Im 14. Jahrhundert wütet die Beulenpest im Kanton Bern. Nachdem auch ihre Grossmutter ein Opfer dieser Seuche geworden ist, holt Hanna ihren Bruder aus dem benachbarten Kloster, und zusammen fliehen sie mit unbestimmtem Ziel. Unterwegs treffen sie andere Seuchenflüchtlinge, die jetzt im Wald wohnen, und später Fanatiker, die überzeugt sind, sie könnten Gott mit Selbstgeisselungen zum Eingreifen bewegen. Über Umwege landet Hanna bei einem Stadtadeligen in Bern, der sie anfleht, seine kranke Frau gesund zu pflegen – heimlich, da man noch nicht weiss, ob auch hier wieder die Pest zugeschlagen hat. Dazwischen sind Immer wieder Splitter aus der "Gegenwart" ( bzw. frühe 1990er Jahre, als das Buch erschien) eingestreut, die auf die moderne Seuche AIDS aufmerksam machen.
Es ist eine seltsame Welt, die der Autor hier zeichnet. Die Solidarität der Menschen untereinander ist der Angst gewichen, kaum jemand ist mehr fähig, einigermassen vernünftig zu handeln. Sehr gut gefiel mir die rhythmische, klare Sprache der Erzählung, die diese Atmosphäre, aber auch Details aus der Natur, sehr schön einfängt. Etwas weniger geglückt sind einige Nebenfiguren, vor allem Männer, die recht klischeehaft daherkommen. Und wenn dann im mittelalterlichen Bern ein Drogenjunkie, ein Polizist mit Schlagstock und ein Funkgerät auftauchen, ist das für meinen Geschmack keine gelungene Verbindung der beiden Erzählebenen, sondern ziemlich ärgerlich, zumal der Rest historisch glaubwürdig wirkt. Zum Glück sind diese nur ganz kurze „Ausrutscher.
Dafür einen kleinen Abzug, aber insgesamt ein empfehlenswertes Buch.