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Lärm und Wälder

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Gated Communitys, Prepper und freikirchliche Prediger. Ein schwindelerregender Roman über die Zukunft, in der wir längst leben.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Nordelta wurden erhöht. Reiterstaffeln patrouillieren durch die Straßen, die Wachmänner tragen letale Waffen. Seit zehn Jahren wohnt Pelusa mit ihrer Familie in der Gated Community nördlich von Buenos Aires. Nach ihrer Zeit in den Anden genießt sie das sichere Zusammenleben mit den freundlichen Nachbarn. Doch als gewaltsame Unruhen Nordelta zu erreichen drohen, entwickelt sich unter den Bewohnern ein Klima der Angst. Während Pelusas Mann Hector vom Bau unterirdischer Bunker träumt, hat ihr Sohn Henny längst Pläne für eine Mondbasis zur Rettung der Menschheit entworfen. In seinem Debütroman beschreibt Juan S. Guse eine Gesellschaft in Alarmbereitschaft und erzählt von Orten der Leere und Hysterie, in denen die Lebensentwürfe seiner Figuren zu scheitern drohen.

320 pages, Hardcover

First published July 23, 2015

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Juan S. Guse

4 books17 followers

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Community Reviews

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Buchdoktor.
2,399 reviews193 followers
July 23, 2015
Ein nicht verschlossenes Garagentor wird in Nordelta, der Gated Community nördlich von Buenos Aires, als Unruheherd betrachtet. Der Sicherheitsdienst des straff organisierten Nobelviertels wird den Verursacher ermahnen. In Nordelta lebt Hector mit seiner Frau Pelusa und zwei Söhnen. Der Klimawandel hat die Natur merkbar verändert, größere Wasserflächen bieten mehr Fischen Lebensraum, der Fischbestand kann mehr Vögel als zuvor ernähren. In den oberen Stockwerken mancher Hochhäuser von Buenos Aires nisten bereits Papageien, nachdem die Bewohner die Stadt verlassen haben. Pelusa und einer der Jungen tragen sichtbare Narben eines Lebens außerhalb der Mauern. Sonderbar wirkt auf den unbeteiligten Leser allein, warum man sich in Nordelta sicherer fühlen sollte als anderswo, wenn Hector, wie alle Berufstätigen, auf dem Weg zur Arbeit Stadtviertel durchqueren muss, in denen Überfälle, Plünderungen und Polizistenmorde an der Tagesordnung sind. Auch Anita, das Hausmädchen, kommt täglich von „draußen“ und hofft, das Militär würde endlich für Ordnung sorgen. Ohne seinen Freund und Informanten Alvaro, der Auslöser des Umzugs nach Nordelta war, kann man sich Hector in dieser gekünstelten Umgebung nur schwer als lebensfähig vorstellen. Mit seinem Drang, körperlich zu arbeiten und sein Grundstück selbst in Ordnung zu halten, wird Hector hier bald anecken.

Ein Trappistenmönch, der Einlass begehrt in die längst nicht mehr sichere Welt von Pelusas Familie, wird zu einem der Katalysatoren in Guses dystopischem Szenario. Pelusa hat sich lange schon ausgeklinkt, indem sie mit einer Freikirche sympathisiert, die das Land von den USA aus missioniert. Der zehnjährige Henny lebt in seiner sonderbaren eigenen Welt; er wird zur realen Gefahr in der Eskalation der gegenseitigen Abschottung. Ignacio, der durch seine Berufstätigkeit bis dahin so normal wirkende Familienvater, bereitet sich als „Prepper“ auf die nahende Apokalypse vor. Der Wechsel in der Erzählperspektive, der Ignacio selbst von seinem Projekt erzählen lässt, gibt Guses verstörendem Erstling über das Zerfasern einer oberflächlich geordneten Welt zusätzlichen Anschub. Der Autor demonstriert mir als Leser Gefahr, die in meinem eigenen Kopf lauert. Auch wenn ich mir zum Ende des Romans weniger ausgefeilte Beobachtung und etwas mehr Dynamik in der Handlung gewünscht hätte, empfehle ich diesen utopischen Roman gern.

°°°°
Zitat
Ich suche mir einen möglichst kräftigen Baum. Die Kerben, die ich schlage, sind hauchdünn. Die dunkle Borke platzt sofort ab. Das Harz ist warm und ich schwitze beim Entlauben des Baums und beim Abtransport. Äste und Reisig nehme ich ebenfalls mit, für den Ofen. Ich hätte jederzeit ausreichend Holz, um diesen Zaun zu ziehen. Ich lagere es unter einer Kunststoffplane nahe am Haus. Und natürlich braucht es einen Zaun, es kann gefährlich sein, in einem unfertigen Haus zu wohnen. Umherziehende Kuhherden planieren den Garten, die Hunde schei..en alles voll, reißen die Haustiere, greifen Frauen und Kinder an. Einen Zaun bräuchte es, der in die Erde geht, denn Hunde springen ja nicht; er müsste also noch nicht einmal hoch sein. Einen Zaun, der unser Grundstück markiert, das Innen und Außen. Aber kein Zaun schützt dich vor Unachtsamkeit. Man muss auf sich aufpassen, das ist das Wichtigste, sobald man das Haus verlässt, muss man wachsam sein. Nie lege ich die Axt aus der Hand, wenn ich im Wald bin, regelmäßig blicke ich hinter mich. Indem ich zu jeder Zeit weiß, was um mich geschieht, die Gegenstände, die mich umgeben, kenne und wachsam bin, kann mich nichts überraschen.“ (S. 233)
Profile Image for Esther.
Author 3 books50 followers
February 26, 2016
Wir befinden uns in Nordelta, einer Gated Community im Norden von Buenos Aires. Dieser Ort existiert im Übrigen tatsächlich. Es herrscht dort ständig eine extreme Hitze, die Menschen leben in ordentlichen Reihen aufgestellten klimatisierten Häusern und alle haben einen Pool. Das Leben unterliegt strengen Richtlinien, von Tempolimit bis hin zu welchen Pflanzen im Garten gezüchtet werden dürfen. Natürlich beobachten sich die Nachbarn und melden pflichtbewusst jedes Verhalten außerhalb der Normen.

Der Leser bewegt sich in dieser Umgebung mit der Familie von Pelusa und Hector.
Pelusa ist 41 Jahre alt, hat zwei Söhne, Henny und Ignacio, wobei sie Henny mit in die Ehe gebracht hat. Sie hat Hector vor 13 Jahren kennen gelernt, bei einem Vorfall mit einer Dogge in einer Bank. Sie fühlt sich nicht wirklich wohl in Nordelta, hat z. B. Angst dass sie am bewachten Eingang abgelehnt werden könnte. Sie scheint unter Depressionen zu leiden und kann keinen Spaß an ihrem Leben und ihren Aktivitäten finden.

Hector arbeitet in der Stadt und verlässt seine sichere Umgebung somit täglich. Einmal hat die Familie in der Stadt gewohnt, daran möchte sich aber niemand mehr erinnern.
Hector hat Angstattacken, bereitet sich mental und real auf ein Leben nach einer Katastrophe vor und verbreitet damit eine ständig düstere Atmosphäre für sich und seine Familie. Hectors Freund Alvaro hat diese Einstellung wohl mit zu verantworten und treibt sie stetig voran. Doch selbst ein simpler Feueralarm übersteigt seine Möglichkeiten.

Ignacio, der gemeinsame Sohn, ist 11 Jahre alt und scheint das am meisten angepasste Familienmitglied zu sein.

Henny ist das störende Element der Familie. Er will sich partout nicht an das geregelte Leben anpassen, er wandelt nachts bewaffnet durch die Nachbarschaft, brütet böse Jungenstreiche aus, macht abscheuliche Dinge mit Tieren und fällt immer wieder so extrem auf, dass die Familie befürchten muss, wegen ihm aus der Community verwiesen zu werden.
Henny ist der Sohn, den Pelusa mit einem mysteriösen Ich-Erzähler hat. Dieser Ich-Erzähler hat mit ihr 8 Jahre in einer selbst gebauten Waldhütte in den Anden gelebt, nachdem er mit der damals schwangeren Pelusa die Zivilisation hinter sich gelassen hatte. Pelusas erster Sohn kam bei einem Angriff eines wilden Hundes ums Leben, sie selbst hat dabei ihren Daumen verloren. Der Ich-Erzähler berichtet in Nebensätzen emotionslos von diesen Ereignissen. Überhaupt scheint er mehr als gefühlskalt, kann jedoch nicht ertragen, dass Pelusa nach dieser Tragödie wochenlang weint und mischt ihr deshalb blaue Tabletten heimlich in ihre Essen. Diese helfen ihr zwar aus der Depression, doch als sie diese in ihrem Essen entdeckt, verlässt sie den Ich-Erzähler sofort, hochschwanger mit Henny. Wahrscheinlich sind diese Medikamente für Hennys körperliche Missbildungen verantwortlich, ihm fehlt ein Auge und ein Arm ist verkrüppelt, sein Knie ist nach innen gedreht. Ich denke, dass auch sein Verhalten vom Medikamentenmissbrauch seiner Mutter gefärbt ist. Seine Erziehung hat sie jedenfalls schon vor Jahren aufgegeben und denkt ihn sich besser als er ist.

In der Handlung der Geschichte entwickeln sich zwei Stränge, die verschieden auf die äußeren Umstände reagieren. Immer wieder gibt es Berichte von Randalen, Schießereien, von Einbrüchen, die sich scheinbar der abgesicherten Community nähern. Die Angaben bleiben jedoch unkonkret und man darf ihren Wahrheitsgehalt anzweifeln.
Während Pelusa mit ihrer älteren Schwester Sara an der Eröffnung eines christlichen Gemeindezentrums im Namen von Joyce Meyer, die auch tatsächlich existiert, arbeitet, an Frieden glaubt und für diesen betet, bunkert Hector Vorräte und Notstandsutensilien, sein Freund Alvaro geht sogar noch weiter und hat außerhalb einen Bunker gebaut, und Henny träumt davon, in seiner Werkstatt ein Raumschiff zu bauen. Parallel dazu beleuchtet der Ich-Erzähler die Hintergründe aus Pelusas Leben und den Aufenthalt in dieser abgelegenen Gegend in den Anden, in der er mit einem ebenso mysteriösen Gast, dem Trappist, zurück geblieben ist. Er erzählt von seinem toten Nachbarn, dem Kanadier und seiner Frau, von seinem undefinierbaren Freund Werner, von einem toten Hund in seinem Garten, merkwürdigen Besuchern… Wie viel davon ist Halluzination?
Pelusas Einstellung zu den Nachrichten in Nordelta ist wesentlich distanzierter, sie lässt sich nicht aufhetzen, zeigt sogar Verständnis für die Menschen aus ärmeren Vierteln und positioniert sich gegen ihren Mann. Hectors unkontrollierbare Angst vor einer Katastrophe und seine entsprechenden höchst übertriebenen Vorbereitungen ufern aus und führen dazu, dass Pelusa auch ihn verlässt. Als die Situation in Nordelta zu eskalieren scheint, Bäume falsch herum eingepflanzt werden, Garagen mit Erde gefüllt werden, es in der Nacht an Haustüren klingelt, Alvaro seine Sachen packt und in den Bunker auszieht, brennt bei Hector eine Sicherung durch und er beginnt, den Pool als strategischen Rückzugsort umzufunktionieren.
Pelusa zieht mit ihren Söhnen zu ihrer Schwester. Henny verschwindet in einer Nacht von dort und schlägt sich stundenlang in einer scheinbar von Rebellen besetzten Zone durch. Was aus Pelusa, ihrer Schwester und Ignacio wird, wissen wir nicht.
Glauben wir Hectors Untergangsszenarien, müssen sie bei den Aufständen umgekommen sein. Hector hingegen hat sich im umfunktionierten Pool verschanzt und beobachtet von dort misstrauisch die Vorgänge in seiner Nachbarschaft. Auch wenn es für den Leser wie ein normal ablaufendes Leben aussieht, ist Hector davon überzeugt, nur von Kriminellen und Räubern umgeben zu sein.
Der Roman endet mit den beiden Männern, dem Ich-Erzähler und Hector, die in ihrer unfassbaren Übertreibung ihrer Eigenarten Pelusas Leben bestimmt haben und beide bis zum Ende der Meinung, richtig und gut gehandelt zu haben.

Dieser Roman soll in der Zukunft spielen, aber zumindest mir erscheinen viele der beschriebenen Umstände nicht zu arg futuristisch.
Es werden die Folgen eines Lebens in einer abgeschotteten und durchorganisierten Gesellschaftsstruktur beschrieben, die die Menschen in permanenten Angstzuständen halten, ob berechtigt oder nicht interessiert nur wenige zu hinterfragen. Die Menschen, die Situationen wirken übertrieben, abstrus, und doch gefährlich realitätsnah. Weit sind wir davon nicht entfernt…


This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Sorrel.
28 reviews
June 28, 2020
"Lärm und Wälder" ist eine klug gebaute Dystopie. Die meisten Handlungen werden von Angst & Hysterie befeuert - es gibt in diesem Buch, glaube ich, keine einzige wirklich positive Szene.
Ich lese Dystopien ansonsten auch zur Entspannung, aber hier musste ich mich wirklich überwinden bzw. am Ende eines Tages noch die nötige Kraft haben, um noch ein paar Kapitel zu lesen.

Die Sprache unterstützt das unterschwellige Angstgefühl perfekt. Selbst Szenen, die von außen entspannt wirken müssten - lesen auf der Couch, ein gemeinsames Essen, ein Ausflug in die Natur - sind gekennzeichnet von einer Wortwahl, die dieses Bild der Entspannung platzen lässt. Teilweise wirkt die bildhafte Beschreibung echt verstörend.

Den Erzählern der Handlungsstränge hab ich deshalb nie richtig geglaubt. Zum Ende hin wird immer klarer, dass die Perspektive der Erzähler von Hysterie geprägt ist und sie sich dadurch ihre eigene Wahrheit zusammenreimen. Es ist nur vollkommen unklar, wann dieser Prozess so richtig anfängt.
Pelusa - das Bindeglied zwischen den beiden Handlungssträngen - verschwindet am Ende aus der Handlung und man kann nur spekulieren, was aus ihr geworden ist. Während die Männer versuchen, mit ihren Mantras und Vorstellungen ihre eigene Haut zu retten, nabelt sich Pelusa durch Bücher und die Freikirche von der Realität ab. Es zeigt sich allerdings, dass Pelusa mit dieser Einstellung recht gut durchs Leben kommt, was man von den Männern nicht behaupten kann.

Zu guter Letzt. Does the dog die? Yup.
Profile Image for Berengaria.
1,012 reviews199 followers
December 24, 2020
*Aufgegeben/DNF*

Es hätte so schön sein können, aber daraus wurde nichts. Diesen handlungsarmen, wiedersprüchlichen Roman hab' ich auf Seite 123 aufgegeben. Schade eigentlich.
58 reviews
February 24, 2026
Vielleicht bin ich zu hart - Miami Punk war eines meiner absoluten Lieblingsbücher der letzten Jahre, so dass ich auch den ersten Roman von Juan S. Guse lesen wollte. Dieses Buch hat mich aber nie so richtig gepackt, weder am Anfang, noch später im Buch. Das Setting selbst fand ich dabei nicht unspannend, aber die Charaktere haben mich eigentlich alle nicht interessiert, und die Sprache und der Witz waren noch lange nicht so ausgeprägt wie bei Miami Punk. Dennoch hatte das Buch auch manche starken Stellen und Sätze.
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