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Der "Held des Antifaschismus" genoss fortan die besondere Gunst Stalins. 1935 stieg Dimitroff an die Spitze der Kommunistischen Internationalen auf. Diese, 1919 von Lenin gegründete Organisation, diente dem Kreml als "Führungsstab der Weltrevolution". Sie steuerte die kommunistischen Parteien und "Massenorganisationen" in Europa, Asien und Amerika, kontrollierte deren Mitglieder, und verfügte über einen geheimen militärischen Apparat, der in mehrere bewaffnete Aufstände verwickelt war.
Vom 09. März 1933, dem Tag seiner Verhaftung in Berlin, bis kurz vor seinem Tode im Juli 1949 führte Dimitroff Tagebuch. Im Laufe der Jahre ändert sich der Stil seiner Eintragungen. Enthalten sie zunächst auch noch Persönliches, so wandeln sich die Tagebücher in den Jahren 1936/1937 immer stärker zu einem exakten Terminkalender und politischen Protokoll. Gegen Ende der 30er-Jahre wird zudem das Bedürfnis spürbar, sich "abzusichern". Für den Leser ist das durchaus von Vorteil, denn die Aufzeichnungen offenbaren einige Facetten stalinistischer Herrschaft, die der Öffentlichkeit bislang verborgen geblieben sind.
Dimitroffs Tagebücher erweisen sich damit als ein zeitgeschichtliches Dokument aller erster Güte und eine unschätzbare Quelle für die historische Forschung. Ihr besonderer Wert liegt in den mitunter wörtlich wiedergegebenen Äußerungen Stalins und anderer Sowjet-Führer sowie in einer Fülle von Details zu den "verdeckten" Aktivitäten der Komintern und ihrer engen Verflechtung mit den sowjetischen Geheimdiensten. Zugleich enthüllen sie Dimitroffs tiefe Verstrickung in den großen Terror und die blutigen Säuberungen unter den Emigraten, aber auch seine Rolle als Organisator des bewaffneten kommunistischen Widerstands im Zweiten Weltkrieg. --Stephan Fingerle
773 pages, Hardcover
First published January 1, 1997