Vierzig Jahre nach der Durchsetzung des Morgenthau-Plans ist Deutschland eine rückständige Agrarnation ohne jede Industrie. Die Städte sind verfallen, die Bevölkerung ist verarmt. Aber die Nazis, mächtiger denn je in ihrer südamerikanischen Andenfestung, erheben Anspruch auf die Weltherrschaft und erwarten die Wiederkunft des Führers.
Ein Roman von albtraumhafter atmosphärischer Dichte und − auch dreißig Jahre nach seinem ersten Erscheinen − von beklemmender Aktualität.
Ausgezeichnet mit dem Kurd-Laßwitz-Preis als bester Roman des Jahres.
Ein düsterer Alternativ-Roman, in der der Morgenthau-Plan für das besiegte Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg umgesetzt wurde. Wie immer atmosphärisch und stilsicher von Ziegler geschrieben. Aber er in dieser Version des Romans gibt es keinen guten Ausgang.
Den (1993 überarbeiteten) Kurzroman von Thomas Ziegler kann man am ehesten in die Kategorie Parallelwelt/Mystery einordnen. Ähnlich wie in Philip K. Dicks "Orakel vom Berge" (engl.: "The Man in the high castle") wird in dem Roman ein alternativer Ausgang des 2. Weltkriegs beschrieben. Der Krieg endet im Roman mit dem Abwurf einer Atombombe auf Berlin (statt auf die japanischen Städte). Die in Wirklichkeit erfolgten Bemühungen der Alliierten für den Wiederaufbau Deutschlands und eine Zusammenarbeit mit der Bevölkerung gibt es im Roman nicht, was dazu führt, dass sich große Teile der Bevölkerung stärker radikalisieren und sich zum Nationalsozialismus hinwenden, anstatt sich davon abzuwenden. In diesem Punkt kann man vielleicht Parallelen zu den tatsächlichen jüngsten Entwicklungen (Sommer 2021) in Afghanistan sehen.
Hauptpunkte des Romans sind ganz klar die unmenschlichen Verbrechen der Nazis im 2. Weltkrieg und die Gefahr des Neonazismus in neuerer Zeit, bis hin zur Gefahr eines neuen Weltkriegs. Darüber hinaus enthält der Roman einige Mystery-Elemente (die titelgebenden "Stimmen der Nacht").
Den ursprünglichen Schluss der 1984-er Fassung des Romans kenne ich nicht; ich habe die überarbeitete Fassung von 1993 gelesen, deren Schluss sich auf einige Ereignisse bezieht, die der Autor 1984 noch nicht erahnen konnte. Das Ende in dieser Neufassung ist auf jeden Fall recht schlüssig und wertet den Roman noch etwas auf.
Alles in allem ist das Buch ganz okay, aber die große Klasse eines "Orakel vom Berge" hat der Roman dann doch nicht. Die Handlung erscheint an einigen Stellen etwas überhastet und nicht immer ganz logisch. Darüber hinaus gibt es für die Mystery-Elemente am Ende des Romans eine plausible Auflösung; bevor es zu dieser Auflösung kommt, wird die Handlung um die "Stimmen der Nacht" aber immer surrealer, was den Leser schon erahnen lässt, dass es dazu auf die ein oder andere Weise eine überraschende Auflösung geben wird.