst."

Ein Buch über uns, die Menschen – diejenigen, die wir gewesen sein werden. Ein nachdenklicher Blick auf unsere Gegenwart, in dem viel Traurigkeit, aber auch Hoffnung liegt. Es ist unendlich schade, dass Willemsen nicht mehr dazu gekommen ist, diesen Text fertig zu stellen. Mehr denn je braucht es seine kluge Gegenwartsdiagnostik im Futur II.
Profile Image for Shirley.
206 reviews3 followers
December 13, 2016
Eine nachdenkliche, kritisch-philosophische Rede, die sich mit dem Zustand des Menschseins in einer immer schneller-drehenden Welt auseinandersetzt, und ein leidenschaftlicher Appell an uns, bewusster zu leben, zu handeln und zu gehen.
Profile Image for Alicia.
171 reviews13 followers
March 31, 2017
I always had this calming thought that people from the middle ages never even could have imagined all the things we invented and created today and that the future is going to be something equally as utopian and unimaginable. Willemsen took this thought and put a big question mark behind it.

"Nur Zeiten, die vieles zu wünschen übriglassen, sind auch stark im Visionären. Diese unsrige Zeit ist es nicht, deshalb befindet sich du Zukunft auch eher im Stillstand und wird einstweiligen weniger imaginiert als vielmehr organisiert und kontrolliert."
Profile Image for Julia.
271 reviews54 followers
October 3, 2018
Kurz, präzise und poetisch wirft Willemsen in Wer wir waren, seinem letzten (und unvollendeten) Werk, einen kritischen Blick auf die (westliche) Gesellschaft, derer Teil wir alle sind, liefert wertvolle Denkansätze und Anregungen zur Auseinandersetzung, ohne dabei den moralischen Zeigefinger hochzuhalten. War phasenweise aufgrund der Dichtheit doch eher anspruchsvoll, am Ende ist es das aber wert.
Profile Image for Miss Canthus.
224 reviews2 followers
July 14, 2019
Habe das Buch in einer Stunde durchgelesen, aber es wird mich noch lange begleiten. Bewegend, melancholisch, inspirierend.
11 reviews
January 6, 2026
Immer wieder angefangen und irgendwann geschafft ganz zu lesen.
Vielleicht weil er es geschafft hat Offensichtliches in Sätze zu packen, die ich erst dreimal lesen musste um sie zu verstehen.
Recht hat er ja und nicht mal 10 Jahr später wurden seine Beobachtungen ins Extreme entwickelt. TikTok hätte er bestimmt geliebt.
Deshalb auch oft den Moment gehabt, den Finger aufzuzeigen um zu rufen, „Das kenn ich!“, „Das ist nichts Neues!“, „Moralapostel!“, „Demokrat!“.

So lässt er mich doch mit etwas Unruhe zurück und ich hätte ihn gerne gefragt:

Wer ist eigentlich dieses "Wir" von dem er spricht?
Und viel wichtiger Warum?
Warum gibt es das Leid über das er schreibt?
Warum leben wir in einer Aufmerksamkeits-Ökonomie?
Warum wissen "wir" so viel, aber tun so wenig?
Warum sind wir entfremdet von unserer Arbeit?
Das kann er uns leider nicht mehr sagen, aber das ist auch nicht schlimm. Die Antwort kennen wir schließlich schon seit über 150 Jahren ;)

Danke für das Buch!
Hat Spaß gemacht zu lesen.

LG GG
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Alex.
25 reviews27 followers
June 29, 2020
Rogers Schreibstil ist so angenehm anspruchsvoll und gleichzeitig authentisch. Ein intellektueller Streuner, der auch nicht vor "gemeiner" Lebensrealität zurückschreckte, sondern Kultur und Gesellschaft mit all ihren (teilweise auch nicht so appetitlichen) Aspekten ohne Vorurteile erleben und wertschätzen wollte. In "Wer wir waren" skizziert er eine futuristische Retrospektive, beschäftigt sich mit der Frage, wer wir in Zeiten des Kommerz, der Digitalisierung, der globalkollektiv-konformen Individualisierung gewesen sein werden:

"Wir erwachen im Goldenen Zeitalter der Ruhelosen und werden sagen können: Wenn wir in den Städten auf die Straße traten, hatte der Kampf um unsere Aufmerksamkeit schon eingesetzt. Die Fassaden schrien uns an, die Nackten umgarnten uns in den Auslagen, immer gab es etwas Hingeräkeltes, Schmeichlerisches, das uns besser gefallen wollte als alles sonst auf der Welt. Alles Großaufnahme, alles äußerste Steigerungsform, und wir dazwischen, die umkämpften Abgekämpften. Dass wir nicht mehr können, erliegen, dass wir unrettbar sind, in der Kapitulation leben, das sagten wir nicht, wir fühlten es bloß, und es gab Waren dagegen, käufliche Stimmungen und Versprechen. Der Mensch für sich, er hat sein Recht verwirkt, es auch draußen zu sein. Die Außenwelt betritt er nur unter Verzicht auf dieses aufgeriebene, kaum mehr souveräne Ich."
Profile Image for Daniela.
470 reviews39 followers
May 14, 2017
Wow! Bin ganz überwältigt von diesem Buch! So klar und durchdacht formulierte Gedanken zum Zustand unserer Gesellschaft sind selten. Man spürt in jeder Zeile, wie gebildet und belesen der Autor ist (leider viel zu früh verstorben!). Beinah auf jeder Seite sind Sätze, die man sich am liebsten aufschreiben und irgendwo aufhängen will. Ein Buch, das zum Nachdenken darüber anregt, wer wir sind und wie wir leben.
Ein Buch, das ich wohl immer und immer wieder lesen werde!!!
Profile Image for Martin Jost.
151 reviews3 followers
July 6, 2021
Eine posthum als Essay veröffentlichte Rede. Die Redefigur ist ein Brief aus der Zukunft, in dem Willemsen auf unsere heutige Gegenwart zurückblickt. Wir können nicht sagen, dass ihm dieser Text unbedingt schmeichelt, in dem er zuweilen als sarkastischer Grantler rüberkommt.

Übrigens für unsere Biografie ein Meilenstein: Das erste Buch, das wir uns aus Versehen zweimal gekauft haben, weil wir keinen guten Überblick über unser eBook-Regal haben.
Profile Image for Jui.
3 reviews
January 24, 2022
Leider ist das Buch nur das zusammengefasste Manuskript der letzten Reden die Willemsen hielt. Ich weiß nicht ob ich der Rede, hätte ich sie live miterlebt, folgen könnte. Zu fasziniert war ich zwischendurch von seiner Sprache und zu oft hab ich mich dabei ertappt, über seine glasklare Analyse unseres Lebensstils nachzudenken. Man kann sich nur vorstellen, was für eine weitsichtiges Meisterwerk es geworden wäre, hätte er das Buch noch geschrieben.
Profile Image for Nora.
100 reviews2 followers
May 13, 2020
2,5 Sterne.
Semi-interessante Einsicht in Boomer-Gedanken in dieser letzten Rede Willemsens, die hier in Buchform erscheint.

'Wir' können uns keine Zukunft mehr vorstellen, moderne Medien verhindern es, dass wir im Moment leben oder tiefe Gedankengänge hegen/zu Ende denken. Es gibt keine Utopien mehr und no future.

Punkte für Eloquenz.
Für Zeit-Leser.
Profile Image for amsel.
400 reviews8 followers
September 8, 2023
Hat mich irgendwie nicht abgeholt...vielleicht muss ich es nochmal lesen, wenn ich mich mehr darauf einlassen kann (würde es aber tatsächlich lieber als Rede hören).
Profile Image for Agris Fakingsons.
Author 5 books153 followers
September 24, 2024
..noklausīties vienu autora darbu, ņēmos klausīties vēl kādu. izvēle krita uz šo – Kas mēs bijām. nebiju ieskatīties, ka tas ir tikai stāsts. to iemīlēju jau no pirmajiem teikumiem, bet tad tas drīz vien beidzās. pat nepiefiksēju, kā. :) bet iesākumā tika runāts par cilvēka pirmsākumiem un vēlāk – minēti vairāki fakti par izgudrotājam lietām, par kuru nākotni pat paši izgudrotāji nebija augstās domās. piemēram, par to, ka mašīnas nebūs pārāk vajadzīgas, ka lidmašīnas un zemūdenes karam nebūs pielietojamas, ka datoru mājās lietos labi, ja kādi 4 cilvēki uz pasaules utt. bija amizanti.
32 reviews
October 1, 2024
7/10

Roger Willemsen understands how to write in a nostalgic, yet very involving way. He has a clear opinion which he states metaphorically, but clearly (ergo, his argumentation is quite one-sided, but that is okay given the shortness of the speech). His speech is very insistent and I had fun reading a speech that I agree with mostly, but not completely, escaping my filter bubble for at least a bit. What annoyed me, was the fact that I felt like Willemsen tried to sound as educated as possible by using very, sometimes unnecessarily elaborated lingo. Very interesting overall!
Profile Image for Esther.
144 reviews3 followers
Read
July 8, 2022
A tiny philosophical book I found in a train station bookstore. I have rarely had the chance to read contemporary philosophical thoughts. Roger Willemsen takes us into the trends of society by eloquently diving you into his thoughts and musings. It was a really great read. Unfortunately, he did not live to finish this work but what he put together here is really powerful.
Profile Image for Pat.
111 reviews23 followers
March 5, 2017
"Wir waren jene, die wussten, aber nicht verstanden, voller Informationen, aber ohne Erkenntnis, randvoll mit Wissen, aber mager an Erfahrung. So gingen wir, von uns selbst nicht aufgehalten."

Tolles "Buch", welches ich sicherlich nochmal lesen werde.
Profile Image for Alexandra.
31 reviews7 followers
December 7, 2018
Ein ganz wundervolles und kluges Buch. Ich werde es allerdings noch ein paar Mal lesen müssen, um alle Aspekte in ihrer Gänze zu begreifen.
Profile Image for Anne.
Author 5 books14 followers
April 5, 2019
Kurz aber nett. Einige Passagen waren inhaltlich wirklich gut.
37 reviews
November 27, 2019
Pheew.. ok, but not mine. Heavy going.. should probably re-read though.
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